THE SECRET "Solve et Coagula"
→ Kompromissloses Gemetzel in der Schnittmenge aus Black Metal, Crustcore, Sludge und Grindcore. Man nehme die corige Aggression von CONVERGEs "Jane Doe", mische es mit der simplizistisch schwarzen Herangehensweise von DARKTHRONEs "Under a Funeral Moon" sowie BEHERITs "Drawing Down the Moon" und würze es ein wenig mit NAPALM DEATHs "Scum" und AMEBIX' "Arise". Die größtenteils ein- bis zweiminütigen Stücke mögen dem einen oder anderen unterentwickelt erscheinen, bewirken aber im Zusammenspiel mit der angenehm kurzen Spielzeit den "Reign in Blood"-Effekt und werden auch von einigen fünfminütigen Sludge-Monstern à la GRIEF aufgelockert. Die Scheibe ist so ziemlich der destruktivste italienische Export seit Mussolini. Da ich CONVERGE bereits angesprochen habe, sollte die messerscharfe Produktion aus Kurt Ballous Aufnahmestudio nicht unerwähnt bleiben. Der Mann hat so langsam den Dreh mit den Knöpfchen raus.
Anhören:
1968KONTINUUM "Earth Blood Magic"
→ Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis SÓLSTAFIR Nachahmer inspirieren. Aber auch noch aus Island? Ist das nicht ein bisschen zu offensichtlich? Auch hier wird Psychedelic Rock mit schwarz-folkigen Elementen vermengt und der von SÓLSTAFIR viel zu oft missbrauchte Auftakt-Beat hat gleich im ersten Song einen Auftritt. Zugegeben, der Sänger klingt anders und es wird hier und da ein bisschen mehr gerifft als auf "Svartir Sandar" und auch mal ganz kurz der Black Metal ausgepackt, aber das Vorbild lässt sich zumeist heraushören. Das stört aber nicht weiter, da das hier der erste mir bekannte Klon der lässigen Isländer ist.
Anhören:
Steinrunninn SkógurNEUROSIS "Honor Found in Decay"
→ Hmpf. Es ist... nett? Aber sämtliche Experimentierfreude wurde auf die Nebenprojekte der Band ausgelagert und zurück bleibt halt ein abgestandenes und wieder aufgewärmtes "A Sun That Never Sets". Man spürt keinerlei Ambitionen für Weiterentwicklung, obwohl die Band genau dafür bekannt ist. Seit ich das erste Mal "Through Silver in Blood" hörte, hat die Band mich mit jedem folgenden Album überrascht und überwältigt. Diesmal lösen sie bei mir mit diesem müden und biederen Altmänner-Sound nur ein gleichgültiges Schulterzucken aus. Besonders schade: 3 Songs ('Bleeding the Pigs', 'My Heart for Deliverance' und 'Casting of the Ages') recyceln das Hauptriff von 'A Season in the Sky'. Man könnte verzeihen, wenn Scott und Steve das Riff eines 8 Jahre alten Songs
einmal wiederverwenden, weil sie als alternde Säcke sich nicht mehr an alles erinnern können. Aber fiel niemandem während der Aufnahme auf, dass drei (!) Songs das gleiche Riff immer und immer wieder verwenden? Jungs, beim nächsten Album bitte wieder mehr Kreativität (wie auf "The Eye of Every Storm"), mehr Riffs (wie auf "Times of Grace") und mehr Spielfreude (wie auf allen anderen Alben) und weniger hüftsteife Selbstparodie, mkay?! Mir ist zwar klar, dass ihr langsam alt werdet, aber ihr habt auch einen Ruf zu verlieren als eine der kreativsten und einflussreichsten Bands der letzten 20 Jahre.
Anhören:
All Is Found... In TimeHAIL SPIRIT NOIR "Pneuma"
→ Macht nach wie vor einen Heidenspaß. Wunderbar schräg. In Verbindung mit der Retro-Produktion und der Hammond-Orgel klingt der psychedelische Sound wie Black Metal made in 1969.
Anhören:
Mountain of HorrorDODECAHEDRON "Dodecahedron"
→ Fun, fun, fun für die ganze Familie! Außer vielleicht für Jhonny, dem es zu avantgardistisch und industriell sein dürfte.
Anhören:
I, ChronocratorTHOSE POOR BASTARDS "Behold the Abyss"
→ Mir fällt keine Beschreibung ein. Aber außer Azmo, Eike und mir interessiert sich eh keiner für diese Band, also was soll's.
