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von Rüdiger Stehle » Samstag 12. Januar 2013, 03:12
Da es hier im Hause ja durchaus Freunde brasilianischer Keulen gibt, wollte ich mal eine der frühesten, extremsten und einflussreichsten brasilianischen Keulen auspacken, die hierzulande mangels vernünftiger Verfügbarkeit der Alben leider viel zu wenig im Bewusstsein der meisten Leute verankert ist. Viele kennen den Namen, manche wissen, dass sie einen großen Einfluss auf die frühe Death- und Black-Metal-Szene der Spätachtziger hatten, aber die wenigsten kennen oder haben ihre Scheiben zu Hause. Die Rede ist von SARCÓFAGO aus Belo Horizonte, gegründet 1985, aufgelöst 2000. Dazwischen haben sie vier Studioalben und drei EPs - sowie zahllose Demos - eingetütet, die sich allesamt im Dreieck zwischen Black Metal, Death Metal und Thrash Metal befinden, und die Band als urige, räudige, fiese Truppe mit ziemlich eingängigen Songs und Riffs präsentieren. Bisher habe ich im Original nur zwei Alben, nämlich das erste ("I.N.R.I." - 1987) und das letzte ("The Worst" (1996) incl. Abschieds-EP "Crust" (2000), aber die restlichen Alben sind bereits geordert und werden hier hoffentlich in Kürze aufschlagen. Einstweilen stelle ich euch mal das Debüt vor, da dieses auch den Kultfaktor begründet hat. Die anderen Alben folgen dann, sobald sie hier eintrudeln, in chronologischer Reihenfolge, und das bereits vorliegende letzte Album kommt dann ganz am Schluss, weil es gegenüber der übrigen Diskographie doch ein wenig abfällt, oder zumindest aus der Reihe fällt. Fangen wir also vorne an: SARCÓFAGO "I.N.R.I." (Cogumelo Records, 1987 - Rerelease Greyhaze Records, 2012)Gerade das Debütalbum "I.N.R.I." ist ein echter Kultklassiker des Extremmetal, der in Sachen Bedeutung für den Untergrund dem Frühwerk von SEPULTURA garantiert in nichts nachsteht. Wer diese Scheibe gehört hat, der dürfte schnell merken, dass es nicht nur BATHORY und HELLHAMMER/CELTIC FROST waren, die einen Einfluss auf die Schwarzwerdung DARKTHRONEs hatten. Die Songs stammen teils schon von Demos aus den Jahren zuvor, so dass es nicht verwundert, dass ein paar Underground-Freaks in Norwegen sie schon gehört hatten, als sie ihre Bands aus der Taufe hoben. So weißt gerade der Gesang von Wagner Moura Lamounier doch etliche Parallelen zu Nocturno Culto auf, und auch MAYHEMs "Deathcrush" könnte leichte Inspirationen aus Brasilien bezogen haben. Außerdem klingen hier und da natürlich auch SODOM und frühe TORMENTOR (H) durch. Und auch die schrillen hohen Screams eines Tom Araya zu "Show No Mercy"-Zeiten finden hier ihren Widerhall. Kurz gesagt: Eines der Alben, das die zweite - also die große - BM-Welle maßgeblich beeinflusst hat und noch dazu ein ganz tolles Album für Fans des pechschwarz-teuflischen Thrash Metals und des Black Metals der ganz alten Schule! 'Deathrash' - http://www.youtube.com/watch?v=VBHIi1-1sdQ'Satanic Lust' - http://www.youtube.com/watch?v=vzmZ3DjgRNI'The Last Slaughter' - http://www.youtube.com/watch?v=OGWR04wQRQY'I.N.R.I.' - http://www.youtube.com/watch?v=aI1ItXX3QV0
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 15. Januar 2013, 00:51
Mag die niemand oder hat bloß keiner Zeit, hinein zu hören? Wie auch immer, ich mach einfach mal weiter mit dem zweiten regulären Release, und zwar der "Rotting"-EP: SARCÓFAGO "Rotting" (Cogumelo Records, 1989)An sich ist "Rotting" mit seinen vier Songs plus Intro, die später um ein neu eingespieltes Stück vom Debüt erweitert wurden, nur eine auf eine Spielzeit von 33 Minuten ausgedehnte EP, aber aufgrund der langen Pause zwischen dem Debüt und dem Full-Length-Nachfolger, aufgrund des deutlichen Entwicklungsschritts, aufgrund des markanten Artworks und aufgrund der starken Songs verdient es definitiv seine Erwähnung als eigenständige Phase der Band. Der Sound ist klarer und differenzierter, die Gitarren haben einen sehr eigenwilligen Sound, den ich persönlich im positiven Sinn als sehr schneidend und aggressiv empfinde. Sprich, das ursprünglich räudig-rumpelige Feeling des Debüts ist nicht mehr vorhanden, die Band agiert professioneller, technischer und strukturierter. Dabei hat sie aber nichts von ihrer fiesen Angriffslust verloren, geht immer noch kompromisslos unbarmherzig ans Werk und zersägt Konventionen und Moralvorstellungen mit Wonne und Inbrunst. Es ist mehr Thrash Metal und gegenüber dem sehr von der Atmosphäre an sich lebenden Debüt auch deutlich mehr konturscharfes Riffing geboten, ohne dabei die pechschwarze Aura des Black Metal zu verlieren. Der Titelsong ist streckenweise gar fast ein bisschen doomig, in dem Sinne wie der Begriff von Hellhammer oder heute Gallhammer interpretiert wird. Rundum ein massives Highlight in Sachen Black/Thrash und es sollten noch weitere folgen, sagt man... Anspieltipps: 'Alcoholic Coma' - https://www.youtube.com/watch?v=aJznI121Ox0'Rotting' - https://www.youtube.com/watch?v=nRGN9pa2xnYN-Joy! 
