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With Full Force 2012 - Roitzschjora

05.08.2012 | 11:47

29.06.2012,

Deutschlands härtester Festival-Acker entpuppt sich diesmal als wirklich hart: Nicht nur musikalisch, sondern mit Sturm, Hagel und Blitzeinschlag.

Freitag

Wer dachte er kenne Hitze, wird hier eines besseren belehrt: Auch als Opener des With Full Force 2012 lassen SKELLETONWITCH keine Gnade walten. Nach drückender Hitze brennt beim Auftritt der Amerikaner die Luft und die Stimmung geht steil nach oben!

Trotz früher Platzierung auf dem Gelände treten die Thrasher mit unvermindertem Spaß an der Sache auf und treiben die Leute direkt ordentlich an. Auch wenn der Andrang noch zu wünschen übrig lässt, ändert dies der Auftakt schnell und der doch für das Festival eher ungebührliche Stil wird bei der hauptsächlich hardcoreorientierten Hörerschaft durchaus positiv aufgenommen. Wenn lange Haare vorhanden, geraten diese in Wallung und der treibende Sound von SKELLETONWITCH lädt durchaus zu Moshpits und frühmittaglichem Geprügel ein, sofern die Hitze den Kreislauf nicht in den Boden treibt. Doch die Riffkaskaden aus dem Death-Thrash Bereich und enthusiastische Bühnenshow lassen keinen Raum für Faulheit, sondern fordern bei allen Zuhörern ihren verdienten Bewegungstribut. Einzig die Tracklist lässt leicht zu wünschen übrig, fehlen doch liebgewonnene Klassiker wie 'Fire From The Sky' und einige Werke von "Forever Abomination".

Wenn auch möglicherweise auf einem Festival zugegen, auf dem ihre Musik eher auf desinteressierte und nachtdurchzecht taube Metalcoreohren trifft, liefern die Jungs eine extrem energiereiche Performance voller Gitarrensoli, groovenden Basslines und knüppelndem Spaß.

[Johannes Lietz]


DEVIL DRIVER
kommen bereits als zweite Band des Festivals auf die Bühne und werfen direkt die Frage auf, warum sie so früh spielen müssen. Immerhin wird es bereits am frühen Nachmittag zum ersten Mal richtig voll vor der Bühne und wer vorher geglaubt hat, dass die Amis mit ihrem Mix aus Melodic Death, Groove und Nu Metal den Geschmack der Festivalbesucher nicht treffen würden, war wohl auch noch nie auf dem With Full Force gewesen. Immerhin haben die Kalifornier schon ein paar umjubelte Auftritte nahe Löbnitz hingelegt. Außerdem durchforsten Dez Fafara und seine Kollegen bereits seit etwa zehn Jahren die Musiklandschaft und haben inzwischen eine gewaltige Anhängerschaft. Warum also der frühe Slot und die kurze Spielzeit? Auf diese Frage liefert der Gig zwar keine Antwort, bereitet dem Publikum aber umso mehr Spaß. Die ersten großen Circle Pits entstehen trotz heftiger Sonneneinstrahlung. Auf der Bühne haut derweil eine spielfreudige Band Hits wie 'Clouds Over California' raus. In jedem Fall ist der Auftritt von DEVIL DRIVER eine gute Visitenkarte, um bei weiteren With-Full-Force-Besuchen unter Umständen den Vorabend aufmischen zu dürfen.
Auch wenn mir persönlich der Sound der Teufelsdreher etwas zu abgegriffen und kommerziell ist, ist er für ein eher Mainstream-orientiertes Publikum genau der richtige Mix aus Wut und Rhythmus, um steil zu gehen.

Vier Gänge zurück schalten im Anschluss INSOMNIUM, die mit ihrem Melodic Death-Doom Metal auch nicht gerade zur Tageszeit passen. Allerdings nicht weil sich viele Leute für ihre Musik interessieren würden, sondern weil melancholische Klänge bei sommerlicher Hitze ihre Wirkung nicht richtig entfalten können. Es gibt zwar auch einige brachialere Lieder wie 'Down With The Sun', das auch sehr gut zur aktuellen Stimmung der sonnenverbrannten Zuschauer passt, jedoch funktioniert die Mischung aus (alten) IN FLAMES, KATATONIA und OCTOBER TIDE nicht so gut. Dennoch legen Niilo, Ville und Co auf der Bühne einen beherzten und engagierten Gig hin. Für einige mitnickende Nacken sorgt der 2006er Hit 'Mortal Share', der von "Above The Weeping World" stammt, das noch mit dem größten Göteborg-Einschlag in Erinnerung bleibt. Sicher, keine typische Kost für das Full-Force-Publikum, aber in jedem Fall eine schöne Abwechselung, die nur leider zur falschen Tageszeit serviert wurde.

