Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 2. Oktober 2014, 11:39

Das kann ich komplett verstehen, Rüdiger. Dieses Gefühl, welches ich beim ersten Anhören von "Wild Cat", "Killers". "Filth Hounds Of Hades" oder etwas später "Metal Church", "Energetic Disassembly" hatte, wird heute keine Scheibe mehr erzeugen können. Klar, die letzte Persian Risj oder auch die Satan, sowie jetzt aktuell die Rereleases von Deaf Dealer und Mordred (Demos) erzeugen schon einen leicht erhöhten Blutdruck, aber der totale Bäämmm!-Flash kommt nicht. Mag am Alter liegen oder aber, was ich eher sehe, daran, dass man halt schon so viel gehört hat.

Meine, mir manchmal unterstellte Engstirnigkeit, ist übrigens auch bei weitem nicht so ausgeprägt, wie es erscheinen mag. Ich reagiere nur etwas müffelig auf solche Pauschalurteile, wie "in den 80ern war eh alles bieder" und "gewohnt generisch".
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Peter Kubaschk » Donnerstag 2. Oktober 2014, 11:44

Holger Andrae hat geschrieben: Mag am Alter liegen oder aber, was ich eher sehe, daran, dass man halt schon so viel gehört hat.


Da gibt es in der Regel ja einen kausalen Zusammenhang. Aber klar, die Prägephase ist bei uns allen lange vorbei. Auch deshalb ist mir eine Platte wie "Sharing Space" so wichtig, weil sie es als wohl einzige Scheibe der letzten 10 Jahre geschafft dieses "Bäm"-Gefühl über einen wirklich langen Zeitraum zu erzeugen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 2. Oktober 2014, 11:47

Da muss ich natürlich zustimmen - richtig innovativ ist da wenig (nichts würde ich nicht sagen), und das meiste kommt an die Klassiker der 70er und 80er oder frühen 90er nicht ran.
Aber damit kann ich zumindest gut leben. Es kommen viele starke Alben raus, mit hohem Niveau.

Und wenn dann Metal-Bands in den letzten Jahren innovativ waren, ohne den Metal-Kontext völlig zu sprengen, fand ich das oft auch wirklich genial.
Ich denke dabei an Communic, die viel mehr sind als eine Nevermore Kopie.
Oder an Atlantean Kodex, die eben nicht nur Bathory / Manowar klingen.
While Heaven Wept haben sich ihre eigene Nische zwischen Doom und Fates Warning geschaffen, auch wenn sie (ähnlich wie Communic und Nevermore) über die Jahre etwas an Originalität eingebüßt haben.
Primordial und Slough Feg sind für mich ebenfalls Bands, die ganz klar im Metal-Kontext bleiben und trotzdem neue Richtungen ausloten. Oder Hammers Of Misfortune.
Blackholicus oder Children am Rande der Szene brachten für mich auch ganz eigene Sounds, die voll und ganz im Metal sind, aber so noch nicht wirklich da waren.
Cultes Des Ghoules sind für mich auch keine Mayhem-Kopie, sondern eine neue Mischung aus Doom und Black Metal. Das ist äußerst spannend und aus meiner Sicht auch innovativ.
Shadows Fall, Unearth oder As I Lay Dying schaffen es zudem, aus dem Metalcore Elemente aufzunehmen, ohne aus der Metal-Sparte rauszufallen. Auch das ist klasse. Trivium fahren mittlerweile eh auf einem eigenen, interessanten Dampfer, und auch Bands, die ich bisher nicht so intensiv gehört habe wie Mastodon schaffen es, modernen Metal mit ganz eigener Note zu spielen.


Zumal manche alte Bands wie Blind Guardian, Machine Head, Voivod, Opeth, Darkthrone, Threshold, Satan's Host oder Cruachan ständig noch den Rahmen des Metal ausreizen, ohne ihn zu sprengen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Donnerstag 2. Oktober 2014, 11:56

Ich glaube, Kubi hat im Primzip alles gesagt.

