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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Rüdiger Stehle » Montag 30. Juni 2014, 01:35
salisbury hat geschrieben:Vielleicht hast Du recht. Vielleicht ist es diese Schweizer Art, die ich gerne mal als etwas rechthaberisch auffasse.
Echt jetzt...? Dennoch, was das Üben angeht, das habe ich ihn schon richtig verstanden. Mit der Band zu üben ist eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich von einem Musiker das Mindeste ist, was man als Fan fordern kann. Das Verweigern des eigenen technischen Fortschritt indes bedeutet für mich Stillstand und für einen Profimusiker inakzeptabel. Wir reden hier doch von einem Berufsmusiker oder? Ich muss mich schließlich auch fortbilden und up to date bleiben.
Davon abgesehen, dass ich den Begriff "Profimusiker" für die größte Beleidigung halte, die man einem Künstler gegenüber äußern kann, beweist diese Aussage tatsächlich, wie sehr du speziell diesen Musiker hier missverstehst, denn... Vielleicht will man ja doch mal was Neues, Anderes ausprobieren? Vielleicht ist es ja auch inspierierend? Will ich denn immer in derselben, gleichen Suppe schmoren? Ein großes Problem speziell im Heavy Metal, finde ich. Diese "ich muss nix mehr tun, ich hab mein Handwerkszeug eh schon beisammen"- Einstellung ist nicht die meine, sorry.
Thommy, vergib mir, wenn ich an dieser Stelle nicht anders kann, als amüsiert zu sein. Dieser Vorwurf ausgerechnet an die Adresse von Herrn Fischer ist einfach so herrlich absurd, dass es nimmer feierlich ist. Ich sag ja, du interpretierst das komplett abseitig, was er sagt. Es gibt kaum einen Metal-Musiker, der je mehr experimentiert hätte, als Fischer. Was das Weiterentwickeln und Experimentieren angeht, empfehle ich dir einfach mal, die Scheiben von Hellhammer, Celtic Frost, Apollyon Sun und Triptykon anzuhören. Wenn du dann weiterhin die Position vertreten solltest, dass Herr Fischer nichts Neues ausprobieren würde, und im eigenen Saft schmoren würde, dann ist dir nicht mehr zu helfen. Es gibt kaum einen Musiker im Metalbereich, der sich in den 30 Jahren seiner Karriere an so vielen verschiedenen Stilistika, Stilelementen, Techniken, Einflüssen etc... versucht hat, wie Tom Fischer. Vielleicht sollte man tatsächlich das Gesamtwerk von Herrn Fischer kennen, um seine Aussagen in dem besagten Interview im Kontext seines Schaffens möglicherweise dann doch noch besser verstehen zu können. Wenn du jedenfalls meinst, dass er mit der Aussage "nicht zu üben" jeden Fortschritt und jede Weiterentwicklung ablehnen würde, dann bist du völlig auf dem Holzweg: HELLHAMMER 1983: http://www.youtube.com/watch?v=F_dQwbsP7SgCELTIC FROST 1985: http://www.youtube.com/watch?v=41PxFzoqULUCELTIC FROST 1987: http://www.youtube.com/watch?v=ySijB9hUvBMCELTIC FROST 1988: http://www.youtube.com/watch?v=bI74tyUefY4CELTIC FROST 1990: http://www.youtube.com/watch?v=tJYjUFaGwB0APOLLYON SUN 1998-2000: http://www.youtube.com/watch?v=GOqWYt2iAaEPROBOT 2004: http://www.youtube.com/watch?v=oGaxamhrlhUCELTIC FROST 2006: http://www.youtube.com/watch?v=dW6RXTjm4iATRIPTYKON 2010: http://www.youtube.com/watch?v=V0ZV1y6W2gYTRIPTYKON 2014: http://www.youtube.com/watch?v=qVSAJ1AZYEYIm Endeffekt hatte er sinngemäß zusammengefasst nur gesagt: "Leute, versauert nicht damit, zu Hause Skalen zu üben und Fingerübungen zu machen, bis ihr der nächste Malmsteen