LORNA SHORE, WHITECHAPEL, SHADOW OF INTENT und HUMANITY’S LAST BREATH - Düsseldorf
23.02.2026 | 14:3113.02.2026, Mitsubishi Electric Halle
Freitag der 13., Karneval, Verkehrschaos, ein ausverkauftes Haus und ein bisschen Deathcore – das schreit nach einem denkwürdigen Abend.
Eigentlich wissen wir es. Mit dem Auto die 30 km von Köln nach Düsseldorf zu fahren ist eine blöde Idee. Genauer gesagt eine saublöde Idee. Nach 40 Minuten Fahrzeit und zwei Stunden Parkplatzdrama, haben wir sowohl HUMANITY'S LAST BREATH als auch SHADOW OF INTENT verpasst. Aber mal ehrlich, wer denkt sich sowas aus: Konzertbeginn 18 Uhr, Konzertende 22:15 Uhr – an einem Freitagabend! Was soll das? Es hilft ja nicht und so spurte ich direkt in den Graben. Der Zeitplan wird hier strikt eingehalten und vor halb elf sollen schließlich alle vier Bands durch sein. WTF.
19:40 Uhr, Auftritt WHITECHAPEL. Mit 'Prisoner 666' wird gleich brachial gestartet und es bleibt kein Zweifel, dass WHITECHAPEL sich ihren Status in der Deathcore-Szene längst erarbeitet hat.
Bei mittlerweile zwanzig Jahren Bandgeschichte und bislang neun Studioalben fehlt es natürlich nicht an Material. Die erste Hälfte des Auftritts wird allerdings gänzlich dem aktuellen Album gewidmet. Der Titel "Hymns In Dissonance" ist Programm, musikalisch düster, bedrohlich und doch vereinzelt melodische Elemente.
Blättert man etwas zurück auf unserer Seite kann man nachlesen, was Gitarrist Ben Savage im Interview zum aktuellen Album sagt – es ist jedenfalls dunkler als die Vorgänger. Und WHITECHAPEL schafft es hervorragend, diese düstere Atmosphäre auch auf die Bühne zu bringen. Das kommt gut an. Die zahlreiche Fangemeinde ist voller Begeisterung dabei.
Der Bühnenaufbau ist nicht überladen aber sehr wirkungsvoll, das Leitmotiv spricht mich total an, wobei mir durch die aggressiven Stroboskopeffekte beim Fotografieren fast schlecht wird. Keine gute Idee aus nächster Nähe konzentriert in die wild flackernden Lichter zu starren.
Der Auftritt ist eine Wucht! Mich beeindruckt besonders die mitreißend-kraftvolle Stimme von Sänger Phil Bozeman. Zum Höhepunkt geht es dann doch noch zurück zu den Anfängen und Klassiker wie 'The Somatic Defilement' und 'This Is Exile' heizen nochmal so richtig ein. Nach 45 Minuten ist schon Schluß – schade, davon hätte man auf jeden Fall noch mehr hören können.
Setliste: Prisoner 666; Hymns in Dissonance; A Visceral Retch; Bedlam; Ex Infernis (interlude); Hate Cult Ritual; The Somatic Defilement; Devirgination Studies; Prostatic Fluid Asphyxiation; This is Exile
Das nächste WTF des Abends ist definitiv die Pausenmusik. 'Ginie In A Bottle' (von CHRISTINA AGUILERA). Das Kontrastprogramm tut jetzt richtig weh. Die bunt gemischte, eher junge Fangemeinde nimmt es mit Humor und die Stimmung in der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle ist bestens. Ein großer Vorhang verdeckt jetzt die Sicht auf die Bühne und wir hören, dass die Fotografinnen und Fotografen nur für einen einzigen Song in den Graben dürfen. Das spricht für Feuer. Viel Feuer.
Und so ist es. 20:55, es wird heiß in der Halle, die Flammen schießen meterhoch über das begeisterte Publikum. LORNA SHORE, der Headliner des Abends. Die proppenvolle Halle brodelt und der Wellenbrecher im ersten Drittel der Bühne ist wohl berechtigt.
Der Bühnenaufbau ist stark, es gibt zwei Etagen. Während Schlagzeuger Austin Archey zentral über dem Geschehen thront, teilt sich die restliche Band den großzügigen Bereich direkt am Bühnenrand. Das ganze umrahmt von riesigen LED-Flächen die mit wirkungsvollen Videosequenzen inszeniert werden. Dazu noch ein bisschen Feuer unterm Dach und fertig ist der Hexenkessel.
Zum Auftakt gibt's 'Oblivion' vom brandaktuellen Album "I Feel The Everblack Festering Within Me". Dazu direkt eine erste kleine Überraschung, Sänger Will Ramos wird beim Opener gesanglich von Lucas Nicolai von MENTAL CRUELTY begleitet.
Eine wirklich kraftvolle Mischung, dazu noch eine Prise Feuershow und die Meute tobt. Die unglaubliche Stimme von Ramos, die gewaltige Klangwand, die Archey mit den Drums erzeugt, die bildgewaltige Inszenierung, die überbordende, ekstatische Stimmung im Publikum - das Gesamtpaket ist einfach irrsinnig gut! Man wird komplett mitgerissen von der aggressiven Wucht der Musik und der Kraft der Bilder. Ob es nun die Projektionen sind, welche die Bühne in ein blutrotes Licht tauchen oder wirklich die Feuersäulen - bei 'Sun//Eater' ist die Hitze buchstäblich bis in die hinteren Ränge zu spüren. Dazu ein weiterer Gastauftritt, Nick Chance schreit gemeinsam mit Ramos sein Wut heraus.
Nun folgt ein kurzer Dank an die Security, nicht das dort bisher Langeweile geherrscht hätte, aber die Crowd wird zum Song 'Cursed To Die' explizit zum Eskalieren aufgefordert. Eine wahre Flut aus Crowdsurfern macht sich nun auf Richtung Bühne.
Mit einer fast balladenhaften Anmutung wird es bei 'Glenwood' richtig emotional. Die Ansagen kommen sehr sympathisch und nahbar rüber, kein bisschen abgehoben. Man nimmt LORNA SHORE ab, dass es auch für sie ein großartiges Gefühl ist, als Headliner vor einer großen ausverkauften Halle zu stehen.
Mit dem nächsten Song 'Prison of Flesh' ist direkt wieder Schluß mit Besinnlichkeit, bitterböse wird einem der Song um die Ohren gepfeffert.
Dann ein kurzer Schreck, der letzte Song wird angesagt, viel zu früh! Aber die Entwarnung folgt direkt, sie spielen die komplette 'Pain Remains' Trilogie durch.
Und fast unerwartet gibt es dann doch noch ein Schmankerl oben drauf. 'To The Hellfire' bildet den Schluß eines unglaublichen Konzertabends. Wahnsinn!
Setliste: Oblivion; Unbreakable; War Machine; Sun//Eater; Cursed To Die; In Darkness; Glenwood; Prison Flesh; Pain Remains I : Dancing Like Flames; Pain Remains II : After All I've Done, I'll Disappear; Pain Remains III : In A Sea Of Fire; Zugabe: To The Hellfire
Text und Photo Credit: Barbara Sopart
- Redakteur:
- Barbara Sopart





