Was ne Woche...es gab aber auch tatsächlich ein wenig Musik:

STEVEN WILSON - Insurgentes
Ja, ich habe Wilson-Musik lange Zeit links liegen lassen. Ohne besonderen Grund eigentlich, aber anderes hat mich eben mehr angefixt. Diese 2008er-Album habe ich damals gefeiert. Eines meiner ersten
Reviews für diese Seite und dann gleich das erste Interview. Das hat Lust auf Mehr gemacht, das
Gespäch war sehr nett und ich habe einiges daraus mitgenommen.
Jetzt lief das Album in der in letzten Wochen ein paarmal und siehe da, die Freude ist nun doch wieder da. Es ist schon sehr sehr gute Musik, die hier geboten wird und produktionstechnisch einfach eine Ohrenweide. Klar, voluminös, warm, transparent, dynamisch. Kein Wunder, dass Wilson damals zu einem der gefragtesten Produzenten wurde, wenn man das hört. Das macht Lust, sich endlich doch mal eine bessere Anlage zu besorgen und einen Musikraum einzurichten. Auch musikalisch passiert hier jede Menge, unterschiedlicher wie der melodische Opener '
Harmony Corine' und das jammig-noisige 'No Twilight Within The Courts Of The Sun' können Songs nicht sein, beide machen große Laune. Vielleicht würd ich ja heute ein halbes Pünktchen runter gehen, weil es so zwei, drei Phasen im Album gibt, in denen die Aufmerksamkeit entschwindet (nebenher hören, ist hier eh nicht angeraten), aber "Insurgentes" würde ich auch heute noch zu den Highlights anno 2008 zählen.

THE PINEAPPLE THIEF - Tightly Unwound
Und hier sind wir wieder bei der wunderbaren Kategorie "die eigene Sammlung entdecken". Bruce Soords gilt ja mit seinem Ananasdieb ein wenig als "kleiner" Steven Wilson und so richtig kicken konnte mich die Band bislang nie. "Tightly Unwound" steht aber in meinem Regal (sicher von Peter?) und ich muss die CD damals auch gehört haben. '
Shoot First' kenn ich nämlich. Das kann auch auf einer ECLIPSED-CD gewesen sein, und den Song finde ich echt stark. Die ganze CD ist sehr RADIOHEADig und gar nicht so artsy-lieblich-harmonisch wie ich PINEAPPLE THIEF abgespeichert habe. Ich hab schon ein paar andere coole Songs ausgemacht und noch mitten in der Findungsphase. Klar kann das Album nicht "Insurgentes" mithalten, da ist Wilsons Phantasie schon noch mal eine Latte visionärer, aber so einen positiven Eindruck hätte beim THIEF-Check nicht erwartet.

PENDRAGON - Pure
Kommen wir zu einer alten 90er-Liebe von mir. Hier sind es die beiden Alben "The Window Of Life" (Top100) und "The Masquerade Overture" mit dem wunderbaren 'Paintbox', die mich rundum befriedigen und eigentlich auch mein Bedarf an PENDRAGON-Musik lebenslang decken. Mit "Pure" hatte man 2008 einen Modernisierungs-Schritt gewagt und den Stil ein wenig in Richtung New Artrock mit harten Passagen geschraubt, und Promoter sowie Reviewer durften PORCUPINE TREE in ihre Texte schreiben. Nun, mich hat das Ding damals nie so groß gereizt, das ECLIPSED hatte seinerzeit mit 'Eraserhead' (oder 'Indigo' ?) geteasert, was keinen besonderen Kick verschaffen hat.
Auch diese Scheibe lief jetzt einige Male zu verschiedensten Lebenslagen. Und ich finde, sie funktioniert einfach nicht. Diese gute alte Neoprog-Kitschelement ist zurückgefahren, aber das Moderne wirkt eher wie übergestülpt und so ist es jetzt weder noch - oder von allem ein bischen. Beim Dreiteiler 'Comatose' kommt glaube ich mal ein richtiger Heavy-Part. Daraus könnte man eine schönen Dreiminüter machen, wenn man einen Refrain und eine Strophe dazu findet. Aber schlecht ist "Pure" gewiss nicht, Barretts Lead-Gitarrensound ist wie immer toll und einige Ideen durchaus hörenswert. Wenn er nur seine ausschweifenden Leads öfter spielen würde! Aber am Ende ist "Pure" kein Kandidat für weitere Spins und Listenplätze, denn das Ernste, Seriöse, Moderne steht PENDRAGON nicht, jedenfalls nicht für mein Ohr.