seid. Lasst das heraus, was in euch ist, lasst es jetzt heraus, traut euch, wenn ihr euch inspiriert fühlt! Gebt nichts drauf, wer besser spielen kann, wer schneller spielen kann etc... Als wir damals mit Hellhammer anfingen, konnten wir kaum spielen, aber wir haben das heraus gelassen, was in uns war, und wir haben die Leute genau damit erreicht, mit Authentizität. Das ist es, was zählt. Dafür muss ich nicht üben, das muss ich in mir fühlen." - Mehr ist das für mich nicht. Der Fischer wird natürlich experimentieren. Er sagt ja auch, wenn er Ideen hat, dann singt er das ins Handy, dann spielt er das auf dem Bass, oder auf der Klampfe usw... Er meint mit dem Üben tatsächlich genau das, was man auch normal unter Üben versteht. Peter Burschs Gitarrenschule nachspielen, bis man alles auswendig kann, etc... Du sagst doch, dass der Mayfair-René auch nie die klassische Gitarrenschule gemacht hat. Der war auch Autodidakt und hat seine völlig eigene Interpretation vom Gitarre spielen. Das ist doch die selbe Story wie beim Fischer. Das sehe ich im Kern auch so und das finde ich gut. Es sind halt die vielen seltsamen Nebensätze, die mich halt immer wieder stutzig machen. Aber in der Grundaussage finde ich vieles richtig, mal abgesehen davon, dass ich solche Aussagen wahrlich nicht zum ersten Mal höre, wie schon oben beschrieben, reden viele Musiker so. Und das ist gut so!
Wie gesagt, vielleicht erschließt sich dir das Wesen dieses Musikers eher, wenn du dich tatsächlich etwas mehr mit seiner Vita beschäftigst.
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von salisbury » Montag 30. Juni 2014, 02:15
Oh, danke Rabe für die Links. Ich geh da beizeiten mal durch. Klar ist es immer besser, informiert zu sein und sich auszukennen mit dem, was man diskutiert. Nun war halt dieses Interview da mit so viel Steilvorlagen auf Dinge, die mich prinzipiell stören und bei denen ich mich wundere, warum Du und andere so unkritisch abnickt und zum Gottesstatus erhebt. Dass ich nun ausgerechnet einen Musiker vorfinde, auf den meine Kritikpununkte basierend auf seiner Vita nicht zutriffen, tja, mein Pech. Ich versuche nur zu beurteilen was ich sehe und höre und nehme Stellung zum hier Gesagten. Ach, und ein Profimusiker ist wie ein Profifußballer. Er wird bezahlt dafür, Musik zu machen. Er hat gefälligst den Elfmeter zu verwandeln, gute Konzerte zu spielen, hörenswerte Alben aufzunehmen und sich dementsprechend zu bilden und zu üben. Egal ob Popsternchen oder gestandener Metaller. Hier sind Britney Spears und Tom Warrior also gleich 
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von Rüdiger Stehle » Montag 30. Juni 2014, 02:29
Jo. Ich mag "Professionalität" nicht. Wenn man etwas zweckgerichtet tut, um Geld damit zu verdienen, dann ist es für mich immer entweiht. Ganz egal, ob es Handwerk, Wissenschaft, Sport oder Kunst ist. Wenn man etwas tut, weil man es gerne tut, und das große Glück hat, damit auch noch Geld verdienen zu können, dann ist das natürlich toll und erstrebenswert. Aber ich nehme nur sehr wenigen Berufstätigen diese Aussage ab. Vielleicht auch einfach deshalb, weil ich es mir selbst nicht vorstellen kann. Bei einem Musiker und jedem anderen Künstler ist es besonders schwer, wie ich finde. Wenn ich mir beim Musizieren überlegen muss, was die Leute wohl gerne hören und kaufen würden, dann ist das für mich keine Kunst, sondern