Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Siebi » Dienstag 10. November 2015, 11:28

salisbury hat geschrieben:
Siebi hat geschrieben:Genau da sind sie, meine lieben Totschlagargumente. Mag ich, mag ich nicht, mündiger Kunde, alles darf, nichts muss. Boah, was für ein Bullshit, diese heile Businessvielfaltswelt! Vor allem, was hat das mit Metal zu tun? Gar nix, nada, niente!


Na, es hat sehr wohl sehr viel mit Metal zu tun, der Rock- und Metal-Fan ist der treueste Kunde, er kauft noch CDs, er kauft Merch, er geht auf Konzerte, er beschäftigt sich mit Musik, es gibt einen riesengroßen Markt ein, ein unüberblickbares Angebot, und der Hörer entscheidet sich für die Metal-Musik (oder Rock oder Pop oder Jazz...), die ihm am Ende ein gutes Gefühl gibt. Das ist bei Holg SATAN, bei unserer Hanne SABATON, bei Jakob MESHUGGAH. Wollen wir jetzt anfangen, zu diskutieren, wer von den dreien "metallischer" fühlt?

Nur sind die Gesprächspartner nicht im selben Systemkontext, das ist wohl das Problem.


Wie sollen sie auch? Bei Dir/Holg/Rüdiger und teilweise Jhonny ist die Argumentation eben stark gefühlsbasiert, mei, was soll man da dagegen (oder dafür) sagen? Das steht doch ausserhalb jeder Debatte. Ich kann durchaus auch "Metal fühlen", live bei ARMORED SAINT zusammen mit Siebi oder letztens bei DELAIN, das war geiler Scheiß! Wobei ich schon beim schreiben fühle, dass so manche bei DELAIN emotional negativ aufgewühlt sein könnten :grins: .

Sally, nochmal. Es geht mir einen feuchten Quark darum, wer sich "metallischer" fühlt. Von mir aus hörst Du Heino und fühlst den METAL! Das ist und war nie mein Diskussionsthema. Auch nicht, ob Sabaton weniger oder mehr Metal als RAM sind. Auch nicht, ob man Rainbow in der hiesigen Konstellation hören will oder auf einem Schiff seinen Metal konsumiert. Versteht man mich nicht?

Mir ging es um Vermarktung von Künstlern unter dem Begriff/Etikett Heavy Metal. Für mich hat Heavy Metal noch einen wichtigen soziokulturellen Aspekt. Für Frank ist es nur ein Etikett, was ich für mich eben vollkommen verneine, finde das gar unfassbar, entzieht mir durch die Willkür die Diskussionsbasis. Schreiben wir hier im "Mag ich - Mag ich nicht"-Forum? Okay, wo ist das Justin Bieber-Special eurer Redaktion? Aha, ist kein Thema für powermetal.de, richtig? Aha No. 2, also wird doch erstmal kategorisiert und eben nicht das allgemeine Gefallen als oberstes Prinzip genommen.

Heavy Metal war und ist Eskapismus, eine Ansage der Arbeiterklasse(kinder) gegen das Establishment, gegen Konventionen, unpolitisch in Parteienfarben und doch politisch agierend. Wild, ungehobelt, durchaus asslig durfte es sein. Diesen Stallgeruch vermitteln mir keine der aufgezählten Bands a la Delain, Battle Beast, Within Temptation, Nightwish und Konsorten. Das ist alles so zuckersüß stylisch, dass ich das kalte Grausen bekomme. Aber so geht Heavy Metal, also das Gechäft. Und das stell ich somit in Frage und fresse eben nicht alles. Frank und Du nehmen es hin, freuen sich über die Vielfalt, ich halte dem entgegen. Was aber wohl unterschiedlichen Standpunkten geschuldet ist.

