Thrash 'n' Zuckerstückchen...

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Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon Jesus » Sonntag 28. Juli 2013, 10:20

...hätte sich der Sampler nennen sollen, der mir unerwartet von einem anonymen Spender *hüstel* geschickt wurde und schlicht und einfach beschriftet ist mit "Für de Maddin". De Maddin, dat bin icke, falls dit eener nich weeß oda so. In eener furchbahn Sauklaue is ditte och noch jekrakelt. Vielleicht bin ick och nua een bissl wat vawöhnt, denn Fabis Päckchen letztens war mit einer dermaßen mädchenhaften, sauberen und verschnörkelten Schrift versehen, dass man unweigerlich ins Schwärmen geraten muss! Hach, wäre er doch nur ein Mädchen... Ächem, sorry, bin ein wenig vom Thema abgekommen. Es geht eigentlich um diese CD hier und nicht so sehr um Klausens liederliches Schriftbild oder Fabis sexy Kalligraphiekünste. Im Gegensatz zu Jhonny habe ich also kein Steel oder AOR serviert bekommen, sondern wüstes Gedresche und hübsche Stimmen von möglicherweise ebenso hübschen Doppel-X-Gonosomen-Trägerinnen. Für letztere hege ich ja aus mir unerklärlichen Gründen eine leichte Schwäche. Also, uff jeht's. Moment, da fällt noch mir was ein... *Kaffeemaschine anwerf* Aaaah, schwatter Kaffe, so rein und unverfälscht und pur wie Thrash Metal. Hmm... nee, mit Bier war der Vergleich besser. Nicht zuletzt, weil ich meinen Kaffee in Wahrheit mit viel Milch trinke. Vntrve, ich weiß. Normalerweise versuche ich das mit einer Extradosis Black Metal zu kompensieren. Und wenn ich die Einleitung noch länger tippe, ist der Kaf- *KLACK* ...fertig. So schnell geht das. *eingieß* *schlürf* Auf geht's:

#01 (4:32): Eine klare E-Klampfe zupft geheimnisvoll, eine Luftschutzsirene plärrt im Hintergrund. Das Bombengewitter lässt sicher nicht lange auf sich warten. Bumm, das typische Thrash-Riff, der typische Thrash-Beat, alles schön flott, dazu ein ein rauer Sänger, der mich ein bisschen an den älteren Schmier erinnert. Textfetzen wie "Inhumane suffering, enhancement of the mind", "human biology in a sick society" und "humanity is out the question" werden mir um die Ohren geworfen; im Refrain ist die Rede von Parasiten, welche im Laufe der Verse aus den Körpern ihrer armen Opfer herausbrechen. Lecker. Anhand der Mundart des Sängers tippe ich mal auf einen Nicht-Muttersprachler, genauer gesagt auf einen Deutschen. Allerdings würde ich dafür mein Diplom nicht ins Feuer legen, bin ja nun dank zig Monaten Arbeitsunfähigkeit ein wenig aus der Übung ;)
Gangshouts im Refrain, insgesamt sehr teutonischer Klang, im Break wird der Fuß gekonnt vom Gaspedal genommen und teils zweistimmig soliert. Hübscher Einstieg, überredet mich allerdings nicht gleich zum Kauf des Albums.

#02 (3:39): Und nun wird sanft gepoppt... also... ähm... es kommt sanfte Pop-Musik. Ja. So meinte ich das. Eine zarte, eindeutig angelsächsische Elfe säuselt mir soulig entgegen: "The situation is getting boring, you're not gonna spoil another day / I don't expect you to be calling, you're always gonna act that way" usw.
Akustikklampfe, Drums aus der Konserve, das Klangspektrum wird noch mit subtilen Synthies zugekleistert. So klingt vielleicht FIONA APPLE, wenn sie bei einem Majorlabel unter Vertrag stünde. TAYLOR SWIFT wäre als Vergleich vielleicht ein bisschen zu gemein. "You wanna be the one, be the one, oooh-oooh". Catchy. Die (wohl auch künstlichen) Handtrommeln zum Ende hin sind ein netter Touch.

