DRAGONY, FREEDOM CALL und ENSIFERUM - Geiselwind

20.01.2026 | 15:28

16.01.2026, Musichall

Ein "Drummer-wechsel-Dich"-Spiel in Geiselwind

Für mich startet heute das Konzertjahr 2026 mit der von POWERMETAL.de präsntierten  "Winter Storm Over Europe"- Tour von ENSIFERUM in Geiselwind.

Okay, von Sturm kann an diesem Samstag keine Rede sein und der Schnee ist in den letzten Tagen geschmolzen. Dennoch ist es rattig kalt, als ich vor der Musichall auf den Einlass warte. 

Wie immer bin ich überpünktlich an der Location angekommen, wie immer läuft der organisatorische Teil reibungslos, wie immer habe ich noch Zeit für ein kühles Helles.

Mit DRAGONY, FREEDOM CALL und ENSIFERUM stehen heute drei Bands auf der Stage, welche zumindest teilweise in unterschiedlichen Genres stecken. 

Aber lassen wir das Schubladendenken und schauen durchs weite Rund. Die Halle ist zwar gut gefüllt, dennoch gibt es noch massig Platz in den Reihen und im Oberrang. Noch ein paar Worte mit der Security und den anwesenden Fotografen-Kollegen gewechselt und es wird Zeit für die erste Band des Abends.

DRAGONY aus Österreich habe ich 2022 als Support von SERENITY gesehen. Große Erinnerungen an den Abend habe ich nicht mehr. Also mal schauen, was die Powermetal-Combo so abliefert. Natürlich habe ich mich im Vorfeld etwas informiert und musste erfahren, dass am Tag zuvor die Band ohne Schlagzeuger spielen musste, da Drummer Christoph krankheitsbedingt fehlte.

Das Drumset wurde in Köln als Backing Track vom Band gespielt. Bei aller Liebe, meiner bescheidenen Meinung nach geht so etwas überhaupt nicht. Ich hoffe inständig, dass ich gleich einen Musiker hinter seinem Schlagwerkzeug sitzen sehe.

Das Hallenlicht erlischt und scheinbar sitzt da tatsächlich jemand an den Trommeln. Leider ist der gute Mann/die gute Frau anfangs noch sehr schlecht ausgeleuchtet und es dauert eine Weile, bis ich dann endlich erkenne, dass Dario Trennert heute den Takt vorgibt.

Ich kenne ihn schon eine ganze Weile, hat er doch einige Jahre die Sticks bei der Nürnberger Metalcore-Combo TORRENTIAL RAIN geschwungen. Bei FREEDOM CALL hat er 2019 auf der Tour ausgeholfen. Für mich ist Dario ein exzellenter Musiker und ich bin wirklich froh, dass der Rhythmus heute nicht vom Band kommt.

DRAGONY flog die letzten Jahre komplett unter meinem Radar, obwohl ich eigentlich ein ausgewiesener Fan des Genres bin. Die Band hat in den letzten Jahren ihr Klangspektrum erweitert, Neben Siegfried "The Dragonslayer" Samer ist nun auch Maria Nesh als zusätzliche Stimme dabei. Die Sängerin macht ihren Job richtig gut. Egal ob im harmonischen Duett mit Sigfried, oder solo rau und wild, das hat alles Hand und Fuß. Dem Publikum gefällt, was auf der Bühne passiert und auch ich kann mit dem soliden Powermetal der Band durchaus etwas anfangen. Mit 'Beyond The Rainbow Bridge' vom aktuellen Album "Hic Svnt Dracones" verabschiedet sich DRAGONY unter großem Applaus von den mittelfränkischen Metalheads.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich FREEDOM CALL gesehen habe. Leider hatte die Band um Mastermind Chris Bay auf dem Rock Out Festival 2025 in Augsburg gerade einmal 20 Minuten Spielzeit. Heute gibt es eine Schüppe obendrauf, die Fans können sich auf neun Tracks freuen.

Wie schon in Augsburg sitzt Roland Jahoda von der Band F.U.C.K. am Schlagzeug, da der etatmäßige Drummer Ramy Ali scheinbar noch krankheitsbedingt fehlt. Eine weitere Parallele zu Augsburg zeigt sich in der in weiten Teilen identischen Setliste.