Oder nimm Sean Peck und seine Bands Death Dealer und Cage. Die halten sich für die größten Metaller der Welt, Ballerbummshaudrauf ohne Sinn und Verstand in einem Plastiksound zum Weglaufen! Meine Meinung, andere loben eben das harte Dauergeklöppel und Eierkneifgejaule des Sängers. Das mag Heavy Metal sein, für mich gruselig schlechter und hat eben auch ein gehöriges Authentizitätsproblem. Da ist laut Ohrenzeugen aus der Szene auf den letzten Platten kein einziger Drumschlag echt eingespielt und wird als handgemachte Musik verkauft, als der einzig wahre Stahl seit Joey DeMaio's testosteronisierendem Bassgezupfe. Ja genau, hört doch auf, Fake Metal my ass!

Zum Kaufen. Es gibt auch im Blues, Jazz und vor allem der HipHop-Szene die Fans und Treuen, wo CDs und LPs gekauft werden. Der Vinylboom hat viel mit den DJs aus der Dub- und Hiphop-Szene zu tun. Das nur mit den Rock- und Metalfans zu begründen ist etwas kurzsichtig.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Dienstag 10. November 2015, 12:14

Falls es dir entgangen sein sollte: Metal, Rock and Gothic. Aber aus solchen Diskussionen halte ich mich einfach raus, dann könnt ihr Wettsaufen machen, wer der tollere Rein-Metaller ist. Solche Diskussionen habe ich schon 1982 nicht verstanden. Rock 'n' Roll war 1956 Rebellion. Dann nochmal mit Punk. Metal? Na ja, eher nicht. Vielleicht in Bayern, eine Hosentaschenrevolution. Warum sollte Musik besser werden, nur weil irgendjemand ganz toll Metalspirit verbreitet? Für mich sollen die an ihren Lieder arbeiten, davon habe ich mehr.

Mag doch jeder seinem Metal huldigen, wie er will. Ich höre halt in der Zwischenzeit NIGHTWISH, KILLING JOKE, JOYDIVISION, P!NK und STEVEN WILSON. Und dann JUDAS PRIEST (oder sind die auch nicht mehr Metal? Ich bin da offensichtlich nicht ganz up to date). Muss ja keiner mitmachen. Bin ich eben nicht Metal. Ich bin ja keine 16 mehr, ich kann damit leben.

Und ja, wenn ich Justin Bieber mögen würde, würde ich das auch hören, aber es wäre kein Thema für das Magazin. Ich kann das trennen, denn hier sind wir in einem Metal, Rock and Gothic Forum.

Wenn das Business Heavy Metal draufschreibt, und ich teile das nicht, na und? Die Definition ist fließend, und Siebis Definition stimmte schon 1970 nicht allgemein, sondern nur auf einen Bruchteil einer Szene, die sich jedes Jahr weiter entwickelt. Weder BLACK SABBATH noch DEEP PURPLE noch BLUE ÖYSTER CULT waren jemals "eine Ansage der Arbeiterklasse(kinder) gegen das Establishment, gegen Konventionen, unpolitisch in Parteienfarben und doch politisch agierend. Wild, ungehobelt, durchaus asslig". Auf BS trifft der Eskapismus zu, aber nur der.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Siebi » Dienstag 10. November 2015, 12:20

Okay, ich schrieb jetzt nix mehr, ist mir einfach nur noch zu blöd, weil wieder am Thema vorbei. Vor allem, jetzt geht es in die persönliche Ecke geht. Wir dummen Bayern, ich hab's kapiert, danke Herr Jäger. Servus.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Dienstag 10. November 2015, 13:27

Wo war das denn persönlich? Und wo du "dumme Bayern" rausliest, musst du mir sagen. Du kannst mir Willkür und allen Kurzsichtigkeit vorwerfen, sinnfrei "Justin Bieber" ins Spiel bringen - wobei du ganz gezielt meinen Musikgeschmack und das PM-Magazin durcheinanderwirfst -, aber meinen Post nimmst du persönlich? Ich dachte nicht, dass wir uns das vorwerfen würden, nur weil wir mal so gar nicht einer Meinung sind. Ich habe doch auch nicht ob der "Willkür" geschmollt, warum tust du es jetzt? Dass ich 1982 nicht in Bayern war, ist Fakt. Und in Niedersachsen war da keine Metal-Revolution. Das heißt nicht "dumme Bayern", das machst du daraus.

