DOUBLE D UNLIMITED - Ulmbach
24.02.2026 | 16:4421.02.2026, Saal
Der weiteste Weg lohnt sich!
Es passiert selten, dass ich über den Main fahre und im benachbarten Bundesland ein Konzert besuche. Noch viel seltener kommt es in den letzten Jahren vor, dass auf diesem Konzert Bands auftreten, die ich allesamt zuvor noch nie gesehen habe. POWERMETAL.de präsentiert "Double D Unlimited", und so mache ich mich an diesem verregneten Freitag auf den Weg ins hessische Ulmbach. Neben ungefähr 1.600 Einwohnern hat der Ort ein Landgasthaus mit angeschlossenem Saal. In dieser Location spielen heute gleich drei Ensembles, deren Namen ich erst im Zusammenhang unserer Präsentation gehört habe.
Es bleibt noch etwas Zeit und ich entnehme der "Getränkekarte für Tanzveranstaltungen", dass das Bier drei Euro kostet. Erfreulicherweise wird dieses in echten Gläsern ausgeschenkt.
Ich genieße das Kaltgetränk und lasse meinen Blick durch den Saal schweifen, welcher eine frappierende Ähnlichkeit mit der kleinen Örtlichkeit in meinem Heimatdorf hat. Ein Tresen am Ende, vorne eine kleine Bühne. Rechts und links die bekannten Gaststättentischgarnituren, der Saal Holz-vertäfelt. Alles in Allem recht gemütlich. Veranstalter und DYKES-Sänger Dirk kommt auf mich zu und freut sich, dass ich heute von "Double D Unlimited" für POWERMETAL.de berichten werde. Wir unterhalten uns noch etwas, bevor es für mich vor die Bühne geht, um die erste Band abzulichten. Einen Graben gibt es nicht, was angesichts der leider relativ wenigen Besucher kein Problem für mich darstellt.
Die unterfränkische Band UNLIMITED steht auf der Bühne und beginnt ihr Set mit 'Jukebox Hero', einem Song von FOREIGNER. Auch 'Zombie' von den CRANBERRIES ist eine Covernummer und nun beginnen meine Probleme. POWERMETAL.de ist bestrebt, den Nachwuchs zu fördern und neben den bereits etablierten Bands unbekannten Formationen eine Bühne zu geben. Hier steht allerdings die selbst geschriebene Musik im Fokus. Sicher, jede Coverband hat ihre Berechtigung und sorgt auf vielen Veranstaltungen für volle Häuser und gute Stimmung, sofern die handwerkliche Qualität passt. Und ja, das muss man UNLIMITED zugestehen, die Musiker beherrschen ihr Handwerk ohne Zweifel. Sängerin Melissa erinnert mich extrem an THUNDERMOTHER. Sie hat eine wirklich gute Stimme. Bassistin Milena fällt mir angesichts ihres Instrumentes direkt ins Auge. Ihr Viersaiter ist wunderschön lackiert, auf dem Korpus sehe ich Eddie von meinen Helden IRON MAIDEN. Das Bild ist angelehnt an das Cover der Single 'The Trooper'.
Drummer Pete erkenne ich aufgrund der hoch platzierten Toms nur sehr schlecht, doch er hält den Takt perfekt. Gitarrist Steve erinnert mich mit seinem Outfit erst einmal an einen Verwaltungsfachangestellten. Sein Aussehen täuscht jedoch enorm. Zu 'Whole Lotta Rosie' von AC/DC haut er ein spitzenmäßiges Solo raus, für das er von dem anwesenden Publikum gefeiert wird. Dieses hat auf jeden Fall viel Spaß mit UNLIMITED. Mit dem selbst arrangierten Track 'Heartbreaker' bekommen die Unterfranken dann auch die Kurve und bekommen somit zu Recht ein paar Streicheleinheiten bei POWERMETAL.de. Das Potential für eigenes Material ist unbedingt vorhanden. Auch 'Truth Has Been Hold' und 'Gravity' können mich überzeugen. Klar, viele Bands fangen mit Coversongs an, bevor sie sich an eigenes Material wagen. UNLIMITED hat diesen Schritt gemacht. Bitte macht weiter so, Ihr seid auf einem guten Weg. Mit 'Watching Over Me' von ICED EARTH beendet der Gewinner des "SSC Steinauvision Songcontestes" nach 17 Songs ihr Set unter anerkennenden Applaus der feiernden Meute.
Eine Umbaupause später steht DIRCH auf der Stage. Auch von dieser Band habe ich zuvor noch nie etwas gehört. Ich konnte einen Blick auf die Setliste werfen, keiner der Songs kommt mir bekannt vor. Okay, offensichtlich komplett eigenes Material. Die Band um Sänger, Gitarrist und Songwriter Dirk "Dirch" Faulstich startet mit 'Fly With The Wind' und ich habe mal wieder einen "SOE-Moment". Vor einiger Zeit konnte ich SONS OF ETERNITY als Support der alten Haudegen von AXXIS erleben. Nach 2 Takten hat mich die Band aus dem Würzburger Raum gehabt. Für mich passte einfach alles zusammen. Genau so geht es mir jetzt bei DIRCH.
Das Quintett liefert eine sehr feine Mischung aus Hard Rock und melodischem Metal. Die Refrains der Lieder werden gleich von vier Stimmen gesungen, zwei Gitarristen sorgen für den richtigen Drive und die 13 Songs umfassende Setliste ist sehr abwechslungsreich.