Handwerk und Kommerz. Das heißt nicht, dass es mir nicht gefallen kann, aber der Nimbus der Kunst ist dann verloren. Von daher unterscheide ich gedanklich - in der Realität ist die Trennung natürlich irre schwer - zwischen dem Künstler, der das Glück hat, dass die Leute das kaufen, was ihm so einfällt (=kein Berufsmusiker, sondern vom Glück Gesegneter), und dem Handwerker, der sein Handwerk vielleicht schon ganz gerne macht, aber der sein Schaffen doch marktorientiert plant und ausrichtet (=Berufsmusiker). Ersteres wäre ich sehr gerne, Letzteres möchte ich nicht sein, weil mir da aus der Perspektive des Schaffenden die Magie fehlt. Wie gesagt, die Trennung sagt nicht grundsätzlich etwas darüber aus, ob mir die Mucke gefällt oder nicht. Und mir ist auch klar, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Dennoch meine ich, dass sich Musik, die frei von kommerziellen Erwägungen ersonnen wird, oftmals echter und authentischer anfühlt, als Musik, die für den Markt designt ist. Vom Grundsatz her ist mir auch Profifußball deutlich weniger sympathisch als Amateurfußball. Auch wenn Profifußball natürlich schön anzuschauen ist, und ich ihn auch verfolge, finde ich den Amateursport immer echter. Aber das ist eine absolut umfassende Einstellung, die ich in der Hinsicht habe. Für mich ist alles, was man tun (muss), um Geld damit verdienen zu können, immer emotional weniger Wert, als das, was man um seiner selbst Willen tut. Ich nenne es gerne auch Prostitution. 
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von frankjaeger » Montag 30. Juni 2014, 08:39
Bei Sallys Bemerkung zum Thema "Neues ausprobieren" habe ich mich auch beinahe verschluckt. Danke, Rüdiger, ich hatte auch schon einen Link zu APOLLYON SUN suchen wollen...
Auch wenn ich mit Tom Gabriels Sachen selten etwas anfangen kann - HELLHAMMER waren Kult, aber gut ist etwas anderes, APOLLYON SUN ist experimentell, aber höre ich eigentlich nie, und TRYTIKON find ich nervtötend - würde ich ihm nicht den Mut absprechen, Neues zu machen. Im Gegenteil.
Da hat er bei Sally aber einen Knopf gedückt. Verstehe ich gar nicht, auf der einen Seite Metal Klischees, auf der anderen Skalengedudel und "meiner ist aber länger"-Vergleiche im Prog (ich meine natürlich Long tracks, ist klar, ne?). Das ist beides übertrieben, und wenn mir einer sagt "ich übe jeden Tag 12 Stunden, weil ich der Beste werden will" halte ich den auch für bescheuert (es hält auch nicht jeder 'Garden Of Dreams' sechzig Minuten lang aus).
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von Jhonny » Montag 30. Juni 2014, 09:48
Mal was anderes: Wer Medieval Steel immer auf einen Song reduziert, verpasst was - die aktuelle Scheibe ist ein US Metal Brett (besonders episch fand ich schon das alte Material, abgesehen von der Bandhymne, nicht).
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von salisbury » Montag 30. Juni 2014, 10:27
frankjaeger hat geschrieben: Da hat er bei Sally aber einen Knopf gedückt. Verstehe ich gar nicht, auf der einen Seite Metal Klischees, auf der anderen Skalengedudel und "meiner ist aber länger"-Vergleiche im Prog (ich meine natürlich Long tracks, ist klar, ne?). Das ist beides übertrieben, und wenn mir einer sagt "ich übe jeden Tag 12 Stunden, weil ich der Beste werden will" halte ich den auch für bescheuert (es hält auch nicht jeder 'Garden Of Dreams' sechzig Minuten lang aus).
