Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Teichfrosch » Montag 28. April 2014, 22:28

Djent ist quasi ein fieser Bastard aus Free Jazz und Hardcore/Metal :grins: Gehirngängeverknotend und oft eher anstrengend, aber grundsätzlich spannend - und vor allem eigenständig. Klassische Hipstermusik, genauso wie Blackmetal... insofern vielleicht doch was für dich ;)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Teichfrosch » Montag 28. April 2014, 22:29

Ok das kam falsch rüber: damit wollte ich nicht sagen, dass du, Rüdiger, ein Hipster bist, sondern dass du es vielleicht doch mögen könntest weil du Blackmetal magst was Hipster auch gerne hören. War einfach ein sehr blöder Witz. Armer Rüdiger, alle hacken auf ihm rum :grins:
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 28. April 2014, 23:44

Ich hatte jetzt nicht das Gefühl, dass jemand auf mir herum gehackt hätte. War das falsch?
:P

@ Black-Metal-Hipster-Diskussion:
Was die Hipster-Geschichte angeht, bin ich anderer Meinung. Für mich ist Black Metal nicht einmal ansatzweise Hipster-Musik, was auch immer "der Hipster an sich" konkret sein mag. Black Metal ist das Gegenteil von hip, und der "Black Metal", den die so genannten Hipster zu hören pflegen, hat mit meiner Vorstellung von Black Metal selten viel gemein, weil ich stets das Gefühl habe, dass die Hipster-Blackies den BM genau in dem Bereich kastrieren, der den BM ausmacht. Aber das sind halt sehr subjektive Wahrnehmungen, für die ich keinen Wahrheitsbeweis antreten kann und will. WITTR, Austere, Agalloch und Konsorten machen Musik, die ich teilweise gut bis sehr gut finde, aber Black Metal im eigentlichen Sinne ist das für mich nicht, auch wenn gewisse Stilelemente von dort geborgt werden.

@ Djent-Definition:
Was Djent angeht, habe ich mir jetzt eben nochmal die erfolgreich verdrängten Herren von Periphery und Tesseract in Erinnerung gerufen. Da höre ich keinen Metal, keinen Hardcore und auch keinen Jazz. Es sei denn, man identifiziert komplexe rhythmische Strukturen generell mit Jazz, verzerrte Stromgitarren generell mit Metal und das ewig erbärmliche Wechselspiel aus Emo-Gesäusel und Abgestochene-Sau-Gekreische generell mit "Core". Für mich ist das rhythmisch verschachtelter Pop/Rock mit Einflüssen aus Nu Metal und Metalcore (im modernen Sinne des Begriffs). Sonderlich originell finde ich den Stil auch nicht, und mein Hirn verknotet er auch nicht, weil ich die komplexen Strukturen unter dem aalglatten Pop-Zuckerguss obendrauf gar nicht mal wahrnehme. Burzum mit K vorne: Geht an mir vorbei und einen Faustfaktor finde ich nicht, um Holgs rhethorische Frage zu beantworten.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Jakob » Dienstag 29. April 2014, 00:07

Naja, Djent ist nicht gleich Djent. Es gibt ja auch Vertreter, die rein instrumental spielen, nur klar singen oder nur shouten, etc. Was empfindest du denn bei bspw bei MESHUGGAH?
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 29. April 2014, 00:18

Jakob hat geschrieben:Naja, Djent ist nicht gleich Djent.

Das ist mir klar. Black Metal ist ja auch nicht gleich Black Metal und Running Wild nicht gleich Running Wild. Habe mir als Außenstehender einfach zwei Bands herausgepickt, die als Genremitbegründer gelten, und meine ersten Eindrücke live kommentiert. Das Ergebnis der "Analyse" hat keinerlei empirischen Wert. Es wird sicher Djent-Songs geben, die mir gefallen. Daran habe ich keinen Zweifel.

Es gibt ja auch Vertreter, die rein instrumental spielen,

Um Himmels Willen! O_o

Was empfindest du denn bei bspw bei MESHUGGAH?

Ich kenne von Meshuggah nur die Sachen aus den Neunzigern bis ca. 2002, die ich immer irgendwo zwischen Groove Thrash, Industrial und Death/Thrash abgespeichert hatte. Das war niemals mein Genre, weil mir das immer etwas zu anstrengend, hackend und unmelodisch war, aber ja, das war definitiv noch in dem Bereich, den ich als Metal bezeichnen würde. Hätte ich jetzt auch nie als ein eigenständiges Genre wahrgenommen, sondern in einen ähnlichen Bereich einsortiert wie etwa Fear Factory oder Strapping Young Lad. Wenn ich mir heute mal wieder die "Nothing" anhöre, finde ich das cooler als damals, und das ist immer noch Metal für mich. Von hier zu Tesseract und Periphery ist der Weg für mich deutlich weiter als zu Slayer und Pantera. Neuere Entwicklungen im Hause Messhugah sind mir nicht bekannt. Ich höre gleich mal einen aktuellen Song quer.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 29. April 2014, 00:25

Es läuft gerade von Meshuggah "I Am Colossus", und ich frage mich ernsthaft, warum man das heute "Djent" nennt. Weil Thorendal den Begriff erfunden hat? Das ist doch immer noch der im Wesentlichen gleiche Stil wie schon um die Jahrtausendwende herum. Davor, also Anfang der 1990er, war es noch mehr "richtiger" Thrash Metal, aber so die wirkliche große stilistische Entwicklung zwischen 2002 und heute sehe ich - anhand der Stichproben! - jetzt nicht.