Während bei 'Anytime' und 'Home', mein Lieblingstrack, der Fuß auf der Bremse steht, gibt es bei 'First We Rock' wirklich guten flotten Rock. Sänger Dirk versteht es gleichermaßen, die leisen, gefühlvollen Stücke eindrucksvoll zu vermitteln wie auch die lauten, rotzigen Songs voller Energie ins Publikum zu feuern. Im hintersten Eck der Bühne steht kaum erkennbar ein Keyboarder. Kaum erkennbar ist das Instrument auch in den Songs, was durchaus positiv gemeint ist. Kein Bombast-Sound, der die klassischen Metal-Instrumente platt bügelt. Eher dezent zurückhaltend eingesetzt, um den Lieder an bestimmten Stellen ein besonderes Extra zu geben. Die Gitarren hingegen kommen extrem gut zur Geltung und ergänzen sich hervorragend. Hab ich schon geschrieben, dass DIRCH an diesem Abend mindestens einen neuen Fan dazugewonnen hat?
Leider hat sich die Band bisher noch nicht bei mir mit einer angefragten Bandbio gemeldet. Bis auf den Namen des Sängers sind mir die restlichen Musiker gänzlich unbekannt. Okay, zu 'Piece Of Me' betritt ein weiterer Gitarrist die Bühne, der nicht nur mir bekannt ist. Jens Ludwig, seines Zeichens Saitenakrobat bei der leider schon viel zu langen inaktiven Band EDGUY, ergänzt das Quintett und sorgt für großen Jubel im Publikum. Nun weiß ich auch, warum hier einige Metalheads im Shirt der Power Metal-Band aus Fulda vor der Stage stehen. Okay, Musik von EDGUY gibt es heute nicht, was der guten Stimmung jedoch keinesfalls schadet. DIRCH kann mit eigenen Stücken absolut glänzen. Mit 'You See Me' gibt es noch mal ordentlich was auf die Ohren, bevor sich DIRCH vom feiernden Publikum in Ulmbach verabschiedet. Das war ganz großes Kino, meine Herren! Eure CD "First We Rock" hat mir die zweistündige Heimfahrt durch die verregnete Nacht deutlich erleichtert. Ich hoffe inständig, dass ihr mehr Möglichkeiten bekommt, Eure Musik den Metalheads zu präsentieren.
Es wird Zeit, das Gesehene erst mal sacken zu lassen. Ich erfahre in der Umbaupause vom DIRCH-Bassisten, dass die Band so ungefähr einen Auftritt im Jahr spielt, was für mich wirklich nicht nachvollziehbar ist. Aber wie so oft gibt es hier einen Diamanten, der, wie viele andere auch, unterm Radar fliegt. Nur durch Dirk, dem Veranstalter von "Double D Unlimited" bin nicht nur ich auf diesen Edelstein aufmerksam geworden. Leute, die viel Herzblut, Zeit und Geld investieren, um in der Provinz etwas auf die Beine zu stellen. Dafür gebührt ihm und vielen anderen "kleinen" Machern mein größter Respekt.
Doch Dirk ist nicht nur Organisator, sondern auch Gitarrist und Sänger der nun auftretenden Band DYKES. Wahrlich keine einfache Aufgabe nach dem Set zuvor.

Mittlerweile geht es auf Mitternacht zu und das Quartett startet nach einem Intro mit 'Breaking The Law' von JUDAS PRIEST. Da ist wieder das Problem mit den Coversongs. Instrumental handwerklich gut gemacht, der Sänger mit etwas Luft nach oben, es gibt nichts, was man nicht noch verbessern kann. Aber halt wieder Covertracks. Unabhängig davon erweist sich Dirk als coole Rampensau. Auch der Rest der Band hat sichtlich Spaß an dem Auftritt. Während Bassist Gunnar und Gitarristin Ilona mir noch unbekannt sind, sitzt nun mit EDGUY-Jens ein alter Bekannter am Drumset.
Es geht fröhlich weiter durch die Cover-Setliste. Doch DYKES kann auch anders.
Mit 'Riding Free' gibt es dann den ersten eigenen Song der Band. Hierzu schnallt sich Jens noch einmal die Gitarre um, während Nick den Takt vorgibt. Na also, es geht doch. Auch der neue eigene Song 'Shout It Out' klingt richtig gut und zeigt, dass die Band auf dem richtigen Weg ist. Mit 'Forever UOB' gibt es eine Hymne für das "Ulmich Om Braand"-Festival, welche in diesem Jahr am 12. und 13. Juni ebenfalls hier in Ulmbach stattfinden wird. Mit DIRKSCHNEIDER und VICTORY konnten bereits zwei Hochkaräter verpflichtet werden. Bevor die Lichter im Saal ausgehen gibt es noch 'Rock And Roll All Night' von KISS und ich mache mich wieder auf den Weg ins heimische Mittelfranken. Ich hatte einen durchaus abwechslungsreichen Abend und nehme mir vor, in Zukunft wieder öfter auf kleine Veranstaltungen zu gehen. Leute wie DYKES-Dirk haben es einfach verdient unterstützt zu werden.
Text und Foto Credit: Andre Schnittker
- Redakteur:
- Andre Schnittker





