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SACRED DAWN: Interview mit Lothar Keller

15.12.2006 | 15:35

In der Kategorie "Newcomer des Jahres" darf man für das Jahr 2006 keinesfalls SACRED DAWN vergessen. Die Amis haben mit "Gears Of The Machine" ein sattes, traditionelles Heavy-Metal-Album mit jeder Menge Power abgeliefert, wie es leider schon länger nicht mehr zur Tagesordnung gehört.
Da sowohl die Leistung der Gitarristen Lothar Keller und John Vitale, wie auch jene der Rhythmusabteilung Joey Vega (b.) und Brad "Sabbath" (dr.) keine Wünsche offen lässt und Lothar zudem auch noch ein begnadeter Sänger ist, darf man SACRED DAWM durchaus mit zu den Entdeckungen des Jahres zählen.
Dringend Zeit also, die Band zu einem Interview zu bitten.

Walter:
Obwohl ich guter Hoffnung bin, mit meiner Euphorie einen Teil der Leserschaft für euch begeistert zu haben, bedarf es dennoch erst einmal einer Vorstellung der Band, bevor wir uns intensiver unterhalten.

Lothar:
SACRED DAWN basieren im Prinzip auf meiner Idee und Intention einer Heavy-Metal-Band. Ich hatte eine Vision einer solchen Band vor Augen, musste jedoch die Sache zunächst als Solist in Angriff nehmen, da ich keine geeigneten Musiker kannte. Als ich einige Songs fertig gestellt hatte, machte ich mich intensiv auf die Suche nach Musikern um endlich eine Band zu gründen. Erst als mich in Chicago nach Musiker umgesehen hatte, konnte ich Leute finden, die meine Ideen teilten und SACRED DAWN waren geboren.

Walter:
Lag es lediglich an der Tatsache, dass es in unmittelbarer Umgebung keine Musiker zu finden gab, oder waren es musikalische Gründe, die jene Zeitspanne verursachten, bis SACRED DAWN endlich als Band existiert haben?

Lothar:
An der musikalischen Ausrichtung kann es nicht gelegen haben, denn obwohl wir verschiedene Favoriten haben, so gibt es doch zahlreiche Bands, die alle Bandmitglieder sehr gerne hören und durch deren Einfluss auch unsere ersten Songs entstanden sind. Seit den Anfangszeiten der Band haben wir alle die gleichen Favoriten, nämlich IRON MAIDEN, NEVERMORE, FATES WARNING und DREAM THEATER. An diesem Umstand kann es also nicht gelegen haben. Eher war es die Tatsache, dass ich zu Beginn lokal eingeschränkt war und dadurch war es recht schwierig überregional Kontakte zu knüpfen.

Walter:
Habt ihr eigentlich so etwas wie ein Image? SACRED DAWN suggeriert als Name ja einigermaßen den so genannten "White Metal", ist da etwas dran?

Lothar:
Einen Namen für eine Band zu finden ist generell nicht besonders kompliziert. Jeder Musiker hatte seine Ideen, die wir dann allesamt notiert haben. Später haben wir dann intern darüber abgestimmt und als einer der letzten drei Vorschläge blieb auch SACRED DAWN über. Wobei ich aber dazu sagen muss, dass wir mit religiösen Themen nichts am Hut haben. Auch wenn unser Name danach klingt und wir Respekt vor religiös inspirierter Musik haben, wurde der Name SACRED DAWN deshalb ausgewählt, weil er schlicht und ergreifend gut klingt. Auch ein Image haben wir nicht wirklich, wir sich einfach eine Heavy-Metal-Band, ich hoffe, das reicht, haha.

Walter:
Völlig, denn in erster Linie ist es ja die Musik, die beeindrucken sollte und das ist euch mit "Gears Of The Machine" gelungen. Wie lässt sich denn die musikalische Entwicklung der Band seit den Ursprüngen beschreiben?

