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STYGMA IV: Interview mit Ritchie Krenmaier

01.01.1970 | 01:00

Die Österreicher STYGMA IV haben eine Historie hinter sich, die man nicht seinem schlimmsten Feind wünschen würde. Abseits des Hickhacks um Bandnamen, Label und vieles, vieles mehr kann man dem Herrgott nur danken, dass er den Jungs um Sangeswunder Ritchie Krenmaier solch einen eisernen Willen in die Brust verpflanzt hat. Trotz aller Widrigkeiten des Business sind sie immer noch da und veröffentlichen in relativ regelmäßigen Abständen ein Weltklassealbum nach dem anderen. Und so ist es auch 2004 mal wieder soweit. Die Metal-Journalie, in diesem Fall ich, wurde mit dem neuen Masterpiece "Hell Within" förmlich überrollt. Bei allem gewohnten musikalischen Niveau hätte nämlich auch ich nicht solch ein bärenstarkes Metalalbum erwartet, das die Großen der Szene ziemlich alt aussehen lässt. Auf jeden Fall wollte ich besagten Ritchie Krenmaier persönlich zu Wort kommen lassen und kontaktierte ihn in seiner malerischen Heimat.


Alex:
Hi Ritchie! Ich verfolge eure Karriere jetzt schon seit Ewigkeiten und habe immer gehofft, dass sich doch noch ein finanzstarkes Label an euch vergreift. Ist immer noch kein Land in Sicht?

Ritchie:
Ich freue mich sehr dir mitteilen zu können, dass wir mittlerweile einen neuen Deal an Land ziehen konnten! Wir haben Ende September bei S.A.D Records unterschrieben und sind mit der bisherigen Zusammenarbeit sehr zufrieden. Es wurden mittlerweile "Phobia", "The Human Twilight Zone", "A History In Pain - Live" und "Hell Within “zu sehr moderaten Preisen wiederveröffentlicht. "Hell Within" gibt es auch als durchnummerierten limitierten Digipack zum special price! Die Alben sollten mittlerweile wieder überall in Deutschland erhältlich sein. Es sieht also momentan ganz gut aus.

Alex:
Na Gott sei Dank! Ich hab ja bereits in meiner Einleitung die widrigen Umstände eures Karrierewegs angesprochen. Bring doch mal bitte unseren Lesern euren Leidensweg etwas näher, einen Weg, der es wirklich in sich hat.

Ritchie:
Als ich 1984 zur Band stieß, hieß sie BIG HEAT und ich fand den Namen nicht so toll. Nachdem wir unsere ersten Aufnahmen ("G.O.D.") im Kasten und als Eigenproduktion
veröffentlicht hatten, benannten wir uns in STIGMATA um. Wir unterschrieben bei Modern Music und veröffentlichten "Solum Mente Infrmis". Kurz nach unserer anschließenden Europatour mit RIOT und VIRGIN STEELE ereilte uns die Nachricht, dass es Probleme mit dem Bandnamen geben würde. Also benannten wir uns auf Anraten des Labels in STIGMATA IV um. Nach der Veröffentlichung von "Court Of Eternity" gab es dieselben Probleme wieder. Die Namensänderung ging der anderen Band nicht weit genug und unser Label wollte es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen. Leider endete das Verfahren mit einem Vergleich. Wir waren wieder gezwungen den Namen zu ändern und Modern Music trennte sich von uns. Seit diesem Zeitpunkt heißt die Band STYGMA IV.
Wir unterschrieben bei Rising Sun und veröffentlichten "Phobia" und "The Human Twilight Zone". Leider stellte sich heraus, dass Rising Sun Records finanziell angeschlagen war. Das Label musste leider zusperren. Zum Glück kamen wir relativ schnell bei NTS unter, die allerdings nach dem Frankreich-Release vom "Hell Within" dasselbe Schicksal ereilte. Günter versuchte daraufhin, einen neuen Plattenvertrag für uns an Land zu ziehen, was ihm zum Glück auch mit S.A.D. Music gelang. So, das war jetzt in Kurzfassung und ziemlich unsentimental der Leidensweg von STYGMA IV.