#03 (4:01): Nachdem einen die Dame zuvor so schön becirct hat, kommt hier wieder gleich der Herzinfarkt. Es thrasht brutaler Thrash à la DEMOLITION HAMMER. Dumpfer Klang, rauer, in den Hintergrund gemischter Shouter. Der Herr ist schwer zu verstehen, es ist die Rede von "endless torture" (of course!). Kurzweiliges Gemetzel, allerdings bleibt nicht viel hängen.

#04 (4:29): Klaus mag soulige Sängerinnen. Abermals sanfter Pop, diesmal hauptsächlich von einem Cello begleitet. Etwas R'n'B-Bass und ein paar klare Gitarrenfetzen. Kommt mir bekannt vor, habe ich bestimmt schon mal irgendwo gehört. Die Dame erzählt zu Beginn was von "playing with thoughts of sadness, tired eyes will never see what is behind there, she must turn around to be", dieser Text wird später gesungen wiederholt. Ihr könnt ja jetzt leicht googeln. Auch von der guten, alten, nach Hilfe schreienden Mutter Erde scheint mir die Rede zu sein, während Flöten für Farbtupfer sorgen.

#05 (3:42): Und zurück zum Thrash. Der ständige Wechsel geht aufs Herz! Erst recht bei dem ganzen Kaffee. Fett produziert, modern getriggerte Bassdrums, die flott nähen. So richtig fies keifender Sänger, dazu ultratiefe Riffs, die sehr gekonnt zwischen groovig und messerscharf-klassisch wechseln und mit melodischen Licks aufwarten. Der Refrain samt Gangshouts erzählt mir was von "corrosion (irgendwas), corruption (irgendwas), destruction - what should I dooooo?". Aaah, man muss das limiterte Vokabular des Thrash Metal einfach lieben. Auch hier haben wir es wohl wieder einmal mit dem Ende der "humanity" zu tun. Das Break ist interessant, es erzählt im Hintergrund kurz eine Frauenstimme. Schwer zu verstehen, aber ein netter Touch. Dazu ein melodisches Solo straight outta Göteborg. Das wiegt einen nur wenige Sekunden in Sicherheit, bevor wieder böse gethrasht wird. Von den bisherige drei Thrashern der mit Abstand beste. Das hier säbelt so richtig schön brutal die Rübe ab.

#06 (3:46): Huch, TOM WAITS? Die klickernden Müllhalde-Percussions lassen das zu Beginn vermuten. Aber der Sampler folgt streng seinem Prinzip und somit singt wieder melodisch eine Dame. Diesmal allerdings nicht soulig, sondern eher folkig. "I'm tired of saying that I won't get lost ever again / Who knows, maybe I will?" sind die ersten Zeilen, der Refrain sagt was von "But my bluuue eyes cannot see, that their real hue is pro-bab-ly gree-eeen" und irgendwas von "yesterday's spring". Eher kauzig, weniger poppig. Nimmt zum Ende auch noch immens Fahrt auf. Schwer zu beschreiben. Hatten ELLIE GOULDING, CARLA BOZULICH und NELLY FURTADO mal ein Kind? Keine Ahnung. Toller Song jedenfalls.

#07 (3:31): Ehrlich gesagt wären mir 2 CDs mit je 10 Thrashern und 10 Säuselfeen lieber gewesen. Dieser ständige Wechsel bringt mich noch um! Gerade lauschte ich noch der Dame mit den blauen oder grünen Augen und war in Gedanken versunken und auf einmal brechen wieder brutale Riffs über mich herein und zerbröseln meine womöglich nicht jugendfreien Tagträume. Wenig markant, halt typische Thrash-Mucke, dazu ein fies rülpsender Sänger, der mir was von "here I stand between life and death" erzählt. Joah, mei. Hat man alles schon mal gehört. Kein Vergleich zur 5. Ist allerdings auch sehr schnell wieder vorbei und fast ebenso schnell vergessen.

