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Black Metal - Der Drachenhort!Re: Black Metal - Der Drachenhort!Bin mächtig underground.
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Ich dachte, dass die Abkürzung selbsterklärend ist. Die Untergrund-Konnotation wurde ja treffend erkannt. Den Sinngehalt der Buchstaben B und M in diesem Thread zu erkennen, sollte auch noch gelingen.
![]() alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Untergrund, aha. Ausgehend vom Herrn Stalin auf dem Cover tippe ich demnach auf Bolschewistisch-Marxistisch.
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Mal eine Frage an die Black Metal-Experten und Zeitzeugen:
Wie kam eigentlich damals Anfang der 90er die Black Metal-Welle in Skandinavien auf? Wenn man sich die heute bekanntesten Black Metal-Bands so anschaut, dann liegt bei vielen Ende der 80er und in den sehr frühen 90ern der Fokus noch ganz woanders: Burzum, Immortal: Die Vorgängerbands Old Funeral und Amputation: Death Metal Enslaved: Vorgängerband Phobia: Death Metal Darkthrone - Soulside Journey: Death Metal Marduk - Dark Endless: Death Metal, jedenfalls noch zum größten Teil Death Metal war also der heiße Scheiß. Und dann plötzlich, fast von einem Tag auf den anderen wollen all diese Bands aber so klingen wie Bathory auf The Return und Under The Sign Of The Black Mark. Dabei waren diese Platten zu dem Zeitpunkt ja schon ein paar Jahre alt und sollten allen Beteiligten alles andere als neu gewesen sein. Wie kam das? War das alles der Einfluss von Euronymous?
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Ob die Frühphase bzw. Vorgängerbands wirklich immer so sehr "Death Metal" waren, möchte ich an der Stelle einfach mal bezweifeln.
Wenn du z.B. OLD FUNERAL nimmst, deren Mitglieder wenig später BURZUM, IMMORTAL und HADES gründeten, dann stammt von selbigen der Song "Alone Walking", der später von HADES bekannt gemacht wurde. Für mich ist das mindestens so sehr Black Metal wie Death Metal: http://www.youtube.com/watch?v=scb8bmHql0M Da mag man dann sagen, dass der erst von 1992 ist, aber wenn wir dann einen 1990er-Song der selben Band hören, wie hier "Abduction Of Limbs", dann ist der so weit auch nicht weg vom Black Metal. Klar, es ist irgendwo eine Mischform, aber man hatte schon die BM-Ästhetik, einen Sänger, der durchaus in die Richtung geht, zumindest teilweise: http://www.youtube.com/watch?v=SyQsp-vssRY DARKTHRONE? Die ersten Demos unter dem Namen BLACK DEATH sind bestenfalls räudiger Metalpunk (und damit "Transilvanian Hunger" irgendwie näher als "Soulside Journey"): http://www.youtube.com/watch?v=Ff2bqK3dG8A http://www.youtube.com/watch?v=pHpOkg3-oC8 Dann unter dem Namen DARKTHRONE war es erst einmal eine Mischung aus Death, Thrash und Black Metal: http://www.youtube.com/watch?v=zXQUgH-exI8 Da sind die Übergänge fließend. Bei MAYHEM selbst kannst du ja schon fragen, ab wann oder ob überhaupt hier rein musikalisch ein klarer Trennstrich zwischen Black und Death gezogen werden kann. Aber ja, die deutliche Positionierung in Richtung frühe BATHORY und Teutonenthrash, lässt sich mit Sicherheit schon an Euronymous und seinem Umfeld festmachen, das damals die jungen Musiker der norwegischen Szene anzog wie das Licht die Motten. So ziemlich alle der genannten Bands beziehen sich in den Booklets ihrer ersten Alben auf Euronymous und/oder Mayhem: "A Blaze In The Northern Sky is eternally dedicated to the king of black/death metal underground: namely Euronymous." (Darkthrone, A Blaze In The Northern Sky, 1991) "This album is to its full extent dedicated to Oystein Aarseth." (Enslaved, Vikingligr Veldi, 1994) "(...) we decided to split up our Death Metal Band PHOBIA (...) Of course the death metal legends of those days like AUTOPSY and ENTOMBED were very important to us all the way through the formation of ENSLAVED. Yet the main influence came from the emerging Black Metal scene that was forming in Norway, particularly the teachings of Euronymous/Mayhem and Darkthrone, the occult classics like Bathory and Celtic Frost, the German thrash heroes of Kreator, Sodom, Destruction (...)" (Enslaved, Hordanes Land, Rerelease Linernotes, 2009) "Hail to Hellhammer/Mayhem, DSP/Helvete." (Emperor, Emperor MLP, 1993) "In memory of Euronymous" (Emperor, In The Nightside Eclipse, 1995) "co-produced by Euronymous" (Burzum, Burzum, 1991) Im Endeffekt ist es wohl schon so, dass jede der Bands ihre eigenen Einflüsse gesucht und gefunden hat, um so zu klingen, wie sie mit dem Beginn der zweiten Welle klang. Die