Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 1. März 2016, 14:22

Ach ja, was Raf, Mille und Mark Shelton angeht - unter Auslassung Kants - noch kurz:

salisbury hat geschrieben:Bei dem konkreten Beispiel: Ganz unabhängig von allem drum herum, gibt mir wohl KREATOR wohl mehr als MANILLA ROAD, auch wenn Mark Sheldon gemäß Raf Text besser/sympathischer wegkommt. Was aber nach meiner Analyse auch sehr viel mit der sehr auf die eigene Meinung getrimmte Formulierungen zu tun hat. Es wird schon bei der Wortwahl überdeutlich, dass Du, Raf Mark Sheldon sehr viel lieber magst als Mille, und mir kommt es so vor, also suchtest Du dazu noch einen edlen Grund - richtige Einstellung und so, um deine Gefühle bei der Musik zu bestätigen.

Du zäumst das Pferd von hinten auf. Raf formuliert nicht so, weil er Mark lieber mag als Mille, sondern Raf mag Mark lieber als Mille, weil er von den beiden eben die beschriebenen Eindrücke hat. Die ich im Übrigen voll teile, und die Mille auch gar nicht verbirgt.

Das heißt nicht, dass man nicht Kreator super toll finden kann und Manilla Road strunzöde. Selbst wenn man auf Authentizität wert legt, kann man trotzdem Kreator musikalisch besser finden als Manilla Road. Der Reflex, dass der traditionsmetallische Untergrund per se nur Bands unterstütze, die er als 100% authentisch wahrnimmt, existiert bei kaum jemandem. Den meisten Leuten ist das viel weniger wichtig als du das darstellst. Die Wahrnehmung der Authentizität ist eine kleine Facette im Gesamtbild, das man sich als Fan und Hörer von einer Band macht. Für die einen ist sie sehr wichtig, für die anderen völlig unwichtig. Für die meisten irgend etwas dazwischen. Dennoch spricht nichts dagegen, sie im Review zu thematisieren, wenn man nachvollziehbare Anhaltspunkte dafür hat und sie für den Rezensenten im gegebenen Kontext eine Rolle spielt.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Dienstag 1. März 2016, 14:39

Raphael Paebst hat geschrieben:Wenn im Gegensatz dazu nun, um nochmal auf ihn zurückzukommen, ein Mille 'Flag Of Hate' live spielt und davor mit einer seiner üblichen "Ich will, dass ihr den Laden zerlegt"-Ansagen das Publikum animiert, dann ist halt klar, dass das nicht das ist, was der Mann privat momentan so denkt, fühlt und hören oder spielen würde. Das ist dann nicht authentisch, sondern eine (mehr oder weniger) gute Show.


Siehst Du. Manchmal gibt es aber nichts besseres, als abends zum Konzert zu gehen und eine gute Show zu erleben. Musikbusiness ist ganz viel Showbusiness.War es schon immer. Ich finde, daran gibt es absolut nichts unmoralisches, schlechtes. Was mich eher an einer KREATOR-Show stört ist, dass es immer dieselbe ist. Da bekomm ich aber kein Authentizitäts-, sondern eher eine Langeweile-Problem... ;-) .

Würde ich wollen, dass es in der Musikszene nur MAYFAIRs gibt? Nein, oh, nein, ganz ehrlich. Nein. Ich brauche auch die Business/Showmaker, ich will auf dem Rock Hard Festival einen gescheiten Headliner, der Show macht, der mehr als nur 30 Untergrund-Hansel mitreisst, der das Amphitheater beben lässt, der ein charakteristisches Image hat, bei dem man weiß was man bekommt, der macht, was man von ihm erwartet (und idealerweise dabei immer noch überrascht), da den man sich noch lange erinnert. Ich werde nie KING DIAMOND oder DOWN mit Phil Anselmo vergessen und das sind beides Show-Männer, Unterhaltungs-Musikanten, Leute, bei denen es bumsegal ist, ob sie zu dem stehen, was sie machen, Hauptsche sie liefern und sie liefern es gut. 8-)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 1. März 2016, 14:47

salisbury hat geschrieben:
Raphael Paebst hat geschrieben:Wenn im Gegensatz dazu nun, um nochmal auf ihn zurückzukommen, ein Mille 'Flag Of Hate' live spielt und davor mit einer seiner üblichen "Ich will, dass ihr den Laden zerlegt"-Ansagen das Publikum animiert, dann ist halt klar, dass das nicht das ist, was der Mann privat momentan so denkt, fühlt und hören oder spielen würde. Das ist dann nicht authentisch, sondern eine (mehr oder weniger) gute Show.


