Weekly Playlist

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Weekly Playlist

Beitragvon Havoc » Sonntag 9. September 2012, 10:10

DISILLUSION - Gloria

Bereits vorweg. Ich finde das Album irgendwie geil. Das ist echt mal was ziemlich abgefahrenes...wenn auch nichtmal so irrwitzig wie ich es mir vorgestellt hatte. Klar, dass hier einige Fans des Vorgängers schlucken mussten. Das ist ja mal total anders. Das Album wurde ja mit "David Lynch des Metal" beworben...jo..kann ich mit leben. Der Slogan ist gar nicht mal so verkehrt. Letzten Endes nicht zwingend ein Meisterwerk...aber es macht richtig Bock das Teil anzuhören.
8,5

DARK SUNS - Swanlike

Habe in dieser Woche festgestellt, dass das Album echt mehr als nur gut ist. Die Atmosphäre bei einigen Songs ist wirklich grandios. Geheimtipp an alle, die vom letzten Opeth-Album enttäuscht sind. Holt euch dieses Album hier!
8,5

OCEANSIZE - Frames

Dieses Werk erzeugt ebenfalls eine fast unfassbare Atmosphäre und ist unter Kopfhörern unglaublich genial. Viieell besser als das teilweise nervende Vorgängerwerk. Wer kann mir sagen, ob ich auch das vierte und letzte Album dieser leider bereits aufgelösten Band brauche.
10,0
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 9. September 2012, 10:58

Havoc zu DISILLUSION - Gloria hat geschrieben: Letzten Endes nicht zwingend ein Meisterwerk...aber es macht richtig Bock das Teil anzuhören.


Da hast du etwas geschafft, was mir bis heute verwehrt geblieben ist, nämlich das Album zu verstehen. Ich gehöre zu der Fraktion, die darin lediglich einen komplett gescheiterten Versuch der zwanghaften musikalischen Extravaganz hört. Das Album gehört auch zu den Alben, wo ich es quasi garnicht nachvollziehen kann wie man es gut finden kann.

Havoc hat geschrieben:Wer kann mir sagen, ob ich auch das vierte und letzte Album dieser leider bereits aufgelösten Band brauche.


So toll wie "Frames" ist keines der Alben, aber wenn dir das Spaß macht dann machst du auch mit den anderen Alben nichts falsch.
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Havoc » Sonntag 9. September 2012, 11:12

Teichfrosch hat geschrieben:So toll wie "Frames" ist keines der Alben, aber wenn dir das Spaß macht dann machst du auch mit den anderen Alben nichts falsch.


Ich habe ja auch "Effloresce" und "Everyone Into Position". Erstere finde ich wohl besser. Zweitere hat sehr starke Passagen aber auch nervende finde ich.

Tja...es gibt Alben mit denen man einfach nicht warm werden will. "Gloria" gehört bei mir zum Glück nicht dazu.
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Jesus » Sonntag 16. September 2012, 19:45

Sonntag Abend kann man ja nach zweieinhalb Stunden Zugfahrt voll guter Musik mal ein kleines Wochenfazit ziehen:


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CROWBAR "Sever the Wicked Hand"
→ Eine Band, der man durchaus attestieren kann, dass sie in einem doch recht eng gesteckten Rahmen ihren Sound konstant verfeinert und dabei immer besser und besser wird. Ja, ich vermute wirklich, dass Kirk und Co. hiermit ihr bisher bestes Album abgeliefert haben. Außerdem macht es unwahrscheinlich Spaß, im Auto bei voller Lautstärke die Songs mitzubrüllen und andere Autofahrer zu beschimpfen mit Textzeilen wie "now you crawl away on your hands and knees!"

Nebenbei kam mir die Erkenntnis, dass der schnörkellose, heavy Sound quasi 100% purer Metal ist. Da ist nichts dran trällernd oder fruchtig, keine fremden Einflüsse, keine Experimente. Einfach nur fette Riffs und heavy Metal. Ergo: Das ist die Metalband und alles, was von dem Sound hier abweicht, ist weniger Metal. Außer Black Metal, versteht sich. Der ist 100% Metal auf eine andere Weise. Diese Erkenntnis ist allgemeingültig und ex cathedra gesprochen. Hugh!