Auch in Geiselwind startet die "Happymetal-Party" mit 'Hammer Of The Gods' vom 2016 veröffentlichten Album "Master Of Light". Es zeigt sich sehr schnell, dass FREEDOM CALL auf ihrem Heimspiel nicht viel Energie aufwenden muss, um die Metalheads vor dem Wellenbrecher in Bewegung zu bringen.

Von der ersten Note an erreicht das Stimmungsbarometer die 100 Prozent. Zu 'Tears Of Babylon' wird fröhlich gehüpft und gesprungen, Die Spielfreude der Band überträgt sich direkt aufs Publikum. Auch ich habe wie immer viel Spaß beim Auftritt der Metalcombo. Es gibt für mich wenige Bands, die so viel gute Laune, so viel positive Energie versprühen wie FREEDOM CALL. Ich hatte in den letzten Wochen aus privaten Gründen wirklich wenig zu lachen. Chris, Lars, Francesco und auch Roland sorgen dafür, dass ich für eine knappe Stunde einfach mal abschalten kann. Vielen Dank dafür!

Natürlich darf in Geiselwind die aktuelle Single 'Heavy Metal Happycore' nicht fehlen, die gemeinsam mit ENSIFERUMs Sänger Petri Lindroos aufgenommen wurde. Obwohl die finnische Viking-Metal-Band am heutigen Tag als Headliner fungiert, sieht man Petri bei dem Track nicht auf der Stage. Diese "Manko" trübt jedoch die gute Stimmung in der Musichall keineswegs.

Sogar der von Chris gewünschte Circle Pit wird augenblicklich auf die Beine gestellt. Die Stimmung wird sogar noch gesteigert, als Chris eine Ansage macht. Er bedankt sich bei Aushilfsdrummer Roland für seine Unterstützung in den letzten Wochen und unter tosendem Jubel erscheint Ramy auf der Stage, welcher nach Drumstick-Übergabe das Set am heutigen Abend beendet. Ein sehr feiner Zug. Mit 'Land Of Light' verabschiedet sich FREEDOM CALL vom heimischen Publikum. Selbstverständlich wird auch Roland im abschließende Gruppenfoto einbezogen, für wenige Sekunden wird aus dem Quartett ein Quintett. Danke für den wieder mal gelungenen fröhlichen Auftritt.

Es wird Zeit für ein weiteres Bier. Die Temperatur auf dem Oberrang hat mittlerweile Sauna-ähnliche Ausmaße angenommen.

Nach dem Gute Laune-Auftritt des Supports wird es für mich schwer, die Kurve zum heutigen Headliner zu bekommen. Welche Zeilen soll ich über den nun folgenden Auftritt von ENSIFERUM schreiben, die es noch nicht in unser Magazin geschafft haben? Wie schon auf dem Gig auf dem Summer Breeze 2025 beginnt die Show mit dem 'Aurora'-Intro, bevor die Finnen mit 'Winter Storm Vigilantes' vom aktuellen Album "Winterstorm" in die vollen gehen. Auch jetzt ist die Stimmung so bombastisch wie der Sound, welcher von der Stage Richtung Innenraum schallt.

14 Songs aus acht Alben stehen auf der heutigen Setliste und Sänger Petri hält sich nicht mit langen Reden auf. ENSIFERUM spielt ein solides Set, welches ich so schon mehrfach gesehen habe.

Eine Besonderheit gibt es noch bei der Ballade 'Scars In My Heart' von der 2024 erschienenen Langrille "Winterstorm". Wurde der Track als Single mit der ELAINE-Sängerin Madeleine Liljestam veröffentlicht, kommt nun noch einmal Maria Nesh auf die Bühne. Auch bei dem Song kann sie überzeugen und bekommt zurecht einen anerkennenden Applaus von den anwesenden Metalheads. 

Auch bei ENSIFERUM erkenne ich immer wieder mal vom Oberrang, wie sich ein Circle Pit bildet. Nach 'Two Of Spades' endet der sehr abwechslungsreiche metallische Abend in Mittelfranken. Es tut gut, wieder im Graben zu stehen, endlich wieder den Kopf frei zu bekommen. Musik kann so viel Positives bewirken.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

Redakteur:
Andre Schnittker

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