Lothar:
Durch die Tatsache, dass es am Anfang recht chaotisch zugegangen ist, denke ich, dass sich SACRED DAWN ganz gut entwickeln konnten. Für die Zukunft bin ich ebenso zuversichtlich, denn wir sind regelrecht zusammengewachsen und dadurch darf man für weitere Veröffentlichungen auch einiges erwarten. Alle involvierten Musiker sind sehr kreativ und haben viele Songideen, so dass es richtig Spaß macht zusammen neue Songs zu schreiben. Musikalisch wird sich jedoch nicht großartig etwas ändern, denn an unserem Stil, den ich schlichtweg als zeitlosen Heavy Metal beschreiben möchte, wird sich bestimmt nichts ändern.

Walter:
Das ist auch gut so. Seid ihr dementsprechend auch eher "altmodisch", wenn es um Aufnahmen oder den Austausch von Songideen geht? Sprich, was wird bei SACRED DAWN bevorzugt, der Proberaum oder das Internet?

Lothar:
Manchmal tauschen wir uns zwar auch über das Netz aus, doch im Grunde sind wir eher traditionell veranlagt, denn wir proben bis zu dreimal die Woche.

Walter:
Das klingt nach mächtig Herzblut, das für SACRED DAWN aufgewendet wird. Wie entstehen neue Songs im Regelfall bei euch?

Lothar:
Grundsätzlich ist es so, dass zuerst die Musik fertig ist und dann erst der Text geschrieben wird. Speziell bei mir kommt es aber auch immer vor, dass mir eine Idee für ein Riff oder einen ganzen Song irgendwo in den Kopf schießt und ich diese nicht an Ort und Stelle festhalten kann. Zu Hause versuche ich mich dann daran zu erinnern und nehme alles auf einen Rekorder auf, damit nichts verloren geht. Wenn eine Nummer dann halbwegs fertig gestellt ist, versuche ich mich in die Stimmung hineinzuversetzen um einen passenden Text zu finden. In Zukunft werden wir vier jedoch wesentlich enger zusammen an den Songs arbeiten, weshalb alles einfacher sein sollte. Durch die Tatsache, dass auch die anderen Musiker in der Band sehr talentiert sind, werden mit Sicherheit viel mehr Ideen auf den Tisch kommen. Ihr dürft also gespannt sein!

Walter:
Sind wir, sind wir. Sehr talentiert dürfte auch euer Cover-Zeichner sein, denn "Gears Of The Machine" kann sich nicht nur hören, sondern auch sehen lassen.

Lothar:
Das Motiv hat sich unser Marketing- und Promotionmanager ausgedacht und auch entworfen. Das Cover ist eine gelungene Kombination aus allem, wofür SACRED DAWN stehen. Wenn jemand etwas Spezielles in das Motiv interpretieren will, ist das gut so, denn wir haben da sehr wohl jedem Fan seinen Freiraum belassen. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich manche Leute ein und dasselbe Bild interpretieren.

Walter:
Auch die Texte scheinen durchaus mannigfaltig zu sein. Könntest du uns etwas zum Thema "Texte" verraten?

Lothar:
Natürlich versuchen wir möglichst zur Musik passende Texte zu schreiben, auch wenn das nicht immer einfach ist. An Themen ergibt der Alltag Ideen genug, sei es nun, dass ein Text von Religion, Politik oder einem anderen Thema handelt. Es ist uns auch ein Anliegen, dass unsere Texte nicht in irgendeiner Form auf bestimmte Regionen beschränkt sind, sondern für Fans auf der ganzen Welt denselben Sinn ergeben.

Walter:
Konzeptalbum ist "Gears OF The Machine" definitiv keines, aber einen Zusammenhang zwischen einigen Songs konnte ich doch erkennen.

Lothar:
Exakt. Der Titelsong, 'White Road, Black Sun' und 'Soldier's Plea' haben einen politischen Hintergrund und sind im Prinzip aus derselben Sichtweise geschrieben. Generell haben wir uns auch was die Texte betrifft, an der alten Schule des Heavy Metal orientiert. Es kann also durchaus sein, dass manchem Hörer die eine oder andere Textidee bekannt vorkommt.

Walter:
Daraus schließe ich, dass Politik und Musik an sich die wichtigsten Einflussquellen für SACRED DAWN darstellen.