Alex:
Bei allen Steinen, die ihr während der letzten Dekade aus dem Weg räumen musstet, ist es verwunderlich, dass STYGMA IV immer noch am Leben ist. Das zeugt von grenzenlosem Enthusiasmus und bedingungslosem Einsatz für die Sache. Ihr scheint einhundert Prozent an euch zu glauben.

Ritchie:
Das stimmt! Wir hatten nie Zweifel an unserer Musik. Die Reaktionen bei unseren Liveshows waren und sind einfach zu gut. Außerdem kann man Musik schwer nur des Geldes wegen machen!

Alex:
Da pflichte ich dir bei. Das Hungertuch wäre ständig griffbereit. Ritchie, du hast eine sehr charismatische Stimme. Waren auch mal größere Szeneacts an dir dran um dich abzuwerben. Wenn ja, warum bist du diesen Schritt nicht gegangen?

Ritchie:
Bisher sind noch keine "unmoralischen" Angebote bei mir eingegangen. Außerdem würde ich STYGMA IV nicht verlassen. Ich wollte es immer mit meiner Band schaffen!

Alex:
Löblich! Kommen wir zu eurer neuen Scheibe "Hell Within". Ein Redaktionskollege fragte mich, nachdem er meine Rezension gesichtet hatte, ob ich von euch Provision bekommen würde, weil ich die Scheibe so in den Himmel lobte. Tatsächlich habe ich sie schon bestimmt fünfzig Mal gehört und sie wird immer noch kein bisschen langweilig. Wie siehst du selbst "Hell Within"?

Ritchie:
Ich denke, dass wir es auf "Hell Within" geschafft haben unseren Stil zu perfektionieren.
"Hell Within" ist ein reinrassiges Metalalbum geworden, auf das wir alle sehr stolz sind!
Die Songs sind sehr stark und flüssig und beinhalten trotzdem sehr ausgefeilte Arrangements.

Alex:
Ich habe euch ja songschreiberische Elemente attestiert, die auch in früheren Zeiten die Metal-Götter SAVATAGE auszeichneten. Wo die alten Helden jedoch schwächeln, haut ihr Kompositionen raus, die aus "Poets & Madmen" einen Siegeszug gemacht hätten. Diese Vergleiche liegen sicherlich auch an deinem Gesang, der teilweise sehr in Richtung jungem Jon Oliva tendiert. Stören dich solche Vergleiche?

Ritchie:
Ich versuche seit dem Beginn meiner Musikerlaufbahn eigenständig zu klingen, um der Band einen höheren Wiedererkennungswert zu geben. Der Vergleich mit Jon Oliva ehrt mich, da ich ein großer Fan der alten SAVATAGE bin. Die Presse muss ja nach Vergleichen suchen um den Lesern einen Eindruck zu vermitteln.

Alex:
Oh ja, was nicht immer leicht ist! Der Überhammer ist auf der neuen Scheibe das Zusammenspiel von Gitarre und Bass. Günther und Alex zünden ein Melodiefeuerwerk, das mir schlicht den Atem raubt. Die Fretless-Passagen sind mehr denn je in den Vordergrund gerückt. Will sagen, ihr habt euch ein wenig weg vom puren Riffing hin zu filigraner, ausgiebiger und hochemotionaler Auslebung einprägsamer Melodiebögen entwickelt. Bewusst?

Ritchie:
Ich denke, eine der Stärken von STYGMA IV war immer der Wille, unseren Stil weiterzuentwickeln. Musikalischen Stillstand gibt es leider heutzutage bei vielen Bands zu oft.

Alex:
Wenn man bedenkt, dass ihr noch nie ein potentiell starkes Label im Rücken hattet, ist es verwunderlich, was ihr schon für geile Touren hinter euch gebracht habt. Kannst du unseren Lesern ein wenig dazu erzählen?

Ritchie:
Die meisten Chancen bekamen wir auf Grund unserer professionellen Arbeitsweise auf einer Tour. Wir haben immer einen eigenen Tontechniker und Backliner mit, so dass dem Headliner nie Unannehmlichkeiten entstanden sind. So etwas spricht sich halt herum. Außerdem sind wir, glaube ich, eine sehr gute Liveband!

Alex:
Da wir gerade bei der Sache sind. Wie sieht es im Zuge der "Hell Within"-Veröffentlichung mit einer Tour aus. Habt ihr Pläne?