Einflüsse sind die oben von Enslaved genannten. Ideologisch, insbesondere "musikideologisch" zunächst Mayhem und etwas später vor allem Darkthrone, und dann eben Bathory, Venom, Hellhammer, Celtic Frost und der Teutonen Thrash. An die Einflüsse sind sie sicher zum großen Teil über Euronymous gekommen, wobei ich gerade bei Darkthrone (speziell Fenriz) schon aus den 80er-Demo-Sachen den Eindruck habe, dass die Einflüsse (gerade der Teutonenthrash) schon vor dem Entstehen der Helvete-Szene präsent waren, aber dass die Rolle, die Euronymous dann in der norwegischen Szene einnahm, die Band dazu brachte, entgegen dem ausdrücklichen Wunsch und Rat ihres damaligen (und auch heutigen) Labels Peaceville, die Pfade des "angesagten" Death Metals zu verlassen, und die Radikalkur zu machen. Aus all den Fanzines, die ich damals so gelesen habe, würde ich zusammengefasst folgern, dass der persönliche Einfluss auf die damaligen Protagonisten schon primär von Euronymous kam. Er hat mit Deads Tod diese berühmte "Kriegserklärung" getätigt, die sich im Booklet der "Live In Leipzig" findet, und mit der postuliert wird, dass "der Trend" Dead getötet habe, der Trend, der Death Metal zu etwas Anerkanntem, Sozialkritischen, Angesagten und Gesellschaftsfähigen gemacht habe, und die Erklärung, die Bathory, Venom, Possessed und dergleichen als die wahren Einflüsse und Größen des echten Death Metals und Black Metals festschreibt. Das hatte natürlich einen mächtigen Einfluss auf die damals allesamt ja extrem jungen Leute, die sich im direkten Umfeld befanden und gerade ihre ersten Schritte als Musiker gingen. Ein echter Todesfall in ihrer Umgebung, ein charismatischer Wortführer, ein zugehöriges Feindbild und eine klare Leitlinie über "wahr" und "falsch". Also ist norwegisch-szeneintern sicher Euronymous der Haupteinflussgeber. Musikhistorisch und über die Grenzen Norwegens hinaus sehe ich Darkthrone noch bedeutender, weil diese Band es war, die aufgrund der hausgemachten Veröffentlichungsflaute bei Mayhem, diesen Bruch mit dem damals kommerziellen Death Metal, die Kurskorrektur und die neue ideologische Verortung am stärksten publikumswirksam vertreten und dafür den offenen Bruch mit dem eigenen Label und den Medien riskiert hat. EDIT: Und wo wir gerade beim Thema sind: http://www.nrk.no/hordaland/legger-ned- ... 1.10974761 Pytten hat im April das Grieghallen aufgegeben. Ziemlich schade. War mir leider irgendwie entgangen. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Interessanter Text, Rüdiger!
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Seh ich genauso wie Jhonny.
Dann war es wohl wirklich so, dass Euronymous seine Schäfchen (man beachte die Ironie in diesem Begriff) zum Black Metal hin gelenkt hat. Aber noch zum Thema "Death Metal war ihm zu populär": Weiß jemand, wie gut sich denn The Return und UTSOTBM bis zu der Zeit verkauft hatten? Waren Bathory damals kommerziell auch schon eine etwas größere Nummer oder kam das erst später?
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Ich meine nicht, dass Bathory zu Anfang der Neunziger einen allzu großen Stellenwert hatte. Jedenfalls nicht medial, und darum ging es ihm ja vor allem. Im Underground war die Band schon etabliert, aber vom (nicht extremen) Metal-Mainstream doch eher abgelehnt. Aber es ging Euronymous nicht darum, Bands wegen ihres kommerziellen Erfolgs abzulehnen, sondern dafür, wie sie ihn erreichten. Er hatte auch nichts gegen Death Metal. Ganz im Gegenteil, er wollte den Death Metal und den Black Metal reinigen. Es störte ihn, dass Death-Metal-Bands in Bermuda-Shorts auftraten, sozialkritische Texte machten und sich somit aus seiner Sicht dem medialen Mainstream, dem "gesellschaftsfähigen" Musikbusiness anbiederten. Euronymous hasste auch die Hardcore Punks, die sich dagegen aussprachen, mit der Musik Geld zu verdienen. Er wollte sehr wohl Geld mit der Musik verdienen. Gerne auch viel Geld. Aber eben nicht durch Anbiederung an den medialen Trend und die Erwartungshaltung des Mainstreams, sondern durch Etablierung eines eigenen Kults, einer Gegenbewegung zum Trend. Das war sein dezidiert so formuliertes Ziel: "It must not become a trend, it must become a cult!"
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Black Metal - Der Drachenhort!Hier ist das komplette Zitat aus der "Live In Leipzig", welches im Endeffekt alles auf den Punkt bringt, was Euronymous und damit die ihn umgebende Szene bewegte:
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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