Kreator

Re: Kreator

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 31. Januar 2017, 10:10

Peter Kubaschk hat geschrieben:die beste KREATOR ist doch wirklich deutlich "Violent Revolution" aus der Zeit. Wobei ich auch alles gut finde, inklusive "The Bard's Tale".

die FLOTSIS sind keine Thrash-Metal-Band. Und LEGION OF THE DAMNED? Seriously?

Sehe ich (fast) alles auch so. Inklusive der Verwirrung bei Legion Of The Damned.
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Re: Kreator

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 31. Januar 2017, 11:06

Angeregt durch diese Diskussion werde ich an meinem langen Schreibtisch-Tag heute mal alle KREATOR-Platten ab "Violent Revolution" auflegen und dann nochmal meine Meinung kundtun. Bzgl. der stilistisch Entwicklung wie vom persönlich Gefallen her.

Vermutung vorab:
"Enemy Of God" > "Violent Revolution" > "Hordes Of Chaos" = "Phantom Antichrist" = "Gods Of Violence"

Das wird sicher ein Spaß. Schließlich zähl(t)e ich KREATOR lange, lange Zeit zu meinen Lieblingsbands. :)
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 31. Januar 2017, 12:21

Auf deine Analyse bin ich sehr gespannt. Vielleicht mache ich am Mittwoch mit. Heute habe ich zu wenig Zeit.
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Re: Kreator

Beitragvon Siebi » Dienstag 31. Januar 2017, 13:09

Holger Andrae hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich denke schon, dass du was dran finden wirst. Ich finde sie ja auch gar nicht so schlecht, wie der etwas spöttische Ton vielleicht suggerieren mag.


Ich hoffs. Im Thrash-Bereich dürften KREATOR wohl, zumindest was Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre betrifft, meine liebste Band sein.


Da taucht die Band nicht mal in meinem Top 10 auf.

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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 31. Januar 2017, 13:18

Thrash-Top-10 des dritten Jahrtausends?

Auweia... ich schau mal... Blöd, dass Musiksammler nicht nach Genres sortiert. Oder geht das auch?
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Re: Kreator

Beitragvon Oliver Passgang » Dienstag 31. Januar 2017, 21:47

Uuuuund ab dafür! :)

"Violent Revolution"
Die Platte ist super. Hier deutet sich in vielerlei Hinsicht bereits die melodische Schlagseite an, die Mille in den folgenden 15 Jahren immer mehr forcieren würde. Trotzdem fühlt sich das Teil noch richtig nach Thrash an und macht durchgängig Laune! So weit - so gut. Warum das Album von den meisten allerdings so überschwänglich positiv aufgenommen wird - gerade im Vergleich zu anderen KREATOR-Scheiben - verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Für mich ist das ein 8,5-9,0-Kandidat mit einigen Hits (der Titelsong samt Vorspiel, 'All Of The Same Blood' oder mein Favorit von früher, 'Ghetto War') und durchgängig gutem Niveau; aber vollkommen eskalieren tue ich jetzt nicht. Mögliche Erklärung: Ich habe "Violent Revolution" erst retrospektiv kennengelernt ("ernsthaft" habe ich mich mit Metal auch erst 2004 oder so befasst), wodurch dieser Flash, dass KREATOR endlich wieder brettern wie eine Holzfabrik, einfach wegfällt. Zumindest ist das eine Vermutung, die irgendwie naheliegt. Vielleicht ist es aber auch tatsächlich schlichtweg persönlicher Geschmack. ;-)

"Enemy Of God"
Wie ich schon vermutet habe, finde ich "Enemy Of God" unfassbar gut! Spontan eine 9,5/10. Warum? Tjo, für mich thrasht das Ding noch deutlich mehr als der Vorgänger - auch wenn die Melodien in ähnlichem Maße sprießen - und hat in der Breite einfach die besseren Songs am Start: der Titelsong ist riesig; 'Impossible Brutality' und 'Suicide Terrorist' ebenfalls; 'Voices Of The Dead' hat einen geilen Drive; 'The Ancient Plague' bietet den wunderbar epischen Ausklang... Ja, hier stimmt wirklich alles. Doch auch hier muss man vielleicht die Umstände betrachten, war "Enemy Of God" damals doch mein persönlicher Einstieg in den KREATOR-Kosmos. Mutmaßlich ein nicht unwesentlicher Faktor.