Danach kommt wieder etwas womit die Anwesenden mehr anfangen können, nämlich New York Hardcore. Szene-Urväter MADBALL sind seit den frühen Tagen der Bewegung treu geblieben und werden von vielen Besuchern heiß erwartet. Völlig zu Recht! Denn die Show der Tough-Guys ist das erste Highlight des gesamten Open-Airs. Jeder Song strotzt nur so vor Energie, Bewegung und Groove, dass es eine wahre Freude ist. Innerhalb kürzester Zeit rastet das ganze Publikum aus, das sich inzwischen wieder zu einer beachtlichen Meute zusammen gerauft hat und fackelt ein deftiges Violent-Dancing-Feuerwerk ab. Kein Wunder, wer kann auch schon bei Hymnen wie dem neuen 'Empire', 'Hold It Down', dem AGNOSTIC FRONT-Cover 'It's My Life' und 'Heavenhell' still stehen bleiben? Einen mehr als würdigen Abschluss bildet nach knappen 40 Minuten das monströse 'Hardcore Still Lives', das alle Anwesenden und die Band selbst noch einmal richtig feiern. Es zeigt sich, dass dieser Songtitel mehr als nur eine hohle Phrase ist. Alles in allem ein perfekter Hardcore-Gig, der auch Black-Metaller dazu bringt, respektierend Applaus zu spenden. MADBALL fahren eine Urgewalt und eine Credibility auf, die den zutätowierten und knallbunten Metal- und Deathcore-Truppen schlichtweg fehlt, was die Zuschauer zu schätzen wissen.

[Adrian Wagner]

Während auf der Bühne der August brennt, geht davor der Arsch in Flammen auf. Schüttete es letztes Jahr noch aus Kübeln feuert die Sonne heute jede Hirnzelle weg. With Full Force – der Acker der Wetterextreme? Doch ein echter Hardcore Fan steckt so einiges weg. AUGUST BURNS RED, die Christen aus Pennsylvania, beweisen auf ihren Instrumenten wahrstes Fingerspitzengefühl – in der Zwischenzeit fliegen im Publikum Füße und knacken die Gelenke. Fronter Jake Luhrs growlt sich die Stimme wund und fordert zum Hardcore Dancing auf. Nachdem er es vorgemacht hat, äfft der Wffler es natürlich auch nach – während in Hasenkostüm gekleidete Einzelschicksale verwirrt ihre Kreise ziehen. Würzig wie Rindergulasch mit süß-lieblichen Melodien zum Nachtisch werden uns Schmankerl wie 'Cutting the Ties' oder 'Compure' aufgetischt. Schmecken lassen!

[Nadine Ahlig]


Wenn eine Band wie PENNYWISE mit neuem Frontman auftritt, ist das immer eine heikle Angelegenheit. Auf der neuen Platte ''All Or Nothing'' konnte Zoltán Téglás bereits überzeugen, und so kann man auch live mit Songs wie 'Let Us Hear Your Voice' nichts falsch machen. Dass der IGNITE-Sänger sichtlich mitgenommen ist und sich zwischen den Songs sogar mehrfach hinlegen muss, ist zwar kein Stimmungskiller, aber schon ein bisschen irritierend. Wenigstens vor der Bühne ist reichlich Bewegung: Songs wie 'Society' und 'My Own Way' werden begeistert abgefeiert. Die Ansagen übernimmt Gitarrist Fletcher Dragge, weil sich Zoli inzwischen nur noch mit einiger Mühe am Mikroständer festhalten kann. Seine Aufgabe wird dann bei 'Same Old Story' textsicher vom Publikum übernommen und der Rausschmeißer 'Bro-Hymn' wird wohl selbst auf dem Zeltplatz noch mitgesungen. Inzwischen darf man glücklich sein, dass die Band den Gig überhaupt beenden kann: Zoli muss sich später aufgrund eines Bandscheibenvorfalls einem chirurgischen Eingriff unterziehen, weshalb die übrigen Tourdaten abgesagt werden.
[Oibert Ginnersen]