Immer, wenn etwas geantworter wird, das deine Meinung nicht wiederkäut, ist es am Thema vorbei. Wie genauer soll ich denn noch auf dich eingehen als im letzten Absatz?

Fakt ist, dass ich deine Definition als allgemeingültig bestreite. Nicht persönlich und auch nicht als Angriff, aber ich teile sie nicht. Der Begriff kam ungefähr 1970/1971 erstmal auf, und schon da traf die Definition nicht zu. Danach hat der Metal sich mehrfach gewandelt, selbst die US Metal Phase der frühen Achtziger hat alles Mögliche unter dem Begriff vereint, und heute sagt er etwas völlig anderes aus. Das mag nicht "dein" Metal sein, sicher, aber wenn wir darüber reden, was Metal ist, müssen wir schon auch einmal von der Siebi-Perspektive abweichen dürfen. Wenn das am Thema vorbei sei, ist das Ganze hier doch sinnfrei.

Dass du dich daran reibst, was ein NB oder MB oder sonst wer auf seine CDs druckt, ist mir nicht begreiflich, zumal ich meine, dass die Labels eben deutlicher an dem agieren, was allgemein unter Metal verstanden wird, als du. Auch wenn es dein Gefühl nicht trifft, so ist das nun einmal heute. Deswegen headlinet NIGHTWISH das Summer Breeze. Metal -ja. Heavy Metal? Okay, dann nicht, aber dann muss ich mir eben meine Schublade klein genug schneidern, damit nur noch reinpasst, was ich möchte das reinpasst. Ob das nun Symphonic Metal oder Trallala-Metal ist, das zweite Wort stimmt.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Siebi » Dienstag 10. November 2015, 13:53

Jaja, ich war grad sauer... sorry dafür und nochmal in ernsthafte Worte gekleidet.

Wo habe ich geschrieben, dass diese meine eine allgemeingültige Definiton sei? So startete der Heavy Metal in den 80ern mit der NWoBHM, so habe ich ihn in München in der Clique erlebt. "Hosentaschenrevolution in Bayern" finde ich befremdlich. Deep Purple, BÖC sind Einflüsse für den Heavy Metal, würde ich nie ins Spiel bringen. Black Sabbath bekam ich ebenso erst Ende der 70er mit, spielen also in meinem Thema keine Rolle.

Thema vorbei ist das "mehr Metal - weniger Metal", "bin ich dann halt kein Metal" und die Angabe vom eigenen Hörverhalten. Mit dem Durcheinander haben Du und Sally angefangen. Das ist mir sowas von egal und nicht mein Diskussionsthema. Wenn Du Dir täglich die Kastelruther Spatzen dreimal reinpfeifst, wunderbar, freu Dich, alles gut. Hör, was Du willst, was Dir gefällt! Aber, das ist hier nicht mein Thema.

Mein Thema ist, was unter dem Deckmantel Metal alles subsumiert und verkauft wird, komplett porenfrei, frei jeglicher Ecken und Kanten sich massentauglich gibt. Von mir aus auch das Summer Breeze, ein für mich ganz schlimmes Festival, seit es in Dinkelsbühl ist. War dort, nie wieder, war in Abtsgmünd, war gut und vor allem: anders, integer.

Ja, mein Metalverständins ist ein anderes als der Industrie oder der Szenewächter und Magazine. Einiges sehe ich ebenso, anderes eben nicht. Und ich lebe gut damit, merke aber, dass mir der Punkt wichtig ist, eben der klassischen "Du hörst doch Metal - warste auch in Wacken, höhö"-Frage inklusiver verrenkter Pommesgabel zu antworten: "Nein, war ich nicht und meine Auffassung von Metal ist das nicht."
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon frankjaeger » Dienstag 10. November 2015, 14:46

Okay, prima. Ich wollte dich nämlich gar nicht sauer machen.

