Ja, schräg, nicht wahr? Aber wartet, mein Wichtel kannte keine Gnade und hat mir ein paar echte Nüssen zu knacken gegeben, bei denen ich Hikfe brauche. Auch hat er mal richtig in die Sachen gegriffen, die bei mir eher nicht so im Futterspektrum liegen. Grenzwellen. Eckie Stiegs Bruder im Geiste. Klar, wer das war. Aber erstmal zur Musik, die ich gleich beim ersten Hören spontan mitbeschrieben habe.
#1 10:26
Sehr schräg, das Ganze. Eigentlich eher ein Hörspiel. Im Hintergrund leicht hypnotisches auf- und abschwellendes, äh, Geräusch, darüber gesprochen die Geschichte von Frankie, den es schwer erwischt hat. In der Mitte des Songs ist er dann auch tot. Dann kommen weitere rythmische Geräusche dazu. Musik? Eher nicht so. Wahrscheinlich will mich hier jemand behutsam darauf vorbereiten, dass die Mucke zum Artwork passt. Sehr subtil, Her Wichtel.
#2 5:06
Violinenbeginn, dann kommen düstere, heftige Gitarren und böser, deutscher Gesang, dann wieder Violinen mit Gitarrenbegleitung. Erst dachte ich, das wäre eine wilde Version von JULIs "Zerrissen", aber nein, ist es nicht. Nur die Violinenmelodie klang ein wenig danach. Es kommt mir auch irgendwie bekannt vor, aber ich komme nicht drauf. Ich finde ja die Melodie der Violinen ganz hübsch, aber der Rest ist einfach schwarzmetallisches Gitarrenschrubben und ziemlich schwacher Gesang. Dann auch noch Drumgeprügel der uninspirierten Art. Das klingt alles sehr anstrengend und will überhaupt nicht zünden, der kitschige Hintergrund mit dem Extremmetalgedudel passt nicht. Und der Sänger nervt. "Flammenmensch" irgendwas singt er. Das reicht hier bestimmt schon, dass jemand mir sagen kann, welcher Kapelle ich in Zukunft besser ausweichen sollte.
#3 4:29
Beginnt elektronisch und dann mit ganz schlecht aufgenommenen Schepperdrums. Könnte noch die Kurve zum Garagenrock kriegen, der Bass übernimmt mal die Führung. Dann Sprechgesang. Die Trommeln klingen immer noch nach Keksdosen. Ulrich-St. Anger-Gedächtnis-Drumsound. Der Gesang ist fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Oh, ein Zwischenspiel nur aus Synthiegesäusel. Klingt wie schlechte KILLING JOKE. Also ohne Esprit, ohne Colemans markante Stimme, und mit viel schlechterem Song. Also quasi ohne KILLING JOKE. Das war jetzt aber nicht gerade ein logisch-lyrisches Highlight meinerseits. Egal. Nein, das ist leider auch nicht so meins….
#4 3:38
Ah, jetzt aber Musik? Gitarrengeschrubbe und ein eher brüllender Sänger. Ein Break hin zu einem Riff, immerhin. Der Gesang ist zur Unkenntlichkeit gegrölt und obendrein weit im Hintergrund. Da wusste jemand, dass das doch eher schlecht ist. Also eher verbergen. Nur, warum dann nicht gleich weglassen? Einfach den Typen in der Kneipe wieder abgeben, wo man ihn aufgelesen hat. Merkt da keiner, der sitzt da immer am Tresen. Es sei denn, erliegt drunter. Oh je, jetzt kommt ein Chor, der auch eher nach Gruppe besofferner Matrosen auf der Reeperbahn nachts um halb eins klingt. Die suchen bestimmt Kalle vom Tresen. Übrigens klingen die Drums hier eher nach diesen schönen, alten Persil-Fässern, die es leider nicht mehr gibt. Ist bestimmt die EU schuld. Nein, auch nicht gut. Wieder etwas, was ich bei mir auf der "Bloß nicht kaufen"-Liste vermerken werde.
#5 3:56
Percussionbeginn, dann eine coole, akzentuierte Gitarre. Klingt aber auch ziemlich nach Garage. Vielleicht ist diese CD ja ein Best of aller Bands, die jemals in meines Wichtels 3000-Seelen-Heimatdorf irgendwas aufgenommen haben? Oh, Gesang. Und guter dazu. Ich wittere, er will mich in ein Gefühl falscher Sicherheit wiegen. Es geht laid back und etwas relaxt weiter, ja, das hier hat etwas. Hier scheint die Garage nicht Zufall, sondern Programm zu sein, das ist gut gemachter Indierock. Höre ich gleich nochmal. Ja, etwas schrammelige Gitarren, mit einem ganz leichten Industialtouch. Aber alles bevor der Sänger einsetzt. "Everything was fine fine fine". Ja, sehr ordentlich. Nicht komplett meine Baustelle, aber durchaus gut. Sollte wirklich die Geräuschkulisse enden und die Musik beginnen? Nicht auszudenken...