Ritchie:
Es ist noch nichts konkret. Wir werden aber sicher "Hell Within" 2005 in Deutschland live präsentieren.

Alex:
Wenden wir uns der privaten Seite der SYTGMA IV-Musiker zu. Ich hab ja schon euren bedingungslosen Willen erwähnt. Wie sieht es mit euren Familien aus. Welche Unterstützung lassen sie euch in diesem Krieg zuteil werden?

Ritchie:
STYGMA IV ist unsere Familie! Die Freundin von Günter gestaltet unsere Homepage und meine ex-Freundin hat die Artworks für "Phobia" und "The Human Twilight Zone" gemacht.
Den "Krieg" müssen wir aber selbst gewinnen!

Alex:
Wie würdest du dein jetziges Standing in der Metalszene werten. Bist du zufrieden mit dem Erreichten oder hast du noch musikalische Ziele?

Ritchie:
Ich hoffe (denke), dass wir es mittlerweile geschafft haben, einen gewissen Kultstatus im metallischen Untergrund zu haben. Es wäre toll, wenn wir uns in der nächsten Zeit etablieren könnten. Grundsätzlich bin ich mit dem Erreichten zufrieden. Bis auf unsere Livepräsenz, die üppiger ausfallen könnte. Meine musikalischen Ziele sind die nächsten Alben von STYGMA IV.

Alex:
Und wie sieht es mit den persönlichen Zielen aus?

Ritchie:
Mein persönliches Ziel war es immer, eine CD bei einem internationalen Label zu veröffentlichen und auf Tour gehen zu können. So gesehen habe ich meine Ziele schon erreicht! Mein neuen Ziele sind innere Zufriedenheit und das "perfekte" STYGMA IV-Album.

Alex:
Ich möchte noch ein wenig über deine düsteren Lyrics erfahren. Berichte doch bitte über das textliche Konzept auf "Hell Within".

Ritchie:
Die Texte von STYGMA IV sind immer persönlicher Natur. Auf dem Album "Hell Within" gehe ich von der Theorie aus, dass die einzige existente Hölle in uns selbst ist.
Nur wenn man sich dieser Hölle stellt, kann man ihr entkommen! Im übrigen finde ich, die Lyrics auf "Hell Within" beinhalten bei aller Düsternis immer einen positiven Aspekt. Auch wenn er nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.

Alex:
Ritchie, sei mir bitte nicht böse. Ich finde aber, der größte Hit auf "Hell Within" ist der JOHN MILES-Klassiker 'Music'. Diese Version kickt mich total aus den Latschen und ist eine der besten Coverversionen, die ich je gehört habe. Wie kamt ihr auf dieses Lied? Warum gerade 'Music'?

Ritchie:
Wir hatten schon immer eine Vorliebe für Coverversionen. Nachdem wir auf "Phobia"
das allseits bekannte 'Jesus Christ Superstar' und '22 Acacia Avenue' von IRON MAIDEN interpretiert haben, war 'Music' für uns die nächste musikalische Herausforderung. Es ist sehr befriedigend, "klassische" Rockhymnen in ein metallisches (STYGMA IV-typisches) Gewand zu stecken. Wir werden auch wahrscheinlich auf dem nächsten Album wieder eine
Coverversion haben.

Alex:
Nach all den Querelen der letzten Jahre gilt es jetzt den Blick in die Zukunft zu richten. Wie sieht die aus? Habt ihr schon konkrete Pläne?

Ritchie:
Wir haben gerade mit der Arbeit zum nächsten Album begonnen, das bei S.A.D. Musik erscheinen wird. Nächstes Jahr wollen wir "Hell Within" tourmäßig promoten und natürlich versuchen, auf vielen Festivals zu spielen.

Alex:
Da bin ich jetzt schon gespannt wie ein Flitzebogen. Ritchie, danke für dieses Interview. Ihr könnt euch meines ungeteilten Respekts sicher sein. Macht bitte weiter so und verzückt mich, wenn es geht, noch oft mit eurer Musik. Hast du noch letzte Worte für unsere Leserschar?

Ritchie:
Es würde mich sehr freuen, wenn ich bei euren Lesern Interesse für STYGMA IV wecken konnte. Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr bei den Konzerten der "Hell Within"-Tour". Watch out for the real metal of STYGMA IV. Danke!

Redakteur:
Alex Straka

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