Deine Definition kling tfür mich allgemeingültig. So habe ich sie aufgefasst. Sie ist ja auch die Grundlage für dich, etwas als Metal oder Nichtmetal zu kategorisieren. Dass du die ersten Metalbands als Einflüsse bezeichnest, finde ich wiederum seltsam. Black Sabbath waren doch heavy Metal, oder denkst du das nicht? Dann allerdings haben wir keinerlei Überschneidung in unserer Definition, und dann glaube ich auch, dass du weitab vom Allgemeinverständnis rangierst. Obendrein wurden BÖC als Heavy Metal bezeichnet - das ist ja, was ich meine. In den 70ern war die Definition anders als in den 80er oder heute. Du kannst natürlich auf deiner Siebi-Insel sitzen und sagen, das war so und das ist so und das muss so bleiben, Hugh, ich habe gesprochen, aber das macht es ja nicht notwendigerweise richtig. Die Sichtweise hat sich verändert, und das Summer Breeze ist ein Metal-Fastival. Du sagst, dass Metal Kanten haben muss. Kanten definiert aber sicher jeder unterschiedlich, und heute reichen halt NIGHTWISH-Kanten für das metallische Dasein im Allgemeinen aus. Metal ist nun einmal auch in der Mitte angekommen und nicht mehr anrüchig. das war übrigens weitgehend der Tod des Punk, beim Metal dagegen führte es zu einer Revitaliserung des Genres, indem es statt auszusterben Veränderung mit offenen Armen empfing. Diesbezüglich finde ich aber auch, dass Metal schon immer so vieldimensional war, dass es sich einer einfachen Definition verweigerte:
USA: Helstar, Metal Church, Savatage, Exodus, Queensryche und Sacred Blade - was für eine Vielfalt!
NWoBHM: Tank, Spider, Iron Maiden, Venom, Tytan und Ace Lane - die haben weitgehend wenig miteinander gemein.
Es müssten doch dann auch nur wenige der oberen Bands deiner Definition standhalten, oder?

Mich wundert , dass dir das so wichtig ist. Wenn mich jemand fragt, sage ich nicht ich bin Metalfan. Ich bin Musikliebhaber. Ein richtiger Metalfan bin ich aber ganz sicher nicht, und deswegen finde ich die Debatte auch so unwirklich - eben über die "Wacken-Pommesgabel"-Kombination kann ich nur die Stirn kraus ziehen. Das würde mich aber nie emotional treffen. Ich denke dann, lass die Kinder doch, und wenn ich ganz doll metal hören will, lege ich die erste EXODUS auf. Auf die übrigens deine Definition vortrefflich passt. Nur fühle ich mich dann nicht "metal" oder bin genervt davon, was andere noch unter dem Begriff verorten.

Ich glaube, ich kann diese Subkulturen-Leidenschaft einfach nicht teilen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Dienstag 10. November 2015, 14:59

Siebi hat geschrieben:Heavy Metal war und ist Eskapismus, eine Ansage der Arbeiterklasse(kinder) gegen das Establishment, gegen Konventionen, unpolitisch in Parteienfarben und doch politisch agierend. Wild, ungehobelt, durchaus asslig durfte es sein.


Siebi hat geschrieben:wichtigen soziokulturellen Aspekt


Das ist lustig, gerade im Zusammenhang mit den Aussagen von RAM, von denen aus ja die Diskussion initiiert wurde. Was ich jetzt so an "soziokulturellem Aspekt" dieser Band als angebliches Metal-Aushängeschild mit bekommen habe (wenn man sie tatsäclich ernst nimmt, was ich nicht tue), wären das die Aspekte: Andere Bands hassen, irgendwo links von Geogre Bush sein (insbesondere sehr sehr interessant im Zusammenhang mit dem Statement "DEATH TO ALL WHO OPPOSE US" auf der Facebook-Page :grins: ) und von sich selber denken, sie wären die tollsten Metal-Hechte, die mal so über die Aussagen anderer Bands urteilen dürfen/können. Und musikalisch ist das ja auch von vorne bis hinten konventionell, wo ist hier was gegen Establishment? JUDAS PRIEST ist in jedem Kinder/Lehrer/Beamten-Arbeitszimmer etalbliert. Hmmm...also da gibt es schon viele Punkte, an denen man sich stören könnte, aber wisst ihr was? Ich find die Mucke trotzdem saucool, weil das nämlich das einzige ist, was zählt :grins:. Und kauf mir glaub bald die CD und guck ob die live irgendwo spielen und...