Klar  . Beides blöd. Alles Übertriebene ist doof. Mir will nur absolut nicht in den Sinn, weshalb gute Technik der Feind der Kreativität sein soll. Es gibt doch für keinen Musiker, egal ob Profi oder Wochenend-Spaßhaber, keine frustrierendere Situation als dass einem etwas im Kopf rumspukt und man kann es nicht umsetzen, weil man's nicht kann. Hölle. Normalerweise kaspert man dann soo lang rum, bis es einigermaßen klingt, aber das hört man dann am Ende. Und dann willste es live spielen? Dann viel Spaß. Hab schon viele Bands gesehen, die scheinbar genau dieses Problem hatten. Dann sagt mir der Tom Warrior, "spiel halt nur, was Du kannst". Hm. Tolle Lösung. Ich will ja meine Idee umsetzen. Unfriedigend. Vielleicht sollte ich ja doch an meiner Technik feilen, mein Repertoire erweitern. Vielleicht klappt das dann mit der Idee. Vielleicht bekomme ich dann sogar eine viel bessere Idee. Ich sehe beim dem Gedanken schon die Falle, in die man als junger Musiker tappen kann, die "Höher, Schneller, Weiter"-Falle. Da kann man schnell seine eigentlich Idee aus den Augen verlieren. Muss man halt aufpassen. Ich hör grad HELLHAMMER. Hmm. Authenzität hin oder her, hier finde ich, hätte vielleicht doch ein Tick mehr Musikalität und Training sowohl bei den Einzelinstrumenten als auch im Zusammenspiel gut getan. Mit so etwas als finalem Produkt für die Ewigkeit wäre ich selbst als Wochenendmusikant äussert unzufrieden. frankjaeger hat geschrieben:HELLHAMMER waren Kult, aber gut ist etwas anderes
Ähem, genau.
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von Loomis » Montag 30. Juni 2014, 10:42
Jhonny hat geschrieben:Mal was anderes: Wer Medieval Steel immer auf einen Song reduziert, verpasst was - die aktuelle Scheibe ist ein US Metal Brett (besonders episch fand ich schon das alte Material, abgesehen von der Bandhymne, nicht).
Ja, da hast Du recht, das neue Album ist geil geworden!
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von Peter Kubaschk » Montag 30. Juni 2014, 11:17
salisbury hat geschrieben:Mir will nur absolut nicht in den Sinn, weshalb gute Technik der Feind der Kreativität sein soll.
Aber das sagt doch auch niemand. Er sagt doch nur, dass es authentisch bleiben soll, dass man seine Seele in sein Spiel legen soll und dass das erst einmal wichtiger ist, als eine gute Technik. Wer Steve Rotherys, Criss Olivas, David Gilmours oder oder oder Gitarre hört, wird nicht bestreiten, dass hier Technik & Emotion Hand in Hand geht und das ist doch auch verdammt gut so. Viele der großen Bands sind so groß geworden, weil sie technisch herausragende Musiker sind UND sie zudem ihre Leidenschaft in die Musik legen (bzw. legten). Wer nur eines tut, ist entweder solider Techniker ohne Seele (zahllose Prog-Klone) oder leidenschaftlicher, untalentierter, aber immerhin charmanter Möchtegern-Rockstar (zahllose Rumpel-Metal-Kapellen). In der Spitze wirst du immer die finden, die beides vereinen. Wobei "gute Technik" halt ein wenig Genre-abhängig ist und die für die Musik von einer Band wie CELTIC FROST deutlich weniger "gut" sein muss als bei THRESHOLD.
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von frankjaeger » Montag 30. Juni 2014, 11:29
salisbury hat geschrieben:frankjaeger hat geschrieben:HELLHAMMER waren Kult, aber gut ist etwas anderes
Ähem, genau.
Guck mal auf das Jahr. Das war innovativ damals, aber so etwas von. Die waren Schüler und haben sich ausgetobt. Der Unterschied war: sie haben es gemacht. Andere nur davon geträumt. Und dabei hat HELLHAMMER mal ganz nebenbei das Genre erweitert. Musikalität? Drauf gepfiffen. Nur weil es mittlerweile hochentwickelte Lebewesen gibt, ist ein Polyp trotzdem nicht weniger ein Wunder der Natur. Oder sogar ein Procaryot. Hellhammer sind ein Bakterium der Extrem Metals. Wenn an sie mit diesen Augen ansieht, quasi den metallischen Urschleim der Extremwerdung betrachtet, ist das schon ganz großartig.