Ha, den Trick habe ich von Reverse Psychology Man!Anhören:
A Robe of Scarlet ThreadFOETUS "Deaf"
→ Oh Jim, you so silly. Völlig beknacktes Gemisch aus Post-Punk, Industrial, No Wave, Disco, Noise Rock, ZAPPA, NEUBAUTEN, LAIBACH, COIL, CAPTAIN BEEFHEART sowie einer sehr betrunkenen Live-Performance von JOY DIVISION und THE STOOGES. Dieses Debüt von 1981 ist trockener als die Spätwerke dank unterproduziertem Bass und eher sparsamen Einsatz der Keyboards. Mr. Thirlwell auf einer sehr seltsamen Suche nach seinem Stil, aber bereits reifer
(oder zumindest etwas weniger dadaistisch) als es die Herren Bargeld und Unruh um die Zeit waren. Die erste SWANS-EP, die ein Vierteljahr nach diesem Album erschien, ist aus demselben kreativen Sumpf der New Yorker Post-Punk/No Wave-Szene entstanden und man merkt das dem Sound der beiden Alben an. Das muss schon damals ein seltsames Szeneumfeld gewesen sein: Lauter arbeitslose, arme Künstler, die sich trotz allem Unmengen von Koks und Heroin leisten konnten, zu zwölft in verkommenen Kommunen hausten und Andy Warhol und Lou Reed huldigten
(letzterer genoss damals noch einen guten Ruf als Experimentalkünstler und war noch kein dement brabbelnder Obdachloser mit einem Fetisch für Möbelstücke). Und so ganz nebenbei nahmen diese Hippie-Punks im Rausch ein paar der originellsten und interessantesten
(wenn auch nicht immer besten) Werke der Rockgeschichte auf.
Anhören:
Is That a LineBLOOD RED SHOES "In Time to Voices"
→ Eigentlich müsste ich noch die anderen beiden Alben anhören, aber nun bin ich erst einmal hieran hängen geblieben. Zudem muss ich die Scheibe ja zwecks 2012er Poll etwas genauer sezieren. Ihr zwingt mich also dazu! Extrem lässiges Teil. Und da Azmo meint, dass die beiden Vorgänger noch besser wären
(und sowohl Musik-Sammler als auch RYM ihm recht geben), kann ich ja noch richtig Vorfreude aufbauen. So wie man mit der schlichter aussehenden besten Freundin seines Schwarms erst einige Monate vögelt, bevor man den nächsten Zug macht. Oje, Beziehungsberater sollte ich besser von meinen Berufswünschen streichen... Anyways, schöne Kontraste gibt es auf dem Album. Mein Anspieltipp da unten ist herrlich punkig und soll die Power der Band verdeutlichen, doch dann gibt es am anderen Ende des Spektrums
Slip Into Blue, welches geradezu verdächtig nach den großartigen COCTEAU TWINS klingt. Garagenrock, Punk, Indie Pop und Shoegaze auf einem Album? Vorgetragen von einem superheißen Teilchen
(und so einem kompetenten Schlagzeugerhoschi, aber wer interessiert sich schon für den...)? Top 20 anno 2012, hier kommt ein ganz heißer Kandidat. Obwohl sich zumindest an meinen Top 5 wohl nichts mehr ändern wird. Es sei denn NEUROSIS bringen noch ein richtiges Album raus, das nicht nur aus den B-Seiten der letzten 3 Aufnahmesitzungen besteht. Man wird ja wohl noch hoffen dürfen?
Anhören:
Je Me PerdsMGŁA "With Hearts Toward None"
→ Nach Jhonnys Verständnis wäre das hier also "richtiger" Black Metal ganz ohne "avantgardistische Spielereien" oder "Industrial-Elemente". Was auch immer er sich darunter vorstellen mag. Und trotzdem gefällt es mir ausgezeichnet. So was aber auch. Demnächst höre ich dann vielleicht noch so unavantgardistischen, unindustriellen Black Metal wie ISVIND oder alte DARKTHRONE oder TERATISM oder INQUISITION. Ach, halt, tue ich ja bereits. Tz, ich Dummerchen

Anhören:
With Hearts Toward None VIISIMEON SOUL CHARGER "Harmony Square"
→ Ich fand Nils' Song in der YT-Battle sowie das Review sehr überzeugend. Altmodischer Psychedelic Folk Rock im Stil der späten 60er gewürzt mit ein bisschen zeitgenössischem Americana. JEFFERSON AIRPLANE, THE GRATEFUL DEAD, COMUS, BONNIE 'PRINCE' BILLY, THE ANGELS OF LIGHT, JETHRO TULL, 16 HORSEPOWER und ESPERS sind einige der Namen, die mir im Laufe des Album in den Sinn kommen. Bei so viel Namedropping brauche ich ja kaum zu erwähnen, dass das Album meinen Geschmack trifft, oder? Buy or die!