...bau irgendwann mal unsere Gruppentherapie zusammen... :-S
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 10. November 2015, 15:30

@Sally: RAM, Würzburg Posthalle, Metal Assault.

Man kann RAM übrigens prima sehr Metal und die Typentrotzdem ausgenommen dämlich finden. Das eine hat nur bedingt was mit dem anderen zu tun. Für mich bewegen sich die Aussagen der Musiker in einer ähnlichen Richtung wie die von ihren Landsmännern WATAIN, das ist so Fenriz-in-humorlos-Geblubber, das hin und wieder klar die Grenze des Anstands überschreitet. Sich politisch links von George W. Bush zu befinden, halte ich übrigens für eine ziemlich gute Idee, das gilt jetzt aber nicht explizit für Metalbands.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Siebi » Dienstag 10. November 2015, 15:34

@Frank. Die Diskussion ist müßig, das hatte ich ja schon vorab geäußert, weil ich wusste, es führt zu nichts.

Black Sabbath sind wohl die Erfinder des Heavy Metal, wurden zu Beginn als Heavy Rock bezeichnet. Das bestreite ich nicht, ich bestreite auch nicht, das Summer Breeze ein Metalfestival ist. Sichtweisen verändern sich, die Welt dreht sich weiter. Hab schon Metalcore und Groove-Pantera nicht verstanden, die Onkels bis heute nicht. Schön für die Allgemeinheit, nur nicht meine Welt. Warum verkaufte ich den ganzen Wischiwaschi-Schmonz? Musik, die in meiner Welt oder auf meiner Insel freiwillig nicht mehr stattfindet.

Glaubt man Musik-Sammler sind 97% Metal/Rock-Scheiben, ergo, ich bin ein Metalhead, yeah! Siebi-Insel? Ja, komm vorbei, schön hier, Sonne scheint, Bier auf, eine schöne Metalscheibe oder eine alte Twisted Sister oder Genesis' "Wind And Wuthering" eingelegt und ab dafür! "Blood On The Rooftops", was für ein geiler Song!

Wieso können Savatage, Exodus und Queensryche meiner Defintion nicht standhalten? Wie gesagt, ich verstehe Dich wohl nicht oder lebe wirklich auf einem anderen Planeten, auch okay.

Und nochmal. Mein Thema ist der Metal UND seine Vermarktung, die tägliche oder monatliche Gehirnwäsche, nicht was Du davon hältst oder Frau Schmidt oder Herr Hinz und sein Bruder Kunz. Das, was dir Industrie, Labels, Mags, Szenegrößen vorjubeln, damit das klar wird. Was haben Blues Pills oder ASP oder Graveyard in einem Metalmagazin zu suchen? War der Grund, warum ich nach Hinder, Nickelback und anderen Berichten das Rock Hard nicht mehr abonniert hatte. Meine Konsequenz. Die Krönung der Volksverdummung sind Reviews in Mailorderkatalogen. Yeah, da geht das Herz auf. ASP? Ui ja, die neue Gothic Metal-Sensation, stimmt, da hatte ich drauf gewartet. Muss ich haben, denn ist ja "METAL".

So schließe ich mit den Worten, dass sich im Kreise drehen zwar anfangs schön schwungvoll ist, aber doch nur schwindlig macht. Freu mich aufs Wichteln, denn da heißt es: "Let the music do the talking!"
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 10. November 2015, 15:39

