DEAD MAN'S HAND FESTIVAL 2026 - Bochum

07.04.2026 | 15:33

29.03.2026, Zeche

Das Label Lucky Bob Records feiert den zehnten Geburtstag – nachträglich könnte man sagen. Das Festival sollte eigentlich schon im letzten Jahr stattfinden, aber es kommt halt nicht immer alles so wie geplant.

Für den heutigen Abend angekündigt ist zum einen eine Lesung mit Ralf Richter aus Peavy Wagners Biografie "SOUNDCHASER - Lebenslänglich Heavy Metal - mein Leben mit RAGE".

Darüber hinaus sechs Bands des Labels – RAGE, feat. LINGUA MORTIS ORCHESTRA, GOEFF TATE plays Operation Mindcrime, VAENTIS (als Ersatz für die ursprünglich geplanten ORPHANED LAND), TRI STATE CORNER, MISSION IN BLACK und BROKEN FATE. Ein Festival für Family & Friends. So fühlt es sich zumindest an. 

Die Zeche ist mäßig gefüllt und die Atmosphäre an diesem Sonntag ist entspannt-familiär in dieser Konzertlocation mit Kultstatus. Ja, es ist Sonntag. Das fühlt sich schon ein bisschen seltsam an.

Warum man sich einen Sonntag für diesen Festivaltag ausgesucht hat erschließt sich uns nicht, wir müssen, wie wahrscheinlich die Mehrheit der Besucher, am Montag auch wieder unserem Brotjob nachgehen. Aber gut, die Anreise war super entspannt und was hat man Sonntags schon Besseres vor.

Los geht es am Nachmittag kurz nach drei mit der SOUNDCHASER-Lesung. Das ganze moderiert von Ronny Bittner, Rock Hard, gelesen von Ralf Richter und natürlich Peavy Wagner. Es gibt Einblicke in die Bandgeschichte, beginnend in den 70ern, dem ersten Auftritt, der ersten Tour und natürlich aus Hotelzimmern fliegenden TV-Geräten.

Über die 80er mit Startschwierigkeiten bei einem kleinem Label unter Vertrag. Die internationale Bekanntheit dann ab der 90er Jahre, die erste Reise nach Fernost ... bis hin zu "Schuh des Manitu" 2004. Anmerkung Peavy: "Aus unserer Perspektive war der Song nie besonders stark, aber hat natürlich zu Popularität geführt." Nun, wer es genauer wissen möchte - nachlesen. 

Etwa eine Stunde später machen die Schweizer BROKEN FATE auf der Bühne den Anfang.

Ein ähnliches Line-up haben wir 2024 schon einmal in Siegburg gesehen – nur in einem kleineren Rahmen natürlich.

Die Band erinnert sich auch an diese Tour und laut Sänger Tobias Bänteli haben sie sich so drauf gefreut, dass sie schon einen Tag eher angereist sind und etwas reingefeiert haben.

Trotz der Feierei und der frühen Spielzeit sind sie auf der Bühne kein bisschen verschlafen. Der Sound allerdings ist noch nicht ganz da. 

Danach kommt MISSION IN BLACK auf die Bühne. Melodic-Death Metal aus Baden-Württemberg, unserer alte Heimat. Bei den ersten Takten ist der Saal noch recht leer, füllt sich dann aber doch recht zügig.

In der Zeche sind wir wahrscheinlich die einzigen, die jede Ansage komplett verstehen, aber das ist freilich völlig egal. Bei 'Oceans Of Blood' sind die Fans jedenfalls textsicher. Eine kleine, treue Fangemeinde hat sich die Plätze in den ersten Reihen gesichert und feiert begeistert.

Dann gibt es direkt eine Bühnen-Premiere mit 'Rise', einem Stück vom neuen Album "Divinity Of Lies", das für Ende April bereits in den Startlöchern steht. 

Mittlerweile ist es etwas nach 18:00 h und GEOFF TATE sollte nun eigentlich mit seiner Band auf der Bühne stehen. Die Realität: Leben passiert. So kommt es, dass die Band wegen eines persönlichen Notfalls ohne den Frontmann dasteht. Alles Gute an der Stelle für die Familie. Also gibt es, etwas unerwartet, statt "Operation Mindcrime" eine Jam Session seiner Band. Wir haben den ehemaligen QUEENSRŸCHE-Frontmann erst im letzten Jahr beim Rock Hard-Festival erlebt, so beschließen wir, die Zeit zum Essen zu nutzen. Pustekuchen. Der Speiseplan ist sehr übersichtlich: Wurst gebraten. Alternativ: Wurst mit Currysoße. Brot ist aus. Für Vegetarier hieße das dann wohl Currysoße mit nix?