"Hordes Of Chaos"

Man muss schon sagen, dass die Entwicklung KREATORs hier noch eher schleichend verläuft. In eine deutliche Richtung, aber nicht in großen Schritten. "Hordes Of Chaos" ist - nicht nur aufgrund seiner Spielzeit - wirklich kompakt und wirkt auf mich am ehesten wie ein Patchwork-Album mit vielen unterschiedlichen Songs. Das sei an dieser Stelle klar als ein Lob zu verstehen, denn dieses Maß an Abwechslung von 'Hordes Of Chaos' (ein durchaus typischer, guter KREATOR-Song) über 'Amok Run' (klarer Favorit der Platte!) und 'Destroy What Destroys You' (leider ein Ausfall) bis hin zu 'To The Afterborn' (geiler Song mit schwach gesungener Bridge/Hook) und dem finalen 'Demon Prince' ist schon amtlich. Gefällt mir nach dem Wiederhören 'ne ganze Ecke besser als erwartet. In Punkten: 8,5-9,0/10.

"Phantom Antichrist"
Auf "Phantom Antichrist" ist der Sprung schon viel deutlicher. Mehr Melodei denn je, weniger klassischer Thrash, und Mille versucht häufiger große Hooks zu singen, was einfach nicht gelingen will. Daher ist hier die Bandbreite zwischen überragenden ('Phantom Antichrist', 'Civilisation Collapse') und grottigen Nummern ('From Flood Into Fire' = Totalausfall... dieser Refrain... Hilfe...) extrem groß. Das Niveau ist insgesamt ein gutes, jedoch merkt man schon, dass der Biss alter Tage hier (bis auf o.g. Ausnahmen) tatsächlich fehlt. Das Teil habe ich bei Erscheinen noch anders eingeschätzt, inzwischen hat's allerdings schon deutlich abgebaut. Note: 7,5-8,0/10


"Gods Of Violence"
Beim direkten Nacheinanderhören wird die Erkenntnis noch einmal umso deutlicher: "Gods Of Violence" ist der absolut logische, konsequente Nachfolger zu "Phantom Antichrist". Noch mehr Sami, noch etwas weniger Biss, noch etwas mehr Konformität im Sound... Alles drei sind Dinge, die KREATORs Musik nicht zwingend gut tun. Gerade Yli-Sirniö, so begnadet der Mann auch sein mag, ist für mich echt ein rotes Tuch, weil er in dieser Band wirklich total am falschen Platz ist. Lichtblicke gibt es aber auch auf dem aktuellen Output der Essener: 'Totalitarian Terror' ist schön räudig, in 'Fallen Brother' funktioniert die melodische Hook-Orientierung wenigstens mal und 'Death Becomes My Light' ist ein famoser Abschluss der Platte. Dazwischen tummeln sich viele nette Songs, einige richtig tolle Ideen, aber eben auch zu viel nerviges Gedudel und eben Milles krampfhafter Versuch, große Refrains zu schreiben. Den Langzeittest muss die Platte noch bestehen (vielleicht wächst sie ja sogar?!), aber derzeit würde ich sie wohl nach wie vor bei 8,0 Punkten einsortieren.

Daraus ergibt sich folgende Rangordnung:
#1 "Enemy Of God" (9,5)
#2 "Violent Revolution" (8,5-9,0) & "Hordes Of Chaos" (8,5-9,0)
#3 "Phantom Antichrist" (8,0) & "Gods Of Violence" (8,0)

Überraschend war für mich persönlich die Stärke von "Hordes Of Chaos".
Abseits meiner persönlichen Einschätzung offenbart sich die - ohnehin offensichtliche - Entwicklung KREATORs in seiner ganzen Pracht, wenn man die Alben mal chronologisch hört.