#6 2:04
Wiiiiilder Punkritt mit verzerrtem Gesang. Ich verstehe nur "menschenverachtende Untergrundmusik". Da dann auch nochmal als Growls. Und ein kurzes Bassintermezzo, dann hastet der Sänger sich durch den extrem wilden Ritt, der einen am Ende selbst atemlos zurücklässt. Obwohl man nix gemacht hat. Sehr ansteckend. Sehr witzig. Nicht gerade etwas, was ich sofort kaufen muss, aber witzig. Ich schreie jetzt auch menschenverachtende Untergrundmusik. Aber stumm. Oma sitzt im Wohnzimmer, ich will nicht an der Herzattacke schuld sein. Moment. Gibt es was zu erben? Oh, zu Ende. Zu spät. Wieder nix mit erben.
#7 3:45
Jazzige Sounds, dann jazzsprechgesangt jemand von "Senorita Sabotage" "now she's heading vor divorce" oder so. Und dann legen die Jungs los und rocken mit Gitarre und Keys und der Sänger lässt mal richtig die Stimmbänder glühen. Dann wird es wieder ruhiger. Leicht bedrohlich, mit dem Cowboy als Sänger ist nicht gut Kirschen essen. Weder im Country noch im Countrybilly oder Countrypunk. Ich glaube, der mag sie Senorita nicht mehr so. Die Gitarre darf etwas mitmachen, aber nur ein bisschen, und dann wieder der Refrain, der klingt irgendwie wie "On my witches Bane" oder so. Schwer zu verstehen. Ganz interessant, aber mehr brauche ich davon jetzt auch nicht. Pianoklänge beenden das Ganze.
#8 2:45
Der Bass reitet schon mal los über eine Geräuschkulisse mit Sänger. Der Sänger ist gut, tief und markant. Aber der Garagenrock neben der Bahnlinie ist eher seltsam. TWISTED SISTERs 'Under The Blade'-Gitarre von den YOUNG GODS verwurstet und in ein Rockabilly-Korsett gezwängt. Obwohl, das wird eher Goth, das passt auch textlich besser. In dem Text ist eine Lady wohl ein Vampir und will ihn beißen. Sonst verstehe ich kein Wörtchen. Oder doch: "sex vampire cool machine". Ich habe es gleich nochmal gehört. Schlecht ist das nicht. Irgendwie hat das was, ich mag ja Rockybilly auch und Goth Rock ebenfalls. Manchmal. Habe ich schon gesagt, dass der Sänger eine wirklich markante Stimme hat? Sehr theatralisch intoniert scheint der auch beißen zu wollen. Der Song wächst. Nochmal? Nee, weiter. Sind siebzehn Tracks und mein Bier ist alle. Pause. Der Kühlschrank sieht aus wie ein großer Mund. Beißt mich aber nicht, spuckt stattdessen ein Günzburger Weizen aus. Braver Kühlschrank.
#9 5:44
Wellengeräusche? Dann Klingel-Keys die in einen schleppenden Song münden mit langsamem Gesang mit viel Hall, im Hintergrund Keyboardteppich. Mit Fransen. Unterschiedlich lang. Kann aber auch an den Drogen liegen. Man singt irgendwas von "save us all", glaube ich. Nach 4:20 gibt es eine ganz geringe instrumentale Abwechslung, ansonsten passiert da schon ziemlich wenig. Depress Express. Der Song geht aber. Wenn ich mal wieder nicht weiß, wohin ich die 9mm halten soll, wird mir dieser Song anatomisch auf die Sprüpnge helfen.
#10 4:23
Ui, blackmetallischer Beginn… ooouuuoorrrrggghhhh… Blastbeats. Ja, ganz genau meine Baustelle. Hier kennt mich jemand gut und will mir eine Freude machen. Oh, dann wird es doch noch echte Musik. Der Sänger ist weit im Hintergrund, die Gitarren spielen Doppel-Leads mit nur ganz wenig Rasierapparat. Eher so eine Art IN FLAMES auf schlechtem Speed mit dem keifenden Zwerg Nase unterm Tisch. Aus den Gitarren hätte man einen echten Song komponieren können. Man. Die Jungs wohl eher nicht so. Da hat es nur für ooouuuoorrrrggghhhh gereicht. Schade. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe, das zu versuchen, zu charakterisieren… Oh, ein Break: Orgel und Klargesang, leicht opernhaft, dann wieder ooouuuoorrrrggghhhh. Und ausblenden, aber die akustische Gitarre bleibt. Oder kommt dazu, ob in dem Lärm vorher eine da war oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Aber der Song macht Hunger. Warum? Ich habe kürzlich das hier im Netz entdeckt, und daran muss ich gerade denken:
http://www.youtube.com/watch?v=CeZlih4DDNg&feature=c4-overview-vl&list=PLnUAzdHX-dGibZtyQyRSRF0o4mAA91Ejl
#11 5:20
Akkordeonbeginn. Schifferklavier geht immer. Weiblicher Gesang. DRESDEN DOLLS? Nee, die singt auswärts, oder? Schwer zu verstehen. Eine melancholische Ballade, aber dann kommen Drums dazu und die Elektrische. Das klingt ganz ordentlich, vielleicht ein bisschen dick aufgetragen. Irgendwie wollen die Instrumente nicht harmonieren, der Fötenschlumpf ist dann auch schon wieder etwas viel, und der Dreivierteltakt wirkt auch etwas aufdringlich. Bretagne trifft auf teutonisches Unvermögen, die Musik umzusetzen, würde ich sagen. Trotzdem, nicht ganz schlecht. Aber auf jeden Fall zu lang. Wird vor dem Ende noch weilig. Ausblenden ist übrigens der Antichrist.
