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Suffocation - Leipzig

21.06.2004 | 10:51

11.06.2004, Hellraiser

Viermal Tod. Gleich viermal auf die Fresse. Das tut weh. Das macht Spaß. Im kleinen Saal des "Hellraiser"-Clubs in Engelsdorf beginnt es. Dort haben sich vier Bands versammelt, die im geistigen Karteikasten allesamt unter Death Metal abgelegt sind.

INSISION beginnen den gitarresken Metzel-Spaß mit hochtechnischem Death Metal. Bei den vielen, vielen amerikanischen Einflüssen will man gar nicht glauben, dass diese Band aus Schweden stammt. Doch egal, INSISION machen ihre Aufgabe als Anheizer einwandfrei. Nur bringen sich die hochgewachsenen Nordmänner ein wenig um den wohlverdienten Beifalls-Lohn und fangen sofort nach der Öffnung des Clubs an zu spielen - da sind allerdings noch ganz schön wenig Leute da. Selbst ein Mitglied des Hellraiser-Teams ist entgeistert: "Die haben einfach so angefangen. Keine Ahnung, was in die gefahren ist...?!" Werden wir es je erfahren? War es purer Wahnwitz? Eine gehörige Portion geistiger Nachtschwärmerei? Sänger Carl Birath klingt für einen Death Metal-Grunzer eigentlich ganz "normal", sehr tief und sehr kraftvoll blökt er in die kleine Menge vor der Bühne. Cooler Beginn!

Im Anschluss lernen die Besucher im Hellraiser, was die EU-Osterweiterung metalmäßig so bringen kann. DEMENTOR aus der Slowakei bretzeln los. Mit ihrer neuen CD "God Defamer" am Merchandise-Stand spielen die vier Jungs munter auf. Ja, das ist schon eine feine Prügelattacke aus dem "wilden" Osten, ein Prise MORBID ANGEL schwingt mit. Leider ist die Akustik im kleinen Hellraiser-Saal nicht die Beste, besonders weil die Mini-Halle noch nicht wirklich voll ist - wer etwas weiter hinten steht, bekommt ein ganz schön verwaschenes Todesblei-Brett serviert. Deswegen hält sich die Begeisterung im Raum noch in überschaubaren Grenzen. Den Slowaken macht das nichts aus - sie sehen viel zu motiviert aus, überhaupt vor so einer Götterband wie SUFFOCATION spielen zu können. Was ja auch verdient ist, schließlich existieren DEMENTOR schon mehr als zehn Jahre lang und haben sogar einen Deal bei Osmose Productions ergattern können.

DISGORGE ist danach eine Band, die eigentlich niemand braucht - abgefeiert werden sie trotzdem. Die Amis spielen Death-Metal-Gehacke á la MORTICIAN. Tja, und wie ihre blutrünstigen Kollegen klingen DISGORGE brutal-brutal-brutal, mehr aber auch nicht. Stupides Gehacke, Gekrache, Gebretter... Es gibt so viele coole und intelligente Vernichtungskommandos, Bands wie DISGORGE sind dagegen nur sinnloses Gekloppe mit überheblicher Attitüde und wenig Ausstrahlung. Warum so viele Fans vor der Bühne moshen - keine Ahnung. Und auch keine Lust, drüber nachzudenken und mit dieser unnötigen Band weiter Platz zu verschwenden.

Da sind SUFFOCATION schon eine Granate ganz anderen Kalibers, das ist echte Brutalität, ungezügelte Aggression, verstärkte Wut inklusive einem ordentlichen Nervenkoller. Seit 1996 oder 1997 waren sie nicht mehr in Deutschland, genau weiß das Sänger Frank Mullen nicht mehr. Aber sie haben verdammt viel Spaß in Leipzig. Es ist der erste Gig der Tour in Deutschland, tags zuvor kamen in Holland nur rund 60 Leute. Der Hellraiser ist jetzt gut gefühlt, rund 200 Fans moshen sich in ein kleines Schädel-Hirn-Trauma. Und SUFFOCATION sind einen ordentlichen Bang-Drehwurm wert: Nicht nur, weil sie mit ihren beiden farbigen Musikern, also dem Gitarristen Terrance Hobbs und dem Drummer Mike Smith, in einer von "Weißen" dominierten Szene schon optisch ganz anders rüberkommen. Rastaman Hobbs bangt wie ein Berserker, das Publikum rastet kollektiv aus. Frank Mullen grunzt dazu, zieht irre Grimassen, ist immer noch ein unverbesserlicher Death-Metal-Psycho. Seine wilde Gestik passt gut zu seinem noch wilderen Slang, außer "Fuck, yeah" lassen sich die Zwischenansagen kaum auseinander halten. Nur das Leipzig "fucking crazy" ist, das versteht jeder im schwitzenden Publikum. Dort geht während des Konzerts ein Joint herum, Death Metal auf THC-Basis. Eine reichliche Stunde lang prügeln sich SUFFOCATION durch die neue Platte "Souls To Deny" und alte Klassiker, etwa vom "Pierced From Within"-Album. Danach steht fest: Hätten die Jungs nicht seit 1998 diese lange Pause gemacht, diese Band könnte inzwischen fast so groß sein wie CANNIBAL CORPSE. Denn hier ist alles perfekt: Die göttlichen Songs, die perfekte Technik, die krasse Stimme von Frank Mullen. Und außerdem haben SUFFOCATION mit Dan Seagrave noch den besten Coverzeichner der Welt für ihre Zerstörungswerke - doch darum geht es heute nicht. Heute geht es um den puren Live-Jubel für eine großartige Band. Und der kommt jetzt! GEIL!

Redakteur:
Henri Kramer

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