Anhören: 'Symbiosis'


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PJ HARVEY "Let England Shake"
→ Hierzu fläzt man sich dann doch entspannter in den Fahrersitz. Immer noch eine großartige Scheibe. Besonders 'In the Dark Places' und 'All and Everyone' bescheren mir immer wieder Entenpelle und diese intensiven Momente werden zwischendurch wieder gewürzt mit schief gefinkelten, folkigen Stücken. Mehr davon, Fräulein Harvey!

Anhören: 'All and Everyone'


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JUNIUS "Reports from the Threshold of Death"
→ Herrlich eingängiger Pop-Rock mit bartlos bratenden Gitarrenattacken.

Anhören: 'Betray the Grave'


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MOTORPSYCHO & STÅLE STORLØKKEN "The Death Defying Unicorn"
→ Schräg, psychedelisch, retro. Kümmert sich einen Scheiß um Stilgrenzen. Kurzum: cool. In Sachen Fußpilz hat das Blautier richtig Ahnung. Natürlich auch nur da... :hellyeah:

Anhören: 'Hollow Lands'


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SWANS "The Seer"
→ Holy fuckin' fuck of holy fucks. Das passiert also, wenn man GLENN BRANCA, PINK FLOYD, VELVET UNDERGROUND, SCOTT WALKER, JOY DIVISION, MIKE OLDFIELD, BAUHAUS, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und KING CRIMSON in den Mixer steckt und diesen auf "grobstückig & extra blutig" stellt. Da aktiviert sich bei mir der Blautier-Euphorie-Modus. Tut mir fast schon leid für euch :)

Im Gegensatz zum anderen Doppelalbum der Band, dem 1996er "Soundtracks for the Blind", welches auch das erste richtige Post-Rock-Outing der Band war (und schon damals den Sound von GY!BE, CUL DE SAC und Co. vorweg nahm), wirkt dieses hier natürlich ungemein homogener und stellt zumindest im allgemeinen Klangbild keinen allzu großen Bruch mit dem Vorgänger "My Father Will Guide Me Up a Rope to the Sky" dar. Die "Soundtracks" hingegen war eher eine über mehrere Jahre angesammelte Kollektion von Experimenten, während "The Seer" bis auf ein oder zwei den Hörfluss stoppende und zum Durchatmen gedachte Momente (das knuffige 'Song for a Warrior' z.B.) vollkommen aus einem Guss besteht.

Wenn ich was kritisieren müsste, wären das die doch recht subtilen Gastauftritte. Da wurde schon mal das who is who der Indie-Hipster-Szene versammelt und man nimmt außer YEAH YEAH YEAHS' Karen O keinen der zahlreichen anderen Gastsänger so richtig wahr. Und die gute alte JARBOE ist nach 16 Jahren auch endlich wieder mal dabei und dann liefert sie nur ein bisschen Hintergrundgesäusel. Schade. Aber vielleicht wollte sie auch einfach nicht zu viel Zeit in einem Raum mit ihrem Ex verbringen, sie und Gira sollen sich ja immer noch alles andere als grün sein...

Anhören: 'Avatar'


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KIMBRA "Vows"
→ Luftig. Leichtfüßig. Gute Stimme. Manchmal loungig. Nicht penetrant poppig. Fast schon gewagt. Hübschig. Hat was. Würde ich übrigens auch nicht von der Bettkante schubsen.

Anhören: 'Two Way Street'


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STARKWEATHER "This Sheltering Night"
→ Diese Band sollten mehr Leute kennen. Hier werden Metalcore, Sludge, Crust und Post-Hardcore zu einer tödlichen Schwermetalllegierung verschmolzen. Der Sänger klingt auch nach über 20 Jahren immer noch so, als ob er jeden Morgen Terpentin und Glasscherben gurgelt und nur mit Maulkorb und an eine Leine gefesselt aus seiner Zelle entlassen werden darf. Herrlich nervzehrend psychotisch bei den Cleans und abartig fies bei den Growls.

