|
|
Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 23:22
salisbury hat geschrieben:Fragesteller hat geschrieben:Ich höre, korrigiere mich, wenn ich mich irre, ein Naturschlagzeug und kein getriggertes Schlagzeug."
Allein schon die Frage muss einen doch mega stutzig machen! Er ist Schlagzeuger und ist sich unsicher, ob er wirklich ein Naturschlagzeug hört? Vielleicht hat er es ja nur gelesen auf dem Promosheet. Je tiefer wir hier einsteigen, desto absurder und unglaubwürdiger wird das alles für mich...
Öhm? Klar doch, wenn man Schlagzeuger ist und Scheiben produziert, dann muss man das definitiv immer hören, ob da auf der Scheibe auch nur eine einzige getriggerte Passage war, und man kann sich keinen Zweifel erlauben und den auch noch in der Frage anklingen lassen. Und logisch, er hat sich bestimmt keine eigene Meinung über das Album gemacht, sondern einfach von Promosheet abgelesen. Du hast recht, es wird langsam absurd, aber das liegt nicht an Neudi und Triptykon.  salisbury hat geschrieben:Noch ein Grund mehr, zu glauben, dass es hier auch um Show geht. Ist auch gar nicht meine Denkweise. Sich und das Equipment kaputt machen und am Ende klingts doch wie der TrIgger? Das alles klingt für mich eher nach fehlender Technik. Es muss nicht sein.

alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35364
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von salisbury » Sonntag 29. Juni 2014, 23:37
Na dann mal Frage an alle, zerstörte Becken, herunterhängendes Fleisch, die Schlagzeugaufnahme als Martyrium im Dienste der Authenzität und des echten Metal. Schaut her, ihr Gitarrenstreichler, das ist Rebellion. Was für ein herrliches Bild! Joha! Warum lässt man sich davon blenden?
Ich spreche dem TRIPTYKON-Schlagzeuger sicher nicht seine Technik ab. Aber ganz sicher gibt es einfachere und weniger martialische Wege, um ein Schlagzeug naturecht aufzunehmen.
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22859
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
von Jakob » Sonntag 29. Juni 2014, 23:42
Hm, ich verstehe irgendwie auch nicht ganz, warum du dich an der Beschreibung so aufhängst. Er ist halt begeistert von seinem Drummer und dass das Fleisch hängt und Becken zerbrechen ist fakt 
-

Jakob
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 11224
- Registriert: Samstag 29. Mai 2010, 03:58
- Wohnort: Hamburg
-
von Rüdiger Stehle » Sonntag 29. Juni 2014, 23:46
JAKOB, DANKE!!! Thommy mag halt einfach keine Martial Metal Klischees. Ich schon... Die Aussage mit dem herunter hängenden Fleisch bezog sich auf den Live-Gig beim Hammer Of Doom, nach dem die Band von Neudi interviewt wurde, nicht auf die Studioaufnahmen. Wer lässt sich denn von irgend etwas blenden? Tom ist happy, dass er nach dem Ausfall von Reed St. Mark einen Schlagzeuger gefunden hat, der so viel Power und Hingabe an Triptykon in sich hat, dass er live wie im Studio alles gibt, bis zur Selbstverstümmelung. Davon erzählt er sichtlich begeistert. Kein Mensch - Tom eingeschlossen - behauptet, dass Metal nur so sein kann, und dass das besser ist, als das was andere machen. Er ist von seinem Drummer beeindruckt, und er erklärt, warum. Anderes Beispiel: Es gibt da eine Band, die nennt sich G.F. Deren Sänger weiß nicht wirklich, was Gesangstechnik ist. Er hat davon gehört, ist ihr aber nie begegnet. Wenn der etwas einsingt, dann kann es - gerade in den extremeren Passagen - durchaus passieren, dass er nachher heiser ist und Halsweh hat. Er hat auch schon beim Einsingen den Mikroständer von 1,50 Metern auf 0,80 Meter gestutzt und das Gleichgewicht verloren. Hätte er eine vernünftige Gesangstechnik gelernt, könnte er vielleicht die cleanen Passagen besser singen, was ziemlich cool wäre; vielleicht könnte er auch voll krass klingen, beim Singen, ohne dabei heiser zu werden. Aber wenn du den Sänger selbst fragst: Gerade bei seinen extremen Vocals wäre die Frage nach "Technik" aber mal so etwas von fehl am Platze, weil er dann nämlich klänge, wie der generische DM/BM-Shouter/Growler mit tonnenweise Effekten auf dem Mikro, den du bei drölftausend Bands findest. Es muss einfach das hinaus, was drin ist, darum geht's doch bei Musik. Nur darum. Technik ist Schnickschnack. Nice to have, manchmal auch etwas mehr, aber niemals nicht das Wesentliche an Musik. Trotzdem finde ich es vermessen, bei einem Musiker wie Tom Fischer und den Leuten, die er sich in die Band holt, von fehlender Technik zu reden, oder diese auch nur anzudeuten. Das ist einfach Schmarrn. Die wissen ganz genau, was sie wollen, und genau das setzen sie um. Wenn das dann beim Live-Gig blutige Knöchel gibt, dann ist das kein Indiz dafür, dass man technische Fertigkeiten vermissen lässt, sondern dafür, dass man sich komplett in die Musik hinein steigert, die man spielt. Das hast du doch bei mir auch schon erlebt? Wenn man mal davon absieht, dass es beim Austicking vielleicht zu einem Clipping kommen kann, dann hast du doch auch selber gemerkt, dass die besten Takes in der Regel die sind, bei denen ich voll in der Musik versinke und mich in die Lyrics hinein steigere. Da denkt man dann doch überhaupt nicht mehr an Technik, sondern das funktioniert dann rein intuitiv und instinktiv, und es schließt ein, dass es aus medizinischer Sicht zur Selbstschädigung kommen kann.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35364
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von salisbury » Sonntag 29. Juni 2014, 23:51
Jakob hat geschrieben:Hm, ich verstehe irgendwie auch nicht ganz, warum du dich an der Beschreibung so aufhängst. Er ist halt begeistert von seinem Drummer und dass das Fleisch hängt und Becken zerbrechen ist fakt 
Zerbrochene Becken hab ich auch schon viele gesehen. Für die meisten Drummer ja eher ein Ärgenis  . Hängendes Fleisch indes noch nie. 