Hat Spaß gemacht, diese kleine Reise! :-)
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 1. Februar 2017, 02:11

Schöne Retrospektive. Ich kann alle Aussagen nachvollziehen, viele teilen. Mal schauen, ob ich die Zeit finde, das Experiment auch zu machen.
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Re: Kreator

Beitragvon Jakob » Mittwoch 8. Februar 2017, 23:46

Ich würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein ähnliches, wenn nicht das Gleiche Ergebnis kommen :dafuer:
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Re: Kreator

Beitragvon salisbury » Donnerstag 9. Februar 2017, 08:40

Ich hab die neue KREATOR ein paarmal gehört und finde sie gut. Ein "Authentizitäts"-Problem ist für mich nicht hörbar. Dass die melodisch arrangiert und teuer produziert ist, kommt mir entgegen. Für eine 2017-Topliste kommt sie aber glaub nicht in Frage.
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Re: Kreator

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 13. Februar 2017, 19:11

So, ich habe mein Projekt zur Retrospektive auf die post-2000er-Kreator-Releases eben gestartet. Vorgehen natürlich chronologisch und es läuft dementsprechend "Violent Revolution".

Bild

Ich kann mich noch gut an den September 2001 erinnern: Nachdem gut zwei Jahre zuvor das nahezu gesamte Härtnerumfeld über "Endorama" ordentlich die Nase gerümpft hat, war die Vorfreude auf die neue Kreator dennoch ziemlich groß. Warum? Nun, schon das Artwork verhieß eine reaktionäre Kurskorrektur, und Reaktion ist ja immer gut; außerdem hatte man natürlich aus dem Blätterwald schon vernommen, dass es wieder heftiger zugehen würde, bei den Milletes. Und ja, als ich damals die Scheibe zum ersten Mal eingelegt hatte, sah ich mich in all der Vorfreude und Erwartungshaltung bestätigt. So sehr, dass ich mir direkt sicher war, dass "Violent Revolution" das beste Thrash-Metal-Album seit "Seasons In The Abyss", also seit gut 10 Jahren sei. Ob ich das heute noch so unterschreiben würde? Nun, im Wesentlichen ja, auch wenn ich natürlich einwenden möchte, dass ich VENOMs "The Waste Lands" noch besser finde, mir aber nicht ganz sicher bin, ob wir das unter Thrash Metal subsumieren können. Doch das ist Erbsenzählerei. "Violent Revolution" ist ein wirkliches Brett, hat grandiose Riffs, ist sehr bissig gesungen; die Produktion ist schon relativ modern, aber sie hat noch eine gewisse trockene Schärfe, die den letzten Alben weitgehend abgeht. Die melodischen Leadgitarren sind indes retrospektiv betrachtet schon damals ein wenig stilfremd gewesen, doch hier stören sie mich noch längst nicht so sehr wie im Jahre des Herrn 2017, denn es ging damals noch nicht auf Kosten der Durchschlagskraft. Trotz der kleinen "Endorama"-Remininszenz im Intro zu 'Replicas Of Life'. Was "Violent Revolution" ebenfalls sehr bemerkenswert macht, das ist die Hitdichte und die Einprägsamkeit der Refrains und Hooks. Hier sind mir tatsächlich die meisten Songs noch sehr präsent, was bei Alben dieses späten Jahrgangs und dieses Genres leider nicht allzu oft der Fall ist.

Die weiteren Alben kommen im Anschluss, doch - um so viel vorweg zu nehmen - ich rechne tatsächlich im Moment nicht damit, dass mir eine andere Kreator dieses Jahrtausends doch noch besser gefallen könnte. Aber warten wir es mal ab.
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