NO SLEEP AFTER X-MAS - "3rd Strike" - Runkel
18.01.2026 | 14:5827.12.2025, Stadthalle
Zwei Tage Akku aufladen in der "Metal-Bubble".
Zurück in der "Metal Bubble" irgendwo im Nirgendwo. Das war es, wonach es sich beim letzten Mal anfühlte und worauf wir ein ganzes Jahr gewartet haben – das "No Sleep After X-Mas"-Festival "3rd Strike" in Runkel/Hessen am 27. und 28.12.2025. An den beiden Festivaltagen finden sich jeweils etwa 500 Metalfans in dem Städtchen an der Lahn ein. Es wird wieder ein vielversprechendes Lineup geboten und wir freuen uns auf zwei ausgefüllte Tage mit der vollen Bandbreite an Emotionen, Eindrücken und viel guter Musik.
Mit großen Erwartungen sehen wir den Shows der Headliner WARKINGS und MANNTRA, sowie SERENITY, TEMPERANCE, SKULL & CROSSBONES, SELLSWORD, APOSTOLICA, ELETTRA STORM, TIMELESS RAGE, VANSIND, DEATHLESS LEGACY, SKYTRIBE, FABULA RASA, BATTLE TALES, DERDIAN und eigentlich VARUS, später GUTTER BONES entgegen. Aufgeteilt wird das ganze auf zwei Festivaltage zu je acht Bands.
Es geht direkt spannend los. Am 26.12. abends teilt man über soziale Medien die krankheitsbedingte Absage der italienischen Band DERDIAN, vorletzte Band in der Running Order, mit. Wir fragen uns, wie dies so schnell vor Ort gehandhabt und ob es Ersatz geben wird. Kurz nach Bekanntgabe der Neuigkeiten erfahren wir von der Band SKULL & CROSSBONES, dass sie jetzt auf den Platz des zweiten Headliners nachrückt und sich ihre Spielzeit somit auf 60 Minuten erhöht. Dies klingt vielversprechend.
Am ersten Festivaltag werden am Eingang alle Gäste herzlich willkommen geheißen. Bereits mehr als 30 Minuten vor offiziellem Einlass öffnet man gerne die Tür, so dass niemand in der Kälte warten muss. Jeder hat direkt das Gefühl, als wäre man zu Hause in der Familie angekommen.
Sofort stellen wir Unterschiede in der Location zum Vorjahr fest. Es fällt auf, dass diesmal die Halle nur halb genutzt wird und die Bühne etwas schmaler, aber dafür tiefer ist. Der Bereich dahinter steht den Musikern und deren Crew als Backstage-Area zur Verfügung. Außerdem befinden sich in der Halle selbst an der Rückseite keine Merch-Stände mehr, nur noch das Mischpult. Die Möglichkeiten für Shopping und Bandmitglieder nach ihren Auftritten offiziell zu treffen, sind diesmal im Foyer. Ebenso wie ein Stand von METALITY e.V., der das erste Mal beim "No Sleep After X-Mas"-Festival vertreten ist.
Der Opener ist die Band BATTLE TALES aus der Schweiz. Sie spielt hier ihren Folk Metal heute erst das zweite Mal in Deutschland. Trotz der frühen Uhrzeit, 12.30 Uhr, finden sich bereits viele Metalheads ein und feiern die sympathischen Musiker. Die Band schafft es sogar beim vorletzten Song, das Publikum zu einer ersten fröhlichen "Wall Of Death" zu motivieren.
Definitiv ein guter Einstieg in das Festivalwochenende. Dies ist wieder geprägt von einer ganz eigenen Atmosphäre mit interessanten Begegnungen rund um die Musik und dem unermüdlichen Engagement der Organisatoren und Helfer für das gute Gelingen und die erfolgreiche Durchführbarkeit des Festivals. Die Notwendigkeit dieser Leidenschaft zeichnet sich auch im Verlauf des "No Sleep After X-Mas"-Festivals ab. Hier ist voller Einsatz gefragt! Einen großen Teil der Umbaupausen nimmt das Beheben von technischen Schwierigkeiten in Anspruch und zieht sich über beide Tage durch.