Siehst Du. Manchmal gibt es aber nichts besseres, als abends zum Konzert zu gehen und eine gute Show zu erleben. Musikbusiness ist ganz viel Showbusiness.War es schon immer. Ich finde, daran gibt es absolut nichts unmoralisches, schlechtes. Was mich eher an einer KREATOR-Show stört ist, dass es immer dieselbe ist. Da bekomm ich aber kein Authentizitäts-, sondern eher eine Langeweile-Problem... ;-) .

Würde ich wollen, dass es in der Musikszene nur MAYFAIRs gibt? Nein, oh, nein, ganz ehrlich. Nein. Ich brauche auch die Business/Showmaker, ich will auf dem Rock Hard Festival einen gescheiten Headliner, der Show macht, der mehr als nur 30 Untergrund-Hansel mitreisst, der das Amphitheater beben lässt, der ein charakteristisches Image hat, bei dem man weiß was man bekommt, der macht, was man von ihm erwartet (und idealerweise dabei immer noch überrascht), da den man sich noch lange erinnert. Ich werde nie KING DIAMOND oder DOWN mit Phil Anselmo vergessen und das sind beides Show-Männer, Unterhaltungs-Musikanten, Leute, bei denen es bumsegal ist, ob sie zu dem stehen, was sie machen, Hauptsche sie liefern und sie liefern es gut. 8-)

Da stimme ich dir auch einfach mal zu und ja, Kreator können live verdammt geil sein, wenn man mal davon absieht, dass die Setlist fast immer gleich ist und die Ansagen auch.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 1. März 2016, 14:52

salisbury hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Frag doch René mal, wie er und seine Band sich in dem besagten Dunstkreis angenommen fühlen... :subber:


Ich glaube er ist/oder war sehr frustriert, dass ausser Sympathie-Bekundungen niemals irgendetwas darüber hinaus kam. Anfragen, auf solchen Events zu spielen, wurde Absagen erteilt, und vor ein paar Jahren kam es glaube ich auch mal zu einer größeren Zerwürfnis, da hätten sie auf einem Underground-Event in Würzburg spielen sollen (ich hatte auch Ticktes), dann wollten/durften/sollten sich nicht, whatever. Damals hatte ich auch zum ersten Mal Idee, die Band einzuladen. Taina hat dann vorgemacht, wie das geht.

Jetzt läuft es zumindest in Griechenland, wo sie auf einem Metal-Event gespielt haben. Hab die Facebook-Bilder gesehen.

Ja, auf der Warm-Up Show zum Up The Hammers, zwischen DOOMOCRACY und BLASPHEME, war ein starker Auftritt und wurde vom Publikum entsprechend gefeiert.

Das würde aber beim KIT wohl weniger gut funktionieren, genau wie auf dem HOA, da würden halt nur 20 Nasen vor der Bühne stehen, weshalb man sich als Veranstalter halt, unabhängig von der persönlichen Wertschätzung, überlegen muss, ob man die Band bucht. Musikalisch kämen MAYFAIR wohl in Gothic-Kreisen deutlich besser an, da kennen sie aber vermutlich noch weniger Leute als im Metal.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Dienstag 1. März 2016, 15:09

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Du zäumst das Pferd von hinten auf. Raf formuliert nicht so, weil er Mark lieber mag als Mille, sondern Raf mag Mark lieber als Mille, weil er von den beiden eben die beschriebenen Eindrücke hat. Die ich im Übrigen voll teile, und die Mille auch gar nicht verbirgt.