Ein Aufschrei stört die Mittagsruhe: Katastrophe! LAMB OF GOD haben abgesagt! Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnt, ist der durchaus ernste Grund dieser Absage rund um Frontmann Randy Blythe. Trotzdem folgt diesen Neuigkeiten ein Aufstöhnen, denn die Headliner der Herzen waren nicht selten Grund zur Anreise vieler Besucher. Glücklicherweise findet sich schnell Ersatz: EMMURE springen in die Bresche, die LAMB OF GOD hinterlassen haben, und wechseln für ihren Auftritt vom Partyzelt zu einem großen Gig auf der Mainstage. Mit ihrem effektbeladenen Metalcore treffen die Jungs aus Connecticut ziemlich genau den Geist des Festivals und bei mittlerweile angenehmeren Temperaturen werden die fünf auch dementsprechend von der Menge gefeiert. Den wenigen, die wegen schwermetallischeren Bands angereist sind, mag der doch gewöhnungsbedürftige Sangesstil, der zwar die üblichen Scream- und Growltechniken beinhaltet, aber doch mit schneller Vortragsweise in fast schon Nu Metal-artiger Weise über die Menge schwappt, sauer aufstoßen, jedoch bezeichnet dies einen Genremix, der von einem Großteil der Besucher dankend angenommen wird. Kombiniert mit viel Gehüpfe auf der Bühne und anpeitschen der Menge hinterlassen EMMURE bei vielen einen soliden Eindruck, schaffen es allerdings nicht die Wunde zu schließen, die das Fehlen von LAMB OF GOD hinterlassen hat.

[Johannes Lietz]

Als waschechter Dirigent stellt sich Mitch Lucker, Fronter von SUICIDE SILENCE, heraus. Selbst jemand der mit dem Genre Death Core nicht wirklich viel anfangen kann, kommt hier auf seine Kosten. Flutschig wie Wassereis führt Mitch seine Anhängerschaft durch die Show und lässt keine Möglichkeit aus, das Publikum erfolgreich zu animieren. Damit sichert er seiner Band einen der besten Auftritte des ganzen Festivals. Die Bühne wird buchstäblich auseinandergenommen und es kracht an allen Enden. Mit "Wollt ihr was ganz altes? Ach, drauf geschissen. Hier kommt was Neues"' wird 'Slaves to Substance' vom aktuellen Album 'The Black Crown' angekündigt. "Hold your little balls and dicks" – ob dies erfolgreich umgesetzt werden konnte, darf wohl bezweifelt werden. Es wird gemosht und abgerockt wie wohl kein weiteres Mal an diesem Tag. Erste Sahne!

[Nadine Ahlig]

Dann wird es Zeit für lodernde Feuersäulen, Thrash-Riffs und Gitarrenduelle auf der Mainstage: Nach Stunden der Entbehrung mit jeder Menge Metalcore und Punk kommt mit MACHINE HEAD endlich ein ordentliches Pfund Metal auf die Bühne. Die vier Kalifornier legen mit dem neuen 'I Am Hell' los, während der Vollbärtige Rob Flynn in seiner schwarzen Kutte unentwegt die Fanmassen anfeuert: "You're motherfucking amazing!" schreit der Frontman in Richtung der dutzenden Crowdsurfer, während aus zigtausend Kehlen "Machine Fucking Head!" zurück kommt. Songs der Nu-Metal-lastigen Phase um die Jahrtausendwende sind glücklicher Weise endgültig aus dem Sortiment gestrichen, dafür wird erstmals auf einem deutschen Festival 'Aesthetics Of Hate' ausgepackt. 'Darkness Within' wird den Kumpels von SUICIDE SILENCE gewidmet, Rob prostet der Menge zu und schmeißt nicht das einzige Bier gleich hinterher. Natürlich darf der alte Meilenstein 'Davidian' nicht fehlen, bevor sich der gute Robert nach jeder Menge spendierter Gitarrenplektra noch einmal gebührend von den Fans verabschiedet: Jede Ecke soll auf Fingerzeig ordentlich grölen, zur mehrfach wiederholten Verbeugung werden gleich mehrere Nebelsäulen in die Luft geblasen. Eines Headliners absolut würdig!
[Carsten Praeg]

Setlist: I Am Hell (Sonata in C#), Old, Imperium, Beautiful Mourning, Locust, Aesthetics of Hate, Darkness Within, This Is the End, Halo, Davidian (Zugabe)


