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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Martin van der Laan » Dienstag 21. Februar 2017, 08:51
Sally, stell Dich nicht naiver als Du bist... "Modern" ist für die meisten Menschen alles, was nach ihrer persönlichen und ästhetischen Sozialisation passiert, d.h. nach zum Beispiel der Musik, die sie in jungen Jahren geprägt hat, völlig unabhängig davon, wie lange das her ist. Das dabei objektiv betrachtet leicht Groteske Gesprächsfäden entstehen können, liegt in der Natur der Sache... Für im Zweiten Weltkrieg Geborene, ist vermutlich Black Sabbath und Judas Priest bis heute "modern". Nix für ungut, liebe Kollegen... 
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von Holger Andrae » Dienstag 21. Februar 2017, 09:02
Ein Antwortansatz: Zeitgemäß sind heuer ja beinahe zwei grundsätzlich gegensätzliche Klangbilder. Einmal der bereits beschriebene atmingsresistente Triggersound, aber auch der auf analog-getrimmte/analog entstandene Retroklang. Moderne Neuerungen nach dem Sneapzeitalter: Kratzig klingende Saiteninstrumente a la Hirsch-Effekt und Gitarren, die nach Tasten klingen (vice versa) a la Damnation Day.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von salisbury » Dienstag 21. Februar 2017, 10:03
Martin van der Laan hat geschrieben:Sally, stell Dich nicht naiver als Du bist...
Das tue ich doch gar nicht... "Modern" ist für die meisten Menschen alles, was nach ihrer persönlichen und ästhetischen Sozialisation passiert,
Eben deswegen versuche ich, mein Anliegen zu präzisieren, denn ich möchte das Persönliche nebst Meinung mal trennen und herausarbeiten, was 00/10 modern ist. Aber ich vereinfach nochmal meine Frage: Welche Alben von 00/10 hättet ihr euch niemals in der Art anno 70/80/90 vorstellen können? Mir ist dabei egal, ob ihr die gut oder schlecht findet. Holg hat geschrieben: Moderne Neuerungen nach dem Sneapzeitalter: Kratzig klingende Saiteninstrumente a la Hirsch-Effekt und Gitarren, die nach Tasten klingen (vice versa) a la Damnation Day.
Hurra, Holg hat mich verstanden "Agnosie" von THE HIRSCH EFFEKT würde ich unterschreiben, (auch wenn ich die Gitarren nicht als kratzig empfinde, aber das ist ja egal). DAMNATION DAY werd ich mal anchecken, das hab ich nicht im Ohr. Ich hab mir auch noch ein paar überlegt, poste ich heut abend  .
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von Peter Kubaschk » Dienstag 21. Februar 2017, 11:12
Ich finde, einen Sound, der signifikant für die letzten 17 Jahre ist, gibt es tatsächlich nicht. Klar, eine Band wie IWRESTLEDABEARONCE oder SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM hätte es vielleicht in den 90ern und früher nicht gegeben, aber das liegt weniger am Klangbild, als am totalen Ausloten der Extreme und dem Vermischen von komplett gegensätzlichen Stilen, was es in dieser Form vorher nicht gab.
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von Holger Andrae » Dienstag 21. Februar 2017, 12:43
Man sieht ja auch, welche Bands live Leute ziehen. Progressive Brieftrager-Mucke mit mindestens 13 Saiten und zwei Sängern, Tarotkarten, Heiligem Bimmbamm und wichting vocals.
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von Peter Kubaschk » Dienstag 21. Februar 2017, 16:47
Ja. live ist der Zirkus mittlerweile mindestens so wichtig wie die Musik. Vielleicht sogar wichtiger.
ein weiteres Indiz, dass es kein echten "00er/10er-Sound" gibt, ist ja auch, dass es keine aktuell sehr erfolgreiche Band gibt, die etwas für unsere Zeit völlig Neues macht. In den Neunzigern hatte man RAGE AGAINST THE MACHINE, KYUSS, norwegische Zündelbären, später KORN, NIGHTWISH, SYSTEM OF A DOWN. Egal, wie man zu denen steht, sie alle haben einen neuen Sound/Stil kreiert, den es vorher so nicht gab (oder nicht wahrgenommen wurde).