Deswegen frage ich nach. Es _könnte_ nämlich auch andersrum sein. Vor allem wenn man es in so einer bewusst manipulativen Art geschriebt. Alle positven Worte uns Attribute fallen Mark Shelton zu, mit dem man stundenlang übet Mytholohie schafelt, dem steht der stumpfe Parolen brüllenden Mille gegenüber, der dazu nichtmal dazu steht, was er meint. (Aber waum sollte er das überhaupt? Viele Metal-Bands singen über Hass und Gewalt und machen damit Show...). So geschrieben würde ich als denkender Leser eher darauf schliessen, dass der Schreibende eher Werbung für Shelton auf Kosten von Mille machen will. Das Ganze wird mit Authentizität gedeckelt.

Bitte nicht persönlich nehmen, Raf, aber auf eine ähnliche Art werden heute auch sehr viele poltische Diskussionen geführt. Argument -> Moralkeule, das heisst, man bildet sich eine Meinung und versucht diese, moralisch zu untemauern und damit dem Kontrahenten als überlegen zu verkaufen.

Aber ich nehme dem Raf jetzt einfach trotzdem mal ab, dass hier Ursache und Wirkung in der richtigen Reihenfolge auftreten und ich akzeptiere, dass diese vermeitlich edleren Gründe, aus denen Shelton musiziert, eine wichtige Rolle spielen können. Soweit hab ich das mittlerweile glaub ich schonmal kapiert. Damit bin ich fürs erste mal zufrieden :D

Und die Kommentare aller anderen haben mich überzeugt, dass es eben doch keinen Ehrlichkeits-Wahn gibt und schon gar nicht hier im Forum, und wenn, dann in verzerrter Form bei mir 8-) .
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 1. März 2016, 15:23

Klar ist mir Mark sympathischer, dazu hat der persönliche Kontakt beigetragen. Ich vermute ja auch, dass ich für die Dinge, die Mille heutzutage so interessieren deutlich mehr anfangen könnte, als mit dem, was er live so an Texten und Ansagen loswird und vor allem versteh ich, dass er halt nicht mehr der 15-Jährige Junge aus Essen ist, der die ersten KREATOR-Platten eingespielt und getextet hat, alles andere wäre eher seltsam.

Ich wollte das jetzt auch nicht moralisch bewerten, sondern anführen, dass Mark Shelton sich auch außerhalb seiner Konzerte eben mit den Themen beschäftigt und darüber redet, sich dafür begeistern kann, die er in seiner Musik und seinen Texten verarbeitet. Das ist eben authentisch, weil er nicht auf der Bühne den bärtigen Geschichtenerzähler gibt und direkt nach dem Konzert zum anzugtragenden Technokraten mutiert, der Mythologie für Quatsch hält, aber halt drüber singt, weil es ankommt. Das wäre unauthentisch, unabhängig davon, wie geil die Show ist. Eine moralische Komponente käme nur rein, wenn der unauthentische Musiker für sich die Authentizität reklamieren würde, Mille also immer noch in Interviews erzählen würde, wie sehr er Thrash sei und trotzdem lieber auf Vernisagen Rotwein schlürft und über Fucault debattiert. Tut er ja aber nicht, weshalb er ein unauthentischer aber ehrlicher Musiker ist und lediglich mal die Setlist und Ansagen etwas variieren sollte, um die Show noch etwas besser zu machen.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Dienstag 1. März 2016, 15:37

Man könnte wenn man wollte, auch Mille moralisch auf einen Sockel stellen, weil er ja aus Respekt vor seinen vielen Fans, immer noch die alten Klassiker spielt, die für diese die Welt bedeuten, obwohl er die ja persönlich gar nicht mehr so wichtig findet. Aber da er ja ein verantwortungsvoller Mensch ist und ihm die Fans so wichtig sind, tut er es vor lauter Selbstlosigkeit aber immer noch.