Dazu winden, schlängeln und krümmen sich die Stücke mal hasserfüllt, mal schmerzverzerrt wie bei den mittleren NEUROSIS (so "Souls at Zero" bis "Through Silver in Blood"); halt extrem kantige, verkrustete, wogende Noise-Attacken ohne feste Strukturen, ohne Refrains. Und alles wird veredelt von etwas, was heutige Metalcore-Bands vor lauter Breakdowns schon gar nicht mehr kennen: Riffs!

Leider haben diese krummbeinigen Hunde einen ganzen Haufen Songs auf nicht mehr oder nur für viel Geld auf Vinyl erhältlichen EPs und Splits veröffentlicht. Bitte, bitte veröffentlicht mal eine Compilation mit all dem raren Zeug! Zeigt euch fanfreundlich! *fleh*

Anhören: 'One Among Vermin'


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DØDSENGEL "Imperator"
→ Unholy fuckin' fuck of unholy fucks. Für mich, der seinen Black Metal lieber pro- als regressiv mag (obwohl die letzte ISVIND natürlich ganz herrlich nach 1994 klingt), ist das die beste und vielleicht auch melodischste Schwarzwurzelpolycarbonatscheibe seit DEATHSPELL OMEGAs "Paracletus". Fick die Hassers. Die haben doch alle keine Ahnung von echtem Metal.

Hier gilt übrigens auch das gleiche wie bei STARKWEATHER: Macht doch mal die Songs eurer ausverkauften EPs für jedermann zugänglich und veröffentlicht eine Compilation! Kann doch nicht so schwer sein! *mecker*

Anhören: 'Asphyxia'


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BOY "Mutual Friends"
→ Klären wir das Wichtigste zuerst: I can haz threesum? Nachdem das nun abgehakt ist, könnte man natürlich etwas zur Musik schreiben... aber ich kann nicht! Diese Mädels sind viel zu süß! Wie könnte man da über etwas anderes reden?! Ach ja, man könnte sich über den wenig originellen und vor allem ziemlich schlecht zu googelnden Namen aufregen. Bei "boy nude pix" erscheinen einfach nicht die erhofften Suchergebnisse...

Angucken: 'Waitress'
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 16. September 2012, 23:18

Dass du JUNIUS magst überrascht mich mal wieder ziemlich. Immer gut für eine Überraschung, das Wollmilch-Nutztier. STARKWEATHER hab ich irgendwann mal gehört, fand sie aber wenig überzeugend. Aber das waren auch nur ein oder zwei Songs. Klingt laut deiner Beschreibung jedenfalls nach Froschmusik.

Auch sonst lesen sich die Beschreibungen mal wieder sehr fein... ein Feinschmecker, dieses Schaf! Liest sich so, als sollte ich eigentlich alles davon auch selbst mal verköstigen.
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Azmodes » Dienstag 18. September 2012, 16:29

Crowbar: "Sever the Wicked Hand" sollte ich wieder reaktivieren. Qualitative Konsensband.

Polly: 'All and Everyone' ist echt ein Hammersong auf einer Hammerscheibe. Würde ich fast als Highlight bezeichnen, wenn nicht der Rest ebenso hochleuchten würde.

Swans: klingt interessant, vor allem weil Mike Oldfield und Bauhaus zusammen mit Godspeed You! Black Emperor und King Crimson erwähnt werden. Die Gasterscheinung von Karen O würde mich auch interessieren. Ich konnte mit "My Father Will Guide Me Up a Rope to the Sky" nur halt nicht so viel anfangen...

Boy: Die könnten mal wieder was Neues rausbringen. Beim Konzert letztes Jahr wurde halt das ganze Album durchgespielt und man hatte nichts mehr für die Zugaben. Valeska hat dann ein bisschen angeschwyzerdütscht süß-beschämt gemeint "Voll nett von euch, aber wir haben leider keine Songs mehr...". Dann wurde halt noch mal 'Seven Little Numbers' und/oder 'Skin' gespielt, IIRC.
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Azmodes » Dienstag 18. September 2012, 16:35

Azmodes hat geschrieben:Beim Konzert letztes Jahr

*dieses Jahr im Februar
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Azmodes » Dienstag 18. September 2012, 17:15

Eine Auswahl:

Sons and Daughters - This Gift
Ultra-catchy feister Spaß von Anfang bis Ende. Das bringt Schwung in die Bude.
'Gilt Complex'

Summoning - Dol Guldur / Lost Tales
Ich werde zu der Band immer öfter von diversen Metalheads auf den Archives angeredet und kannte sie eigentlich immer nur vom Namen. Obwohl sie eine DER österreichischen Metaltruppen zu sein scheinen. Wäre mir normalerweise völlig wurscht, aber einer der Anreder hat mir netterweise dies hier geschickt, was schon ziemlich stark ist. Das metallischere Zeug ist ok.