#08 (5:24): Nanü? Keine Säuselfee? Kein Zuckerstückchen? Noch mal Thrash? Jetzt, wo ich mich daran gewöhnt habe?! Und ziemlich derber Thrash zudem. Und schon in den ersten Sekunden besser als das Stück zuvor, dieses hier überschlägt sich ja geradezu! Der heisere Shouter ist dafür das große Schwachpunkt. Der kann ja mal gar nichts. Aber die Riffs sind klasse! Der Schlagzeuger weiß auch, wie er sein Spiel auflockern kann. Fesches Solo und generell eine absolute Riff-Wundertüte fernab langweiliger Thrash-Standardstrukturen. Der Song hat mehr Riffs, als TESTAMENT in ihrer gesamten Karriere verarbeitet haben! Aber meine Güte, ist der Sänger scheiße. Bis auf den spitzen Schrei zum Schluss.

#09 (3:14): Aber jetzt muss doch wieder ein säuselndes Zuckerstück kommen! Ja, genau. Piano und Cello. "I't's a little bit funny, this feeling insiiiide / I'm not one of those who can easily hide / I don't have much money, but, boy, if I did / I'd buy a big house where... we both could live". Dramatisch. Und abermals kann eine Dame grün und blau nicht unterscheiden. Ich dachte immer, Farbenblindheit wäre ein männliches Problem? Werden Frauen mit Grün-Blau-Schwäche automatisch Liedermacherinnen?

#10 (3:51): Huch, da hat jemand Spaß an tiefen Tönen. Klingt zu Beginm wie die Thrash-Version von XIBALBA. Schwer zu definierender Gitarrenton, penetrant klackernde... ähm... soll das die Bassdrum sein? Oder slappt da jemand den Bass? Tropft einfach nur der Wasserhahn im Studio? Was passiert da? Ist das ein undurchdringlicher Klangwust. Mehr Death als Thrash. Fieser Keifer, manchmal kontrastiert von einem tief gurgelnden Krümelmonster. Und ehe ich mich durch den Song gewurstelt habe, endet er unerwartet mit einem Fade-Out.

#11 (4:43): Zurück in poppige Gefilde. Rauchig und sexy singt eine Dame Zeilen wie "we're living in desperate times / these are desperate times, my dear" in sehr markant gedehnter Mundart. Australien oder Mittelengland. Neuseeland vielleicht. Tiefste 80er. Wavig, mit hallenden, knochentrockenen Drums. Die feminine Antwort auf MIDNIGHT OIL? Der Refrain erinnert mich verdächtig an einen anderen Pop-Song aus jenem Jahrzehnt. Auf den komme ich allerdings nicht. Ganz nett anzuhören. Sehr typisch für damals. Wenn jemand den Song kennt, möge er mir allerdings noch verraten, an welchen anderen Song mich der Refrain erinnert.

#12 (6:26): Der erste Thrash-Song mit einem Sänger statt einem Rülpser oder Krümelmonster. 80er. Hat mehr von US Metal als Thrash. Wow, der rein instrumentale Teil mit Solo zwischen 2:25 und 3:20 hat wohl das, was Rüdiger als Faustfaktor bezeichnen würde. Das bricht reihenweise Genicke. Generell sind die instrumentalen Teile am stärksten, denn dort glänzen die Riffs und das Schlagzeug darf mal was anderes machen als nur den Takt zu halten. Ich meine lyrisch irgendwas von "these were the times you were laughing like a fool" und "no way out" rauszuhören. Wie gesagt, eher US Metal als Thrash, aber sogar ich unmetallischer Schwarzwurzeltroll gebe zu, dass hier ein paar verdammt starke Musiker unterwegs sind und ordentlichen truen Stahl spielen können. Schade, dass sie sich mit einem eher mäßigen Sänger begnügen müssen. Ansonsten wäre der Song das schwermetallische Highlight des Samplers gewesen.