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von salisbury » Dienstag 15. Januar 2013, 01:32
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mag die niemand oder hat bloß keiner Zeit, hinein zu hören?
"räudig, fies, Kultklassiker des Extrem-Metal..." Das klingt eher wie eine Warnung als nach einer Empfehlung... 
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 15. Januar 2013, 01:35
salisbury hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mag die niemand oder hat bloß keiner Zeit, hinein zu hören?
"räudig, fies, Kultklassiker des Extrem-Metal..." Das klingt eher wie eine Warnung als nach einer Empfehlung... 
Ganz speziell für dich ist das auch eine Warnung! Wobei auch für dich die Phase um ca. Anfang der Neunziger herum ganz passend sein könnte. Du magst ja durchaus den einen oder anderen Spätachtziger- und Frühneunziger-Thrash-Klassiker. Hier mal ein Videoclip aus der Zeit: http://www.youtube.com/watch?v=g74UP8mwFMsIch finde den Gitarrensound unglaublich cool. Kannst du mir den mal hin biegen am Verstärker/Effektgerät?
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von Jhonny » Dienstag 15. Januar 2013, 11:42
Ich will auf jeden Fall noch reinhören, habs bisher aber noch nicht geschafft...
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 15. Januar 2013, 13:41
Jhonny hat geschrieben:Ich will auf jeden Fall noch reinhören, habs bisher aber noch nicht geschafft...
Jau, du warst einer derjenigen, die ich mit dem Thread vor allem im Auge hatte. Könnte mir gut vorstellen, dass dir das zusagt. Sehr heftig, dabei aber immer Old School (zumindest bei den bisher vorgestellten Scheiben) und mit markanter Stimme und eingängigen Songs. Die alten Sepultura magst du auch, Possessed auch... könnte dir taugen!
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von Jhonny » Dienstag 15. Januar 2013, 14:58
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Jhonny hat geschrieben:Ich will auf jeden Fall noch reinhören, habs bisher aber noch nicht geschafft...
Jau, du warst einer derjenigen, die ich mit dem Thread vor allem im Auge hatte. Könnte mir gut vorstellen, dass dir das zusagt. Sehr heftig, dabei aber immer Old School (zumindest bei den bisher vorgestellten Scheiben) und mit markanter Stimme und eingängigen Songs. Die alten Sepultura magst du auch, Possessed auch... könnte dir taugen!
das vermute ich auch... wenn ich es schaffe, werde ich morgen reinhören 
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von Julian Rohrer » Mittwoch 16. Januar 2013, 15:18
SARCÓFAGO "Rotting" - die hast du eh bei mir gehört, oder?  Großartig. Viel mehr ist deinen Worten nicht hinzuzufügen.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 16. Januar 2013, 18:02
Julian Rohrer hat geschrieben:SARCÓFAGO "Rotting" - die hast du eh bei mir gehört, oder?
Jupp. Zum ersten Mal schon... Großartig. Viel mehr ist deinen Worten nicht hinzuzufügen.

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von Julian Rohrer » Mittwoch 16. Januar 2013, 18:38
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Julian Rohrer hat geschrieben:SARCÓFAGO "Rotting" - die hast du eh bei mir gehört, oder?
Jupp. Zum ersten Mal schon... Großartig. Viel mehr ist deinen Worten nicht hinzuzufügen.

Dann wusstest du ja um wenigstens einen Verehrer dieser großartigen brasilianischen Ballerkunst 
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