Troxygen – Live at De Rico's
Alt-Rumpelverehrung. Alte proto-extreme Genres halt vermischt. Ein bisschen Lair of the Minotaur, ein bisschen Hellhammer/CF und so, aber schon sehr reduziert. Ist nett, auf eine stumpfe Art und Weise. Der Sound der Liveaufnahme ist allerdings mies.
'Endangered Soul'

Blood Red Shoes - Ois
Ohne Worte. Samples entnimmt der Interessierte bitte aus meinem Fred im jeweiligen Unterforum.

DZ Deathrays - Bloodstreams
Das ist hörbar, mit ein paar guten Songs, aber auf Albumlänge ist manchmal die Luft raus. Ein bisschen wie (die seit kurzem wieder aktiven!) Death from Above 1979, ein bisschen verdaulich psychotischer Tanzpunk, aber weniger elektronisch und auch mit weniger gebündelter Energie.
'Teenage Kickstarts'
'Play Dead'

Jess and the Ancient Ones - Jess and the Ancient Ones
I see the appeal. Gefällt mir immer mehr. Tolle Songwebungen.
'Sulfur Giants (Red King)'

Yeasayer - Fragrant World
Der erwartete bandeigene Freak-Pop, aber eine leichte Enttäuschung und wahrscheinlich ihr bis jetzt schwächstes Werk, insofern da nicht noch was verspätet nachzündet. Yeasayer being Yeasayer ist es natürlich gut, aber nicht viel mehr.
'Demon Road'
'Henrietta'

Tame Impala - Innerspeaker
Moderner traumpopischer Psychedelic Rock, der mir nicht mehr aus dem Ohr gehen will. Gibt's da schon einen Thread? Wahrscheinlich das Album mit dem höchsten Drehmoment für 2012 bei mir.
'It Is Not Meant to Be'
'Desire Be Desire Go'
'Make Up Your Mind'
'Solitude Is Bliss'
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Jesus » Dienstag 18. September 2012, 17:19

Azmodes hat geschrieben:Swans: klingt interessant, vor allem weil Mike Oldfield und Bauhaus zusammen mit Godspeed You! Black Emperor und King Crimson erwähnt werden.


Die Reihenfolge der genannten Künstler spiegelt allerdings in abnehmendem Maße den gefühlten Anteil am Sound wieder... Hätte ich vielleicht andeuten sollen. Mea culpa.

Azmodes hat geschrieben:Die Gasterscheinung von Karen O würde mich auch interessieren.


'Song for a Warrior' ist dort oben verlinkt.

Azmodes hat geschrieben:Ich konnte mit "My Father Will Guide Me Up a Rope to the Sky" nur halt nicht so viel anfangen...


Dann wird das sicherlich auch nichts mit dieser Scheibe. 'No Words/No Thoughts' kommt dem Sound von "The Seer" am nächsten.
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Re: Weekly Playlist

Beitragvon Jesus » Mittwoch 19. September 2012, 21:00

Vorzeitige Playlist einer halben Musikwoche, weil ich morgen für ein Weilchen die Bundesrepublik verlassen und untertauchen muss. Falls das BKA nach mir fragt: Ihr habt mich nie gesehen, wisst von nichts und das Mädel sah definitiv volljährig aus!

