KORPUS: Interview mit Sandro

17.06.2013 | 19:15

Es sind deftige Töne, die uns da heimsuchen. Progressiver Death Metal, der über den Tellerrand hinausschaut, scheint eine Spezialität von KORPUS-Jungs zu sein, die mit ihrem neuen Werk "Ebenbild" am Start sind. Dies nahmen wir zum Anlass, Bandmember Sandro einige brennende Fragen an den Latz zu schmeißen.

Hallo Sandro. Marcel von POWERMETAL.de hier. Vielen Dank für eure Zeit. Zunächst einmal die obligatorische Frage, wie es euch im KORPUS-Lager so ergeht?

Grüß dich Marcel! Bei uns läuft alles bestens, die Scheibe kommt gut an und die Resonanz ist bislang durchweg positiv.

"Existenz" hat bereits zwei Jahre auf dem Buckel. Was ist in der Zwischenzeit bei euch so passiert? Welche nennenswerten Ereignisse könntet ihr uns kurz schildern?

Nunja, "Existenz" war letztendlich der kompromisslose Befreiungsschlag, das Drängen an die Oberfläche. Es war ein notwendiges Album. Wir hatten damals viele Schwierigkeiten, schleppten die Probleme von einer Station zur nächsten. Wir hatten kurz vor der Aufnahme des Albums signifikante Besetzungswechsel zu verzeichnen. Das hört man dem Endresultat natürlich an... "Existenz" war alles andere als perfekt, ziemlich roh, ungeschliffen und an vielen Stellen quasi unfertig. Natürlich macht diese Naivität auch einen gewissen Charme aus. Nichtsdestotrotz öffnete es uns die Türen für größere Bühnen und machte uns im Underground recht bekannt. Wir wussten allerdings schnell, was wir danach anders machen wollten.

Kam euer Debüt (zumindest bei mir) nicht ganz so gut weg, habt ihr mit eurem neusten Streich "Ebenbild" einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. In wie fern hat sich die Band weiterentwickelt und was wolltet ihr anders machen?

Zunächst wollten wir weg von den Zwängen, die wir uns selbst auferlegt hatten. In erster Linie war es unser Ziel, die Songs für sich sprechen zu lassen. Unser Debut-Album wirkte dahingehend noch ziemlich zerfahren, da wir versuchten, all unsere musikalischen Facetten in einen Song einzubringen. Bei "Ebenbild" gingen wir wesentlich subtiler vor, gaben unseren Ideen die Möglichkeit sich in alle Richtungen zu entfalten, ohne sie künstlich zurecht zu formen. Dadurch wurde das Songwriting direkter und greifbarer. Jeder Song hat seine eigene Identität, wodurch im Zusammenspiel ein vergleichsweise homogenes Album entstanden ist.

Progressiver, verfrickelter Death Metal ist nicht unbedingt leichte Kost. Wenn auch noch - zumindest für diese Sparte untypische - deutsche Lyrics hinzukommen, wird der Zugang zu eurer Musik noch etwas schwieriger. Habt ihr kurze Zeit überlegt, auch englische, etwas typischere Texte mit einzubeziehen?

Texte in englischer Sprache waren und werden niemals eine Option für uns sein. Das würde unser musikalisches Konzept auf den Kopf stellen und nicht zu uns passen. Natürlich wäre es einfacher, damit ein großes Publikum zu erreichen. Für mich als Texter ist es jedoch sehr wichtig, dass ich meine Gedanken und Gefühle auf metaphorischer Ebene und in lyrischer Form darbieten kann. Die deutsche Sprache gilt zu recht als Sprache der Dichter und Denker. Es ist merkwürdigerweise wesentlich schwerer einen deutschen Text zu schreiben, der zu Herzen geht, als einen englischen – der oftmals ziemlich plakativ daherkommt. Dieser Umgang mit unserer Muttersprache ist uns sehr wichtig und in der Metalszene leider ein ziemliches Novum geworden. Außerdem tanzen wir gerne ein bisschen aus der Reihe...

Meine Favoriten auf eurem neuen Album sind der rasende 'Zerstörer', das wahnsinnige 'Purgatorium' sowie der Mammut 'Traumfänger'. Verfolgt ihr auf "Ebenbild" ein bestimmtes Konzept?

Ja und Nein: Die Songs sind inhaltlich miteinander verflochten und weisen einige Parallelen auf. Allerdings handelt es sich bei "Ebenbild" um kein Konzeptalbum. Jeder Song steht für sich allein und dennoch zieht sich ein roter Faden durch Texte und Kompositionen. Es geht um Selbstreflexion, Ängste vor seinen inneren Dämonen und darum, sich seinen Sünden zu stellen. Im Prinzip nachvollziehbare Themen, teilweise literarisch inspiriert und aufgearbeitet. 'Zerstörer' handelt zum Beispiel davon, dass man durch sein Fehlverhalten und Versagen alles zerstört was man liebt. In 'Purgatorium' geht es um Identitätsverlust und den Wunsch sich der Mehrheit zu opfern um akzeptiert zu werden. 'Traumfänger' wiederum ist unser progressivstes Stück auf dem Album und ist musikalisch und textlich die Vertonung eines durchlebten Albtraums.

An welchen namhaften Bands orientiert ihr euch? Und welche Arten von Musik, die ihr auch privat hört, fließt in den gesamten KORPUS-Sound ein?

KORPUS ist für uns ein Sammelsurium verschiedenster Einflüsse und dennoch stilistisch klar definiert. Musikalisch ist jedes Bandmitglied auf seine Weise geprägt und bezieht seine Inspiration aus den unterschiedlichsten Genres, egal ob Oldschool Death, Stoner, Black Metal, Dark Wave, Progressive Metal, Heavy Metal, Djent oder Hardcore...  Formationen wie MACHINE HEAD, OPETH, MESHUGGAH, SLAYER, LAMB OF GOD, TRIVIUM, ALL SHALL PERISH und RAMMSTEIN stehen allerdings bei uns allen hoch im Kurs und sind wohl daher akustisch am ehesten in unserem Sound auszumachen.

Habt ihr vor, mit "Ebenbild" auf Tour zu gehen? Wenn ja, sind schon etwaige Live-Aktivitäten und/oder Festivalauftritte geplant, die ihr nun zum Besten geben könnt?

Wir planen eine Tour im Herbst mit unseren Dresdner Kollegen von BEISSERT, wobei ich dir hierzu noch keine konkreten Angaben machen kann. Natürlich kann man uns dieses Jahr noch auf zahlreichen Live-Events und Festivals begutachten. Für genauere Informationen schaut ihr am besten auf unsere Homepage.

Sodann wäre ich mit meinen Fragen am Ende und bedanke mich vielmals für deine Zeit und Geduld. Ich wünsche dir und euch mit "Ebenbild" viel Erfolg. Die letzten Worte gebühren natürlich dir.

Wer auf authentischen, emotionalen Death Metal mit grooviger Thrash-Schlagseite steht und das eine oder andere musikalische Experiment nicht scheut, der sei angehalten, unsere Songs anzuchecken. Vielen Dank an alle Supporter, Freunde und Fans, die unser Album gekauft haben und unsere Gigs besuchen! Ihr seid wahrlich großartig und wir werden euch nicht enttäuschen. Danke auch dir für dieses Interview!

Redakteur:
Marcel Rapp

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