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22859
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
von salisbury » Montag 30. Juni 2014, 00:14
Rüdiger, meine Bemerkung über die Technik ging doch nicht gegen die Musiker sondern gegen dieses, wie Du so schön sagst "Martial Metal Klischee", mit dem hier gespielt wird. Nein, das mag ich nicht, stimmt. Vor allem nicht, wenn es als Gegenpol zu anderen Musikern verwendet wird, deren Anspruch es ist, ihre Instrumente technisch zu beherrschen. Sich jeden Tag hinzusetzen und stoisch sein Zeug zu üben, ist sicher der größere Schmerz als ein paar wunde Finger nach nem Gig. Hierfür habe ich tendenziell mehr Respekt.
Dass Technik nicht der zentrale Punkt im musikalischen Schaffen ist, müssen wir nimmer diskutieren, das ist ja der Punkt, in dem ich dem Tom (und Dir) recht gebe. Auch wenn ich sie sehr schätze.
Und ich möchte hier ja gar nicht so sehr über unser musikalisches Hobby-Schaffen reden, doch ich bin 100 % überzeugt, wenn wir regelmäßig üben würden und beide etwas mehr von dem verstehen würden, was wir da tun, wäre das Ergebnis noch viel besser. In diesem Zusammenhang ist ein Musiker, der stolz darauf ist, nicht (mehr) zu üben, einfach kein Vorbild für mich, nix was ich toll finden und vergöttern müsste, selbst wenn er schon 30 Jahre im Geschäft ist und was weiß ich alles geleistet hat.
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22859
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
von Rüdiger Stehle » Montag 30. Juni 2014, 00:27
Ich glaube einfach, dass du den Herrn Fischer hier falsch verstehst, oder falsch verstehen willst, weil dich das Streifen des Martial Metal Klischees so dermaßen stört, dass du gewisse Aussagen in einem Maße gewichtest, von denen ich nicht den Eindruck hatte, dass sie so gemeint sind, wie du sie interpretierst. Ich glaube nicht, dass er stolz darauf ist, nicht zu üben oder üben zu müssen. Er sagt ja ausdrücklich, dass er - mit der Band - für die Livegigs übt. Er übt nur nicht, um sich irgendwelche neuen technischen Fähigkeiten draufzupacken, die er für seine Musik gar nicht braucht, weil es einfach nicht das ist, worum es bei seiner Musik geht. Das, was er an technischem Rüstzeug für seine Mucke braucht, das hat er drauf, auch ohne zu üben. Für die Livesituation muss er üben, und das tut er.
Er sagt auch ganz ausdrücklich, dass er in keiner Weise behaupten will, dass sein Ansatz der bessere sei, und er gibt zu, dass ihn andere, jüngere Musiker technisch locker an die Wand spielen können. Aber er besteht halt auch darauf, dass das für ihn einfach nicht das ist, worum es im Metal geht. Er will einfach keine technische Musik und keine sterilen Ballerproduktionen, sondern er will so klingen, wie es sich für ihn authentisch anfühlt. Für mich ist das ganze Interview einfach ein Appell dazu, deine Musik in dir selbst zu finden, und diese mit den dir gegebenen Mitteln umzusetzen, ohne dich auf einen olympischen Technikwettstreit einzulassen usw...