Auftakt der viel gelobten "Knüppelnacht" stellen die rar gesähten Schwarzmetaller von DARK FUNERAL dar, die für viele Hardcoreverächter eine frische Brise im musikalischem Gleichklang der Core-Bands darstellen. Mit keifendem Hass knüppeln sich die Jungs mottogemäß auch nach wenigen verstrichenen Takten in die Nacken der wartenden Menge, so dass die Haare temporeich im schnellen Takt der Double Bass Drums fliegen, zu denen passend sich "Caligula" Nachfolger "Nachtgarm" die Texte von der Seele schreit! [Der Hamburger gibt den Schweden live endlich das, was ihnen live oft gefehlt hat: Schmackes in der Hüfte! - Anm. v. Carsten] Während die BPM der Musik sich langsam immer mehr in die Höhe schrauben füllt sich auch das Partyzelt, in das die Knüppelnacht versteckt wurde. Langsam, denn viele Zuschauer begrüßen den Genrewechsel mit offenen Armen und Geistern. Wenn auch die Spielzeit der Black Metal Band leicht zu wünschen übrig lässt, verlassen die Musiker mit einem gefeierten 'My Funeral' schon nach mäßig langer Zeit die Bühne und hinterlassen dabei eine zufriedene Menge, die sich nach dieser starken Performance erst recht auf den kommenden Extreme Metal freuen kann. Ein echter Höhepunkt des Festivals!

[Johannes Lietz]


Mit DYING FETUS betritt die erste amtliche Deathgrind-Horde des Tages die Bühne und beendet für's erste eine Todesblei-Durststrecke, der Death-Metal-Fans auf diesem Festival mehrfach ausgesetzt sind. Dafür ist die Zeltbühne nun vollgestopft und viele Zuschauer begrüßen die Amis lautstark. John Gallagher und Sean Beasley hauen ordentlich in die Saiten und wechseln sich beim Abfeuern kranker Grunts und Screams jeweils ab. Der Auftritt ist ein einziges Sperrfeuer und zaubert ein Lachen in alle Gesichter, deren Besitzer Brutal Death Metal und Grindcore mögen. Die Songauswahl ist wie immer auch nackenbrechend und mit vielen Hits gespickt. So kommt 'Invert The Idols' genauso zu Ehren wie auch 'Killing On Adrenaline'. Die Stimmung erreicht aber wie immer erst ihren Höhepunkt als zum Abschluss der Bandklassiker 'Kill Your Mother, Rape Your Dog' angestimmt wird. In Sachen Deathgrind ist das wohl eine der wichtigsten Nummern, die das Genre zu bieten hat. So endet ein toller Auftritt der etwas hüftsteifen der Mannen aus Maryland. Es ist wirklich schade, dass solche Musik auf dem With Full Force ein Schattendasein führt.

[Adrian Wagner]

Wie heißt es im Programmheft so schön? "Wenn Black Metal Krieg ist, sind ENDSTILLE Weltkrieg." Dem muss die zum Quintett angewachsene Kieler Panzerdivision natürlich gerecht werden und schmückt die Zeltbühne gleich mal mit Stacheldraht und alten Wehrmachtshelmen. Um das ganze noch zu toppen, rotzt Sänger Zingultus zum Opener 'Dominanz' einen geschätzten Liter Blut in den Fotograben – und trifft dummerweise Fotokollegen Stefan, der danach erstmal ein halbe Stunde lang wutschnaubend sein teures Objektiv säubern darf. Derweil macht der neue Frontmann Vorgänger Iblis und dessen kultig-norddeutschen Ansagen fast schon vergessen, wickelt sich sein Mikrokabel um den Hals und geistert dermaßen abgedreht über die Bühne, als wolle er sich als Heath Ledgers Nachfolger in "Dark Knight" bewerben. Als Gegenpol zur Kriegsumzäunung hat Schlagzeuger Mayhemic Destructor das RAF-entlehnte Kalaschnikow-Bandlogo auf seine Schießbude gemalt. Genauso wie Gitarrero Wachtfels, der seinen roten Rauschebart schick zu einem Zopf gebunden hat, verzichtet der Fellgerber auf's Corpsepaint - was dem brachialen Auftreten der Norddeutschen aber keinen Abbruch tut. Souverän werden 'Endstilles Reich' oder 'Anomie' rausgebollert, zum Abschluss noch 'Navigator' obendrauf – this is war!