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von Christian Schwarzer » Montag 30. Juni 2014, 11:45
Um mal ein wenig Sally beiseite zu springen (und weil das eine ziemlich allgemeine Diskussion ist, die mMn häufig vollkommen falsch geführt wird): Es ist meiner Erfahrung nach quasi Gang und Gäbe Technik und Emotion vereint als widersprüchlich darzustellen. Das passiert schon dann (!) wenn gesagt wird "ich habe mir alles selber beigebracht, weil ich meine Kreativität nicht beeinflussen lassen wollte". Das vielleicht das dümmste, was man als Musiker sagen kann. Das meine ich diesmal genau so (wo ich sonst idR. Pauschalurteile und Übergeneralisierung hasse wie die Pest). Sally hat geschrieben:Klar  . Beides blöd. Alles Übertriebene ist doof. Mir will nur absolut nicht in den Sinn, weshalb gute Technik der Feind der Kreativität sein soll. Es gibt doch für keinen Musiker, egal ob Profi oder Wochenend-Spaßhaber, keine frustrierendere Situation als dass einem etwas im Kopf rumspukt und man kann es nicht umsetzen, weil man's nicht kann. Hölle. Normalerweise kaspert man dann soo lang rum, bis es einigermaßen klingt, aber das hört man dann am Ende. Und dann willste es live spielen? Dann viel Spaß. Hab schon viele Bands gesehen, die scheinbar genau dieses Problem hatten. Dann sagt mir der Tom Warrior, "spiel halt nur, was Du kannst". Hm. Tolle Lösung. Ich will ja meine Idee umsetzen. Unfriedigend. Vielleicht sollte ich ja doch an meiner Technik feilen, mein Repertoire erweitern. Vielleicht klappt das dann mit der Idee. Vielleicht bekomme ich dann sogar eine viel bessere Idee. Ich sehe beim dem Gedanken schon die Falle, in die man als junger Musiker tappen kann, die "Höher, Schneller, Weiter"-Falle. Da kann man schnell seine eigentlich Idee aus den Augen verlieren. Muss man halt aufpassen.
Exakt. Hinzu kommt: "Spiel halt nur, was du spielen kannst" heißt nicht nur, dass man nicht umsetzen kann, was man da gerade im Kopf hat, sondern auch, dass man gar nicht auf "größere" Ideen kommen kann, weil man effektiv seine Kreativität einschränkt, wenn man sich dem Aneignen neuer Stile und Üben allgemein verweigert. Und "Höher, schneller, weiter" ist amüsanter Weise die kreativste Idee, die den Metal am Leben gehalten hat und jedes Subgenre mitbedingt hat. Amüsant deswegen, weil es so gottverdammt eindimensional und unkreativ ist. Sind göttliche Werke bei rumgekommen, aber ich weis, warum ich Venom z.B. nur bedingt etwas abgewinnen kann. Frank hat geschrieben:Guck mal auf das Jahr. Das war innovativ damals, aber so etwas von. Die waren Schüler und haben sich ausgetobt. Der Unterschied war: sie haben es gemacht. Andere nur davon geträumt. Und dabei hat HELLHAMMER mal ganz nebenbei das Genre erweitert. Musikalität? Drauf gepfiffen. Nur weil es mittlerweile hochentwickelte Lebewesen gibt, ist ein Polyp trotzdem nicht weniger ein Wunder der Natur. Oder sogar ein Procaryot. Hellhammer sind ein Bakterium der Extrem Metals. Wenn an sie mit diesen Augen ansieht, quasi den metallischen Urschleim der Extremwerdung betrachtet, ist das schon ganz großartig.
Absolut, aber Polyp bleibt halt Polyp. Diese Musik funktioniert vor allem (vielleicht auch nur) in diesem zeitgebundenen Kontext. Großartige Musik macht für mich aber Zeitlosigkeit aus - ein Gegensatz, der auch für jede andere Form von Kunst gilt. Und diese Großartige Musik entsteht weder allein aus einer Art genialischen Wissens-Vakuum, dem die Eingebung ins Hirn des Musikers entspringt noch aus "Judas Priest auf 200bpm spielen" (frei nach Slayer). Musik ist immer mehr als die Idee und selbst diese Idee kommt nie von nirgendwo. Jeder Musiker braucht Technik, manche wissen es nur nicht.
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