Bei einigen Bands wird die Qualität im Verlauf der Show besser, bei anderen leider eher nicht. Oft sind die Stimmen der Sänger schlecht zu hören, das Schlagzeug dafür um so intensiver und dominanter. Dies bedingt, dass sich die meisten Auftritte zeitlich nach hinten verschieben, Setlisten spontan gekürzt und wieder verlängert, sowie viele Aktionen kurzfristig neu entschieden und geregelt werden müssen. Dadurch fällt zumindest das Fehlen von DERDIAN weniger ins Gewicht und kaum auf.
FABULA RASA aus Düsseldorf schließt sich als zweite Band mit ihrer Show an – eine Mischung aus Folk und Power Metal.

Die charismatische Violinistin ist definitiv ein Highlight, sowie der über alle Maßen motivierte und stimmlich überzeugende Sänger der Truppe. Dieser könnte, nach Meinung vieler im Publikum, auch sehr gut einiges in einer IRON MAIDEN-Tribute-Band reißen. Den Gitarristen Luca kennt man vielleicht von der Symphonic-Metal-Band FLOWERLEAF.
TIMELESS RAGE ist Nummer Drei in der Running Order des ersten Tages. Hierauf freue ich mich besonders und muss nach ca. 45 Minuten verspätetem Beginn leider feststellen, dass sich bei diesem Auftritt die technischen Schwierigkeiten, wahrscheinlich, wie ich später erfahre, auch aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den einzelnen Technikern, komplett durchziehen. Das Erkennen der Songs (die mir eigentlich gut bekannt sind) funktioniert tatsächlich fast nur über das Lippenlesen sowie Gestik und Mimik des Sängers.
Professionell zieht die Band ihre Show durch. Zum Ende hin wird die Tonqualität besser. Der Sänger versucht immer wieder, mit dem Publikum zu interagieren, kommt von der Bühne, wirft sogar sein "Artist Bändchen" in die Menge und animiert ordentlich zum Mitsingen.
TIMELESS RAGE bringt auch noch Neuigkeiten mit und verkündet, dass voraussichtlich Ende März 2026 das neue Album erscheinen wird. Sicherlich bietet sich dann noch einmal die eine oder andere Möglichkeit, die Band unter günstigeren Bedingungen live zu erleben.
Auf die vierte Band bin ich schon lange gespannt. Es sind die Italiener von ELETTRA STORM – eine Power Metal Band mit sowohl weiblichem als auch unterstützendem männlichen Gesang. Erst 2023 gegründet, veröffentlichte sie 2025 innerhalb von zwei Jahren schon ihr zweites Studioalbum "Evertale". Sie hat hier ihren ersten Live-Auftritt in Deutschland überhaupt. Im Vorfeld und auch im späteren Verlauf des Festivals ergeben sich immer wieder nette, kurze Gespräche mit der Band und dem Gitarristen/Sänger Francis D. Mary, der auch beim Soundcheck und den ständigen technischen Herausforderungen während der Show mit Charme und Witz mit dem Publikum interagiert.
Mit viel Disziplin und Engagement spielt die Band ihre Setliste, eine gute Mischung aus beiden Alben. Für die bezaubernde Sängerin Crystal Emiliani steht auf der Bühne ein Podest, damit man sie auch weiter hinten in der Halle noch gut sehen kann. Ein weiterer Blickfang ist sicherlich auch die beleuchtete Keytar (Umhängekeyboard), die für deren Musikstil unerlässlich ist.
Mir gefällt das Deutschland Debüt von ELETTRA STORM und ich ermuntere sie wiederzukommen. Ich sehe hier noch viel Potential für die jungen, sympathischen Musiker. Für die es sich übrigens in Runkel, in der Halle, oben auf dem Berg, zwischen all den Metalheads, genauso anfühlt wie für mich: "Wenn es zu Ende ist und man die Halle verlässt, wird man etwas schwermütig. Als ob man eine "Metal Bubble" in einer Parallelwelt verlässt und wieder in die Realität zurückkehren muss."
Trotz aller Widrigkeiten, hat ELETTRA STORM den Auftritt, die Zeit hier und die Atmosphäre des Festivals sehr genossen, wie sie mir später zusätzlich auch noch einmal schriftlich bestätigt.
[Sunny Lückheide]
Bisher war mir die italienische Combo noch kein Begriff. Kein Wunder, denn die Formation um Sängerin Crystal Emiliani besteht erst seit 2023. An diesem Nachmittag kann die italienische Symphonic Metal Band erst verspätet loslegen, der einleitende Soundcheck zieht sich ziemlich lang hin. Das hat zur Folge, dass die Stimmung, in der ohnehin nicht gut gefüllten Halle etwas abkühlt.