Mich haben zuletzt geflasht: COHEED AND CAMBRIA. Das war für mich auch neu, musikalisch und vor allem ob des Textkonzepts. Auch noch XII ALFONSO und die erste SIEGES EVEN nach der Wiedergeburt. Ansonsten: Nichts Neues, aber viel gut Gemachtes. Find ich aber nicht so schlimm. Innovation sehe ich nicht allzu viel, klar, woher auch?

Rüdi sagt Black Metal wäre das letzte Mal gewesen, als ihm der Mund offen stand. Ich aber sage:

Grunge: "Nevermind" war so ein Ding. Danach habe ich sofort nach mehr Ausschau gehalten. Metal? Okay, nein, Aber harte Musik.

Crossover: RUN DMC und AEROSMITH? Dann der "Judgement Night"-Sampler, WALTARI, MONKEYS WITH TOOLS, RAGE AGAINST THE MACHINE. Ja, vor allem letztere. 'Bombtrack' und 'Killing In The Name Of' waren ganz groß und neu. Dazu dann noch FAITH NO MORE. Also, das war doch wohl innovativ. Metal? Auch nicht unbedingt. Aber harte Musik.

Metalcore: Ich halte das auch für innovativ und neu genug. UNEARTH haben mich umgeblasen. Und Metal? Aber so was von.

Techno: Das war ja wohl auch innovativ. Mag man mögen oder nicht, aber die Extrem-BPM'ler fand ich schon immer stark und interessant. Und der repititive Charakter der Musik hat schon fast etwas riffiges, metallisches. Und daraus entstand wieder viel Crossover wie KRUPPS, KMFDM und und und.

Djent: Nicht direkt meins, aber auch irgendwo innovativ. Und Metal.

Alles ist erst eine Innovation, nachdem es ein bisschen gereift und entsprechend oft gespielt wird. Deswegen ist METALLICAs "Lulu" eben keine, weil niemand "schlechte Lieder und nervend dissonater Sprechgesang" (Kurz SLUNDS) zum Trend erklärt hat.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 2. Oktober 2014, 14:08

frankjaeger hat geschrieben:Rüdi

Bitte, bitte das nicht einreißen lassen. Danke!
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 2. Oktober 2014, 14:54

frankjaeger hat geschrieben:Rüdi sagt Black Metal wäre das letzte Mal gewesen, als ihm der Mund offen stand. Ich aber sage:

Grunge: "Nevermind" war so ein Ding. Danach habe ich sofort nach mehr Ausschau gehalten. Metal? Okay, nein, Aber harte Musik.

Crossover: RUN DMC und AEROSMITH? Dann der "Judgement Night"-Sampler, WALTARI, MONKEYS WITH TOOLS, RAGE AGAINST THE MACHINE. Ja, vor allem letztere. 'Bombtrack' und 'Killing In The Name Of' waren ganz groß und neu. Dazu dann noch FAITH NO MORE. Also, das war doch wohl innovativ. Metal? Auch nicht unbedingt. Aber harte Musik.

Metalcore: Ich halte das auch für innovativ und neu genug. UNEARTH haben mich umgeblasen. Und Metal? Aber so was von.

Techno: Das war ja wohl auch innovativ. Mag man mögen oder nicht, aber die Extrem-BPM'ler fand ich schon immer stark und interessant. Und der repititive Charakter der Musik hat schon fast etwas riffiges, metallisches. Und daraus entstand wieder viel Crossover wie KRUPPS, KMFDM und und und.

Djent: Nicht direkt meins, aber auch irgendwo innovativ. Und Metal.

Alles ist erst eine Innovation, nachdem es ein bisschen gereift und entsprechend oft gespielt wird. Deswegen ist METALLICAs "Lulu" eben keine, weil niemand "schlechte Lieder und nervend dissonater Sprechgesang" (Kurz SLUNDS) zum Trend erklärt hat.