#13 (4:56): TEXAS mit 'The Hush'. Diesen Song servierte mir Klaus letztens im Duell. Das dazugehörige gleichnamige Album besaß sogar mein Papa. Weil damals die Single 'Summer Son' halt so populär war. Keine Ahnung, was mit der CD passiert ist. Wahrscheinlich habe ich die ohne groß nachzudenken an irgendjemanden verschenkt. Dabei ist das für Pop ganz anständig gemacht: Luftig, entrückt und ein wenig sexy gehaucht, ohne dabei nuttig zu klingen.

#14 (3:22): Huch, habe ich hier einen unveröffentlichten Song von "Altars of Madness" im Ohr? Ganz fieser Death-Thrash, old school as fuck. Klingt wirklich wie ganz alte MORBID ANGEL, bevor sie die ihnen heute typischen Groove-Riffs entdeckten. Ein Solo jagt das nächste und es wird unablässig geknüppelt. Geil. Pommesgabel in the air! Oh nein, es blendet aus! Neeein, ich hasse Fade-Outs! Warum? WAARRUUUUUMMMM?????? So ein bärenstarker Brecher und dann wird er vorzeitig abgewürgt. Nicht cool. Ganz und gar nicht cool. Hoffentlich sind die übrigens Songs der Band bis zum Ende durchkomponiert.

#15 (5:03): Zurück in die Welt der minimalistischen Elektronik, des Pops und der Elfen. Diese Elfe hier hat Wattebäusche in den Wangen und nuschelt etwasch. Vielleischt ischt schie auch nur Schottin oder kommt ausch Kanschasch. "Can't stop, stop the hurting / Can't stop, stop the breathing / Can't stop, stop these tears for you my, dear". Ein paar tropfende Synthies, ein bisschen Cello, viieeelll Raum zum Atmen. Da bleibt nicht viel zu kritisieren.

#16 (2:51): Zurück zu den old school Riffs der 80er. Brachiales Gedresche, ein punkiger Sänger, der sich halb überschlägt und irgendwas von "die, die, die" brüllt. Das ist Deutsch für "the, the, the", würde Tingeltangel-Bob sagen. Diese Jungs hier mögen wohl SLAYER. Unablässig wird gemetzelt und pfeilschnell gedroschen. Wie sich das für Thrash gehört. Und ehe man sich versieht, ist es vorbei. Kurz und gut.

#17 (2:44): Mit dem Fräulein JOHANNA ZEUL hat uns Klaus ja oft genug beschallt, den Song kannte ich vorher nicht. 'Ich will was Neues' ist echt super: albern und neckisch, aber clever. Irgendwo zwischen NDW, Liedermacher und Rotz-Punk. Total großartiges Teil, das ein dickes, fettes Grinsen auf meine sonst so grimmig und frostgebissen nach unten gezogenen Mundwinkel zaubert. "Album No. 1" wird demnächst eingetütet. "Dafür überzieh' ich meinen Kontobetrag". Genau, Johanna. Das mach ich.

#18 (3:14): An Klausens Stelle hätte ich als letzten Song wieder eine Elfe verbraten statt einem Thrasher, aber vielleicht hat er sich was dabei gedacht. Abermals wird es tüüüüfff, abermals haspelt ein unmelodischer Shouter der Musik hinterher. Mit Textfetzen kann ich nicht dienen. Die Snare ist so richtig scheiße abgemischt und zischt ganz unangenehm in den Ohren. Musikalisch gibt es nicht viel zu sagen. Ist halt Thrash ohne nennenswerte Merkmale. Vom Snare-Sound abgesehen. Der Song ist schnell vorbei, ohne Eindruck zu hinterlassen. Schade.


