Vorzeitige Playlist einer halben Musikwoche, weil ich morgen für ein Weilchen die Bundesrepublik verlassen und untertauchen muss. Falls das BKA nach mir fragt: Ihr habt mich nie gesehen, wisst von nichts und das Mädel sah definitiv volljährig aus!

MGŁA "With Hearts Toward None"
→ Sehr rifflastiger, organisch klingender, gut produzierter Black Metal mit dicken, haarigen Cojones. Ohne tuntiges Keyboardgedudel und fernab von allem unterproduzierten Staubsaugerrauschen der zahlreichen DARKTHRONE-Klone, weit weg von den stumpfen Nähmaschinen-Orgien der MARDUKs und ENDSTILLEs dieser Welt und nicht mal annähernd im gleichen Universum wie Heulsusen à la LIFELOVER oder SHINING. Einfach nur schnörkelloser, allerdings auch nicht gerade simpel gestrickter, deftig rockender schwarzer Metalmetal. So unspektakulär sich das auch lesen mag, so selten habe ich etwas derartiges so großartig präsentiert gehört. Dieser Kerl spielt genau das, was ich mir unter purem Black Metal vorstelle. Hail to Poland!
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'With Hearts Toward None II'
STARKWEATHER "This Sheltering Night"
→ Aus irgendeinem Grund suchte (mit kurzem u) ich gerade diese Scheibe. Offenbar zündet sie erst jetzt. Aber dafür richtig! War ja schon schlimm genug, dass ich von ihr erst im Januar 2011 erfahren habe, sonst wäre sie sicher in meine Topliste für 2010 gekommen; zudem habe ich sie auch noch lange Zeit nicht ausreichend gewürdigt und bin lieber auf ihren grandiosen Vorgänger ausgewichen. Dabei ist das so ein herrlich komplexes wie abweisendes, schroffes und störrisches Meisterwerk. Und erst jetzt fiel mir bei einem näheren Blick aufs Backcover auf, dass die Ambient-Tracks zwischen den brutalen Songs von DÄLEKs DJ geschrieben wurden. Das nenne ich mal 'ne ungewöhnliche Kollaboration. Da sage noch einer, Hip Hop und extreme Gitarrenmusik passen nicht zusammen. Zudem sind diese Interludi nicht einfach nur sinnlose Spielerei, die die Laufzeit der CD erhöhen sollen, sondern auch tatsächlich notwendige Verschnaufpausen nach den dissonanten Riffattacken und fordernden Strukturen der Songs.
Die Musik selbst besteht laut meinen schiefen und mit Wolle verstopften Ohren zu etwa gleichen Teilen aus NEUROSIS, GORGUTS, DAMNATION A.D. und INTEGRITY. Da ich gerade zu faul zum Tippen bin, verweise ich den wohl einzigen potentiellen Interessenten auf ein paar lesenswerte Reviews, die ich beim Stöbern in den Internetzen ausgegraben habe:
http://www.decoymusic.com/reviews/stark ... ring-nighthttp://www.bringonmixedreviews.com/musi ... ht-review/http://hearwaxmedia.com/starkweather-sheltering-night/(Den sowohl für Fans als auch Hater gleichermaßen eher fragwürdigen Vergleich mit DREAM THEATER beim zweiten Review sollte man allerdings besser ignorieren...