Die "Contradictions Collapse" muss ich wohl doch irgendwann mal kaufen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Teichfrosch » Dienstag 29. April 2014, 02:53

Rüdiger hat geschrieben: WITTR, Austere, Agalloch und Konsorten machen Musik, die ich teilweise gut bis sehr gut finde, aber Black Metal im eigentlichen Sinne ist das für mich nicht, auch wenn gewisse Stilelemente von dort geborgt werden.


Nuja, BURZUM wildern ja auch gerne mal in den Randbereichen...
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 29. April 2014, 11:32

Teichfrosch hat geschrieben:
Rüdiger hat geschrieben: WITTR, Austere, Agalloch und Konsorten machen Musik, die ich teilweise gut bis sehr gut finde, aber Black Metal im eigentlichen Sinne ist das für mich nicht, auch wenn gewisse Stilelemente von dort geborgt werden.

Nuja, BURZUM wildern ja auch gerne mal in den Randbereichen...

Viel mehr als das: Burzum ist ja schon kraft eigener Definition kein Black Metal (mehr), und das ist in gewisser Hinsicht auch richtig. Die Ambient-Alben natürlich eh nicht, und die Metal-Alben ab "Belus" haben zwar im Wesentlichen dasselbe musikalische Grundgerüst wie die alten Scheiben, und Vikernes' sehr charakteristischer Klampfen- und Gesangsstil lassen sich halt schwer vom BM trennen, weil er das Genre in seiner heutigen Gestalt ja weitgehend mitdefiniert hat. Aber von der Attitüde her sind die Scheiben nach der Haftentlassung auch für mich kein BM im eigentlichen Sinne mehr, weil sie dazu viel zu positiv und bejahend sind. Das ist im Prinzip eine ähnliche Sache wie bei den oben genannten Bands. Und trotzdem ist "Fallen" für mich das bisher beste Album des Jahrzehnts. BM hin oder her.

Es ist ja auch nicht wichtig, ob etwas nun Black Metal ist, Black-Metal-artig klingt oder vom BM beeinflusst ist, ich schreibe da bei "Genre" in unserer Datenbank auch immer "Black Metal" und fertig, weil die Schubladisierung ja erst mal rein stilistisch laufen soll und keine tiefschürfende philosophische Auseinandersetzung voran gestellt werden sollte.

Mir ging's nur um deine Folgerung, dass ich vielleicht auch Djent mögen könnte, weil der ähnlich hip ist wie Black Metal, und ich eben eher das Gefühl habe, dass der BM, den die Hipster mögen, nicht unbedingt das ist, was meine primären BM-Sensoren anspricht, weil es diesen Bands in meiner Wahrnehmung zum großen Teil an den Grundreizen in punkto Attitüde fehlt, die BM für mich ausmachen. Dass ich das stilistisch selbst auch als BM einordnen würde (und auch tue, wie man es all meinen Reviews zu solchen Band entnehmen kann), steht außer Frage, weil es nicht die Wahl der musikalischen Stilmittel ist, die solche Bands ein bisschen aus dem BM-Raster schieben, sondern Elemente auf der Wirkebene.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Dienstag 29. April 2014, 11:48

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Es läuft gerade von Meshuggah "I Am Colossus", und ich frage mich ernsthaft, warum man das heute "Djent" nennt. Weil Thorendal den Begriff erfunden hat? Das ist doch immer noch der im Wesentlichen gleiche Stil wie schon um die Jahrtausendwende herum. Davor, also Anfang der 1990er, war es noch mehr "richtiger" Thrash Metal, aber so die wirkliche große stilistische Entwicklung zwischen 2002 und heute sehe ich - anhand der Stichproben! - jetzt nicht.


Richtig. Nur weil irgendjemand meint, die Flower Kings machen jetzt "Hertha Suhrbier-Prog" und das nennt man dann Hesup, wird das nichts Neues. Genauso mit Djent. Aber diese Meinung kennt ihr ja, trotzdem muss ich Rüdiger beipflichten. Djent ist die unsinnigste und überflüssigste Schublade, die mir einfällt. Vielleicht hinter "Gemüsegarten", aber nur ganz knapp.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Jakob » Dienstag 29. April 2014, 13:21

Für viele ist es ja kein Genre, sondern nur das, was MESHUGGAHs Thordendal beschrieben hat: Ein Gitarrenakkord, der eine bestimmte Technik (Palm Muting) und am besten 8 Gitarrensaiten voraussetzt. Es spricht halt vieles dafür mittlerweile von einem Genre zu sprechen (viele Bands berufen sich darauf, es gibt Festivals und Webzines unter dem Banner, etc). Und es ist total spannend zu sehen, wie sich Bands entwickeln, gegenseitig beeinflussen, etc. Diese Vielfalt und Entstehungsprozesse sind total spannend und einzigartig. Aber ich bin ja auch der Djentie-Boy :-D
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