METAL DE FACTO: Einmal Japan und zurück

04.03.2026 | 18:18

Nach eins kommt zwei – so auch bei METAL DE FACTO! Nachdem die Power-Metaller erst vor zwei Jahren musikalisch das Land der aufgehenden Sonne besucht haben, kehren Gitarrist Esa Orjatsalo und Konsorten zurück nach Japan, um diesem eindrucksvollen Land Ausdruck zu verleihen – mit Melodien, Hymnen und Harmonien so weit das Auge reicht. Mit Esa sprachen wir auch genau über Japan, ließen unser Japanisch etwas auffrischen und schauten vorsichtig in die Zukunft.

Esa, wie geht es euch und wie ist die Stimmung bei METAL DE FACTO?
Hallo Marcel! Wir freuen uns, das Interview mit dir zu machen! Hier ist alles gut, wir sind gespannt und warten sehnsüchtig auf die Veröffentlichung unseres neuen Albums! Es sind aufregende Zeiten, hoffentlich können wir bald auch weitere Shows ankündigen.

Vor genau zwei Jahren habt ihr den ersten Teil eurer Asien-Reise veröffentlicht. Kannst du mir ein kleines Update geben, was seitdem bei METAL DE FACTO passiert ist und wie ihr "Land Of The Rising Sun – Part 1" im Nachhinein bewertet?
Ist das schon zwei Jahre her? Die Zeit vergeht manchmal wirklich wie im Flug. Wir haben ein paar Shows gespielt, nachdem das vorherige Album veröffentlicht wurde, und dann ziemlich sofort angefangen, an Teil zwei zu arbeiten. Die Aufnahmen und das Abmischen haben etwas länger gedauert als ich erwartet hatte und wir haben mitten im Prozess auch das Label gewechselt, aber alles in allem war es zum Glück keine so lange Pause zwischen den Alben. Rückblickend hätte ich beim ersten Teil eine Menge Dinge anders gemacht, vor allem was die Aufnahmen und das Abmischen angeht, aber es ist gut, sich zwischen den Alben weiterzuentwickeln.

Nun kommt also der zweite Teil. War von Anfang an klar, dass es sich um eine mehrteilige Serie handeln würde? Wurden beide Teile in einem Zug fertiggestellt?
Ja, als wir mit der Produktion unseres zweiten Albums begannen, war klar, dass es ein zweiteiliges Album werden würde. Wir hatten zu dieser Zeit so viele gute Songs geschrieben, dass die Aufteilung des Albums in zwei Teile für uns notwendig war.

Was fasziniert dich an Japan? Was macht das Land der aufgehenden Sonne für dich so attraktiv? Warst du schon einmal dort?
Ich persönlich war noch nie dort, jedes Mal, wenn sich die Gelegenheit ergab, nach Japan zu reisen, kam etwas dazwischen und die Reise wurde abgesagt. Ich hoffe wirklich, dass wir nach der Veröffentlichung von Teil zwei für Konzerte dorthin reisen können. Ich war schon immer von der japanischen Kultur und Ästhetik fasziniert. Ich habe meine Seminararbeit an der Universität über die Kunstmusik Japans geschrieben. Das reiche kulturelle Erbe und die Bräuche usw. faszinieren mich unendlich.

Dies ist euer erstes Album mit Reaper Entertainment. Warum der Wechsel und was bietet euch euer neues Label?
Rockshots hat bei den beiden vorherigen Alben großartige Arbeit geleistet. Sie haben uns aus der Unbekanntheit zu einem gewissen Bekanntheitsgrad innerhalb des Genres verholfen. Wir stehen immer noch in Kontakt mit ihnen und sie waren am Anfang großartig für uns. Reaper hat etwas mehr Ressourcen und Verbindungen in der Branche und hat uns einen gut durchdachten Fahrplan vorgelegt, dem wir nun folgen werden. Die Zusammenarbeit mit ihnen war bisher großartig und wir haben Ideen und Pläne ausgetauscht, um wirklich voranzukommen.

Für mich scheint der zweite Teil etwas konsistenter und die Songs eingängiger zu sein. Was siehst du als Unterschiede zwischen den beiden Teilen?
Ich bin die Produktion von Teil zwei ganz anders angegangen als bei Teil eins. Wir haben ein riesiges Studio gemietet, in dem wir das Schlagzeug aufgenommen haben, und ich habe mich entschieden, diesen Sound als Grundlage für das neue Album zu verwenden. Ich habe unzählige verschiedene Gitarrenverstärker getestet und mich schließlich für Soldano und Revv Generator entschieden, da dieser Verstärkersound genau das ist, was ich für dieses Album gesucht habe. Außerdem haben wir die Songs dieses Mal so arrangiert, dass sie alle gut zu Aitors Stimmumfang passen. Im ersten Teil wurden viele Gesangslinien für unseren früheren Sänger Mikael Salo geschrieben, dessen Stimme und Ton etwas anders sind als die von Aitor. Im ersten Teil kam Aitor mitten im Prozess dazu. Jetzt haben wir den Prozess für den zweiten Teil gemeinsam mit ihm begonnen, und er hatte auch die Möglichkeit, seine Sichtweise auf die Songs und Gesangsmelodien einzubringen.