#12 5:05
Ah, etwas, das ich kenne und habe. Moment, ich komme gleich drauf. Ein cooles Riff, aaaah-aaah-aaah im Hintergrund. PARADISE LOST? Nein. Tiefer Gesang, einfache Keys, ein ganz tolles Gitarrenriff. Die Damen trällern. THERION? Nein. TIAMAT! Genau. Das muss es sein! Von der billanten "Wildhoney". Nur der Song will mir partout nicht einfallen. Ja, das gefällt meines Vaters Sohn. Habe ich euch schon mal erzählt, dass ich die Buben auf dem Dynamo Mitte der Neunziger mal live gesehen habe? Genau nach "Wildhoney"? Erst die, und danach MY DYING BRIDE, deren aktuelles Album "Angel And The Dark River" war. Nach dem Konzert sind alle schweigend zu den Zelten gegangen… Gut, dass niemand eine Schusswaffe dabei hatte, sonst wäre die Selbstmordrate gewaltig gestiegen.
#13 3:15
Pianobeginn mit Stimme. "What do you want from me" oder so. Ein Pixie kommt auch noch vor. Reduziert und simpel, aber interessant. Textlich und von der Attitüde her Punk. Nur mit anderen Instrumenten. Man kann auch ohne Elektrische Punk sein! "Piece of shit" … "Walk away". Cool, aber eher ein Antisong. Anti was? Anti alles, you piece of shit!
#14 5:54
Elektonisch verzerrte Gitarre, dann die Drums. Cool. Ein bisschen wie KILLING JOKE zu "Pandemonium" und "Democracy"-Zeit. Fehlt der Techno-Beat. Der Drummer haut seine Trommeln, die waren nicht artig. Ups, und dann wird es abrupt ein ruhiger, simpler Gesang, ein zurückhaltend herausgerufener Refrain (ich glaube jedenfalls, dass es selbiger ist). Eine leichte Punkattitüde haben die Jungs auch, aber eher latent. Das ist mal gar nicht schlecht, ein bisschen zu lang allerdings. Trotzdem macht das durchaus Laune.
#15 2:28
Eine loungige, funkige Jazzversion des Songs "Motörhead". Sehr cool, das Ding. Der Song ist eigentlich nur an den Lyrics noch zu erkennen. Sonst wurde er fast zur Unkenntlichkeit verjazzt. Aber wirklich originell und gut gemacht. Sehr witzig. Das interessiert mich sehr, wer das ist. "no no no nooo". Wie amüsant. Mit Speed-Jazz-Teil. Norwegerpulli, Pfeife und Nackenschmerzen.
#16 2:52
Huch. Man singt säuselnd so was wie "speed… speed… dum dum", dann kommt eine punkige Gitarre. Verzerrter Gesang. Sehr schräg und eigentümliche elektronische Sounds, das ist elektronischer Präpunk mit Sechziger-Jahre-Flower-Power-Keys, einer Menge Distortion, unkenntlich gemachten Stimmen. Und dann Klimperende. Es lässt mich ratlos zurück. Völlig ratlos. Aber dem Rezensör ist nichts zu schwör. Außer der Charakterisierung dieses Dings. Ua-ua-uan-wow. Blue Cheer auf witzig. Mit Bontempi-Key-Solo. Aber das, das man nicht hinlegt, sondern das oben so einen Griff hat. Wie bei dem Anders. Dem mit dem Nora-Kettchen. Ihr wisst schon.
#17 7:28
Es plätschert. Captain Silver rudert zurück zur Hispaniola. Oder so. Dann die Klampfe. Man beklagt die gute, alte Zeit, "where were you when we were getting high"? Hi hi, und "Champagne Supernove in the sky". Witziger Satz. Der Sänger ist gut. Klingt britisch. "Slowly walking doen the hall, faster than a cannonball". "Someday you will find me caught beneath the landslide". Textlich ziemlich gut, und vom Gefühl her irgendwo bei SOUNDGARDENs "Black Hole Sun". Aber in Britpop. Das ist eigentlich ganz gut, bis es nicht zu Ende geht. Streichen Sie vier Minuten, Obermaat! Aye, aye, Sir!
Also, so richtig toll waren 12 und 15. Gut fand ich 7, 8 und 13. Eventuell noch 16. Den Rest werde ich in Zukunft sicher lieber ausweichen, aber natürlich muss ich dringend wissen, was das denn so war.
Der Sampler ist natürlich von Eike, keine Frage. Kollege, du hast aber auch schräge Sachen in deinem Schrank rumstehen. Junge, Junge...

