Und 'ne Ladung für Sonntag, bevor ich in die Kirche muss. Habe 'ne Anstellung überm Altar, bei der ich angeblich nur entspannt rumzuhängen brauche. Ein Blubberbad und ein Wellness-Urlaub wären mir allerdings auch ganz recht.
ISIS – Panopticon
Veröffentlichungsjahr: 2004
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Genre: Progressive Rock
mit ein paar winzigen Spurenelementen von Sludge und einer Portion Post-RockVor 6 Jahren fand ich es recht mutig, dass ISIS den Sludge aus ihrem Sound verbannten und sich eher rockigeren Klängen zuwandten. Damals hätte ich fast gedacht, sie würden damit ihre Fans vergrämen. Stattdessen wurden sie noch viel erfolgreicher. Verstehe einer die Welt. Aber wer so galant intelligente Rockmusik spielt, hat ja auch ein bisschen Erfolg verdient.
Abwechselnd harsch, verträumt, kratzbürstig, doomig, hardcorig, post-rockig und wunderbar fließend und harmonisch komponiert. Da stört es auch nicht, dass die Band offenbar ein bisschen bei TOOL hingeschielt hat, deren Bassist ebenfalls auf dem Album einen Gastauftritt hat.
So Did WeGrinning MouthsBacklitIn FictionPINK FLOYD – Wish You Were Here
Veröffentlichungsjahr: 1975
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Genre: Progressive Psychedelic Rock
Wie schon die THE BEATLES weiter vorn ist das eines dieser Alben, die wahrscheinlich jeder sowieso schon in der Sammlung zu stehen hat. Aus einer Zeit, als künstlerisch anspruchsvolle Musik noch konsensfähig und erfolgreich war. Es gibt sogar Leute, die damals PINK FLOYD hörten, aber oftmals heutigen Progressive Rock als Lärm empfinden und auf mich schimpfen, ich solle doch mal richtige Musik hören... wahre Geschichte! Jene Leute schwärmen mir vor, wie toll PINK FLOYD doch damals war und wie doof die heutige Musik ist, aber wenn sie TOOL oder PORCUPINE TREE hören, schreien sie herum, ich solle doch die "Hottentottenmusik" ausmachen. Und bei VAN DER GRAAF oder CAMEL gibt es gar keine Reaktion. Das dürfen sie nicht grundsätzlich doof finden, weil es alt klingt und von daher ja doch aus den 70ern sein könnte. Aber das kennen sie wiederum nicht von damals, also ist es ja doch schlecht, denn wenn es gut wäre, hätten sie es damals im Radio gehört wie PINK FLOYD. Aber "American Idiot" und "Death Magnetic" waren ja voll total gut und so! Die Rettung der Rockmusik! Menschen sind manchmal seltsam.
Welcome to the MachineShine on You Crazy Diamond (Auszug)LUNAR AURORA – Mond
Veröffentlichungsjahr: 2005
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Genre: Black Metal
Und wieder einmal Black Metal aus Germanien. Na ja, eigentlich aus Bayern. Da Baiern und Alemannen im Alltag grundsätzlich in Gutturallauten kommunizieren - der eine oder andere Anthropologe oder Linguist mag es sogar Sprache nennen - sind sie ja geradezu prädestiniert dazu, Black und Death Metal zu spielen. LUNAR AUROA ist für mich eine Band, die uns zu früh verlassen hat. Zwar hat sie kein schlechtes Album abgeliefert, aber gerade die letzten 3 Platten zeigten eine immense und kontinuierliche Steigerung in Sachen Qualität, Komposition und technischer Fähigkeiten gegenüber den Frühwerken.
Das vorletzte Album "Mond" ist mit Sicherheit auch ihr knüppeligstes Werk, zartbesaitete Nichtschwarzwurzler wie Loenz oder Frank seien also gewarnt. Es ist allerdings kein stumpfes Geballer um der Brutale Willen wie bei MARDUK, SETHERIAL, KULT OV AZAZEL und ähnlichem Norsecore, aber die Blasts pusten einem zumindest stellenweise heftig entgegen wie ein eisiger Wintersturm. Zwischen den zu erwartenden Tremolo-Orgien gibt es auch ein paar rockigere oder im Falle von 'Grimm' sogar fast schon doomige Riffs; generell ist die Gitarrenarbeit ein großes Plus der Scheibe. Ich mag ein paar fette Riffs in meinem Black Metal, solange sie nicht in modernes Gegroove ausarten. Ist mir eigentlich lieber als das dünne, verwaschene Surren, was man oftmals findet im ganz, ganz alten Norweger-BM, dem "Raw Black Metal" oder dem "True Christ-Raping Jew-Slapping Norsk Arisk Black Metal from [osteuropäisches Land einsetzen]". Letzteres wirkt natürlich besonders witzig bei slawischen Bands, die sich auf ein germanisches Kulturerbe berufen. Aber ich schweife ab... also LUNAR AURORA rockt, so einfach ist das.
AufgewachtGrimmRastlosSchwarze WindeWitzige Anekdote: vor einer Weile fand ich ausgerechnet bei Amazon das längst vergriffene dritte Album der Band für moderate 30 Euro. Natürlich gekauft und gefreut wie... wie... wie ein Schneekönig. Oder wie ein Eichhörnchen in der Nusswarenfabrik. Wie ein katholischer Priester im Kinderferienlager. Nach einigen Tagen wurde die Bestellung jedoch storniert und mein Geld kam zurück. Grml. Habe ich mich natürlich ein wenig geärgert, obwohl ich zumindest keinen Verlust zu Beklagen hatte. Also noch mal schauen, ob vielleicht noch jemand das Album anbietet... aha, der gleiche Anbieter wie zuvor, nur diesmal kostet es 80 Euro! Das ist der Beweis: Black Metal ist totaler Kommerz!