Trinkspiel: Nehmt einen Schluck, wenn ihr die Worte "Elfe" oder "Thrash" lest.
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon Domaniac » Sonntag 28. Juli 2013, 11:19

Die 9 ist auf jeden Fall mal "Your Song" von Elton John, nur anscheinend nicht von Elton John.
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon 123_7 » Sonntag 28. Juli 2013, 11:43

Wir sollten endlich mal den "Post des Jahres" einführen. Ich glaube das wäre Martin mit diesem hier ganz weit oben dabei. Brilliant :grins:

Und was an meinem ungleichmäßigen Stiftgeschwinge mit Buchstabenformen, die nur meinem komischen Gehirn entspringen können, sexy sein soll, musst du mir mal erklären. Früher sahen mein 'k' aus wie eine zwei. Und ich musste minutenlang mit der Physiklehrerin diskutieren, dass meine Lösung nicht 42 sondern 4k war.
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon Holger Andrae » Sonntag 28. Juli 2013, 11:56

Also ich finde Deine Handschrift auch total "heiß".
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon firestarter » Sonntag 28. Juli 2013, 12:17

Hm, hätte ich gewusst, dass der wollene Heiland derart ästhetikfixiert ist, hätte ich die CD selbstredend mit Schablone beschriftet und ihm doch glatt auch noch ein hübschiges Bildchen dazu gemalt. Aber um hier mal ganz schnell von schwülwarmen, sonntagmittäglichen Schwärmereien zur harten Realität zurück zu kehren... Ich hatte auch überlegt, zwei thematisch sortierte CDs zu erstellen, aber bei den Mädels hätte es mir da irgendwie an Material gefehlt, da ich zwar sehr viele hübsche, apart klingende, klampfende Mädels sehr gerne bei YT betrachte und ihnen lausche, aber nicht wirklich viel davon in physikasche Form besitze. Der Wechsel zwischen Thrash und XX-Doping war dann eine spontane Idee, die ja offenbar zumindest zu einer Kreislaufaktivierung (wer braucht da noch Kaffee!) geführt hat.

Ich bin immer wieder über die Thrash-Präverenzen des Herrn Jesus, bzw. seine Wahrnehmung der einzelnen Songs erstaunt. Wo ich denke, das müsste stilistisch genau passen, zwickt's dann an allen möglichen Stellen, andererseits zünden dann Songs, die ich eher für weniger maddinkompatibel halte. Mal kann ein Thrash-Shouter nicht fies genug klingen und dann werden plötzlich singende Kollegen gelobt... WTF... :? Naja, is halt de Maddin... :grins:
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon firestarter » Sonntag 28. Juli 2013, 12:57

Jesus hat geschrieben:#01 (4:32): Eine klare E-Klampfe zupft geheimnisvoll, eine Luftschutzsirene plärrt im Hintergrund. Das Bombengewitter lässt sicher nicht lange auf sich warten. Bumm, das typische Thrash-Riff, der typische Thrash-Beat, alles schön flott, dazu ein ein rauer Sänger, der mich ein bisschen an den älteren Schmier erinnert. Textfetzen wie "Inhumane suffering, enhancement of the mind", "human biology in a sick society" und "humanity is out the question" werden mir um die Ohren geworfen; im Refrain ist die Rede von Parasiten, welche im Laufe der Verse aus den Körpern ihrer armen Opfer herausbrechen. Lecker. Anhand der Mundart des Sängers tippe ich mal auf einen Nicht-Muttersprachler, genauer gesagt auf einen Deutschen. Allerdings würde ich dafür mein Diplom nicht ins Feuer legen, bin ja nun dank zig Monaten Arbeitsunfähigkeit ein wenig aus der Übung ;)
Gangshouts im Refrain, insgesamt sehr teutonischer Klang, im Break wird der Fuß gekonnt vom Gaspedal genommen und teils zweistimmig soliert. Hübscher Einstieg, überredet mich allerdings nicht gleich zum Kauf des Albums.


Da hat das Diplom aber noch mal Schwein gehabt - die Band und deren Sänger sind aber mal sowas von englisch, dass es nur so smoked. Stilistisch gibt es auf der Hammer-EP aus dem Vorjahr eigentlich die ganze Palette von Kreator über Slayer, bis zur Bay Area.

