Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 12. November 2015, 00:11

Bitte jetzt nicht alles auf Sabaton reduzieren.
Um die Frage nach der Optik zu beantworten. Anhand eines Bildes schwer zu erklären, aber ich will es versuchen. Army Outfits von H & M und bei Liveauftritten dieses Kasperle-Theater und Herumgepose des Sängers. Gruselig.

Zur Musik sage ich jetzt nichts mehr. Ich habe die Band irgendwann das erste Mal angehört und fand das sofort abstoßend, ohne die Band näher zu kennen. Das ist so schlimm wie die Flippers und die sind zumindest mal "lustig".
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Feamorn » Donnerstag 12. November 2015, 02:27

Alkaloid sind, bis ich gerade auf Siebis Nennung von Obscura für 2016 hin, ein wenig gelesen habe, ja mal völlig an mir vorbei gegangen...

Gleich mal bestellt.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Drumtier » Donnerstag 12. November 2015, 11:32

Siebi hat geschrieben:Diese romantische Verklärung mag sein, die neue Welt sehe ich, ich akzeptiere sie nicht in vollem Umfang, das Vormachen des "X" für ein "U", es sich mir die Härchen widerstreben. Ich höre zudem sehr gerne AOR und Krautrock und mache, weil das Christkind grad vor der Tür steht, Stubenmusik. Volksmusik oder volkstümliche Musik, auch da gibt es für mich eklatante Unterschiede. Auch da teilt sich die Gemeinde.

Thema "Metal", kleiner Sportexkurs zum Schmuzeln. Mein sportliches Gen meint seit einigen Monden, sich in einem Cardio-Kraft-Training beweisen zu müssen. In den Räumlichkeiten, in denen das Gen 2x pro Woche befriedigt wird, steht eine kleine Kompaktanlage, auf der Radio oder eben 70er/80er Pop-CDs laufen. Is' okay, ganz angenehm.

Es trug sich nun eines Tages zu, dass eine junge top geschminkte und geruchsvoll nasensympathisch parfümierte Dame im Spaghettiträgerkostüm samt oberschenkelschneidender Pressleggings mit ihrem dünnen 1,90 m-Lebenspartner an den Geräten ächzend nach Bemusterung meiner Montur - Morbid Tales-Shirt, Oberhaare länger, Haare im Gesicht - von "endich mal ein Mettler" faselte und dann von ihren Bands sprach. Sie meinte lüstern schwitzend, das Laufrad unter ihr zerberstend rotierend, ".. etwas Rahahammsteiheinn oder Bluhuuhutengeeel oder Brzlwaschl (irgendein schwarzweiß geschminkter Gothicheinz, keine Ahnung), boah, das wär jetzt 'ne geile Abfahrt... gell Schatz". Ihr blasstöniger Freund würgte ein verlegenes "Jahaaaa, mein Haaaseee..." unter dem rhythmischen Klackern der Beinpresse hervor.
Mein Antlitz hat kurz milde gelächelt ob der famosen Bands und ich bin, meine In-Ears in jenige gekonnt rasch popelnd, zum Bankdrücken mit einer Runde alter Destruction geschwebt. "Curssseeeee the Gooooddds!"
:D

Ich bin leider arg im Stress und konnte deshalb an dieser sehr interessanten Diskussionen nicht teilhaben, aber dieser unerwartete Einblick in dein Leben ist nicht nur höchst aufschlussreich sondern auch unheimlich witzig. Dieser mürrische, bärtige Einzelgänger, der im Gym für eine Szene vereinnahmt werden will, aus der er die Vereinnahmer ausschließt und dann weiter geht, unbeeindruckt vom Leben um sich herum, sicher wieder der Musik und dem Sport widmet. Wär zu gern dabei gewesen, aber so wie ich mir das in meinem Kopf ausmale, is dann eine großartige Szene :grins:

Zum Thema selbst kann ich nicht so viel sagen, weil ich in solchen Diskussionen meistens (vielleicht zu unrecht) darauf beharre, dass diese Debatte im Death Metal nicht so intensiv geführt wird. Mit diesem Argument ziehe ich mich meistens in eine Beobachterposition zurück und bin froh mir keine Gedanken darüber machen zu müssen. Ich sehs aber grundsätzlich ähnlich wie die Fraktion um Siebi, Rüdiger, etc. Die Szene und ihre Existenz als eigene Szene ist etwas wunderbares, man kommt mit wildfremden Menschen ins Gespräch, findet mit alten Freunden jederzeit ein Thema, es ist etwas unheimlich verbindendes. Aber dieses Aufdrängen einer Szene finde ich auch befremdlich, wenn jemand mit mir sprechen will mit der Szene als Selbstzweck. Wenn dir mein Shirt gefällt und du was dazu zu sagen hast, bitte gern, ich werd wahrscheinlich mit leuchtenden Augen dein Gespräch erwidern. Wenn du mein Shirt in einer Szene verordnest und mir eigentlich nur sagen willst, dass du ja auch Teil dieser geilen Bruderschaft bist, dann gern, hol dir diese Bestätigung, ich werd sie dir mit leeren Augen vielleicht auch geben, aber das wars dann. Wenn dieser zweite Aspekt dann auch noch dahingehend verschärft wird, dass mein sich aufdrängendes Gegenüber offensichtlich aus der musikalisch "umstrittenen" Ecke kommt, hier genannt beispielsweise SABATON, NIGHTWISH, etc, dann hinterlässt das einen bitteren Beigeschmack als wollte sich jemand mit fremden Federn schmücken.