Frank, du hast mit allem was du sagst durchaus Recht, und die Definition dessen, was (noch) Metal ist und was nicht (mehr) ist an dieser Stelle auch völlig egal. Natürlich gab es und gibt es immer noch Entwicklungsschritte und Innovationen. Zwar in kleineren Schritten als bis in die Neunziger hinein, aber es gibt sie nach wie vor. Pagan/Folk Metal, Funeral Doom, Drone, Symphonic Metal usw... egal, ob man die Genres mag oder nicht, sie haben alle ihre Innovationen und innovative Rekombinationen mit sich gebracht.

Ich hab es ja mal so beschrieben, dass der Black Metal der zweiten Welle für mich persönlich der letzte genommene Extrempunkt ist, den ich im Wege der Destillation für möglich halte. Alle anderen Entwicklungsschritte, die es danach noch gab, waren keine Destillate mehr, sondern Verschnitte. Ganz ohne Wertung gemeint, weil sie eben nicht mehr versuchten, die dem Metal bereits gegebenen Elemente auf die Spitze zu treiben, sondern weil sie ihn durch "Blending" mit anderen Stilelementen veränderten und innovierten.

Dem Blending sind natürlich nach wie vor keine Grenzen gesetzt. Ich kann den Metal mit französischem Chanson verbinden (wie THERION), ich kann ihn mit den Comedian Harmonists oder mit Berg und Stockhausen verbinden, ich kann Tibetische Mönchsgesänge einbauen oder einen Ara und einen Pottwal singen lassen usw... Mit Blending ist das Füllhorn der potentiellen Weiterentwicklungen tatsächlich unerschöpflich, aber diese makroevolutiven Mechanismen faszinieren mich halt nicht in dem Maße wie die Mikroevolution, und die halte ich tatsächlich für weitgehend abgeschlossen. Sollte es wirklich passieren, dass es noch einen nennenswerten Sprung der metallischen Mikroevolution gibt, den ich mir heute noch gar nicht vorstellen kann, dann kann ich mir vorstellen, noch einmal so ausgeknockt zu werden wie damals 1991. Denn diese Faszination für die Destillate des Single Malt Metal ist ungebrochen. Allein mir fehlt der Glaube, dass jemand zu einem solchen Schritt in der Lage sein könnte. Du kannst einen Cask Strength Islay Whisky zwar noch durch die Art und Dauer der Lagerung verfeinern, aber weiteres Destillieren ist sinnlos, denn eine neue Qualität wirst du damit nicht mehr erreichen. Wenn du Cola, Milch oder Sojasauce hinein kippst, wird die Qualität zwar eine völlig andere und neuartige, aber keine, die mich besonders interessieren oder gar vor Spannung umwerfen würde.

Um es aber noch mal kurz auf den Punkt zu bringen: Ganz unabhängig davon, was ich hier jetzt über Mikro- und Makroevolution, Destillat und Verschnitt erzähle, wird die alte Magie nicht mehr zu reproduzieren sein. Damals war das einfach so viel mehr als nur Musik. Mich hat noch nie im Leben wirklich bewegt und fasziniert, was irgend jemand spielt oder komponiert. Es ist mir subjektiv völlig schnurzpiepegal, ob jemand ein toller oder innovativer Musiker ist, es hat für mich stets nur gezählt, ob etwas bei mir ankommt, das mich aus der Rationalität herausreißt und mich ins Mythische entführt. Genau deshalb ist diese metallische Parallelwelt für mich ein ungebrochenes Faszinosum. Diese Welt, die zumindest in Jugendjahren so wirkte, als hätte sie gar nichts mit der realen Welt gemein und existiere von ihr losgelöst. Diese Welt in der Discographien die Genealogien der Herrscherhäuser ersetzen, in denen Artworks die Ikonen sind, in der Dämonen, Teufel, alte Götter, Hexen und Runen Alltag sind, wo Bandlogos die Banner und Bande der Treue symbolisieren und an Heftränder, auf Blöcke, Schulbänke und auch sonst überall hin gekritzelt werden, um sich als Teil einer eigenen Welt zu fühlen, die sich aktiv von allem anderen abgrenzt. Diese Magie geht mit dem Alter verloren. Aber man lebt gerne in der Nostalgie weiter.