Zu allem Übel ist es dann ausgerechnet der Sound, der zu Beginn des Auftrittes von ELETTRA STORM alles andere als optimal ist. Aber die Band legt einen insgesamt souveränen Gig hin, auch wenn an der Bühnenperformance und an den Ansagen noch ein wenig gefeilt werden darf. Die sozusagen symphonische Variante von LACUNA COIL kann am Ende mit der Gewissheit die Bühne verlassen, einige Fans dazugewonnen zu haben. Mit 'Ride The Rainbow' hat die Band jedenfalls einen Titel im Repertoire, der live echt gut funktioniert.
[Frank Wilkens]
SERENITY ist die nächste Band. Sicherlich ein Grund für viele für den Ticketkauf. Wenige Tage zuvor gibt Chris Hermsdörfer (Gitarrist) bekannt, dass auch er leider krankheitsbedingt nicht dabei sein wird.
Dies ist für die Musiker keine unbekannte Situation und wird live wieder optimal gelöst durch die Gitarristen Michael "Hinki" Brink und Marco Pastorino. Einen großen Wiedererkennungswert hat die Band mit Sänger Georg Neuhauser. Den dürfen wir an dem Abend später noch ein weiteres Mal erleben.
Das Mitbringen einer eigenen Technik-Crew macht sich bei der Soundqualität sofort positiv bemerkbar. Die Songs im Symphonic-Power-Metal-Stil können sehr gut performt werden.
Hier kommen die Fans definitiv auf ihre Kosten und erleben eine tolle Show mit großartiger Bühnenpräsenz vom Sänger und verspielter Interaktion zwischen ihm, den Bandkollegen sowie dem Publikum. Ein Highlight von SERENITY, wie bereits bei Auftritten in der Vergangenheit, ist das Akustik-Set mit zwei Songs, unter anderem 'Broken Dreams' vom Side Project FALLEN SANCTUARY von Georg Neuhauser und Marco Pastorino. Von FALLEN SANCTUARY wird übriges 2026 ein neues Album erscheinen.
[Sunny Lückheide]
Zum ersten Mal kommt an diesem Tag so etwas wie Festivalstimmung auf. SERENITY betritt die Bühne und sofort ist die Menge da.
Der Sound ist klar und wuchtig, Georg Neuhauser übernimmt das Kommando und hat das Publikum umgehend im Griff.
Mit ihren gradlinigen Songs erreichen die Österreicher auch die hinteren Reihen. Zwar hat auch SERENITY mit Soundproblemen zu kämpfen, aber das können die am Ende platzierten Akustiknummern mehr als wett machen. Für mich persönlich der beste Gig, den ich 2025 bei diesem Event gesehen habe.
[Frank Wilkens]
Nun folgt SKULL & CROSSBONES aus Deutschland. Wie bereits eingangs erwähnt, rückt diese in den vorletzten Slot des ersten Festivalabends mit längerer Spielzeit vor. Auch diesem Auftritt fiebere ich seit längerer Zeit entgegen.
Im November 2025 erschien ihr zweites, sehr vielversprechendes Studioalbum "Time". Kennzeichnend für deren Musik im Bereich Heavy Power Metal sind vor allem starke, eingängige Riffs und die prägnante Stimme von Sänger Tobi Hübner. Je länger der Auftritt dauert, um so besser wird die Qualität der Show.
Es herrscht durch Sänger Tobi viel Dynamik auf der Bühne und das Dauergrinsen des Gitarristen Volker Schmietow begeistert ebenfalls. Bernd Heining spielt gekonnt auf dem Schlagzeug, das recht vordergründig rüberkommt.
Vor allem aber überzeugt der Sänger live noch einmal mehr mit seiner kraftvollen Stimme, die besonders in den hohen Tönen extrem beeindruckend ist. Ein Konzert von SKULL & CROSSBONES ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
[Sunny Lückheide]
Da stimme ich Sunny auf jeden Fall zu. Ich muss zugeben, dass mir SKULL & CROSSBONES live tatsächlich besser gefällt als auf CD. Die Band versteht es ziemlich gut, die Position als Co-Headliner auszufüllen und lässt eigentlich wenig anbrennen.
