VILLAGERS OF IOANNINA CITY und THERE'S A LIGHT - Stuttgart
06.04.2026 | 14:0404.04.2026, Im Wizemann
Volles Haus bei den griechischen Dorfbewohnern, obwohl es seit Jahren kein neues Material gibt.
An einem Samstag, zwischen zwei Oster-Feiertagen, treten die VILLAGERS OF IOANNINA CITY im Rahmen ihrer Tour in Stuttgart auf.
Ich habe ein wenig Bedenken, ob die Band an diesem ungewöhnlichen Tag ausreichend Publikum ziehen wird, auch wenn sie nur in dem kleinen der beiden Säle im Wizemann lärmen soll.
Doch meine Bedenken sind am Eingang bereits zerstreut, denn da steht doch tatsächlich "Ausverkauft". Super, ich bin freudig überrascht, jetzt kriegt der Osterzottler etwas auf die Langohren!
Es ist heute das einzige Konzert in der Location und bevor der Hauptact loslegen darf, hat man sich eine regionale Band als Vorgruppe engagiert.
Den Auftakt darf pünktlich um 20 Uhr die Schwarzwälder Formation THERE'S A LIGHT machen. Ich habe mich im Vorfeld natürlich mal informiert, was die Jungs so spielen, und bin angetan. THERE'S A LIGHT spielt Postrock, reduziert, melodisch, eingängig, ohne Fransen und Fisimatenten.
Die Band ist bei uns bislang noch gar nicht vorgekommen, obwohl wir ein paar Postrock-Freunde in der Redaktion haben, wie ich merke, denn ich muss die Burschen erst einmal anlegen.
Das stellt sich sogleich als Fehler heraus, denn die Band aus Lahr mit dem coolen Logo braucht sich keinesfalls zu verstecken, die Musik hat absolut internationales Niveau und wird auch bald einem größeren Publikum zugängig sein, denn ich habe auf der Bandcamp-Seite gelesen, dass man jetzt bei Napalm unter Vertrag steht. Napalm und Postrock? Da schaut aber jemand weit über den eigenen Tellerrand. Gut so!
THERE'S A LIGHT benötigt aber einen Moment, um beim Publikum anzukommen. Die ruhigen, sphärischen Kompositionen sorgen nach und nach dafür, dass sich die Halle, die mittlerweile ordentlich gefüllt ist, im Takt wiegt und den weitgehend instrumentalen Klangkosmos der Fünf erst zögerlich, doch dann umso entschlossener betritt und beim zweiten Stück sieht man geschlossene Augen und entspannte Gesichtszüge.
Fans des Genres genießen, andere entdecken etwas Neues und natürlich müssen einige dringend ihre E-Mails auf dem Handy lesen, aber das ist ja heutzutage leider normal. Hey, die Welt dreht sich weiter, wenn zwei Damen unter fünfundzwanzig für eine halbe Stunde mal nicht online sind. Aber auf mich hört ja sowieso keiner.
Eine halbe Stunde, denn so lang ist der Auftritt, ich bin überrascht, als das vierte Stück bereits als das letzte Lied angekündigt wird. Die Kompositionen von THERE'S A LIGHT sind naturgemäß etwas länger und so bleibt der Auftritt eher ein Appetithäppchen.
Aber ich muss auch zugeben, dass es stilistisch nicht unbedingt eine passende Ergänzung zu den headlinenden Griechen darstellt, vielleicht will man das Publikum daher nicht gleich überfordern. Vielleicht hat die Band einigen Anwesenden den musikalischen Horizont erweitert. Das wäre doch ein schönes Ergebnis dieses sehr angenehmen, wenn auch kurzen Auftritts.
Pause. Je länger sie dauert, umso mehr verfestigt sich der Eindruck, dass man THERE'S A LIGHT ruhig noch ein, zwei Lieder hätte zocken lassen können. Nach einer langen Zeit, war es eine Dreiviertelstunde?, kommen dann Introtöne, wir zwei Fotografen gehen wieder los, um ein paar Shots zu bekommen.