Lothar:
Das kann man durchaus so stehen lassen. Wie schon gesagt, die Songs mit politischem Hintergrund habe ich ja schon genannt, 'I'm The One', 'Approval' und 'Master Of Thought' handeln von Selbstwertgefühl und ähnlichem, 'Shadows' oder 'Hatred' basieren dagegen eher auf Beziehungsthemen und Emotionen. Völlig aus dem Rahmen fällt nur 'Walls Of Jericho', denn dieser Song handelt von einem Wrestler.

Walter:
Interessant. Vielleicht kommt es da demnächst wieder einmal zu einer Kooperation einer Heavy-Metal-Band und einem Wrestler. Wäre zumindest keine schlechte Idee für das eine oder andere Konzert. Bislang wissen wir hierzulande ja noch nichts über Live-Aktivitäten von SACRED DAWN. War da bisher noch nichts?

Lothar:
Oh doch. Wir durften bereits für Größen wie LOUDNESS und ION VEIN eröffnen, aber auch unser Gig als Opener für die EPICA / KAMELOT – Tour war ein sehr großer Erfolg für uns. Ansonsten beschränkt sich unsere Erfahrung aber eher auf kleine Gigs in lokalen Clubs.

Walter:
Ist denn in Zukunft mehr auf diesem Sektor geplant?

Lothar:
Wir hoffen zunächst einmal, dass wir auch in Zukunft für bekanntere Bands hier bei uns eröffnen können, denn dabei kann man nicht nur Erfahrung sammeln, sondern auch viele neue Fans gewinnen. Abgesehen davon wäre es natürlich ein Traum auch endlich einmal in Europa spielen zu dürfen, aber diesbezüglich gibt es leider noch nicht einmal Anfragen.

Walter:
Schade, aber Labels werden doch schon angeklopft haben um euch unter Vertrag zu nehmen?

Lothar:
Leider kann ich noch nicht behaupten, dass wir bereits ein Deal unterschrieben haben, aber zumindest haben wir schon mehrere Angebote vorliegen und befinden uns im Moment in jener Phase, in der wir den besten Deal auszuhandeln versuchen. Es sieht also zumindest dafür nicht schlecht aus.

Walter:
Dann könnte zumindest in näherer Zukunft auch auf den Bühnen etwas gehen. Gibt es denn bestimmte Länder, von wo SACRED DAWN bislang das meiste Feedback von Fans erhalten haben?

Lothar:
Unsere Brüder im Geiste scheinen vorwiegend in Europa zu leben, denn bislang haben wir einige sehr positive Fanmeldungen aus Deutschland, Griechenland, Dänemark und Österreich (yyeessss:-)) erhalten. Zudem scheint man sich auch in Kanada für uns zu interessieren, doch der überwiegende Teil unserer Fans ist mit Sicherheit noch immer in Chicago beheimatet.

Walter:
Klingt plausibel. Wie ist es denn um die Szene in Chicago im Moment bestellt?

Lothar:
Hier floriert der Heavy Metal wieder! Es gibt eine Menge an wirklich guten lokalen Bands, aber auch jede Menge Tribute-Bands, die mehr oder weniger ihr Geld mit der Musik anderer verdienen. Wir sehen uns als festen Bestandteil dieser Szene, haben ein sehr gutes Verhältnis zu den anderen Bands und hoffen mit unserer Musik ebenso viele Fans erfreuen zu können wie unsere Freunde.

Walter:
Da kann man euch nur beglückwünschen. Hoffentlich bleibt es auch in Zukunft so. Zum Schluss würde es mich interessieren, womit ihr eure Fans in Zukunft bei Laune halten werdet?

Lothar:
Anfang des kommenden Jahres werden wir unseren Fans eine Überraschung anbieten und etwas veröffentlichen, das unter anderem auch einen Song enthält, den wir bislang noch nicht aufgenommen haben, die Fans diese Nummer aber von den Live-Shows her bereits kennen.
Ich hoffe, die Fans freuen sich ebenso darauf wie wir und außerdem möchte mich nochmals für die Möglichkeit eines Interviews bei euch bedanken!

Redakteur:
Walter Scheurer

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