Zwar ist die Messlatte nach dem starken SERENITY-Gig ziemlich hoch, aber Tobi ist ein ausgezeichneter Frontmann, der sich und die Band gut präsentiert. Auch wenn der Bass oftmals die Gitarren übertönt, hat sich der Klang mittlerweile einigermaßen eingependelt. Kleines Highlight ist für mich übrigens der dezent nach QUEENSRŸCHE klingende Titel 'The Illusionist'.
[Frank Wilkens]
Den krönenden Abschluss dieses Abends bildet der Headliner WARKINGS. Hier erleben wir noch einmal die geballte Bühnenpower des Frontmannes Georg Neuhauser, kostümiert als Tribune, in Begleitung seiner Bandkollegen dem Crusader (Gitarre), dem Viking (Bass), dem Spartan (Schlagzeug) und on top als weiblichen Gegenpart die Hexe Morgana le Fay.
Hier bekommt das Publikum alles geboten, was eine perfekte Show ausmacht. Entertainment pur mit großartigem Sound (dank mitgereister Technik-Crew), ein ansprechendes Bühnenbild mit Feuershow und das bandeigene Schlagzeug wird bespielt. Alle anderen Bands vorher teilen sich, nach meiner Beobachtung, zumindest teilweise das gleiche Drumset.
Highlights des Auftritts wie gehabt: Eine Schildmaid schwebt auf einem "Drachenring" über dem Publikum und Aria (eine bereits vielen Fans von anderen Konzerten bekannte, sehr junge Maid) darf wieder auf die Bühne zur Band und die Metalheads zum Mitmachen animieren, nicht zu vergessen der Circlepit in der Mitte um den hammerschwingenden "Hephaistos-Sprössling".
Besonders erwähnenswert: Ein eigens für das Festival angereister Fan aus Japan wird mit seiner Landesfahne auf die Bühne geholt und erlebt hier einen unvergesslichen Moment.
Ein kleiner möglicher Wermutstropfen ist, dass ein Spezialeffekt, den der Crusader mit seiner Gitarre beim Song 'Fight' präsentieren will, nicht wirklich glückt. Die extra dafür am Instrument angebrachte Kartusche für einen Pyroeffekt, hat einen anderen Plan als der Musiker und zündet nicht korrekt.
WARKINGS - definitiv ein grandioser und starker Abschluss an diesem Samstag durch die herausragende Qualität der Stimmen vom Tribune und Morgana, sowie das Können der Musiker und die gewohnt professionelle Inszenierung der Songs.
Was unbedingt positiv bei diesem Festival noch erwähnt werden muss, dass sowohl am Ende des ersten als auch am zweiten Abend, für die Metalheads und Musiker genug Zeit bleibt, alles in Ruhe ausklingen zu lassen.
Man wird nicht sofort, wie häufig üblich, buchstäblich aus der Venue gefegt. Sondern kann vielleicht ein letztes Getränk zu sich nehmen, nochmal am Merch vorbeischauen und das eine oder andere nette Gespräch führen.
[Sunny Lückheide]
Sonntag
Déjà-vu zu Beginn des zweiten Festivaltages. VARUS sagt erneut den Auftritt als Opener nur wenige Stunden zuvor krankheitsbedingt ab, genau wie im Vorjahr.
Diesmal hat man bei der Auswahl eines Ersatzes aber eine deutlich glücklichere Hand. GUTTER BONES springt schnell ein und bringt die Halle, selbst zur Überraschung der Band, direkt zum Kochen.
Durch eine schnelle Recherche finde ich gleich in mehreren Quellen eine lustige Bezeichnung für deren Genre, die nicht treffender sein könnte und zu Sonntags 12.30 Uhr einfach perfekt passt: "AlteMännerBierTrinkHardRockBluesMetal".
Ab der ersten Sekunde haben sie die Menge im Griff und sorgen für viel gute Stimmung. Der Sänger ist zu Tränen gerührt und immer wieder überwältigt von der Begeisterung des Publikums. Ich kann nur sagen ein sehr cooler Auftakt und jederzeit gerne wieder!
Band Nr. Zwei in der Running Order an diesem Tag ist SKYTRIBE. Eine relativ neue, vierköpfige Metal Band aus Deutschland. Sie steht für epische Orchesterklänge mit kräftigen Riffs und vor allem den großartigen melodischen Gesang von Dorothee Kahler.