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MGŁA "With Hearts Toward None"
→ Sehr rifflastiger, organisch klingender, gut produzierter Black Metal mit dicken, haarigen Cojones. Ohne tuntiges Keyboardgedudel und fernab von allem unterproduzierten Staubsaugerrauschen der zahlreichen DARKTHRONE-Klone, weit weg von den stumpfen Nähmaschinen-Orgien der MARDUKs und ENDSTILLEs dieser Welt und nicht mal annähernd im gleichen Universum wie Heulsusen à la LIFELOVER oder SHINING. Einfach nur schnörkelloser, allerdings auch nicht gerade simpel gestrickter, deftig rockender schwarzer Metalmetal. So unspektakulär sich das auch lesen mag, so selten habe ich etwas derartiges so großartig präsentiert gehört. Dieser Kerl spielt genau das, was ich mir unter purem Black Metal vorstelle. Hail to Poland!

Anhören: 'With Hearts Toward None II'


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STARKWEATHER "This Sheltering Night"
→ Aus irgendeinem Grund suchte (mit kurzem u) ich gerade diese Scheibe. Offenbar zündet sie erst jetzt. Aber dafür richtig! War ja schon schlimm genug, dass ich von ihr erst im Januar 2011 erfahren habe, sonst wäre sie sicher in meine Topliste für 2010 gekommen; zudem habe ich sie auch noch lange Zeit nicht ausreichend gewürdigt und bin lieber auf ihren grandiosen Vorgänger ausgewichen. Dabei ist das so ein herrlich komplexes wie abweisendes, schroffes und störrisches Meisterwerk. Und erst jetzt fiel mir bei einem näheren Blick aufs Backcover auf, dass die Ambient-Tracks zwischen den brutalen Songs von DÄLEKs DJ geschrieben wurden. Das nenne ich mal 'ne ungewöhnliche Kollaboration. Da sage noch einer, Hip Hop und extreme Gitarrenmusik passen nicht zusammen. Zudem sind diese Interludi nicht einfach nur sinnlose Spielerei, die die Laufzeit der CD erhöhen sollen, sondern auch tatsächlich notwendige Verschnaufpausen nach den dissonanten Riffattacken und fordernden Strukturen der Songs.

Die Musik selbst besteht laut meinen schiefen und mit Wolle verstopften Ohren zu etwa gleichen Teilen aus NEUROSIS, GORGUTS, DAMNATION A.D. und INTEGRITY. Da ich gerade zu faul zum Tippen bin, verweise ich den wohl einzigen potentiellen Interessenten auf ein paar lesenswerte Reviews, die ich beim Stöbern in den Internetzen ausgegraben habe:

http://www.decoymusic.com/reviews/stark ... ring-night
http://www.bringonmixedreviews.com/musi ... ht-review/
http://hearwaxmedia.com/starkweather-sheltering-night/

(Den sowohl für Fans als auch Hater gleichermaßen eher fragwürdigen Vergleich mit DREAM THEATER beim zweiten Review sollte man allerdings besser ignorieren... :narf: )

Anhören: 'Epiphany'


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CRIPPLED BLACK PHOENIX "(Mankind) The Crafty Ape"
→ "Roger Waters und David Gilmour, bitte adoptiert uns!" schreit es mir bereits bei 'The Heart of Every Country' entgegen, aber zum Glück versteht sich die Band auf mehr als nur reines Huldigen der großen FLOYD. Da wird mal treibend, mal lässig, mal episch gerockt, hin und wieder der Blues ausgepackt und zwischendurch auch mal romantisch verschnauft. Bravo, Jungs und Mädel, ihr habt alles richtig gemacht und einen abwechslungsreichen und gut strukturierten Doppeldecker geschaffen. Das soll euch erst einmal einer nachmachen.

Anhören: 'Release the Clowns'


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SWANS "The Seer"
→ Long album is long. Aber man muss sich halt für die Endjahresliste auch oder sogar ganz besonders mit den anstrengenden Werken befassen. Und solange es so viel Spaß macht wie hier, findet sich auch irgendwie die notwendige Zeit dafür.

Wechselt immer wieder zwischen hintergründiger Kopfhörermusik und fett rockendem Krach, der die Anlage sprengt und zum Luftgitarrespielen anregt. Nachdem die Band einen erst einmal so richtig schön mit repetitiv-hypnotischen Parts inklusive feinen, subtilen Variationen eingelullt hat, wirken die plötzlichen Wendungen und Crescendi umso mächtiger und verursachen fast schon Schleudertraumata in den Trommelfellen. Respekt, meine Herren (und teilweise auch Damen), nach so vielen Jahren könnt ihr mich immer noch überraschen mit kleinen, aber feinen Tricks. Reifes, erwachsenes und abgeklärtes Werk.