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'Epiphany'
CRIPPLED BLACK PHOENIX "(Mankind) The Crafty Ape"
→ "Roger Waters und David Gilmour, bitte adoptiert uns!" schreit es mir bereits bei
'The Heart of Every Country' entgegen, aber zum Glück versteht sich die Band auf mehr als nur reines Huldigen der großen FLOYD. Da wird mal treibend, mal lässig, mal episch gerockt, hin und wieder der Blues ausgepackt und zwischendurch auch mal romantisch verschnauft. Bravo, Jungs und Mädel, ihr habt alles richtig gemacht und einen abwechslungsreichen und gut strukturierten Doppeldecker geschaffen. Das soll euch erst einmal einer nachmachen.
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'Release the Clowns'
SWANS "The Seer"
→ Long album is long. Aber man muss sich halt für die Endjahresliste auch oder sogar ganz besonders mit den anstrengenden Werken befassen. Und solange es so viel Spaß macht wie hier, findet sich auch irgendwie die notwendige Zeit dafür.
Wechselt immer wieder zwischen hintergründiger Kopfhörermusik und fett rockendem Krach, der die Anlage sprengt und zum Luftgitarrespielen anregt. Nachdem die Band einen erst einmal so richtig schön mit repetitiv-hypnotischen Parts inklusive feinen, subtilen Variationen eingelullt hat, wirken die plötzlichen Wendungen und Crescendi umso mächtiger und verursachen fast schon Schleudertraumata in den Trommelfellen. Respekt, meine Herren (und teilweise auch Damen), nach so vielen Jahren könnt ihr mich immer noch überraschen mit kleinen, aber feinen Tricks. Reifes, erwachsenes und abgeklärtes Werk.
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'Mother of the World'
DØDSENGEL "Imperator"
→ Longer album is even longer. Doch wie Sally es schon so schön neudeutsch formulierte: Norway 4 Weltherrschaft! Dann wären wenigstens unsere Wirtschaftsprobleme gelöst und es gäbe an jedem Kiosk günstig schwarze und weiße Schminke, Streichhölzer und Wegpläne zur nächsten Kirche zu kaufen.
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'Sun on Earth'
ELYSIAN BLAZE "Blood Geometry"
→ Für diese über zwei Stunden Blackened Funeral Doom muss man viel Muße mitbringen. Das war natürlich noch nie eine Band, die man so nebenbei hören konnte, aber dieses höchst ambitionierte Doppelalbum fordert dem Hörer vollste Aufmerksamkeit ab.
Dafür sind die Kompositionen trotz 18 bis 36 Minuten Länge ziemlich geschäftig und kurzweilig und bilden quasi das schwarze Gegenstück zum "Deathened" Funeral Doom von ESOTERIC. Ruhig und atmosphärisch dagegen sind die kürzeren Stücke, die als Intro und Outro dienen, während das Herz einer jeden CD mit vielen Riffs und Wendungen aufwartet. Naja, nachdem der gute Herr Mutatiis mit seinem Wahn nach Perfektion runde 6 Jahre an der Scheibe getüftelt und das Ergebnis mehrmals verworfen hatte, darf der geneigte Käufer und Hörer ja auch was für sein Geld verlangen.
Ein derart forderndes Werk ist natürlich nicht jedermanns Sache, den meisten wird es zu langweilig sein; aber trotz der gewaltigen Spielzeit (immerhin noch 20 Minuten kürzer als die DØDSENGEL) kann man nicht behaupten, es "passiere nichts". Tatsächlich ist der Sound nicht einfach nur "necro" und trist mäandernd, sondern sehr majestätisch — gewürzt mit Piano, Orgel und vereinzelten symphonischen Momenten, die den sich windenden und für das Genre ungewöhnlich abwechslungsreichen Stücken etwas epische Erhabenheit verleihen.
Ick find dit dufte, aber wie der Frosch schon anmerkte, bin ick hier wahrscheinlich och der eenzje mit dieser ausgeprägten Affinität zu derart stressigen Klanggebilden fernab jeglicher traditionellen Strukturen der Popmusik. Es ist halt einsam an der Spitze, aber irgendjemand muss den Job ja machen. Hach, was bin ich awesome. Suit up!
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'Sigils That Beckon Death'
MOTORPSYCHO & STÅLE STORLØKKEN "The Death Defying Unicorn"
→ Schräge Bläser, rockende Riffs, jazzige Dissonanzen, harmonische Vocals, 70er-Prog-Symphonik. Postmodern gefilterter pompöser Kitsch und augenzwinkernd prätentiöses Geprogge präsentiert mit fast schon jugendlicher Spielfreude. Klingt manchmal ein bisschen so, als würden AT THE DRIVE-IN die Songs von CARAVAN und YES covern.
So huldigt man dem klassischen Prog. Sieh mal einer an, auch ein taubes Blautier findet mal einen Diamanten
Also gehorcht Sally und kauft euch dieses Werk. Das gilt ganz besonders für die Leute, die der letzten OPETH gute Noten gegeben haben. Hier hört ihr nämlich auch mal, wie man das mit dem spielfreudigen Retro-Prog richtig macht.
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'Mutiny!'So, dann wünsche ich euch allen noch viel Spaß, während ich mich im Ausland vor Interpol und dem SEK verstecke. Keine Sorge, mein MP3-Player ist prall gefüllt. Und wehe, ihr hört nicht meine mühevoll rausgesuchten Anspieltipps an! Sonst spürt ihr meinen watteflauschigen Zorn des wollenen Grauens!

Always remember: Hell hath no fury like a fluffy sheep scorned!