
ÆVANGELIST - Enthrall to the Void of Bliss
Mit ihrem viertem Scheibchen ließen die beiden abgedrehten Amis den noisig-todesbleiernen Anteil à la PORTAL oder ANTEDILUVIAN hinter sich und konzentrieren sich mehr auf avantgardistischen Black Metal mit nachvollziehbaren Strukturen und dem einen oder anderen unerwarteten Instrument wie Harfe oder jazzigem Saxophon sowie stellenweise klarem Gesang. Das macht die Sache leichter verdaulich als "Writhes in the Murk" oder "Omen ex Simulacra". Tatsächlich bin ich nach nur zwei Durchläufen gewillt, es als ihr bisher bestes Album zu bezeichnen, weil es die Ohren locker runterflutscht wie Öl und sich dabei doch kein bisschen an die Massen anbiedert. Klingt eigentlich ein bisschen wie die letzten beiden MAYHEM-Alben. Auf Crack.
Anhören: Gatekeeper's Scroll

LEVIATHAN - Scar Sighted
Nachdem "Massive Conspiracy Against All Life" nicht sofort meinen Nerv treffen wollte und ich die Band danach aus den Ohren verlor, war dieses Album eine große Überraschung. Natürlich tremolieren die Gitarren immer noch suizidal, aber leichte DM-Einflüsse machen die "harten" Stücke zwischen den atmosphärischen Parts noch härter und technischer (DEATHSPELL OMEGA, ick hör dir flüstern...), während man sonst mit schleppenden Riffs Marke THE RUINS OF BEVERAST bombardiert wird. Von vorne bis hinten atmosphärisch und brutal.
Anhören: Wicked Fields of Calm

WEDERGANGER - Halfvergaan Ontwaakt
Das wahrscheinlich abwechslungsreichste BM-Album in dieser Liste, denn es bietet von R'n'R, Folk, Orthodox und Old School, norwegisch oder schwedisch so ziemlich alles, was man unter Black Metal einordnen kann. Jeder Song ist komplett anders. Und doch klingt alles dabei unglaublich homogen. Und der klare Gesang ist auch ein netter Bonus.
Anhören: Vlammenvonnis

HOODED MENACE - Darkness Drips Forth
Ihr seid die heulenden Goten in eurem Death Doom leid? Die Tunten mit Violinen im Sound und der heiligen Maria auf dem Cover ihres Albums? Die darüber jammern, dass ihre Freundin sie verlassen hat? Ihr wollt stattdessen Death Doom, der sowohl Death als auch Doom bietet? Dann seid ihr hier goldrichtig.
Anhören: Elysium of Dripping Death

THY CATAFALQUE - Sgùrr
Ach, Tamás, bei dir weiß man nie so genau, was du eigentlich als nächstes planst. Während "Rengeteg" noch als Nachfolger von "Róka Hasa Rádió" durchging, ist "Sgùrr" wieder etwas komplett anderes geworden. Ein Folk-Electro-Psychedelic-Album? Schwer einzuordnen, was mir der Herr Kátai hier vorgesetzt hat, aber es ist schon irgendwie höchst interessant. Tamás Kátai und Mirai Kawashima würden bestimmt ein tolles Team abgeben.
Anhören: Oldódó Formák A Halál Titokzatos Birodalmáb

SECRETS OF THE MOON - Sun
Es fehlt nur Carl McCoy oder Andrew Aldritch am Mikro.
Anhören: Hole

KARYN CRISIS' GOSPEL OF THE WITCHES - Salem's Wounds
Da NEUROSIS und JARBOE bisher kein weiteres Album zusammen gemacht haben und Fräulein La Salle Devereaux auch nicht mehr allzu fleißig zu sein scheint, wechsele ich mal zu dieser jungen Dame hier, die einst bei EPHEL DUATH ihre Stimmbänder beanspruchte. Die Ähnlichkeiten zu mancher Arbeit von JARBOE, CARLA BOZULICH bzw. EVANGELISTA und zumindest stellenweise auch mal LISA GERMANO sind wohl nicht beabsichtigt, sondern entstanden einfach im Zuge des kreativen Prozesses. Macht nichts, ich finde es sehr gelungen. Guter Tipp von unserem Blautier.
Anhören: Mother

MURG - Varg og Björn
Scandinavian Old School Black Metal aus dem neuen Jahrtausend. Klingt exakt so, wie es der Satz vermittelt. Bockstarke Songs, sogar eine gute Produktion und ganz offensichtlich viel Freude an den Klassikern sowohl der schwedischen als auch der norwegischen Schule. Vielleicht der Nachfolger der ersten drei ULVER-Scheiben?

