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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Holger Andrae » Samstag 28. Juni 2014, 23:41
salisbury hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben: Was daran möglicherweise "doch arm" sein soll, erschließt sich mir jetzt nicht, aber gut.
Na ja, er sitzt da ganz entspannt in seinem Sessel und feuert gegen die junge Generation an Gitarristen, die ihr Instrument beherrschen will, redet von großer Kunst und am Ende der Geschicht scheint es dann doch das wichtigste zu sein, möglichst krass in die Klampfe reinzuhauen und diese zu Poden zu schmeissen, weil das ja Metal ist. Das finde ich dann doch ein wenig zwiespältig...
Hm, empfinde ich komplett anders. Er stellt sehr sachlich dar, wie es doch tatsächlich ist und sagt doch sogar: "Jeder, wie er möchte." Er möchte das eben nicht. Der Satz mit der Instrumentenzerstörung dient eher dazu um den rebellischen Moment zu unterstreichen. Ich habe ihn jetzt auch noch nicht bewusst ein Instrument zerdeppern gesehen. Außerdem sagt er ja, dass die Arrangements sehr wichtig sind. Es kommt sehr gut rüber, dass es ihm halt um Attitüde, Emotionen und Atmosphäre geht. Da ist gar nichts zwiespältig.
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von salisbury » Samstag 28. Juni 2014, 23:52
Interessant, wie so ein Interview aus verschiedenen Blickwinkeln interpretiert werden kann.
Na, ja und man darf nicht vergessen, dass er ja von jemand befragt wurde, der ihn zu vergöttern scheint und der fragt ja, was denn so besonderes an seiner Musik sei. Ein kritischerer Frager hätte da sicher bei der einen oder anderen Aussage mal nachgehakt.
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von Rüdiger Stehle » Samstag 28. Juni 2014, 23:57
salisbury hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben: Was daran möglicherweise "doch arm" sein soll, erschließt sich mir jetzt nicht, aber gut.
Na ja, er sitzt da ganz entspannt in seinem Sessel und feuert gegen die junge Generation an Gitarristen, die ihr Instrument beherrschen will, redet von großer Kunst und am Ende der Geschicht scheint es dann doch das wichtigste zu sein, möglichst krass in die Klampfe reinzuhauen und diese zu Poden zu schmeissen, weil das ja Metal ist. Das finde ich dann doch ein wenig zwiespältig...
Das versteht man aber auch nur so, wenn man es unbedingt so verstehen will. Dabei unterschlägt man dann, dass er auch gesagt hat, dass er nicht behaupten will, dass seine Version die bessere sei, dass er außerdem gesagt hat, dass er in der Schweiz jede Menge tolle junge Gitarristen kennt, die ihn technisch an die Wand spielen usw... Er hat halt ein gewisses Verständnis von Heavy Metal als Kunstform, und davon, wie sich Heavy Metal für ihn anfühlen muss. Das wirkt in dem Interview auf mich aber mal so gar nicht belehrend, oder arrogant, oder herablassend gegenüber "den anderen", sondern einfach ganz konkret und auf Nachfrage als Erklärung dafür, warum seine Musik so klingt, wie sie klingt.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 00:04
Haha... als ich den vorigen Beitrag schrieb, hatte ich Holgs Beitrag und deine Antwort darauf noch gar nicht gelesen. salisbury hat geschrieben:Na, ja und man darf nicht vergessen, dass er ja von jemand befragt wurde, der ihn zu vergöttern scheint und der fragt ja, was denn so besonderes an seiner Musik sei. Ein kritischerer Frager hätte da sicher bei der einen oder anderen Aussage mal nachgehakt.
Nicht, weil ich meine, dass du das hättest wissen müssen, sondern nur zur Info: Der Fragesteller ist Neudi (Schlagzeuger von Manilla Road, Roxxcalibur, ex-Masters Of Disguise, ex-Jameson Raid, ex-Viron, exallesmögliche...). Zum kritischen Nachhaken gab's da im Prinzip nicht viel. Das kann man doch alles so in goldenen Lettern in die Metal Bibel drucken und mantrisch rezitieren. 
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von Holger Andrae » Sonntag 29. Juni 2014, 00:08
salisbury hat geschrieben:Interessant, wie so ein Interview aus verschiedenen Blickwinkeln interpretiert werden kann.
Na, ja und man darf nicht vergessen, dass er ja von jemand befragt wurde, der ihn zu vergöttern scheint und der fragt ja, was denn so besonderes an seiner Musik sei. Ein kritischerer Frager hätte da sicher bei der einen oder anderen Aussage mal nachgehakt.