Bei THERE'S A LIGHT war es schwierig, damit habe ich aber gerechnet, Postrock ist lichtscheu und die Bühne ist hauptsächlich von hinten beleuchtet gewesen. Ich wünschte, ich hätte einen unserer Profiknipser dabei, die mit größeren Fähigkeiten und besserer Ausrüstung sicher mehr aus der Situation machen könnten. Aber bei den VILLAGERS OF IOANNINA CITY erwarte ich eine andere Bühnenbeleuchtung. Nur: Pustekuchen. Drei Lieder dürfen wir fotografieren und versuchen, zwischen "kein Licht", "sehr wenig Licht", "Licht von hinten" und "rotem Licht" irgendwie die Musiker ins Bild zu setzen. Ein zunehmend verzweifeltes Unterfangen. Ich bin etwas genervt.
Aber musikalisch ist der Auftritt von einem ganz anderen Kaliber. Die Band, die eigentlich ja auch als Folkrock-Band begonnen hat, ist mit dem zweiten Album beidfüßig in den Psychedelic Rock gesprungen, hat intensive Kompositionen mit guten, nicht zu plakativen Refrains verbunden, sodass ihr Album "Age Of Aquarius" ein sehr intensives, musikalisches Monument geworden ist.
Allerdings ist es auch schon wieder über fünf Jahre alt. Da wäre mal etwas Neues fällig, oder? Denn als Headliner ist man mit insgesamt gerade einmal zwei Longplayern und einer Single eher eingeschränkt unterwegs. Nicht schlimm, wenn das Material von dieser Güte ist, aber trotzdem möchte man ihnen zurufen: "Ab ins Studio!"
Ausverkauft ohne neue Musik und mit wenig Werbung, die Griechen haben einen beachtlichen und treuen Fankreis, der erleben darf, wie die VILLAGERS OF IOANNINA CITY ihren Psychedelic Rock und Folkrock um treibenden Hardrock erweitern. Anstatt hier und da zu schwelgen, gibt die Band gehörig Gas und sorgt für steigende Temperaturen. Vor allem Frontmann Alex lässt die Rocksau raus und post gehörig, während seine Mitstreiter sich eher etwas zurückhalten.
Im Hintergrund agiert... ja, wer eigentlich? Ist das Konstantis oder Konstantinos? Ich bin leider mit den Musikern selbst nicht vertraut genug, um es sagen zu können, abgesehen davon, dass ich die Gesichter während des Auftritts sowieso nur selten sehen kann. Fakt ist aber, dass Flöte, Klarinette und Sackpfeifen gehörig zum Einsatz kommen und den folkigen Charakter der Sounds formen, auch wenn sie des Öfteren gegen den heftig rockenden Stromteil des Auftritts verlieren und untergehen.
Das Publikum lässt sich nicht lumpen und rockt weitgehend mit, allerdings sehe ich auch einige abwandern, als ich aus dem Fotograben nach hinten gehe. Ja, die VILLAGERS OF IOANNINA CITY sind live nicht mit dem gleichzusetzen, was sie in Rillen gepresst haben. Wer jetzt eine süße Folkdarbietung erwartet hat, kann durchaus enttäuscht sein. Ich finde die überbordende Energie gut, kann aber verstehen, wenn man sich wundert, dass es hier eher MOTÖRHEAD als CLANNAD gibt.
Irgendwann ebbt die Energie auf der Bühne ab, das Publikum ist durch und ein starker Club-Abend im Wizemann neigt sich dem Ende zu. Leider mit einem kleinen Dämpfer, denn die Band hat keinerlei Merchandise dabei. Auf Nachfrage erfahre ich, dass alles ausverkauft sei. Da sind die Dorfbewohner wohl vom Zuspruch selbst etwas überrascht worden. Schade, ich sehe im Publikum ein stilvolles, bordeauxrotes Shirt, dass ich sofort mitgenommen hätte. Na, dann eben beim nächsten Mal.
Text und Photo Credit: Frank Jaeger
- Redakteur:
- Frank Jaeger