Schön geschrieben, oder? :grins:
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 1. März 2016, 15:47

salisbury hat geschrieben:Man könnte wenn man wollte, auch Mille moralisch auf einen Sockel stellen, weil er ja aus Respekt vor seinen vielen Fans, immer noch die alten Klassiker spielt, die für diese die Welt bedeuten, obwohl er die ja persönlich gar nicht mehr so wichtig findet. Aber da er ja ein verantwortungsvoller Mensch ist und ihm die Fans so wichtig sind, tut er es vor lauter Selbstlosigkeit aber immer noch.

Schön geschrieben, oder? :grins:

Er tut es ja eben nicht aus Selbstlosigkeit, sondern aus sehr weltlichen Gründen. Schließlich spielt er seine Konzerte ja nicht umsonst oder für 5€, sondern verfolgt handfeste wirtschaftliche Interessen. Sonst würde er ja eine "Endorama"-Tour machen und versuchen, mehr als nur den Siebi vor die Bühne zu locken, da würden halt aber weniger Leute die Kohle zahlen und er könnte gleich was ganz anderes machen. Es ist halt ne Show und die bemisst sich am Zuschauerzuspruch als Maßstab des Erfolgs und weniger an der Selbsterfüllung der beteiligten Musiker.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Dienstag 1. März 2016, 15:59

Raphael Paebst hat geschrieben:
salisbury hat geschrieben:Man könnte wenn man wollte, auch Mille moralisch auf einen Sockel stellen, weil er ja aus Respekt vor seinen vielen Fans, immer noch die alten Klassiker spielt, die für diese die Welt bedeuten, obwohl er die ja persönlich gar nicht mehr so wichtig findet. Aber da er ja ein verantwortungsvoller Mensch ist und ihm die Fans so wichtig sind, tut er es vor lauter Selbstlosigkeit aber immer noch.

Schön geschrieben, oder? :grins:

Er tut es ja eben nicht aus Selbstlosigkeit, sondern aus sehr weltlichen Gründen. Schließlich spielt er seine Konzerte ja nicht umsonst oder für 5€, sondern verfolgt handfeste wirtschaftliche Interessen.


Na, klar, warum nicht das Musikalische mit dem Finaziellen kombinieren? Warum 5 Euro nehmen und etwas spielen, was die meisten nicht hören wollen, wenn man etwas spielen kann, für das tausende 30 Euro freiwillig geben und danach selig sind? Ich nenne das eine Win-Win-Situation. Alles andere wäre doch dumm, vor allem, wenn das Ziel nicht die musikalische Botschaft an sich ist, sondern das, eine gute Show zu liefern, oder nicht?
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Raphael Paebst » Dienstag 1. März 2016, 16:26

salisbury hat geschrieben:
Raphael Paebst hat geschrieben:
salisbury hat geschrieben:Man könnte wenn man wollte, auch Mille moralisch auf einen Sockel stellen, weil er ja aus Respekt vor seinen vielen Fans, immer noch die alten Klassiker spielt, die für diese die Welt bedeuten, obwohl er die ja persönlich gar nicht mehr so wichtig findet. Aber da er ja ein verantwortungsvoller Mensch ist und ihm die Fans so wichtig sind, tut er es vor lauter Selbstlosigkeit aber immer noch.

Schön geschrieben, oder? :grins:

Er tut es ja eben nicht aus Selbstlosigkeit, sondern aus sehr weltlichen Gründen. Schließlich spielt er seine Konzerte ja nicht umsonst oder für 5€, sondern verfolgt handfeste wirtschaftliche Interessen.


Na, klar, warum nicht das Musikalische mit dem Finaziellen kombinieren? Warum 5 Euro nehmen und etwas spielen, was die meisten nicht hören wollen, wenn man etwas spielen kann, für das tausende 30 Euro freiwillig geben und danach selig sind? Ich nenne das eine Win-Win-Situation. Alles andere wäre doch dumm, vor allem, wenn das Ziel nicht die musikalische Botschaft an sich ist, sondern das, eine gute Show zu liefern, oder nicht?

Ja klar. Er ist ein guter Showman, also ein guter Dienstleister. Also spielt er das, was die meisten hören wollen und wofür sie am meisten Geld ausgeben, das ist aber nicht selbstlos, sondern guter Service.
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