Sicherlich mag der Neudi die Band, aber ganz unabhängig davon, kann man ja mal ganz einfach den Einfluss, den Tom G Warrior seit drei Dekaden auf die harte Rockmusik hat, nicht abstreiten. Ohne ihn kein "Ugh!", ohne ihn nicht dieser pulsierend-brachiale Gitarrensound, der ebn nicht modern tiefer gelegt klingt. Ich gehe ja fast so weit, zu sagen, dass er einem Lemmy innerhalb der Metal Community als Ikone nur wenig nachsteht und obendrein fallen mir auch nur wenig Bands aus dieser ganz extremem Richtung ein, die von so vielen außerhalb dieser Nische toll gefunden werden. Da darf man ruhig ein bisschen ehrfürchtig sein. Obendrein bin ich froh, dass Rüdiger es offenbar genau so wahrnimmt, wie ich. Allerdings fasst er es mal wieder besser zusammen.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 00:37
Holger Andrae hat geschrieben:Da darf man ruhig ein bisschen ehrfürchtig sein.
Da sprichst du etwas an, was für mich ein ganz wichtiger Punkt ist, und gerade in diesem Thread durchaus mal angesprochen werden darf. Damit will ich nicht sagen, dass keine heiligen Kühe geschlachtet werden dürfen, oder dass hier jemand nicht seine schonungslose Meinung zu vermeintlichen oder echten Kultfiguren und Klassikern sagen soll. Mir geht's einmal mehr um etwas, das ich schon öfters mal in Diskussionen gesagt habe, und vermutlich auch schon hier geschrieben habe. Bin mir aber nicht mehr sicher. Der Punkt ist für mich, dass ich der Meinung bin, dass eigentlich jede große Metalband der Geschichte auch zu recht eine so große Band geworden ist. Einfach, weil sie diese Individualität, dieses Charisma, diesen Nachhall entwickeln konnte, der sie über die Masse erhebt. Da bin ich durchaus und immer für Ikonen, Altäre, Ehrfucht und Anbetung. Aber ich bin ja auch Metaller und kein Musikliebhaber. Ich glaube für mich ist Metal nicht einmal Musik, sondern etwas ganz anderes, viel größeres... 
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von Holger Andrae » Sonntag 29. Juni 2014, 00:44
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Holger Andrae hat geschrieben:Da darf man ruhig ein bisschen ehrfürchtig sein.
. Der Punkt ist für mich, dass ich der Meinung bin, dass eigentlich jede große Metalband der Geschichte auch zu recht eine so große Band geworden ist. Einfach, weil sie diese Individualität, dieses Charisma, diesen Nachhall entwickeln konnte, der sie über die Masse erhebt. Da bin ich durchaus und immer für Ikonen, Altäre, Ehrfucht und Anbetung.
Du hast geahnt, dass ich darauf etwas antworten muss, oder? I agree to disagree ... dazu gibt es für mich leider zu viele "große" Metalbands, die eben nicht _meinen_ Metal repräsentieren und mit denen ich mich eben auch nicht identifizieren kann. Dazu bin ich wohl zu wenig _metal_ bzw. MEEEETAALLL! All' diese Manowars, Running Wilds, Iced Earths etc, eben all' die Bands, nach denen man gefragt wird, wenn man sagt, dass man Metal hört, all' diese Bands geben mir nichts (mehr). Gut, bei Maiden oder Priest sieht das anders aus, aber einen Großteil dieser vermeintlich "großen" Bands höre ich eben seit Jahrzehnten nicht mehr.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 00:55
Holger Andrae hat geschrieben:Du hast geahnt, dass ich darauf etwas antworten muss, oder? I agree to disagree ... dazu gibt es für mich leider zu viele "große" Metalbands, die eben nicht _meinen_ Metal repräsentieren und mit denen ich mich eben auch nicht identifizieren kann. Dazu bin ich wohl zu wenig _metal_ bzw. MEEEETAALLL! All' diese Manowars, Running Wilds, Iced Earths etc, eben all' die Bands, nach denen man gefragt wird, wenn man sagt, dass man Metal hört, all' diese Bands geben mir nichts (mehr). Gut, bei Maiden oder Priest sieht das anders aus, aber einen Großteil dieser vermeintlich "großen" Bands höre ich eben seit Jahrzehnten nicht mehr.
