Gestern lag auf meinem Schreibtisch ein nur leicht beschädigter, liebevoll von meiner Mutter dort abgelegter Briefumschlag, welcher ein coverloses Slimcase samt Rohling, betitelt mit „Those Were The Days...“, enthielt. Einen passenderen Titel gibt es wohl kaum für diese CD, außer vielleicht „Old School: 19 Songs, 73 Minuten“. Was mir ja gut gefallen könnte. Nun, denn mal ran. Die letzten 9 Songs gibt es entweder heute Abend oder morgen.
1. … 4:22
Sehr stilvolles gesprochenes Intro zum ersten Song, der mir ab Sekunde 1. Spass macht. Der Sänger rezitiert mir seine persönliche Version des Warrior`s Prayer ("To my god, hear me now, give me strength to be brave, through the heat and the smoke their`s but little to save, the fire raged on through the night and the day...") aber es sind definitiv nicht Manowar. Das Ganze klingt schön old-schoolig, mitten im Solo ein Schrei und der unerwartetste Tempowechsel, den ich seit langen gehört habe. Der Song ist geil, aber die Band kenne ich glaub nicht. Kann sein, dass er „Burning Bridges“ heißt. Am Ende gibt es noch mal ein Solo und wieder ein Tempowechsel, der mich aus allen Wolken reißt.
2. … 3:32
Gitarre rockt gefällig los, Sänger: „Allright“ (aber es ist nicht Dio), dann simples Schlagzeug, ebenso simpler und relativ präsenter Bass. Laut dem Refrain könnte der Song „Change“ oder so heißen. Die Strophe wird eher rezitiert als gesungen. Erinnert mich gerade insgesamt an Thin Lizzy. Nach dem zweiten Refrain kurzes, abgehacktes Solo, dritter Refrain und der Sänger, fragt mich, how I do. Dann noch mal Refrain und Schluss. Gefällt.
3. … 4:12
Und die dritte Old-School Nummer. Erinnert mich an irgendwas, nur ich weis nicht was. „I was turning and burning” heißt es in der Bridge. Laut Refrain könnte der Song „Mister Miracle“ heißen. Dann Solo, bridge und noch mal Refrain. Am Ende Eric Adams-mäßige Schreie, nur nicht ganz so extrem. Wenn, dann ziemlich alter Metal mit rockiger Strophe.
4. … 4:05
Ah, von der ersten Sekunde an Thrash. Macht Spass. Uffta-Schlagzeug, 16tel Gitarren im old-Kreator Style, Break, dann etwas grooviger. Wie sämtliche Aufnahmen davor könnte das durchaus ein Achtziger-Ding sein. Dann wieder schnell, dritte Strophe, „Sin after sin“ sagt mir der raukehlige Sänger. Kurzes Intermezzo, dann Solo in schöner „Aufreißer-Manier“, ne Bombe explodiert irgendwo im Hintergrund. Hauptriff und Strophe drei. Noch mal ähnliches Solo, sogar gedoppelt, nur chaotisch.
5. CANDLEMASS – Solitude (5:39)
Oha, jetzt also besinnlich. Akustik-Gitarren und merkwürdig gedoppelter Gesang. Kenn ich irgendwoher. „I`m sitting here alone in darkness waiting to be free/ lonely and forlorn I am crying/ usw... please let me die in solitude”... Klingt ziemlich doomig. “Hate” ist des Sängers “Only Friend” und mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass der Song „let me die in solitude“ heißen muss. Haha, „Solitude“ von CANDLEMASS, jetzt klingelts. Hab ich schon mal reingehört, aber nicht wirklich mit beschäftigt. Klingt gut, ich hab bis jetzt zu wenig Doom gehört.
6. … 2:52
Bass-Lauf hoch und runter, teilweise leicht verfremdet, der auch noch nach dem geflüstersprochenen Intro und dem der eigentliche Song beginnt quasi die ganze Zeit zu hören ist. Heißt vielleicht „Maniac“? Schnelles Solo, was sonst. Die ganze Chose klingt wie ein Bastard aus Punk, Thrash und Motörhead. Merkwürdiges Ding.
7. … 3:54
Apocalyptischer Anfang á la Beethovens 5.ter nur mit E-Gitarren inklusive Eierkneifer-Schreien. Dann straighter Riff, alles old-schoolig. Den Sänger hab ich glaub schon mal gehört. Ich meine auch instinktiv, dass die Aufnahme aus jüngerer Zeit stammen muss. „Iron Tears“ vielleicht? Beide Gitarristen dürfen Soloflitzen, während es die ganze Zeit unvermindert flott zur Sache geht.
8. … 3:06
Ah, jetzt also wieder rockiger. Aua, aber wie… Sone ganz spezielle Form klebriger Chöre, welche mit dem Sänger interagieren und mir in der Strophe „you are the one“ und im Chorus „it`s coming“ (Titel?) versichern. Ziemlich viel Hall auf dem Schlagzeug, grad auf den Toms. Gitarren eher „sanft“ verzerrt, im Mittelteil weniger Solo als entspanntes Akkordgeschiebe. Ich frag mich gerade ob sich mir die Zehnägel hoch rollen oder ich die Welt vielleicht viel lockerer sehen sollte.
9. … 5:59
Cleane Gitarre, kurze Gitarren-Melodie, dann Sänger und ruhiges Schlagzeug mit einer absolut bösen 80er-Jahre-Snare, die klingt, als ob ein schlechter Gewehrsound mit relativ viel Hall eingesetzt würde. Dann gibt es einige böse Akkorde nach unten und „we watch the children pray …“. Nach diesem härteren Chorus wieder ruhige Strophe. Der Chorusriff hat lustigerweise was vom „Thing That Should Not Be“. Auf eben diesem Riff nach dem zweiten Refrain dann auch ein schönes Solo, der Song nimmt an Fahrt auf, gebrochene Akkorde, darüber eine neue Strophenform. Der Song endet nach einem nochmaligen Refrain ebenso ruhig, wie er begonnen hat. Wenn dieser Drum-Sound nicht währ, würds mir ziemlich gut gefallen.
10. … 3:53
Eine Gitarre, die mir erst klarmachen will, dass sie ein Motorrad ist, dann sich in schreiende Höhen begibt und einen schönen Old-School Riff einleitet. Würde aber auch hier sagen, von einer neueren Band. Erinnert schon stark an In Solitude, Enforcer, Portrait und Konsorten. Allerdings versucht sich der Sänger nicht an einem King Diamond-Immitat sondern singt eher kraftvoll in der Mitte. Kleiner Doppellead und sehr schönes Solo. Heißt vielleicht „Through The Eyes (Of The Serpent)“? Oder „Day Of Reckoning“?