Gegen all das ist - für mich - Musikhören ohne diese Parallelwelt einfach nur uninteressant. Drum gilt jetzt wie stets: Ich bin immer noch kein Musikliebhaber. War ich nie, werde ich nie. Ich bin einfach ein Metal-Narr.

Amen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Donnerstag 2. Oktober 2014, 15:24

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
frankjaeger hat geschrieben:Rüdi

Bitte, bitte das nicht einreißen lassen. Danke!


Entschuldigung.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 2. Oktober 2014, 15:44

frankjaeger hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:
frankjaeger hat geschrieben:Rüdi

Bitte, bitte das nicht einreißen lassen. Danke!


Entschuldigung.


Nicht schlimm, und keine Entschuldigung nötig. Ich will nur nicht, dass sich das einbürgert. Diese Abkürzung ist für mich komplett unerträglich. Wurde auch nie so genannt. Hat meine Mutter schon meinen Kindergartenkumpels verboten, das zu sagen. Und seither hat es keiner mehr versucht...

Deshalb habe ich vorletztes Wochenende auch immer leise aber bestimmt "-ger" ergänzt, als das Wort ein paar Mal fiel. Hat aber offenbar nicht die Wirkung gehabt, die ich beabsichtigt hatte.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Eike » Donnerstag 2. Oktober 2014, 16:06

Peter Kubaschk hat geschrieben:Aber klar, die Prägephase ist bei uns allen lange vorbei.
Ja, die ist wohl vorbei in dem Sinne, dass ein "Waaaaaas? Das giiiiiiibt es???" nicht mehr kommen wird. Aber ein Aufhorchen, "Geil, das gibt es tatsächlich!" ist hoffentlich auch weiterhin noch möglich. Der letzte krasse Einschnitt im ersten Sinne war bei mir 2002 "Go Plastic" von SQUAREPUSHER, und im Metal kann ich mich ehrlich gesagt nicht mal mehr dran erinnern. Vielleicht noch "A Murder Of Crows" von DEADSOUL TRIBE, wobei das schon zwischen "Waaaaaas?" und "Ja, geil!!" eher zu letzterem tendiert. In dem Bereich kamen dann noch DOWN (2002), THE DISTILLERS (2003) und SLOUGH FEG (2009); als etwas tiefere Erschütterung (allerdings auch ohne krassen Überraschungs/Überrumpelungs-Effekt) YOBs "The Illusion Of Motion" sowie dank POWERMETAL.de und diverse Promos dieser Richtung das gesamte Doom-Ding, das auch bei Holg noch immer mit Nachdruck für Eindruck sorgen kann. Aber das war halt ein langsamer Prozess, bei dem nicht ein, zwei Alben übermäßig reinknallen, sodass hinfort die musikalische Welt eine andere ist. Ähnlich ging's mir mit dieser MCKAY-Scheibe (2003), wo ich überrascht war, dass es tatsächlich modern produzierten RnB gibt, der für mich nicht Blasphemie gegenüber oder völliger Bruch mit oder billiges Nachäffen der alten Rhyhtm-and-Blues Tradition bedeutet und mich über Monate fast täglich begleitet hat. Aber als ich DEEP PURPLEs "In Rock" für mich entdeckte, hatte das einfach andere Dimensionen, da kroch ich in die Musik rein und nuckelte begierig am Rückenmark der Musikhistorie wie ein frisch geschlüpfter Musikparasit, der unbedingt noch wachsen muss. MILES DAVIS' "Bitches Brew" und bei den Neuerscheinungen THE WRONG OBJECT (2008) war auch Neuland für mich, doch um Jazz vom Prinzip her wusste ich da schon und hatte manchen Standard schon live gehört, und von daher konnte das einfach nicht mehr die Wucht entwickeln wie die Verwirrnis, die SQUAREPUSHER wenige Jahre vorher mit seinem irgendwie auch Jazz aber dann doch wieder gar nicht Elektroding über mich gebracht hatte. Tja, und ich schätze, irgendwann schließt sich die Fontanelle, und man verknöchert etwas in seinen Erwartungen, Gewohnheiten, Geschmacksmustern, während man gleichzeitig die naive Arroganz verliert, vom Prinzip her schon alles zu kennen, man wird abgeklärer, lässt sich von Neuem nicht mehr so überrumpeln, und damit lässt auch die Prägbarkeit nach.