Wenn ich keine Antworten erwarten und erhoffen würde, dann würde ich so etwas ja nicht schreiben. Ich mag Diskussionforen, keine Poste-deine-Meinung-Foren. Was du sagst, das kann ich dabei gut nachvollziehen, weil ich natürlich auch nicht alle großen Bands gleich gerne mag. Meinen Metal repräsentieren sie aber schon so ziemlich alle, weil ich immer schon den ganzen Metal im traditionellen Sinne als "meinen Metal" gesehen habe. Es ist ja auch bekannt, dass es eigentlich keine sortenreine Metalband gibt, die ich wirklich schlecht finde oder gar nicht mögen würde. Aber klar, auch ich mag nicht alle Band gleich gerne. Wie du weißt, war die Bay-Area-Szene mir niemals wirklich nahe, so dass für mich Exodus, Testament und Heathen nie wichtige Größen in meiner persönlichen Hörwelt waren. Genauso wenig die Genre-Prog-Geschichten um Dream Theater, Threshold und Symphony X. Trotzdem habe ich einen großen Respekt vor diesen Bands, ich finde sie wichtig und zu recht einflussreich und prägend, und ich will selbstverständlich alles von diesen Bands kennen und haben (am unteren Rand der Prioritätenliste, aber doch immerhin auf der Liste mit drauf). So ticke ich da halt. Kenne auch nicht wirklich viele Leute, die ähnlich drauf sind, aber für mich fühlt sich das so richtig an. Panmetallischer Polytheismus, oder so, heißt die Religion. Nein, ganz ernsthaft, für mich ist das schon immer wieder bizarr, wenn ich lesen muss, dass der eine die ganzen Thrash-Klassiker öde findet, der nächste den Teutonen-Metal stumpf und doof, und der übernächste so gar nicht auf extremen Metal kann. Ich verstehe es einfach nicht. Will mir nicht in die Seele und in den Kopf. Für mich ist der Metal einfach ein großes Ganzes, das ich insgesamt total faszinierend finde, und ich mag tatsächlich alle Kinder des Stahls (natürlich mit deutlichen Unterschieden). Aber der Punkt, wo eine Metalband im klassischen Sinne, die zumindest ansatzweise ordentlich spielen kann, mir gar nicht gefällt, den habe ich noch nicht erreicht.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 01:07
Holger Andrae hat geschrieben:Dazu bin ich wohl zu wenig _metal_ bzw. MEEEETAALLL!
Dazu ganz konkret noch was, das jetzt bestimmt bescheuert klingt, wenn ich das so schreibe, dabei ist das jetzt echt weder Klischeekur noch Selbstbeweihräucherung oder demonstrierte Trueness, aber ich glaube schon, dass ich "100% Metal" bin (auch wenn Musiksammler was von 92% faselt). Wie gesagt, das macht mich weder toller als andere noch truer oder sonst irgendwas. Das ist nur ein Versuch, mich selbst musikalisch ehrlich zu kategorisieren. Und da bleibt eigentlich am Ende nur dieses Fazit. All mein Interesse an Musik, meine Liebe zur Musik, meine Faszination für Bands und Musiker, geht von Metal aus und führt wieder zu Metal zurück. Es gibt vieles, das nicht Metal ist, das mir rein musikalisch gut gefällt. Aber eine wirkliche emotionale Bedeutung, den Willen es kennen und haben zu müssen, einen Drang zu entfachen die Begeisterung dafür durch Shirts und Artikel usw... zu demonstrieren und dafür zu werben usw... das alles kann nur der Stahl. Wenn es Stahl ist, dann ist es Teil meiner musikalischen Welt, ist es kein Stahl, dann nehme ich es - teils durchaus wohlwollend - zur Kenntnis, aber eine größere Bedeutung erlangt es nicht. Fragt mich nicht, warum das so ist. Ich habe sicherlich keinerlei Ambitionen dahin gehend, besonders hart oder true zu sein. Auch kein Bedürfnis, irgendwelche Kodizes und Klischees zu erfüllen. Irgendwie ist es halt passiert, dass es mich in diese Richtung festgelegt und befangen hat. Ein guter Freund von mir, mit dem ich öfters mal Gitarre gejammt habe, sagt immer wieder, dass es völlig egal ist, was ich spiele: "Es klingt immer nach Metal, auch wenn's ein Punk-Song oder ein Folk-Song ist." - Dabei bin ich ein ausgesprochen schlechter Gitarrist. Wie gesagt: Seht das bitte nicht als Versuch, mich als den größten und truesten Metaller der Welt darzustellen. Der bin ich ganz sicher nicht. Das ist alles ganz wertneutral gemeint. Manchmal wünsche ich mir durchaus, dass mich ein großartiger Folk-Musiker mehr interessieren würde, als die 793. norwegische Black Metal Band der 89. Reihe. Aber es ist nicht so, es wird nie so sein. Der Stahl hat mich, und er scheint mich nicht mehr hergeben zu wollen.
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von Eike » Sonntag 29. Juni 2014, 01:16
Ich bin ja nun kein Allesgutfinder von irgendwas bloß weil es Metal ist oder im Metal "etwas gilt", und sollte ich gefragt werden, ob ich Metal sei, würde ich je nach Art des Fragens verneinen oder rumdrucksen und zumindest relativieren, weil damit immer irgendwelche Vorurteile und Klischees verbunden werden, an denen teils auch was dran ist, und wo ich mich mich nicht dazugerechnet wissen mag (eben der Massenkonsummetal als solches), aber das liegt noch am wenigsten an der Musik selbst, und da wo ich es eben als "mein" Metal empfinde, da fühle ich es dann aber zu 100%, und es gibt halt auch keine andere Richtung, die genau "das" in mir auslöst. Das geht mir als Musikhörer so.
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