'Across The Milky Way' ist ein echter Ohrwurm, Power Metal par excellence. Was macht diesen Song zur perfekten Single für euch? Und warum war er nicht auf dem ersten Teil enthalten?
Danke! Er wurde tatsächlich ernsthaft für den ersten Teil in Betracht gezogen, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass er noch etwas mehr Arbeit braucht. Wir haben einige Dinge an dem Song geändert und ich muss sagen, dass es gut war, das zu tun, denn jetzt funktioniert der Song viel besser als in seiner vorherigen Version.

Das Album beginnt mit einer Hommage an einen berühmten buddhistischen Tempel in Minato City. Was macht diesen Tempel für dich so reizvoll?
Wie gesagt, leider war ich noch nie in Japan, was ich aber hoffentlich bald ändern kann. Der Sengakuji-Tempel ist die letzte Ruhestätte der siebenundvierzig Ronin (in Anlehnung an den Akō-Zwischenfall), über die wir den letzten Song auf Teil eins geschrieben haben. Das Anfangsthema des Songs ist eigentlich dasselbe Thema, mit dem das vorherige Album endet, wodurch die beiden Alben in gewisser Weise miteinander verbunden sind.

Was genau bedeutet der fünfte Titel 'スズメの群れ'? Leider ist mein Japanisch etwas eingerostet...
Ich habe dieses schwebende und flatternde Gitarreninstrumental geschrieben und wollte es als Intro für 'Beauty And Fury' verwenden. Das Ende des Instrumentals erinnert mich irgendwie an Vögel, die in Büschen oder Bäumen zwitschern und flattern. Der Name bezieht sich also auf einen Vogelschwarm.

Gibt es Pläne, mit beiden japanischen Teilen einen Abstecher nach Deutschland zu machen oder auf einem oder zwei Festivals zu spielen?
Im Moment haben wir noch nichts Konkretes für Auftritte in Deutschland, aber wir wollen auf jeden Fall dort spielen! Hoffentlich bald! Und wenn ihr wollt, dass wir in eurer Stadt spielen, sagt das bitte euren lokalen Konzertveranstaltern, die können normalerweise helfen. Wir wollen in Zukunft ausgiebiger touren.

Während Petri den Geist von CHILDREN OF BODOM in WARMEN erweckt, sorgt Sami für perfekten Power-Metal-Sound in METAL DE FACTO. Wie sind die Einflüsse von ENSIFERUM [in Person von Sami Hinkka - d. Red.] oder BLOODY HELL [durch Esa Orjatsalo himself - d. Red.] in METAL DE FACTO erkennbar?
Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht! Ich habe gerade erst angefangen, darüber nachzudenken. Für mich ist BLOODY HELL eher eine rohe Rock'n'-Roll-Attitüde, während METAL DE FACTO etwas kontrollierter ist. Bei BLOODY HELL lasse ich mich sozusagen mehr gehen, ich spiele einfach, was mir gerade in den Sinn kommt. Bei METAL DE FACTO ist alles eher geplant. Außer vielleicht bei den Soli, wo ich die größten Ähnlichkeiten zwischen BLOODY HELL und METAL DE FACTO sehe.

Da ihr letztes Jahr auch 'Lake Bodom' gecovert habt, welchen Einfluss hatte CHILDREN OF BODOM auf euch und den Sound von METAL DE FACTO?
Ich habe Alexis Spiel immer bewundert. Er war ein phänomenaler Gitarrist. Ich habe die ersten paar Alben von BODOM wirklich genossen, aber irgendwann habe ich sie irgendwie aus den Augen verloren. Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich andere Musik gehört habe, und zu diesem Zeitpunkt habe ich auch irgendwie den Überblick darüber verloren, was CHILDREN OF BODOM so gemacht hat. Ich habe nie wirklich viel von Alexis Licks oder so gelernt. Ich bin im selben Jahr wie er geboren und ich glaube, wir hatten viele gegenseitige Einflüsse. Als ich 'Lake Bodom' gelernt habe, habe ich gemerkt, dass es mir irgendwie ganz natürlich von der Hand ging. Ich habe auch immer bewundert, dass CHILDREN OF BODOM zwei Gitarren eingesetzt hat, sodass beide unterschiedliche Dinge spielen und nicht nur Kopien der Gitarren auf beiden Seiten des Stereofeldes. Ich glaube, das ist einer der größten Einflüsse für mich.

Was möchtest du noch loswerden über eurer wirklich famoses Album?
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt! Und danke für das Kompliment zum Album, das freut mich wirklich sehr! Ich hoffe, dass auch andere Leute Spaß an unserem neuen Material haben und ich hoffe natürlich, euch alle irgendwo auf Tour zu sehen!

 

Fotocredits: Lana Gonch

Redakteur:
Marcel Rapp

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