Jesus hat geschrieben:#02 (3:39): Und nun wird sanft gepoppt... also... ähm... es kommt sanfte Pop-Musik. Ja. So meinte ich das. Eine zarte, eindeutig angelsächsische Elfe säuselt mir soulig entgegen: "The situation is getting boring, you're not gonna spoil another day / I don't expect you to be calling, you're always gonna act that way" usw.
Akustikklampfe, Drums aus der Konserve, das Klangspektrum wird noch mit subtilen Synthies zugekleistert. So klingt vielleicht FIONA APPLE, wenn sie bei einem Majorlabel unter Vertrag stünde. TAYLOR SWIFT wäre als Vergleich vielleicht ein bisschen zu gemein. "You wanna be the one, be the one, oooh-oooh". Catchy. Die (wohl auch künstlichen) Handtrommeln zum Ende hin sind ein netter Touch.


Ziemlich bekannt Sängerin, die auch mal mit 3 anderen Mädels "musiziert" hat. Eigentlich hätte ich gedacht, dass du die sofort an der charekteristischen, übrigens auch zutiefst englischen, Stimme erkennst.

Jesus hat geschrieben:#03 (4:01): Nachdem einen die Dame zuvor so schön becirct hat, kommt hier wieder gleich der Herzinfarkt. Es thrasht brutaler Thrash à la DEMOLITION HAMMER. Dumpfer Klang, rauer, in den Hintergrund gemischter Shouter. Der Herr ist schwer zu verstehen, es ist die Rede von "endless torture" (of course!). Kurzweiliges Gemetzel, allerdings bleibt nicht viel hängen.


18 Jahre nach Einspielung veröffentlichtes Album aus Kanadien. Das einzige vorher veröffentlichte Werk hatte einen noch deutlich dürftigeren Sound. Abteilung "Brutal Thrash".

Jesus hat geschrieben:#04 (4:29): Klaus mag soulige Sängerinnen. Abermals sanfter Pop, diesmal hauptsächlich von einem Cello begleitet. Etwas R'n'B-Bass und ein paar klare Gitarrenfetzen. Kommt mir bekannt vor, habe ich bestimmt schon mal irgendwo gehört. Die Dame erzählt zu Beginn was von "playing with thoughts of sadness, tired eyes will never see what is behind there, she must turn around to be", dieser Text wird später gesungen wiederholt. Ihr könnt ja jetzt leicht googeln. Auch von der guten, alten, nach Hilfe schreienden Mutter Erde scheint mir die Rede zu sein, während Flöten für Farbtupfer sorgen.


Wenn es eine Sängerin gibt, deren Stimme für mich "erregend" klingt, dann die junge Dame, die hier mit ihrer deutschen Band singt. Soul-Pop mit vibrierender Stimme.

Jesus hat geschrieben:#05 (3:42): Und zurück zum Thrash. Der ständige Wechsel geht aufs Herz! Erst recht bei dem ganzen Kaffee. Fett produziert, modern getriggerte Bassdrums, die flott nähen. So richtig fies keifender Sänger, dazu ultratiefe Riffs, die sehr gekonnt zwischen groovig und messerscharf-klassisch wechseln und mit melodischen Licks aufwarten. Der Refrain samt Gangshouts erzählt mir was von "corrosion (irgendwas), corruption (irgendwas), destruction - what should I dooooo?". Aaah, man muss das limiterte Vokabular des Thrash Metal einfach lieben. Auch hier haben wir es wohl wieder einmal mit dem Ende der "humanity" zu tun. Das Break ist interessant, es erzählt im Hintergrund kurz eine Frauenstimme. Schwer zu verstehen, aber ein netter Touch. Dazu ein melodisches Solo straight outta Göteborg. Das wiegt einen nur wenige Sekunden in Sicherheit, bevor wieder böse gethrasht wird. Von den bisherige drei Thrashern der mit Abstand beste. Das hier säbelt so richtig schön brutal die Rübe ab.


