Holger Andrae hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Holger Andrae hat geschrieben:Ich habe gerade das Gefühl, hier wird eine Wissenschaft aus einer intuitiven Angelegenheit gebastelt, die nie und nimmer so gedacht war. War doch eigentlich geklärt, wie der Begriff von alten Menschen verwendet wird/wurde. Meinetwegen stand US Metal auch für ÜberSee Metal.
Nah... vergiss es! Hab' schon kapiert, wie ihr das meint/gemeint habt. Das hat sich leider ein wenig verselbständigt, obwohl der Käse längst gegessen ist. Kennst ja meine Marotte, alles immer bis ins Detail erklären zu wollen, vor allem wenn weitere Schaulustige hinzu kommen. Daher, wie gesagt: Haken drunter!
Es geht mir nicht darum, einen Haken darunter zu setzen. Ich mag solche Diskussionen. Interessant ist es nur, wenn plötzlich jemand daher kommt, der die Entstehung nicht miterlebt hat und dann 20 Jahre später erklärt, was für einen Schwachsinn man seit eben dieser Zeit etabliert hat. Du hast doch darauf nur reagiert. Völlig legitim.
Naja, "Schwachsinn" ist es nicht unbedingt...
- den Begriff finde ich zu hart.Es mag nicht im Sinne der Erstbezeichnung sein, klar.
Aber wenn ich heute Manilla Road als US-Metal einsortieren würde, dann ist das ja nicht schwachsinnig, da es Amis sind, die Metal machen. Rein vom Wortlaut mal her betrachtet.
Ich verstehe und respektiere, dass dir mein US-Metal-Begriff viel zu weit gefasst ist, aber der Wortsinn gibts nun mal her und dank des RockHards bin ich mit dieser Fassung des Begriffs aufgewachsen. Da war Cirith Ungol halt auch "immer" irgendwie US-Metal. "Immer" gibt es in dieser Fassung für mich dabei erst seit ca. 8 bis 10 Jahren.
Damit bin ich aufgewachsen. Davor gab es natürlich schon mehrere Jahrzehnte Metal-Geschichte, aber die prägen mich immer nur nachträglich.
Deine stilistische Eingrenzung finde ich völlig logisch und sehr verständlich.
(Mir ist es auch ganz wichtig, dass das alles keinerlei Wissenschaft sein soll, ganz und gar nicht.)
Aber das muss nicht bedeuten, dass sich seitdem "Schwachsinn" etabliert hat.
Dass sich mir die im RH-Buch so propagierte Sichtweise als schlüssig eingeprägt hat, ist doch zumindest nachvollziehbar.
Ich zitiere kurz aus dem Buch - nicht um hier die "wahre" Definition zu bringen, sondern um zu zeigen, warum ich eben dieses Verständnis von US-Metal habe. Vielleicht kriege ich ja dann auch etwas Verständnis dafür, warum mir die von euch "alten Hasen" hier so vorgehaltene Beschreibung hier im Forum als etwas neues erscheint - ich hatte das so nie betrachtet.
Also, S. 126-127:
"Dabei existiert bis heute keine klare Definition des Begriffs, sodass vor allem in den frühen Achtzigern sowohl Bands wie Mötley Crüe (mit ihrem Debüt) oder Ratt (mit ihrer ersten EP) als auch Slayer und Metallica zum US-Metal gezählt wurden. Heute steht US-Metal normalerweise für amerikanischen (und auch kanadischen) Power Metal, der seine Einflüsse weniger von teutonischen Wegbereitern wie Helloween oder RUnning Wild, sondern eher von den großen US-Göttern der Achtziger bezieht.
[...]
Der US Metal hatte sich im Bewusstsein der weltweiten Bangerschaft eingeprägt und entwickelte sich in viele verschiedene Richtungen, die zumindest im Underground ohne Ausnahme akzeptiert wurden. Lediglich die Glam-Metal-Bewegung um Acts wie Mötley Crüe splittete sich langsam ab und wurde bei "echten" Metalfans immer verhasster. Acts wie Hallows Eve, Tyrant, Savage Grace, Overkill, Agent Steel oder Abattoir waren für den Speed Metal zuständig; Fates Warning, Manilla Road, Heir Apparent, Sacred Blade, Virgin Steele, Medieval Steel oder Manowar spielten das, was heutzutage unter Epic Metal läuft (übrigens eine nach wie vor sehr passende Schublade!), und Acts wie Savatage (Ex-Avatar), Metal Church, Armored Saint, Breaker oder Vicious Rumors zockten lupenreinen Power Metal. Hinzu kommen noch die ersten amerikanischen Progressive-Metal-Acts, die vor allem (wie Watchtower, Militia oder Helstar) in Texas beheimatet waren. Nicht zu vergessen natürlich Queensryche aus Seattle. Die Blütezeit des US Metal waren sicherlich die Jahre 1982 bis 1988, bevor es langsam bergab ging.
[...]
Heute, im Jahr 2005, fristet der US Metal eher ein Schattendasein. [...] Die meisten aktuellen Veröffentlichungen dieses Genres lassen durchaus Erinnerungen an die "guten alten Zeiten" aufkommen; sie hinken den Klassikern der Szene qualitativ aber leider meilenweit hinterher".
Dieser Text von Boris Kaiser aus dem Jahr 2005 hat mein Verständnis von US-Metal geprägt, da er das einzige war, was ich, abgesehen von einzelnen Reviews, dazu kannte. Mir ist klar, dass er 15 bis 20 Jahre nach der Hochphase dieser Szene verfasst wurde.
Trotzdem war er das einzige, was sich halbwegs systematisch damit befasste und mir bekannt war.
Da mir der Text schlüssig vorkam, war das für mich so nachvollziehbar, auch wenn ich schon 2005 nicht das Gefühl hatte, das aktuellere Veröffentlichungen zwingend den Klassikern qualitativ meilenweit hinterherhinken.
Da ich fast jede Band in dem Artikel toll fand, war die Schublade für mich genial... überall, wo ich US-Metal laß hab ich wenn möglich reingehört und vieles auch gekauft.
Wenn sich mein Bild von US-Metal als völlig unpassend erweist, ist das für mich natürlich erst Mal zweitrangig, denn die dadurch entdeckte Musik bleibt weiterhin völlig genial. Egal ob das nun Epic Metal, Speed Metal oder "richtiger" US-Metal ist.