Und heute? Da fallen mir höchstens Bands ein, auf die die Kiddies so stehen: SABATON, BRING ME THE HORIZON, ESKIMO CALLBOY, ASKING ALEXANDRIA, DESIGN THE SKYLINE.... aber das hat ja alles nur eins gemeinsam: es ist ziemlich oder total kacke.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 21. Februar 2017, 20:59
salisbury hat geschrieben:Gab es danach wirklich nichts anderes, moderneres mehr?
Das weiß ich nicht, weil es mich nicht interessiert. Analog-Equipment und live einspielen sind wieder mehr denn je gefragt, bei Musikern und Fans. Nun ist dies aber nicht modern sondern aus den 70ern abgeschaut, also retro. Oder doch? Ich frage mich, ob es wirkich nichts anderes, noch moderners gibt als dieses doch schon recht alte Bild eines "modernen" Klangs, oder ob da noch mehr ist. Offenbar nicht, sonst hätte ja schon längst jemand ein Beispiel genannt. Also kann man heute immer noch einen Klang wie z.B. auf FEAR FACTORYs "Demanufacture" (1995?) "modern" nennen? Ich find das fast ein wenig gruselig. In den 80ern waren BEATLES Oldies...
Nun, du musst halt schauen, wen du fragst und aus welcher Prägung er kommt. Holg und ich sind zum großen Teil durch den Metal der 70er, 80er und frühen 90er geprägt. Hier wurde für uns das "klassische" Klangbild der jeweiligen Genres und Subgenres definiert. Was danach an produktionstechnischer Modifikation kam, ist eben "modern", da wir ja weiterhin ein Stück weit noch immer aus der Perspektive der eigenen Prägung rezensieren und werten; sprich, die stilistische Heimat des Rezensenten hat sich nicht geändert, somit bleibt eine gewisse Modifikation an seiner traditionellen Stilheimat immer "modern". Es ist für uns modern im Bezug auf die Stile, die wir bevorzugen; das ändert sich auch nicht nennenswert. Wobei ich jetzt nicht über die Maßen mit dem Begriff "modern" um mich werfe, wenn ich Rezis schreibe. Versteht irgendjemand hier, nach was ich frage? Es ist keine Diskussion, was ihr besser findet, das haben wir allzu oft gehabt und ebenso statisch wie die offenbare Definition eines modernen Sounds.
Schon verstanden, und ich weiß auch, dass dir meine Antwort nicht allzu viel bringt, aber ich hab mir trotzdem erlaubt, meine Antwort auf deine Frage zu geben. Eine andere habe ich nicht, weil, wie gesagt, die Frage von Sound und Produktion für mich eher ein Randthema ist, und es seit 1991 (EDIT: sagen wir 1995) keine stilistische Weiterentwicklung gegeben hat, die mich nennenswert interessiert hat. Somit kann ich nicht sagen, was für die Rockmusik anno 2017 "modern" ist; oder was die Hörer aktueller Rockmusik als "modern" empfinden. Mein Bezugssystem ist die Metalmusik der 70er, 80er und (im extremen Bereich) der 90er.
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von salisbury » Dienstag 21. Februar 2017, 21:23
Oh, ein bischen Bewegunng ist ja doch drin Rüdiger Stehle hat geschrieben:Holg und ich sind zum großen Teil durch den Metal der 70er, 80er und frühen 90er geprägt. Hier wurde für uns das "klassische" Klangbild der jeweiligen Genres und Subgenres definiert.
Lieber Rüdiger, auch auf die Gefahr hin, dass das jetzt patzig wirkt: ich weiss das alles. Ihr braucht mir das nicht nach 100 Mal noch ein 101stes Mal erklären. Ich weiß auch, wie Peter SABATON findet. Vielleicht ist meine Foren-Zeit doch ziemlich an einem Schlusspunkt angelagt, aber ich mag das einfach nimmer lesen. Ich kenn euch doch! Peter hat geschrieben:Ja. live ist der Zirkus mittlerweile mindestens so wichtig wie die Musik. Vielleicht sogar wichtiger.