Für mich der erste Live-Auftritt dieser Musiker, auf den ich sehr gespannt bin. Im vergangenen Jahr waren sie schon ab und an bei anderen Festivals vertreten. ... und da sind sie leider direkt wieder - die technischen Schwierigkeiten vom Vortag setzen sich fort. Mit viel Geduld und aufmunternden Worten an die Fans wird die Show gespielt. Trotz der erschwerten Umstände bekommt man einen guten Eindruck vom Potential und was da alles möglich ist. Der Stil der Musik und die fantastische Stimme und Präsenz der Sängerin weckt definitiv die Vorfreude auf noch viel mehr in der Zukunft.
Abschließend spielt SKYTRIBE die beiden bisher veröffentlichten Hymnen 'Legacy Of Life' und 'Kingdom Of The Sky'. Wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich mir SKYTRIBE gerne noch einmal live ansehen. Vielleicht ein Auftritt, bei dem sich die Band reibungslos entfalten und die Fans mit auf ihre musikalische Reise nehmen und so richtig in ihren Bann ziehen kann.
Noch härter trifft es gefühlt DEATHLESS LEGACY. Der Auftritt der nächsten Band, der sich optisch von allen vorherigen sehr unterscheidet, bleibt leider während der ersten Songs auch nur ein optisches Schauspiel. Eine zunächst vermeintlich übermotivierte Sängerin versucht das Publikum für sich zu vereinnahmen, unterstützt von einer Tänzerin/Schauspielerin, die zu jedem Stück in einem anderen Kostüm erscheint. Aber leider ist von dem Gesang selbst in den ersten Reihen absolut nichts zu hören. Sehr bedauerlich für die Musiker.
Das Publikum scheint teilweise sehr verwirrt. Nicht nur aufgrund der fehlenden Zusammenführung von dem, was da auf der Bühne passiert und den zu hörenden Musikschnipseln, als auch vermutlich inhaltlich. Ab und zu blitzen ein paar Gesangsfetzen zwischen den instrumentalen Parts durch, aber nicht genügend, um zu verstehen, was hier gerade abgeliefert wird. Ich denke, die Band holt unter diesen Umständen das Bestmögliche raus, hat aber tatsächlich einen unglücklichen Platz in der Running Order erwischt.
Musikalisch kann man DEATHLESS LEGACY wahrscheinlich irgendwo im Horror-Rock-Metal-Bereich ansiedeln, mit einer unheimlich interessanten Kunstform in ihrer Bühnenpräsenz. Diese kann hier leider kaum ihre Wirkung entfalten, einfach weil es heller Nachmittag ist. Ein Slot zu später Stunde, quasi kurz vor Mitternacht, hätte dem viel besser entsprochen. Vielleicht ist es auch teilweise der Überforderung des Publikums geschuldet, weil dieses "Theaterstück" auf der Bühne, ohne jede Vorwarnung oder vorherige Einweisung über das zu Sehende, daherkommt. Die Qualität des Sounds verbessert sich im Laufe des Auftritts und lässt dann irgendwann erahnen, was da wirklich Spannendes dahintersteckt.
Auf alle Fälle faszinieren die Sängerin und die Schauspielerin irgendwie mit ihren Inszenierungen. Zum Beispiel mit einem Vampirbiss während der Show und verschmiertem Kunstblut, sowie als Nonne, aus deren Mund vermeintlich eine schier endlos lange Papierschlange gezogen wird. Ebenfalls erwähnenswert: Das gebogene Keyboard, umgebunden vor dem Bauch eines Musikers, das immer wieder die Augen auf sich zieht. Alles in allem gilt mein Respekt DEATHLESS LEGACY, wie auch allen anderen Bands, die trotz der technischen Herausforderungen, wirklich alle ihre Shows motiviert und bestmöglich spielen. Kleiner Spoiler vorab: zwei Gegenstände dieser Aufführung und auch mindestens eine Person, werden wir später im Verlaufe des zweiten Festivaltages noch einmal auf der Bühne wiedersehen.
[Sunny Lückheide]
Erster Hingucker, Sunny hat es schon erwähnt, ist das sensationell gebogene Keyboard. Habe ich so noch nicht gesehen und scheint definitiv ein Merkmal der Band zu sein, die ich bis dato noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Sängerin Steva Deathless kommt nach einer Weile auf die Bühne und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Zwar schleichen sich auch hier und dort wieder technische Probleme ein, dennoch kommt die tolle Stimme von Steva weitestgehend ausgezeichnet zur Geltung. Das Horrorimage der Band wird gut dargeboten und kann viele der Anwesenden begeistern. Mit ihren Showelementen, bei denen eine Dame namens The Red Witch ihren gehörigen Teil zur Performance beiträgt, fängt die Band tatsächlich auch mich ein. Obwohl auch ich zustimmen muss, dass diese Show ohne einfallendes Tageslicht sicher besser funktioniert.