[Carsten Praeg]

Es gibt, wie bereits mehrfach erwähnt, nicht viel Death Metal und Grindcore auf dem With Full Force, aber dafür sind die wenigen knallharten Acts auch erste Sahne. Der lebende Beweis für diese Aussage ist die schwedische Grind-Institution NASUM. Ja, ihr lest richtig. NASUM sind für eine Tour zurückgekehrt und begehen nicht nur ihren 20. Geburtstag, sondern ehren auch ihren alten Sänger Mieszko Talarczyk, der 2004 bei dem großen Tsunami in Thailand ums Leben kam. Dessen Platz am Mikro übernimmt für diese Tour der ROTTEN-SOUND-Fronter Keijo Niinimaa. Allerdings handelt es sich bei dieser "Reunion" tatsächlich nur um eine einmalige Sache laut Band und nach dieser Tour um die Welt ist NASUM endgültig Geschichte. Ein Grund mehr um die 40 Minuten Schweden-Grind bis zur letzten Sekunde auszukosten. Auch wenn Bassist Jesper Liveröd zwischendurch mal verlauten lässt, dass Grindcore kein Spaß sei, geht die Stimmung durch die Decke (zumindest in den ersten Reihen, wo sich Die-Hard-Fans vor Begeisterung in den Schlüpfer ejakulieren). Klangtechnisch packen die Skandinavier eine Maschinengewehr-Salve nach der nächsten aus und erzeugen eine unglaublich massive Soundwand, wie man sie bei keiner anderen Death-Metal- oder Grind-Band geboten bekommt. Dennoch sind die Songs durchweg gut erkennbar und identifizierbar. So prügeln alte Hits wie 'This Is...', 'I See Lies' und das abschließende Götterwerk 'Inhale/ Exhale' aus den Boxen, bei dem auch die allerletzten Dämme brechen und die letzte Reserven mobilisiert werden. Dann ist aber leider Ende und viele im Publikum werden wehmütig bei dem Gedanken daran, dass sich eine der besten Bands der Extremisten-Szene in den Ruhestand verabschiedet. Hoffentlich überlegen sich die Skandinavier die Sache mit Aufhören noch mal.

[Adrian Wagner]

Zu mittlerweile schon fortgerückter Stunde dürfen dann auch die Belgier von ABORTED endlich die Zeltbühne erklimmen. Mit fanatisch schnellem Drumming und passenden Riffs knallt die Brutal Death Metal Kapelle jedem Zuhörer eine Soundkaskade aus druckgewaltigen und schleifenden Gewaltorgien entgegen. Die mittlerweile etwas geleerte Zeltlocation würdigt den Auftritt zwar entsprechend, ist allerdings nicht unbedingt euphorisch über die Songs der Band, da diese oft zu gleichförmig erscheinen und neben dem Schlagzeug Innovationen missen lassen. Auch haben sich viele Kostverächter des Genres wohl nur aus morbidem Interesse an der unüblichen Musik unter das Publikum geschlichen und es gelingt nicht ganz, den Enthusiasmus vieler Fans zu teilen. Die Stimmung bleibt trotzdem gut, auch wenn sich langsam das Publikum tendenziell eher weg von der Bühne und näher nach hinten zur Biertheke bewegt. Trotz allem kein direkt schlechter Auftritt, aber immer noch eher Durchschnitt in der Knüppelnacht.

[Johannes Lietz]

"Guten Morgen, schön dass ihr so früh aufgestanden seid!", bedankt sich DEBAUCHERY-Mainman Thomas Gurrath alias "The Bloodbeast" alias "Blutgott" und hat damit nicht ganz Unrecht, denn als um etwa halb fünf die Death'n'Roller die Bühne entern, ist es bereits so hell, dass man künstliches Licht nicht mehr braucht. Trotzdem taucht der Lichttechniker die Bühne in ein blutiges Rot. Überhaupt steht bei DEBAUCHERY in erster Linie die Show im Vordergrund. Denn wer achtet noch auf die Songs, wenn eine heiße Blondine eine Stripshow hinlegt, bei der sie sich nicht nur auszieht sondern auch noch mit (Kunst?)Blut herumsaut? Trotzdem wurde auch Musik gemacht und rockige Hymnen wie 'Warmachines At War' oder 'Butcher Of Bitches' kommen besonders gut an. Das von vielen sehnlich erwartete 'Blood Of The Blood God' wird in bester Fußballstadion-Mitsing-Manier begangen und holt die allerletzten Reserven aus den zahlreichen Nachtschwärmern heraus. Während die Sonne immer höher steigt, neigt sich die Knüppelnacht dem Ende entgegen, aber der 'Blutgott' sieht auch die Vorteile dahinter, dass man erst als letzte Band die Bühne geht und meint, dass man nun immerhin überziehen darf und nutzt die Chance um eine Zugabe zu spielen. 'Death Metal Warmachine' wird so zum Soundtrack für den Heimweg, der eindeutig zu hell ist, um noch eine geruhsame Nachtruhe zu bekommen. Aber für einen solchen Rausschmeißer wie DEBAUCHERY hat sich das lange Aufbleiben in jedem Fall gelohnt.

[Adrian Wagner]

 

Redakteur:
Adrian Wagner

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