Frank Jaeger hat geschrieben:Techno: Das war ja wohl auch innovativ.
Für mich die letzte großflächige Revolution in der Musiklandschaft, die diesen Namen verdient. Ob ich die nächste noch erleben werde? Ich bezweifle es. Wäre aber schon spannend. Demgegenüber könnte man Black Metal je nach Sichtweise auch als Retro-Trend oder kleinere Umwälzung in einem Subgenre sehen, ein lokaler Bürgerkrieg quasi. Techno war eine worldwide revolution, die nahezu zeitgleich bis in den Mainstream durchstieß. Von der Größenordnung her eine ganz andere Nummer. Was nicht heißen soll, dass BM nicht mittlerweile auch schon über den Metal hinaus an Einfluss gewonnen hätte; da tut sich seit einigen Jahren so manches.

Mal sehen, wie groß der derzeit blühende Djent noch wird. Oder ob sich Drone irgendwann nochmal aus der verschlafenen Nische herausentwickelt. Es ist schon denkbar, dass das eine oder andere davon irgendwann einmal noch eine ganz andere Dynamik entwickelt, auch über den eigentlichen Metalkontext hinaus...

Im Metal selbst böte kreatives Entwicklungspotential vielleicht auch noch die von Jhonny erwähnte "Mischung aus Doom und Black Metal", in die Richtung gibt es ja einige weirde Projekte, aber bisher sind das eher vereinzelte Inseln, die nichts miteinander zu tun haben, weit entfernt von einem rein hypothetischen Trend.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Eike » Donnerstag 2. Oktober 2014, 16:14

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Diese Welt in der Discographien die Genealogien der Herrscherhäuser ersetzen, in denen Artworks die Ikonen sind, in der Dämonen, Teufel, alte Götter, Hexen und Runen Alltag sind, wo Bandlogos die Banner und Bande der Treue symbolisieren und an Heftränder, auf Blöcke, Schulbänke und auch sonst überall hin gekritzelt werden, um sich als Teil einer eigenen Welt zu fühlen, die sich aktiv von allem anderen abgrenzt. Diese Magie geht mit dem Alter verloren. Aber man lebt gerne in der Nostalgie weiter.

Gegen all das ist - für mich - Musikhören ohne diese Parallelwelt einfach nur uninteressant. Drum gilt jetzt wie stets: Ich bin immer noch kein Musikliebhaber. War ich nie, werde ich nie. Ich bin einfach ein Metal-Narr.

Amen.
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Hehe, dieses "kein Musikliebhaber" ist natürlich tief ironisch. Was Du beschreibst ist Musik als Religion. Dafür habe Dank, denn das trifft mein Gefühl sehr gut, und das von einem anderen so auf den Punkt gebracht, als Bekenner-, nein Bekenntnis-Schreiben zu lesen, tut einfach gut! Klar, die Erweckungserlebnisse habe ich wohl hinter mir, aber das Glaubensfeuer brennt nach wie vor. Und bei Dir doch auch, oder?
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