[Frank Wilkens]
Unverändert laut Running Order folgt nun aus Dänemark VANSIND.Hier erwartet uns Folk Viking Metal mit einer Vielfalt an zusätzlichen Instrumenten, zum Beispiel verschiedene Flöten, Dudelsack, Keyboard, Violine, sowie wechselndem grobem männlichen Gesang und einer sanften weiblichen Stimme.

Insgesamt sieben Musiker stehen heute hier in Runkel auf der Bühne und haben so einiges für Fans dieses Genres mitgebracht. Eine sehr unterhaltsame, gelungene und kurzweilige Show, gut platziert im Programm.
Eine große Überraschung für mich war die nächste Bandankündigung vom "No Sleep After X-Mas"-Festival im Vorfeld. Noch nie hat APOSTOLICA zuvor ein Konzert in Deutschland gespielt. Schon länger bin ich mit der Musik vertraut, aber Informationen über die Band sind kaum vorhanden. Sie ist aus Italien und alle Musiker sind stets nur in dunklem Outfit und voll maskiert in der Öffentlichkeit zu sehen. Für mich immer irgendwie eine kleine "abgespeckte" Version von POWERWOLF, musikalisch zumindest teilweise ebenfalls im Power Metal angesiedelt. Ich bin absolut neugierig, ob mich das live genauso abholt wie auf den beiden Alben. Ich glaube, weitere Kommentare zu Schwächen im Sound erspare ich mir hier.
Absolut auffällig: APOSTOLICA erscheint ohne jedes Bühnenbild, Deko oder sonstiges – nur alles in schlicht schwarz: Hintergrund, Kostüme, Masken, Mikrofonständer und Instrumente.
Doch halt: das gebogene Keyboard vor dem Bauch des einen Musikers habe ich vorhin schon bei dem Auftritt von DEATHLESS LEGACY gesehen, die zufällig auch aus Italien ist. Und mindestens zwei weitere Musiker kommen mir, durch ihre Bewegungsabläufe und den Schmuck an den Händen, irgendwie vertraut vor. Dies bestätigt einmal mehr, dass es sich hier um den Zusammenschluss von einigen bekannteren italienischen Musikern, versteckt hinter einer Maske, handelt.
Am Ende der Show kündigt APOSTOLICA für 2026 ein neues Album und eine Tour an. (Mehr "Insiders" verrate ich hier noch nicht... oder vielleicht doch: Alle fünf Bandmitglieder sind bei diesem Festival mindestens zweimal auf der Bühne musikalisch vertreten.) In meiner Wahrnehmung, obwohl die Band bei vielen nicht bekannt ist, kann sie das Publikum sehr gut von sich überzeugen, zum Mitmachen animieren und gewinnt den einen oder anderen neuen Fan. Jedenfalls gehen beim Merch-Stand auch einige CDs und T-Shirts von APOSTOLICA über den Tisch.
Ihr Deutschland-Debüt hat auch die Power Metal Band SELLSWORD aus UK an diesem Abend. Hier kann ich nur sagen, sie begeistert vom ersten Moment an die Metalheads. Die sympathischen Musiker bestechen mit kräftigen Riffs und starkem Gesang. Kleiner Funfact: Ab und an hat der Sänger Nathan Schwierigkeiten, sein Mikrofon in Form eines Schwertes aus dem legendären Stein auf der Bühne zu ziehen.
SELLSWORD ist sicherlich für viele die Überraschung des Abends. Gut platziert im Lineup mit ordentlichem musikalischem Können und einer richtig guten Power-Metal-Show. Ich bin mir sicher, dass sich die deutschen Fans sehr über weitere Auftritte hierzulande freuen würden, also bitte gerne wiederkommen! Kleiner Nachtrag: Später schreibt mir Nathan noch in einer Nachricht, dass die Band eine großartige Zeit hier hatte, ihnen alle sehr freundlich begegnet sind und das Bier natürlich fantastisch war.
Auch sie hoffen, bald wieder in Deutschland spielen zu können.