Hmm, das ist ein erstaunlicher Aspekt! Findet ihr wirklich, dass "moderne"Acts mehr "Zirkus" machen? Haben das nicht 70er-Acts (z.B. GENESIS, PINK FLOYD) oder die großen 80er Metal-Bands damals nicht noch extremer gemacht als heute (z.B IRON MAIDEN?). Oder meint ihr da etwas anderes? Und heute? Da fallen mir höchstens Bands ein, auf die die Kiddies so stehen: SABATON, BRING ME THE HORIZON, ESKIMO CALLBOY, ASKING ALEXANDRIA, DESIGN THE SKYLINE.... aber das hat ja alles nur eins gemeinsam: es ist ziemlich oder total kacke.
Hmm, SABATON würde ich nicht als modernen, zeitenprägenden Acts sehen, denn Musik/Show/Auftreten bezieht seine Ursprünge doch deutlich auf die 80er, so jedenfalls mein Eindruck. Die anderen vier kenne ich nicht. Super, vielleicht gibt es ja doch etwas, das mir entgangen ist  .
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von Holger Andrae » Dienstag 21. Februar 2017, 21:37
Vielleicht habe ich mich beim letzten Posting nicht deutlich genug ausgedrückt. Es ging mir gar nicht so sehr um den Zirkus, sondern darum, dass da im Live Sektor offenbar eine neue Generation von Publikum heran gewachsen ist, die vielleicht sogar ihre Quellen ganz woanders hat. Wenn ich sehe, was in HH so alles an Bands spielt, deren Namen ich nicht einmal kenne und wie viele Leute da dann hingehen. Erstaunlich. Stoner, Sludge, Drone, Post-Doom, Mathcore, man hat den Eindruck, die Suche nach neuen Crossover-Stilistiken ist in vollem Gange und wird sowohl von aktiven, wie auch von passiven Szeneteilen sehr ausgiebig genutzt. Offenbar geht das meiste davon aber an uns vorbei.
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von salisbury » Dienstag 21. Februar 2017, 21:56
Holger Andrae hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich beim letzten Posting nicht deutlich genug ausgedrückt. Es ging mir gar nicht so sehr um den Zirkus, sondern darum, dass da im Live Sektor offenbar eine neue Generation von Publikum heran gewachsen ist, die vielleicht sogar ihre Quellen ganz woanders hat. Wenn ich sehe, was in HH so alles an Bands spielt, deren Namen ich nicht einmal kenne und wie viele Leute da dann hingehen. Erstaunlich. Stoner, Sludge, Drone, Post-Doom, Mathcore, man hat den Eindruck, die Suche nach neuen Crossover-Stilistiken ist in vollem Gange und wird sowohl von aktiven, wie auch von passiven Szeneteilen sehr ausgiebig genutzt. Offenbar geht das meiste davon aber an uns vorbei.
Siehst Du, Holg, dieses Statement sagt mir, dass meine Ausgangs-Fragestellung doch nicht so naiv und vom Gedanken falsch war. Ich frage mich halt - schon allein aus Interesse als über Musik schreibender, was hält der oben beschriebene Konzertgänger eigentlich davon, wenn ich in meinem Review einen ollen FEAR FACTORY-Sound als "modern" bezeichne? Vielleicht solle man es so wie Rüdiger halten und auf den Begriff komplett verzichten. a) es gibt keinen modernen für unser Zeitalter charakeristischen Sound und b) die modernen (hier gleich zeitgemäßen) Stile sind so unterschiedlich, dass man mit einem Schlagwort nicht mehr auskommt. Drone. Ja, das könnte etwas sein, das es vor 15/20 Jahren tatsächlich noch nicht gab. Ich hab eine Drone-Scheibe interessehalber auf meiner Playlist. Das ist...sehr komisch. Mehr Geräusch als Musik. Aber nicht im Sinne von ambient. Eintöniger. Hmm..
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