Anhören: Den Starkes Rätt

HUMAN SERPENT - Inhumane Minimalism
Selten wird rasend-brachiales Riffing so herrlich mit wundervollen Lead-Melodien und eingängigen Vocals verbunden, aber diese Griechen haben den Trick einfach raus. Und dabei bleibt der Großteil der Songs auch noch im 3-Minuten-Bereich und trotzdem verbraten die Hellenen so viele Riffs wie eine Thrash-Metal-Band. Wehe, wenn Euronymous und Dead davon erfahren!
Anhören: Starving Void Upon Earth

MGŁA - Exercises in Futility
Es war eine immens schwierige Aufgabe, den großartigen Vorgänger "With Hearts Towards None" zu schlagen, aber die Polen schütteln locker-flockig ein eingängiges Album voll grandioser Riffs und einer bemerkenswerten Schlagzeugarbeit aus den Ärmeln, als gäbe es nichts anderes zu tun in Krakau. Eine konsequente Weiterentwicklung ihres bisherigen Sounds und somit könnte man es auch als ihr bisher bestes Album bezeichnen.
Anhören: Excercises in Futility VI

MISÞYRMING - Söngvar Elds Og Óreiðu
Je mainstreamiger der skandinavische Black Metal zu werden scheint, umso mehr verkriecht sich der außergewöhnliche Teil des Genres nach Island. Mehr und mehr abgefahrene Schwarzheimer kommen von dem kleinen Inselchen und spielen ihren eigenwilligen Sound, der sich nur schwer mit dem vergleichen lässt, was seinerzeit in Schweden und Norwegen Mode war. Je disharmonischer, desto besser? Bizarr, dissonant? Klaustrophobisch? Ist einfach nur was bei den Isländern im Wasser? Ich weiß es nicht, aber so langsam häufen sich Platten von Bands wie dieser, SVARTIDAUÐI oder WORMLUST.
Anhören: Endalokasálmar

<CODE> - Mut
Tja, Black Metal ist es nicht mehr und besonders progressiv auch nicht. Aber hübscher Melodic-Post-Rock. Um seine Fans so zu verärgern, braucht es Mut *MUAHAHAHAHA* Gleitet gut in die Ohren, hakt sich daran fest und bildet gottverdammte Ohrwürmer, die einem tagelang nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen!
Anhören: Inland Sea

JUTE GYTE - Ship of Theseus
Es gibt viele Künstler, die (vor allem die frühen) SWANS zu ihren Einflüssen zählen, aber bei kaum einem ist es wohl so eindeutig wie bei dem Solo-Künstler hinter JUTE GYTE, der offenbar versucht, SENMUTH in Sachen Anzahl an Releases zu überbieten. Nun ja, wenn Mr. Adam Kalmbach nicht gerade Ambient oder sonst irgendwelchen experimentellen Kram spielt, dann spielt er sehr schwanigen Industrial Noise Black Metal. Und ich mag SWANS, ich mag Industrial, ich mag Noise, ich mag Black Metal — also alles bestens

Anhören: Forces of Self Shedding

SALIGIA - Fønix
Schöne Kombi aus basslastigem, schmutzigem Sound, keltisch-frostigem Riffgeschiebe und traditionellem Black Metal. Dazu stehen auch noch die Drums ungewöhnlich im Vordergrund, ohne zu stören, was dem ganzen ein rituelles Feeling verpasst. Ähnlich wie WEDERGANGER eine Scheibe, die sehr originell klingt, ohne dabei die Grenzen des traditionellen Black Metal zu sprengen (wie z.B. die MISÞYRMING oder die ÆVANGELIST).
Anhören: Fire
Puh. Das war viel Getippsel. Ich muss jetzt erst mal meine Tabletten schlucken, werde mir einen Tee kochen und gucken, ob die Waschmaschinen frei sind. Ich möchte morgen für die Jackson-Pollock-Ausstellung nämlich saubere Kleidung tragen.