So langsam nähert sich auch schon das Ende des diesjährigen "No Sleep After X-Mas"-Festivals. Nach einer kurzen Ansprache der Organisatoren und Danksagungen, verlost man unter den ersten 50 Festivalbesuchern des ersten Tages (diese erhielten am Eingang ein Los) folgende drei Gewinne: ein von allen Bands unterschriebenes Festivalplakat, eine Festivalfahne sowie ein Festivalbanner.
Und dann geht es direkt über zum zweiten Headliner an diesem Sonntag. Das Backdrop kündigt die Band TEMPERANCE an, oder zumindest fast.
Es ist leider zu breit für die Querstange unter der Bühnendecke und daher fehlt links und rechts jeweils ein Stück, um sich in voller Pracht zu präsentieren. Dies nur am Rande und es schmälert überhaupt nicht, was die Fans jetzt erwartet.
Eine geballte Ladung an purer Lebensfreude stürmt hier heute die Bühne. Die italienische Melodic-Power-Metal-Band versprüht ungebremste Energie von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sie hat seit 2023 zusätzlich Verstärkung aus New York von der herausragenden Sängerin Kristin Starkey, was auch immer wieder gerne betont wird.
Die Show startet wie gehabt mit dem Knaller-Song 'Daruma' - Die Leidenschaft und der Funke der Begeisterung springt direkt aufs Publikum über. Ich ertappe mich mehrfach und realisiere, dass ich das Dauergrinsen die ganze Zeit nicht mehr aus meinem Gesicht bekomme.
Und selbst eingefleischte Fans, die bereits mehr Konzerte von TEMPERANCE als ich gesehen haben, quasi fast alle, bestätigen mir anschließend, dass es wahrscheinlich das beste Konzert überhaupt war.
Die Musiker wirken alle extrem gelöst und entspannt mit so viel Spaß an der Sache.
Diese Spielfreude ist mit Worten kaum zu beschreiben. Sie begeistern mit einer tollen Mischung ihrer besten Songs, unter anderem auch dem Publikumsmitmachliebling 'Diamanti' vom gleichnamigen Album.
Der strahlendste Diamant bei diesem Auftritt ist, nicht nur aufgrund des schimmernden Paillettenkleides, die Sängerin Kristin. Mit ihrer Stimme überzeugt sie jedesmal aufs Neue.
Atemberaubend auch ihre Solo-Einlage: eine Kostprobe aus der Oper "Carmen", ihrer ursprünglichen musikalischen Herkunft. Sie verzaubert und entführt mich in dem Moment so geschickt in eine andere Welt, dass ich, zugegebenermaßen, beim anschließenden TEMPERANCE-Song tatsächlich die Hälfte des Liedes benötige, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
Vermutlich hätten die Fans gerne noch stundenlang diese positiven Schwingungen weiter aufgesaugt, aber irgendwann endet nun mal jeder Auftritt.
Jedoch die guten Aussichten für 2026 sind der perfekte Abschluss für das Publikum: die Ankündigung eines neuen Albums und einer damit einhergehenden neuen Tour. Beste Aussichten also auf "mehr davon".
Hier folgt die Auflösung des Erscheinens des zweiten Gegenstandes, der bereits vorher bei einer anderen Band auf der Bühne zu sehen war, als kleiner Insider. Der sehr markante und auffällige Gürtel der Sängerin von DEATHLESS LEGACY hat diese Ehre und ziert bei dieser Show das Kleid von Kristin.
Nun ist auch endlich der Moment gekommen, dass sich METALITY e.V. kurz auf der Bühne zu Wort melden kann und auch die Bürgermeisterin von Runkel, Antje Hachmann.
Diese ist eine absolute Befürworterin und begeistert von dem "No Sleep After X-Mas"-Festival und wünscht sich, dass diese und weitere Veranstaltungen in der Art auch zukünftig erfolgreich stattfinden werden, wie sie mir später im Anschluss noch persönlich bestätigt.
Zusammen mit METALITY e.V. hat sie es in die Wege geleitet, dass ein Festival T-Shirt von allen Bands und Musikern signiert wurde. Und jetzt ist der Zeitpunkt, dies für den "Guten Zweck" zu versteigern.
Nach anfänglicher Zurückhaltung schnellt der Preis dann doch in die Höhe, vor dem Hintergrund, dass die letzte Band des Abends etwas Zeitdruck macht.