Das nur als kurzen Input von meiner Seite, coole Diskussion nichtsdestoweniger!
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Potti » Montag 16. November 2015, 13:47

Meine Erkenntnis vom Live-Wochenende sind zwar nicht wirklich überraschend, aber aufgrund des ziemlich kurzen Zeitabstands zwischen den Konzerten, auch wieder ziemlich deutlich geworden.
Konzerte von "kleineren" Bands in kleineren Locations geben mir meistens mehr.

Ich war am Freitag beim Slayer / Anthrax / Kvelertak Konzert im Bochumer Ruhrkongress, und vorab, ich bin froh Sie jetzt mal live gesehen zu haben.
Die Organisation in größeren Hallen ist fast immer ein Problem und das Merch einfach nur Abzocke (T-Shirt 35€, Hoody über 80 € und selbst so blöde Schweissbänder und Jutebeutel lagen bei 20 bzw. 15 €) :jaja:

Zudem waren nach der ersten Band die Getränkestände (waren nur 2 oder max. 3 Stück) völlig überfüllt und nach 20 Min war ich praktisch noch keinen Meter weitergekommen und Anthrax ging schon los (in der 2. Pause war´s das Gleiche).
Die Menge war zwar schon angepisst aber letztlich war´s noch relativ ruhig und friedlich oder man könnte auch sagen, die meisten hatten Galgenhumor oder haben resigniert aufgegeben.
Also war´s zumindest ein billiger Abend, nur 2 kleine Bier (obwohl ich nicht fahren musste) und ne Currywurst, danach konnte man sich nur noch am Kranwasser auf den WC´s oder am sauheissen Tee (ne Aufwärmung brauchte ich eigentlich nicht :grins: ) den es am Wurststand gab, gütlich tun, wenn man Durst hatte. (und hinterher haben sie sich wahrscheinlich über die dürftigen Einnahmen aus den Getränkeständen gewundert )
Merch hab ich mir bei den Preisen natürlich auch gesteckt. Gesehen habe ich die Bühne leider auch nur mal zwischendurch. :(

Den nächsten Tag war ich bei Shining im Essener Turock und das war halt nur geil. Ne neue Band entdeckt (Imperium Dekadenz), 3 CD´s gekauft, fürs Trinken brauchte man nicht anstehen und Herr Kvaforth hatte, zum Glück, einen positiven Tag erwischt und sich nicht selbst verstümmelt oder ähnliches (was ich auch echt nicht brauchte oder sehen wollte). Er war sogar auch einige Male am Lächeln und am Interagieren mit seiner Band. (vielleicht bekommt er jetzt endlich mal gute Anti-Depressiva :) )
Zudem hatte ich auch eine relativ gute Sicht auf die Bühne, obwohl ich mir erst bei Beginn einen Platz gesucht habe und das Konzert gut besucht war.
Letztlich habe ich hier sogar mehr Geld gelassen, obwohl der Eintrittspreis nicht mal halb so hoch wie am Vortag war.

Da ich ähnliche Erfahrungen jetzt schon mehrfach machen musste, steht für mich fest... grössere Konzerte besuche ich nur noch, wenn dafür ein echt triftiger Grund vorliegt, ansonsten klemme ich es mir und schau mir für das Geld lieber einige kleine Gigs an.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Erasmus » Dienstag 17. November 2015, 15:21

Für mich sind Sabaton auch eine total mittelmäßige Band. Ich habe zwei Alben von ihnen, die ich ab und an mal höre, und für ne Weile macht das Spaß. Zugegebenermaßen nicht unbedingt für die Länge des gesamten Albums :grins: Niemals würde ich mich jedoch als Fan bezeichnen, gar ein T-Shirt oder einen Patch der Band tragen.

Ich glaube, das einzige, was an dieser Band polarisiert, ist ihr Erfolg. Wie Rüdiger sehr entlarvend analysiert hat, kann der Sound es kaum sein. Langweilig? Ja, klar, aber genau daher versteht man den Erfolg nicht, weil man implizit ja immer davon ausgeht, dass der Ottonormalmetaller NATÜRLICH nach Individualität, Genie, Authentizität u.Ä. strebt. Wie kann es dann also sein, dass Sabaton so beliebt sind, Götterband XY (bei mir würde hier Skyclad oder Savatage stehen) völlig unverdient nicht auf dem Metal-Olymp thront? Weil es im Metal wie im normalen Leben ist: Die breite Masse hört Musik für die breite Masse.