Anhören:
Babylon GroveALL PIGS MUST DIE "God Is War"
→ Man stelle sich Folgendes vor: Die CRO-MAGS, mittlere NEUROSIS, NAILS, DISCHARGE, NOOTHGRUSH und frühe BATHORY haben in einer ziemlich wüsten Orgie ein Kind gezeugt. Und es ist ein absolutes Monster geworden, welches eine blutige Spur der Zerstörung hinterlässt. Nach dieser Traumvorstellung noch eine philosophische Frage: Wenn Gott Krieg ist und Black Metal bekanntermaßen auch, sind dann Black Metal und Gott ein und dasselbe?

Anhören:
God Is WarMOTORPSYCHO & STÅLE STORLØKKEN "The Death Defying Unicorn"
→ Habe ich bereits erwähnt, dass ihr auf Sally hören sollt, was dieses Album anbelangt? Nein? Wirklich nicht? Okay, dann hört gefälligst auf Sally, was dieses Album hier anbelangt. So eine vor Spielfreude und Ideen berstende Prog-Rock-Platte hört man nicht alle Tage. Bei den meisten anderen Bands solltet ihr ihn und seine Euphorie natürlich besser ignorieren

Anhören:
Into the GyreSWANS "The Seer"
→ Nun, Sally, ich weiß ja mittlerweile, Du bist wegen der Eclipsed-Rezension sehr interessiert an dem Werk und hast ja selbst gesagt, dass Du nur darauf wartest, bis es billiger wird. Mein Tipp: Anstatt die Gefahr einer Enttäuschung einzugehen — denn bis zum Erbrechen ausgekostete Monotonie und Repetition sind typische Stilmittel der Band und das Teil geht nun einmal zwei Stunden, in denen (frei nach Jhonny) "nichts passiert" — besorge Dir vielleicht lieber irgendwo möglichst günstig den wesentlich leichter verdaulichen Vorgänger "My Father Will Guide Me Up a Rope to the Sky" und dann weißt Du auch, ob dieser Sound
wirklich Deinem Gusto entspricht. Falls Du es noch nicht gelesen hast, mein Review zur "My Father" findest Du
hier. Eins zu "The Seer" formiert sich hoffentlich gerade in meiner Großhirnrinde. Leider drückt sich diese gerade wegen des doofen Tumors und des resultierenden Hirnwasserstaus gegen meine Schädeldecke
(hach, die paar Wochen ohne Kopfschmerzen waren schön), sodass die Worte nicht so einfach aus mir heraus sprudeln möchten, wie ich das gerne hätte; darum müssen diese kurzen Zeilen reichen

Anhören:
AvatarSTARKWEATHER/OVERMARS Split
→ Genau genommen habe ich davon bisher nur die STARKWEATHER-Seite gehört. Nichts gegen die Froschfresser von OVERMARS, deren Album "Affliction, Endocrine... Vertigo" durchaus gelungenen Prog-Sludge à la INTRONAUT oder RORCAL bietet und auf dieser Split ausgehend von den Titeln offenbar seine Fortsetzung findet, aber in erster Linie gehe ich halt steil auf den oberkrassen Metalcore/Sludge/Crustcore/Mathcore/Doomcore/Progcore (?) der viel zu selten in Erscheinungen tretenden Philadelphier
(denkt noch jemand an Frischkäse?), die immer mehr wie eine albtraumhafte Version von NEUROSIS klingen. Doch während die vergleichsweise populären kalifornischen Sludgies immer ruhiger und introspektiver werden, entwickeln sich STARKWEATHER in eine zunehmend technischere, strukturell verschlungene, abstraktere und vor allem brutalere Richtung. Völlig überrascht durfte ich feststellen, dass es von dieser Band sogar ein
Review auf PM.de gibt, welches — ohne die Band eindeutig zu loben oder zu kritisieren — auf deren unnahbaren, kaum eingängigen und nonkonformen Sound eingeht. Jener findet sich auf der Split zu Genüge. Dagegen ist die rezensierte "Croatoan" eingängige Popmusik. Schade, dass es die beiden Titel der Split nicht auf CD gibt, die hätten sehr gut auf das letzte Album gepasst und scheinen aus der selben Aufnahmesession zu stammen.
Anhören:
Armed MemoryP.S.: Hiermit entschuldige ich mich bei Jhonny und Sally dafür, dass ich ihre Namen für meine Beschreibungen in einem negativen Kontext missbraucht habe. Ich schulde euch beiden je ein Bier. Und zwar gutes Bier, nicht irgendein x-beliebiges Billiggesöff.