DEVIL MAY CARE und OCEANDVST - Göttingen

09.02.2026 | 21:36

29.01.2026, Exil

Ein gelungener musikalischer Jahresauftakt.

Manchmal braucht es gar keine große Halle, keine überbordende Pyrotechnik und kein Festival-Line-up mit zehn Bands, um das neue Konzertjahr standesgemäß einzuläuten. Ein kleiner Club, verschwitzte Wände, engagierte Musiker und ein Publikum, das richtig Lust auf Live-Musik hat. Genau diese Mischung bietet das Exil in Göttingen und liefert damit den perfekten musikalischen Jahresauftakt.

Den Anfang macht OCEANDVST, eigens aus Griechenland angereist, um den die Headlinershow von DEVIL MAY CARE gebührend zu unterstützen. Das Trio um Frontfrau Chrysa eröffnet den Konzertabend mit einer frischen Mischung aus Rock, Punk und jeder Menge Alternative. 

Trotz spürbarer Nervosität von ihr und technischen Problemen mit dem In-Ear-Monitoring spielt sich die Band im Handumdrehen in die Herzen der Meute. Nach wenigen Songs ist das Eis gebrochen, die Technik im Griff und OCEANDVST auf Kurs. Nach 'Better Day' und 'Remedy' gibt es sympathisches Entertainment, wenn das Publikum aus erster Hand erfährt, wie es sich anfühlt das erste Mal auf richtigen Schnee zu treffen und ein Parkticket in Göttingen einzusacken.

Die Band wird mit jedem Song souveräner, was sich auch auf der Tanzfläche widerspiegelt. Besonders 'My Last Day On Earth' sticht hier hervor, für mich einer der stärksten Songs. Technisch kann ich keinerlei Fehler erkennen und ich habe den Eindruck, dass sich die 2017 gegründete Truppe bestens auf die Tour vorbereitet hat.

Unterm Strich ein Klasse Opener, der holprig gestartet ist, aber das Ruder gekonnt rumgerissen hat. Dem Andrang des Merchstandes nach zu beurteilen, sollte das Parkticket auch kein Problem darstellen.

Setliste: Ghost; Every Word; Better Days; Remedy; Goin Under; My Last Day On Earth; Dead And Hope; Nme: Misery Business

Zwar ist das Exil nicht ausverkauft, aber sehr gut gefüllt und bereit mit den heutigen Gastgebern das neue Album "Limit" zu zelebrieren.

Nach kurzer Umbaupause ist es dann Zeit für DEVIL MAY CARE, die echt heiß darauf sind, Göttingen zu zeigen, was in letzter Zeit auf die Beine gestellt wurde. Neben einem neuen Album wurde auch fleißig an der Bühnenpräsens gefeilt, die Lichtshow optimiert und der nächste Schritt in Richtung "so geht Abriss" gesetzt. Von den ersten Tönen an hat die Band das Exil fest im Griff und zieht die Fäden im Post-Hardcore-Zirkus. Alles auf den Punkt und mit ordentlich Druck aus den Boxen hämmern die Jungs ihr mitreißendes Set auf des jetzt schon eskalierende Publikum ein.

Leider hat irgendjemand auch zeitgleich zum Start der Show den Schalter für die Nebelmaschine gefunden. Wer die Band sucht: Da vorn, wo es laut ist müsste sie sein! Das ist es mal wieder mit den Fotos. Zum Glück lichten sich die Schwaden und zu meinem persönlichen Highlight 'Downfall' sind die Jungs wieder schemenhaft zu erkennen. Der Song ist einfach klasse und komprimiert alle Facetten von DEVIL MAY CARE. Nichts gegen Clubshows, aber der Sound muss auch auf die großen Bühnen! 

Die Temperaturen steigen, die Band ist warm und auf der flächenmäßig überschaubaren Tanzfläche gibt es auch unaufgeforderte Circle-Pits. Was will man denn mehr? Die vorbereitete Lichtshow, welche sich mit Einspielern via Beamer präsentiert, schafft Stimmung und zeigt Professionalität. 'Mosaik', 'Delirium' und 'Limit' sind nicht nur pointierte Akzente, sondern ein Statement und machen einfach Spaß. 

Den finalen Hammer gibt es mit dem letzten Song der Zugabe 'Dead Ember', welcher sich nochmal ins kollektive Gedächtnis einbrennt und den Abend gebührend abschließt. 

Die Jungs von DEVIL MAY CARE haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich für die aktuelle "Downfall Tour" wirklich was überlegt. Ich weiß nicht, auf welchen Bühnen ich die Band in den nächsten Jahren sehen werde, aber ich bin mir sicher dann sagen zu können: Ich war schon in Göttingen dabei.

Setliste: Amen; Into the Abyss; Caving In; Calm Waters; Downfall; Himalaya; Mosaik; Dayblind; Mantra; Chakra; Delirium; Painter; Let the River Run; Black Box; Limit; Zugaben: The Snow; Dead Ember

Text und Photo Credit: Norman Wernicke

Redakteur:
Norman Wernicke

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