Mit Blick auf die Uhr stoppt man schließlich die Versteigerung beim Gebot von 205,- EUR. Was mich allerdings um so mehr freut, als ich beim Gespräch mit den engagierten Metalheads von METALITY e.V. am Ende des Festivals, erfahre, dass der neue Besitzer des T-Shirts seine Spende auf 220,- EUR erhöht hat.
Herzlichen Glückwünsch an die Gewinner auf beiden Seiten!
Der Headliner des zweiten Festivalabends, und somit der Abschluss, ist die kroatische Band MANNTRA.
Musikalisch hauptsächlich im Folk Metal angesiedelt, begeistert sie mit eingängigen Riffs, starkem Gesang und Melodien, die ordentlich nach vorne gehen. Live auch gerne in Szene gesetzt mit viel Pyrotechnik. Eine extra angereiste große Fanbase unterstützt ihre Band kräftig. Der Rest vom Publikum ist ebenfalls binnen Sekunden im Bann der Musiker, die gut zu unterhalten wissen. Auf der Setliste steht eine Mischung aus Hits von verschiedenen Alben aus der Bandgeschichte. Die Band beendet ihre Show mit dem kroatischen Song 'Naranca', bei dem die begeisterte Menge noch einmal kräftig mitsingt. Im Anschluss steht MANNTRA am Merch-Stand für Fotos und Smalltalk zur Verfügung. Auch ich lasse mich zu einem kurzen Plausch hinreißen.
Alles in allem gibt es bei diesem Festival wieder viele tolle Momente, um kurz mit Musikern und Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen, Fotos zu machen und jede Menge Gelegenheiten, um schöne Erinnerungen zu sammeln.
Eine Anmerkung zur Versorgung der Metalheads: Das funktioniert wieder mit Wertbons zu aktuellen "normalen" Konzertpreisen für Speisen und Getränke. Diese werden erstmalig in hübschen Festivalbechern gegen Pfand ausgeschenkt. Es gibt sicherlich das eine oder andere Essen, das später leider nicht mehr verfügbar ist. Mir sind allerdings keine Beschwerden über den Ausverkauf an Speisen, in dem Ausmaß wie im letzten Jahr, bekannt. De facto erleben wir zwar "nur" 15 anstatt geplanter 16 Bands live, was aber den Spaß an der Sache nicht wirklich mindert. Die krankheitsbedingten Absagen sind natürlich vor allem für die Bands sehr bedauerlich.
Aufgrund dessen, wie Weihnachten und die Feiertage im aktuellen Jahr fallen, wird es 2026 kein "No Sleep After X-Mas"-Festival geben. Die "4. Ausgabe" findet am 02. und 03.01.2027 statt. Der Vorverkauf für die Blindtickets zum reduzierten Angebotspreis hat bereits vor Ort begonnen und ist noch für eine kurze Zeit möglich. Garantiert kann man wieder mit einem vielversprechenden Lineup rechnen.
Es gilt, wie für viele Festivals und Konzerte mittlerweile, dass man auf den Vorverkauf angewiesen ist! Seit einiger Zeit kommt es immer häufiger zu unschönen und traurigen Absagen von Events. Die Veranstalter brauchen unsere Unterstützung, um für eine gute Planbarkeit und Durchführbarkeit zu sorgen. Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern auch für andere Metalheads: Die familiäre Atmosphäre, die "Metal Bubble" in Runkel beim "No Sleep After X-Mas"-Festival, ist einmalig und ein Kurzurlaub für jeden Metal-Akku, um mental gestärkt, angefüllt mit vielen tollen Erlebnissen, ins neue Jahr zu starten. Und es ist stets ein großes Vergnügen, dort auf bekannte Gesichter zu treffen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns alle bei der "4. Ausgabe" des Festivals wiedersehen!
[Sunny Lückheide]
Am Ende ein paar Grussworte vom Veranstalter: "Wir haben uns sehr über die rege Teilnahme im Dezember gefreut, und vor allem, dass wir so viel Lob für das Lineup erhalten haben. Das Vertrauen der "NoSax-Familie" in unsere Bandauswahl schlägt sich auch in den Vorverkauf der Tickets für die nächste Ausgabe wieder, wo wir schon ohne Bandankündigung in wenigen Tagen an die 100 Blindtickets verkauft haben. Fühlt euch alle lieb gedrückt für eure Treue und euer Vertrauen!"
[Frank Wilkens]
Text: Sunny Lückheide, Frank Wilkens
Photo Credit: Maik Rettinger
- Redakteur:
- Sandra "Sunny" Lückheide