Und genau das ist Sabaton, genau das ist Amon Amarth, genau das ist mittlwerweile aber auch Maiden und (teilweise) Slayer. Trotzdem kann ich doch deren Musik gutfinden. Und trotzdem muss ich es nicht. Ich merke natürlich selbst, dass man die Musik der Bands, die man von der Einstellung her gut findet (oder besser: deren Einstellung man gar nicht so genau kennt) als positiver einschätzt. Das geht vermutlich garnicht anders. Im Grunde ist man mit Sabaton-Bashing aber mittlerweile bestens im Mainstream verankert. Das ist ein bisschen wie beim FCB.
Mit der Kriegsthematik von Sabaton habe ich per se kein größeres Problem als mit dem Satanismus, der Gewaltdarstellung oder den dümmlichen Texten diverser Hardrockkapellen. Kann halt nicht jede Band einen Martin Walkyier als Texter haben. Ich persönlich finde auch Fantasytexte okay, warum denn nicht? Eas zählt ist 1) die Musik und 2) der lyrische Anspruch eiens Textes. Womit er sich befasst, ist erstmal drittrangig. Nur wenns in Richtung Freiwild (und vor allem darüber hinaus) geht, krieg ich Kopfweh, aber auch da soll es ja Fans geben.

Rebellion ist Metal für mich auch nur sehr nebenher. In seltenen, kostbaren Momenten vll. mal :D
Eskapismus schon viel eher. Und in vielen Fällen einfach sehr berührende Musik. Weil Stimmungen transportiert werden, weil mir Eintauchen in die Musik gefällt.
Und um am Schluss wieder den Bogen zu Sabaton zu spannen: Das ist Sabaton für mich sicher nicht. Aber da gibt es viel "Metal" der das für mich nicht leisten kann. Wenn ich denen allen ihren Metalstatus absprechen wollte, hätte ich viel zu tun und würde mir wohl viele Feinde machen.
Das wäre allerdings so richtig freigeistig-metal-rebellisch :riffing:
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It is you that you betray
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Nils Macher » Dienstag 24. November 2015, 23:35

Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie vernarrt wir alle in die Musik bzw. die Szene sind und Bands mit akademischer Genauigkeit bewerten, in Beziehung und Rangfolgen setzen. Am Beispiel der Kirmes-Schweden stößt diese Objektivierung bei mir persönlich immer an die Grenzen. Mir gefällt die Attitüde der Band (die ich auch nur diffus messen kann) nicht, und wenn ich mir ansehe, wer das Zeug so abfeiert, dann haben die Fans in meinen Augen mit mir weniger gemein als so mancher Indie/Elektronik/was-auch-immer Musikliebhaber. Ähnlich geht es mir bei FREIWILD und noch so eins, zwei Bands aus dem Unterhaltungsspektrum der großen Festivals. Ich _will_ das ganz einfach nicht mögen, auch wenn bei nüchterner Betrachtung einzelne Elemente (weniger bei FREIWILD, da sind es mehr die nicht-musikalischen Gründe) theoretisch in mein Beuteschema fallen könnten.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Feamorn » Mittwoch 25. November 2015, 00:30

Mit Hilfe von Amazons Prime Music heute endlich etwas getan, was ich schon lange machen wollte: habe mein erstes Coven Album gehört (Jinx).

Wow!

Die Erkenntnis war zwar halb erwartet, aber: von denen muss ich etwas Physisches besitzen!!!
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 25. November 2015, 10:11

Nils Macher hat geschrieben:Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie vernarrt wir alle in die Musik bzw. die Szene sind und Bands mit akademischer Genauigkeit bewerten, in Beziehung und Rangfolgen setzen. Am Beispiel der Kirmes-Schweden stößt diese Objektivierung bei mir persönlich immer an die Grenzen. Mir gefällt die Attitüde der Band (die ich auch nur diffus messen kann) nicht, und wenn ich mir ansehe, wer das Zeug so abfeiert, dann haben die Fans in meinen Augen mit mir weniger gemein als so mancher Indie/Elektronik/was-auch-immer Musikliebhaber. Ähnlich geht es mir bei FREIWILD und noch so eins, zwei Bands aus dem Unterhaltungsspektrum der großen Festivals. Ich _will_ das ganz einfach nicht mögen, auch wenn bei nüchterner Betrachtung einzelne Elemente (weniger bei FREIWILD, da sind es mehr die nicht-musikalischen Gründe) theoretisch in mein Beuteschema fallen könnten.

Das deckt sich komplett mit meiner Wahrnehmung. Wenn ich sehe, wer bei mir in Laden die beiden angeführten Bands verlangt, dann bestätigt sich dies auch noch.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Mittwoch 25. November 2015, 10:28

Nils und Holg: nach was für Kritierien beurteilt ihr diese Leute denn und wie kommt ihr da so schnell zu einem Urteil über die Personen?
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Nils Macher » Mittwoch 25. November 2015, 18:58

salisbury hat geschrieben:Nils und Holg: nach was für Kritierien beurteilt ihr diese Leute denn und wie kommt ihr da so schnell zu einem Urteil über die Personen?


Stereotyp des AMON AMARTH/EQUILIBRIUM/REITER Bandshirt, Schottenrock und Hut tragenden, betrunkenen, aus einem Horn Met trinkenden, "wacköön"/"Helga"Metal-Fan.
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