Ich bin emotional ganz bei Siebi, denn zum einen verbinde ich mit Heavy Metal auch weitaus mehr, als Musikliebhaberei. Deshalb habe ich mich selbst auch immer als Metaller und niemals als Musikliebhaber definiert, und auch ganz bewusst und ausdrücklich als Teil einer Szene, ohne dabei auf vermeintliche Kodizes und Gruppenzwänge Rücksicht zu nehmen. Es ist einfach das Gefühl, in einer musikalischen Tradition zu Hause zu sein, die - bei mir - fast schon quasi-religiöse Verehrung erfährt. Allerdings ist meine Toleranzschwelle in Sachen kommerzieller Auswüchse und Unaufrichtigkeiten doch deutlich höher, sprich, ich rege mich nicht so schnell über die Sabatons, Nightwishes und Dragonforces der Szene auf, oder über Reunion-Bigmouth-Bullshit, Coverbands mit Originalmitglied usw... Für mich zählt in erster Linie, ob ich die Musik musikalisch-stilistisch als Heavy Metal bezeichnen kann, und ob ich das Gefühl habe, dass die Band hinter dem steht, was sie tut, sowie ob sie sich auch in der Tradition des Stahls sieht. Ist das der Fall, dann stört es mich auch nicht, wenn das als "Metal" gehandelt wird, wie etwa Sabaton oder Nightwish und Wacken. Da muss und kann ich eben akzeptieren, dass Metal längst im Mainstream angekommen ist und als Massenmarktmittel verwertet wird. Das ändert aber wiederum nichts daran, dass diese Randerscheinungen doch etwas sind, was ich eher negativ empfinde und nicht als "meinen Metal" werte. Da ich auf der anderen Seite bekanntlich auch sehr gut zwischen der Musik an sich und den Begleitumständen, Personen, Ansichten usw... trennen kann, macht mir das die Sabaton-Kirmes, der Wacken-Kommerz, die Helloween-Ltd-Ed-Geldschneiderei und das Jag-Panzer-Reunion-Gekrebse die Band oder Festivals im Endeffekt nicht komplett madig.

Im Endeffekt sehe ich das so, dass z.B. Sabaton für mich eine Metalband (ja!) ist, die ich musikalisch ganz nett wenn auch nicht toll finde, die sich aber einer Präsentation und Vermarktung bedient, die nicht so recht zu dem passen will, was ich unter Heavy Metal verstehe. Das hindert mich nicht dran, günstig mal eine oder zwei CDs der Herren zu kaufen und auch den Fuß mitwippen zu lassen; es hindert mich aber daran, mich als Sabaton-Fan zu positionieren und z.B. in Sabaton-Shirts herum zu laufen. Dafür kann ich mich mit dem Phänomen eben nicht genug identifizieren. Aber "Metal enough" um für mich sammlerisch interessant zu sein, finde ich die Band schon, denn sie spielt stilistisch offensichtlich Heavy Metal, sie kommt auch unbestreitbar aus der Tradition des Stils und hat entsprechende Einflüsse, und sie hat sich ernsthaft und nachhaltig bemüht, Erfolg zu haben. Dass dieser durch die Vermarktung auch und zuforderst weitere Kreise anzieht, kann ich da akzeptieren.

Trotz allem: Für mich ist in der Tat Heavy Metal ungleich viel, viel mehr als nur mit harten Gitarren Musik zu machen. Für mich gehört dazu schon eine sehr weit gehende Identifikation mit der Musik und ihrer Geschichte. Um eine Band als Heavy Metal verstehen zu können, möchte ich schon das Gefühl haben, dass eine Band diesen Stil wählt, weil sie aus dessen Tradition geboren wurde, ihre Vorbilder in den früheren Bands dieses Genres sieht, und sich als Teil einer Szene und deren Tradition begreift. Heavy Metal als Produkt einer Musikindustrie ist mir emotional gesehen auch deutlich zu wenig, ja, insoweit sogar zuwider, auch wenn es halt bei mir dann doch nicht dazu führt, dass ich Bands komplett ablehne, die so funktionieren. Ich habe halt eine etwas distanziertere Haltung zu ihnen.

Daher summa summarum: Ich sehe es im Prinzip genau wie Siebi, nur kann ich mich über die negativeren Randerscheinungen einfach nicht so wirklich aufregen. Dafür bin ich wohl zu diplomatisch und mich interessiert halt einfach alles, was im Dunstkreis des Heavy Metal so abgeht.
alias Hugin der Rabe.
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