Die nächste Planänderung heißt VAENTIS, die Band ist kurzfristig für ORPHANED LAND eingesprungen. Stilistisch für das Line-up des heutigen Sonntags wohl der Ausreißer.

Mit ein paar frechen Ansagen versuchen die Metalcoreler aus Hamburg das Publikum direkt etwas aus der Reserve zu locken. "Wann seid ihr denn das letzte Mal gehüpft?", "Wart ihr gestern einen trinken oder doch eher Fraktion Gartenarbeit?" ... okay. Ein bisschen Altersdiskriminierung, nä?! 

Alte Metal Welt, neue Metal Welt. Der Altersdurchschnitt ist heute sicher eher so, dass das Publikum die 70er nicht nur aus Büchern kennt. "Jetzt eine Wall of Death?" ... Nö. Insgesamt finde ich den Auftritt sehr erfrischend und hörenswert, insbesondere die Doppelbesetzung beim Gesang hat Wumms. Wenn ich mal Marketingsprech verwenden darf - das war hier wohl die falsche Zielgruppe. Der Merch ist nach dem Auftritt direkt verschwunden und die Hamburger haben sich wohl noch vor dem Abschminken auf den Heimweg gemacht. 

Mittlerweile ist es gegen acht und TRI STATE CORNER steht auf dem Plan. Vassilios "Lucky" Maniatopoulos ist zum einen ein Teil von Lucky Bob Records, er sitzt an den Drums bei RAGE und steht bei seiner eigenen Band TRI STATE CORNER am Mikro. Ein Vollblutmusiker also.

Der Sound ist plötzlich perfekt und man merkt: das ist ihre Party heute! Ein bisschen Familienfest. Als Veranstalter und auftretender Künstler, konfrontiert mit kurzfristigen Änderungen steht man sicher unter Strom, aber die Stimmung ist entspannt, fröhlich und absolut professionell. 

Die Mischung aus Hardrock und griechisch-folkloristischen Klängen macht auf jeden Fall Spaß und kommt beim Publikum an. Zum Schluss gibt's ne Ballade - obwohl man das eigentlich nicht so macht - aber klar, natürlich ist heute alles erlaubt. Und die Zugabe wird direkt dran gehängt, weil es kalt ist und warum erst bitten lassen. Das Set endet mit 'Daydraemer'.

Dann gibt es persönliche Worte von Lucky: "Was machen wir hier? Schöne Momente obwohl die Welt so scheiße ist." Es gibt Applaus für alle, die das möglich machen und eine Überraschung für das Publikum.

ORPHANED LAND Sänger Kobi Fahri macht ein kurzes Statement auf der Bühne. Er lebt derzeit in Griechenland und konnte anreisen, während der Rest der Band wegen des gesperrten Luftraums nicht aus Israel ausreisen durfte.

Seine Botschaft an das Publikum: "Metal Music is the best religion in the world", etwas das uns verbindet, nicht entzweit, ein schöner Gedanke.

Um halb zehn ist es dann soweit, RAGE mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA. Über 40 Jahre auf der Bühne. Und jetzt wird doch noch gehüpft. Kommt vielleicht nur darauf an, wer fragt.

Der einzige Gig heute, bei dem wirklich alle vor der Bühne sind und nicht durch die Zeche streunen. Ganz klar der Headliner des Abends. "Vor 40 Jahren als AVENGER haben wir schon hier gespielt." ziemlich verrückt und ein bisschen großartig, wenn man sowas von sich sagen kann. Und ja, auch ein wenig emotional. 

Die Setliste ist okay, aber wie wollte man es da auch jedem recht machen mit 27, 28? Studioalben im Gepäck.

Alle im Saal kennen jeden Song der gespielt wird, RAGE gehört einfach zu unserer Metalgeschichte. Und die Band hat immer noch Bock, auch nach 40 Jahren. Ganz klassisch werden alle Bandmitglieder vorgestellt, einschließlich der "Special guests", das Orchester, an diesem Abend dirigiert von Pepe Herrero. 

Der Abend fliegt wirklich vorbei und so heißt es gegen 23 Uhr, "Einen haben wir noch aber ihr müsst mit mitsingen." Aber sicher doch! - 'Higher than the Sky'.

Peavy bedankt sich. War es das jetzt? Fast. Nach viel Applaus werden dann doch noch zwei Stücke von der Band obendrauf gelegt – nachdem man Drummer Lucky erstmal mal wieder eingefangen hat: 'Straight To Hell' und mein persönlicher RAGE Lieblingssong 'Don't Fear The Winter'. Vielen Dank für diesen Abend, es war ein Fest!

Text und Photo Credit: Barbara Sopart

Redakteur:
Barbara Sopart

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