Hier hatte ich eigentlich mit Kritik gerechnet, besonders aufgrund der offensichtlichen Göteborg-Tendenzen... Der Sänger ist hier übrigens auch ein Zuckerstückchen und erinnert mich stimmlich immer mal wieder an eine ihrer, von mir sehr geschätzte Landmännin. Songtitel wurde bereits benannt. Heia Sverige!

Jesus hat geschrieben:#06 (3:46): Huch, TOM WAITS? Die klickernden Müllhalde-Percussions lassen das zu Beginn vermuten. Aber der Sampler folgt streng seinem Prinzip und somit singt wieder melodisch eine Dame. Diesmal allerdings nicht soulig, sondern eher folkig. "I'm tired of saying that I won't get lost ever again / Who knows, maybe I will?" sind die ersten Zeilen, der Refrain sagt was von "But my bluuue eyes cannot see, that their real hue is pro-bab-ly gree-eeen" und irgendwas von "yesterday's spring". Eher kauzig, weniger poppig. Nimmt zum Ende auch noch immens Fahrt auf. Schwer zu beschreiben. Hatten ELLIE GOULDING, CARLA BOZULICH und NELLY FURTADO mal ein Kind? Keine Ahnung. Toller Song jedenfalls.


Hehe, die Tom Waits-Assoziation hatte ich beim ersten Hören des Songs auch. Mit diesem US-amerikanischen, folkigen Zuckerstückchen hab ich dich auch schon mal im Duell penetriert. Out of 2010.

Jesus hat geschrieben:#07 (3:31): Ehrlich gesagt wären mir 2 CDs mit je 10 Thrashern und 10 Säuselfeen lieber gewesen. Dieser ständige Wechsel bringt mich noch um! Gerade lauschte ich noch der Dame mit den blauen oder grünen Augen und war in Gedanken versunken und auf einmal brechen wieder brutale Riffs über mich herein und zerbröseln meine womöglich nicht jugendfreien Tagträume. Wenig markant, halt typische Thrash-Mucke, dazu ein fies rülpsender Sänger, der mir was von "here I stand between life and death" erzählt. Joah, mei. Hat man alles schon mal gehört. Kein Vergleich zur 5. Ist allerdings auch sehr schnell wieder vorbei und fast ebenso schnell vergessen.


Für mich sogar noch eine Stufe besser als die 5, aber sei's drum. Französischer Death-Thrash der sehr unbekannten Art. Ebenfalls aus 2010.

Jesus hat geschrieben:#08 (5:24): Nanü? Keine Säuselfee? Kein Zuckerstückchen? Noch mal Thrash? Jetzt, wo ich mich daran gewöhnt habe?! Und ziemlich derber Thrash zudem. Und schon in den ersten Sekunden besser als das Stück zuvor, dieses hier überschlägt sich ja geradezu! Der heisere Shouter ist dafür das große Schwachpunkt. Der kann ja mal gar nichts. Aber die Riffs sind klasse! Der Schlagzeuger weiß auch, wie er sein Spiel auflockern kann. Fesches Solo und generell eine absolute Riff-Wundertüte fernab langweiliger Thrash-Standardstrukturen. Der Song hat mehr Riffs, als TESTAMENT in ihrer gesamten Karriere verarbeitet haben! Aber meine Güte, ist der Sänger scheiße. Bis auf den spitzen Schrei zum Schluss.


Was macht ausgerechnet den Shouter jetzt so scheiße? Ein Königreich für deine komischen Ohren... Archaisches US-Gebolze aus dem vergangenen Jahr. Die Band hat bisher eine geile EP und ein geiles Album abgeliefert. Underground as fuck.

Jesus hat geschrieben:#09 (3:14): Aber jetzt muss doch wieder ein säuselndes Zuckerstück kommen! Ja, genau. Piano und Cello. "I't's a little bit funny, this feeling insiiiide / I'm not one of those who can easily hide / I don't have much money, but, boy, if I did / I'd buy a big house where... we both could live". Dramatisch. Und abermals kann eine Dame grün und blau nicht unterscheiden. Ich dachte immer, Farbenblindheit wäre ein männliches Problem? Werden Frauen mit Grün-Blau-Schwäche automatisch Liedermacherinnen?