Um das auszudrücken, bedient er sich zwar diverser Klischees, doch ich meine, dass das nicht offensiv gegen andere geht, und auch nicht frei ist von Selbstironie. Tom Warrior ist ja auch beileibe kein True-Metaller. Ich sehe das einfach als Appell in erster Linie an junge Musiker und junge Bands, den Mut dazu zu haben, auf das zu hören, was in ihnen ist, und was aus ihnen hinaus will, ohne dabei zu meinen, mit Technikkönigen und Ballerpäpsten mithalten zu müssen. Wenn jemand in sich hat, ein Ballerpapst zu werden, dann wird der Fischer der Letzte sein, der das missbilligt. Er meint nur, dass es darauf nicht ankommt.
Das, was du aus Toms Worten heraus liest oder in sie hinein interpretierst, das finde ich da gar nicht.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35364
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Rüdiger Stehle » Montag 30. Juni 2014, 00:36
salisbury hat geschrieben:Und ich möchte hier ja gar nicht so sehr über unser musikalisches Hobby-Schaffen reden, doch ich bin 100 % überzeugt, wenn wir regelmäßig üben würden und beide etwas mehr von dem verstehen würden, was wir da tun, wäre das Ergebnis noch viel besser.
Logisch wäre es das, aber vor allem deswegen, weil wir ja noch dabei sind, uns zu finden und zu definieren, und heraus zu finden, was wir wirklich wollen und was wir (lernen) können. Die Situation ist insoweit ja völlig anders als bei langjährig aktiven Bands. Ich bin mir auch sicher, dass technisches Proben sowohl instrumental als auch beim cleanen Gesang viel bringen würde. Aber ich bin mir auch sicher, dass der extreme Gesang schlechter werden würde, wenn er "getriggert" würde, oder wenn ich versuchen würde, mir eine Akerfeldt-Technik zuzulegen, bei der ich ganz leise ins Mikro growle und was ganz Lautes und Böses dabei heraus kommt. Wir drehen uns im Kreis. Im Endeffekt interpretiere ich G. Warrior eben nicht so, dass er andere Bands kritisiert und sich über andere erhebt, oder gar stolz darauf wäre, nicht zu üben. Sondern so, dass er versucht, zum einen auf relativ bescheidene und zurückhaltende Art zu erklären, was es ist, das Triptykon für den Fragesteller so besonders machen dürfte, und zum anderen, dass er die emotionale, persönliche Ebene für viel wichtiger hält, als alles was mit Technik, Produktion etc... zu tun hat. Er meint halt, Musik zu machen, wie sie aus ihnen als Band entspringt. Das finde ich richtig und gut, und das erwarte ich an sich von jeder wirklich tollen Band.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35364
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von salisbury » Montag 30. Juni 2014, 00:56
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das, was du aus Toms Worten heraus liest oder in sie hinein interpretierst, das finde ich da gar nicht.
Vielleicht hast Du recht. Vielleicht ist es diese Schweizer Art, die ich gerne mal als etwas rechthaberisch auffasse. Dennoch, was das Üben angeht, das habe ich ihn schon richtig verstanden. Mit der Band zu üben ist eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich von einem Musiker das Mindeste ist, was man als Fan fordern kann. Das Verweigern des eigenen technischen Fortschritt indes bedeutet für mich Stillstand und für einen Profimusiker inakzeptabel. Wir reden hier doch von einem Berufsmusiker oder? Ich muss mich schließlich auch fortbilden und up to date bleiben. Vielleicht will man ja doch mal was Neues, Anderes ausprobieren? Vielleicht ist es ja auch inspierierend? Will ich denn immer in derselben, gleichen Suppe schmoren? Ein großes Problem speziell im Heavy Metal, finde ich. Diese "ich muss nix mehr tun, ich hab mein Handwerkszeug eh schon beisammen"- Einstellung ist nicht die meine, sorry. Ich sehe das einfach als Appell in erster Linie an junge Musiker und junge Bands, den Mut dazu zu haben, auf das zu hören, was in ihnen ist, und was aus ihnen hinaus will, ohne dabei zu meinen, mit Technikkönigen und Ballerpäpsten mithalten zu müssen
Das sehe ich im Kern auch so und das finde ich gut. Es sind halt die vielen seltsamen Nebensätze, die mich halt immer wieder stutzig machen. Aber in der Grundaussage finde ich vieles richtig, mal abgesehen davon, dass ich solche Aussagen wahrlich nicht zum ersten Mal höre, wie schon oben beschrieben, reden viele Musiker so. Und das ist gut so!
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22859
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
von salisbury » Montag 30. Juni 2014, 01:15
Bervor ich schlafen gehe: gute Diskussion mit harten Bandagen. Ich wünsche mir, ein Interview von unserer eigenen Seite würde mal so instensiv diskutiert werden. Stoff dazu wäre genug da.
Realer Name: Thomas Becker
-

salisbury
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 22859
- Registriert: Samstag 10. April 2010, 15:52
- Wohnort: München
Zurück zu Die Rockbar
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 63 Gäste
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.132s | 11 Queries | GZIP : Off
|
|