Anhören: 'Mother of the World'


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DØDSENGEL "Imperator"
→ Longer album is even longer. Doch wie Sally es schon so schön neudeutsch formulierte: Norway 4 Weltherrschaft! Dann wären wenigstens unsere Wirtschaftsprobleme gelöst und es gäbe an jedem Kiosk günstig schwarze und weiße Schminke, Streichhölzer und Wegpläne zur nächsten Kirche zu kaufen.

Anhören: 'Sun on Earth'


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ELYSIAN BLAZE "Blood Geometry"
→ Für diese über zwei Stunden Blackened Funeral Doom muss man viel Muße mitbringen. Das war natürlich noch nie eine Band, die man so nebenbei hören konnte, aber dieses höchst ambitionierte Doppelalbum fordert dem Hörer vollste Aufmerksamkeit ab.

Dafür sind die Kompositionen trotz 18 bis 36 Minuten Länge ziemlich geschäftig und kurzweilig und bilden quasi das schwarze Gegenstück zum "Deathened" Funeral Doom von ESOTERIC. Ruhig und atmosphärisch dagegen sind die kürzeren Stücke, die als Intro und Outro dienen, während das Herz einer jeden CD mit vielen Riffs und Wendungen aufwartet. Naja, nachdem der gute Herr Mutatiis mit seinem Wahn nach Perfektion runde 6 Jahre an der Scheibe getüftelt und das Ergebnis mehrmals verworfen hatte, darf der geneigte Käufer und Hörer ja auch was für sein Geld verlangen.

Ein derart forderndes Werk ist natürlich nicht jedermanns Sache, den meisten wird es zu langweilig sein; aber trotz der gewaltigen Spielzeit (immerhin noch 20 Minuten kürzer als die DØDSENGEL) kann man nicht behaupten, es "passiere nichts". Tatsächlich ist der Sound nicht einfach nur "necro" und trist mäandernd, sondern sehr majestätisch — gewürzt mit Piano, Orgel und vereinzelten symphonischen Momenten, die den sich windenden und für das Genre ungewöhnlich abwechslungsreichen Stücken etwas epische Erhabenheit verleihen.

Ick find dit dufte, aber wie der Frosch schon anmerkte, bin ick hier wahrscheinlich och der eenzje mit dieser ausgeprägten Affinität zu derart stressigen Klanggebilden fernab jeglicher traditionellen Strukturen der Popmusik. Es ist halt einsam an der Spitze, aber irgendjemand muss den Job ja machen. Hach, was bin ich awesome. Suit up!

Anhören: 'Sigils That Beckon Death'


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MOTORPSYCHO & STÅLE STORLØKKEN "The Death Defying Unicorn"
→ Schräge Bläser, rockende Riffs, jazzige Dissonanzen, harmonische Vocals, 70er-Prog-Symphonik. Postmodern gefilterter pompöser Kitsch und augenzwinkernd prätentiöses Geprogge präsentiert mit fast schon jugendlicher Spielfreude. Klingt manchmal ein bisschen so, als würden AT THE DRIVE-IN die Songs von CARAVAN und YES covern. So huldigt man dem klassischen Prog. Sieh mal einer an, auch ein taubes Blautier findet mal einen Diamanten :grins:

Also gehorcht Sally und kauft euch dieses Werk. Das gilt ganz besonders für die Leute, die der letzten OPETH gute Noten gegeben haben. Hier hört ihr nämlich auch mal, wie man das mit dem spielfreudigen Retro-Prog richtig macht.

Anhören: 'Mutiny!'


So, dann wünsche ich euch allen noch viel Spaß, während ich mich im Ausland vor Interpol und dem SEK verstecke. Keine Sorge, mein MP3-Player ist prall gefüllt. Und wehe, ihr hört nicht meine mühevoll rausgesuchten Anspieltipps an! Sonst spürt ihr meinen watteflauschigen Zorn des wollenen Grauens!
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Always remember: Hell hath no fury like a fluffy sheep scorned!
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