Na, das Original wurde ja bereits benannt. Das hier ist eine aparte Coverversion einer guten Freundin von Zuckerstückchen Nr. 7 und du hast sie da auch schon benannt.

tbc
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon Jesus » Sonntag 28. Juli 2013, 13:13

firestarter zu #1 hat geschrieben:Da hat das Diplom aber noch mal Schwein gehabt - die Band und deren Sänger sind aber mal sowas von englisch, dass es nur so smoked.


Puuuuh, hoffentlich lesen das meine Dozenten und Kollegen nicht :grins:


firestarter zu #2 hat geschrieben:Ziemlich bekannt Sängerin, die auch mal mit 3 anderen Mädels "musiziert" hat. Eigentlich hätte ich gedacht, dass du die sofort an der charekteristischen, übrigens auch zutiefst englischen, Stimme erkennst.


"Zutiefst englische Stimme" ist noch kein Garant für sofortiges Erkennen, denn sehr viele Engländer verfügen über eine solche ;)


firestarter zur #5 hat geschrieben:Hier hatte ich eigentlich mit Kritik gerechnet, besonders aufgrund der offensichtlichen Göteborg-Tendenzen... Der Sänger ist hier übrigens auch ein Zuckerstückchen und erinnert mich stimmlich immer mal wieder an eine ihrer, von mir sehr geschätzte Landmännin. Songtitel wurde bereits benannt. Heia Sverige!


Die Göteborg-Tendenzen sind hier ganz angenehm, weil subtil. Das sind dann also die womöglich mit TYRANEX befreundeten DECADENCE mit 'Corrosion' und...
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firestarter zur #6 hat geschrieben:Hehe, die Tom Waits-Assoziation hatte ich beim ersten Hören des Songs auch. Mit diesem US-amerikanischen, folkigen Zuckerstückchen hab ich dich auch schon mal im Duell penetriert. Out of 2010.


LISSIE mit 'Record Collector'. Einkaufsliste!


firestarter zur #9 hat geschrieben:Na, das Original wurde ja bereits benannt. Das hier ist eine aparte Coverversion einer guten Freundin von Zuckerstückchen Nr. 7 und du hast sie da auch schon benannt.


Aha, das ist dann Fräulein GOULDING mit besagter Coverversion.
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon Jhonny » Sonntag 28. Juli 2013, 13:21

Domaniac hat geschrieben:Die 9 ist auf jeden Fall mal "Your Song" von Elton John, nur anscheinend nicht von Elton John.


dann ja wohl in der tollen Version von Ellie Goulding?
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon firestarter » Sonntag 28. Juli 2013, 14:11

Jesus hat geschrieben:
firestarter zu #2 hat geschrieben:Ziemlich bekannt Sängerin, die auch mal mit 3 anderen Mädels "musiziert" hat. Eigentlich hätte ich gedacht, dass du die sofort an der charekteristischen, übrigens auch zutiefst englischen, Stimme erkennst.


"Zutiefst englische Stimme" ist noch kein Garant für sofortiges Erkennen, denn sehr viele Engländer verfügen über eine solche ;)


Als aufmerksamer Leser meine Beschreibung hätte dir auffallen dürfen, dass ich dir das Erkennen aufgrund der charakteristischen Stimme zugetraut hätte. Das Englischsein der Stimme war nur ein akzessorischer Hinweis. 8-)
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Re: Thrash 'n' Zuckerstückchen...

Beitragvon firestarter » Sonntag 28. Juli 2013, 14:15

1: ???
2: ???
3: ???
4: ???
5: Decadence - Corrosion
6: Lissie - Record Collector
7: ???
8: ???
9: Ellie Goulding - Your Song
10: ???
11: ???
12: ???
13: Texas - Hush
14: ???
15: ???
16: ???
17: Johanna Zeul - Ich will was Neues
18: ???
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