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von Rüdiger Stehle » Samstag 6. Februar 2021, 00:50
Pillamyd hat geschrieben:Da muss man aber auch mal sagen, dass so eine Einsicht der journalistischen Arbeit höchst interessant ist. Danke für den Eindruck. Aus der Sicht habe ich das noch nie gesehen. Ich hab schon öfters darüber nachgedacht wie das wohl so ist. Aber der direkte Kontakt zur Fanbase oder allgemein zu Metal Fans muss auch irgendwie eine Bereicherung sein, wenn man das so sieht wie du. Also kann ich mir gut vorstellen.
Danke dir, das freut mich, dass du das so siehst. Wobei ich dazu sagen muss, dass es mich irgendwie ein bisschen zum Schmunzeln bringt, weil ich mich auch hier intern im redaktionellen Bereich, lange Zeit geweigert habe, mich selbst als "Musikjournalist" oder als "Musikliebhaber" zu bezeichnen, sondern ich habe mich immer primär einfach als Metalhead gesehen, der seine Begeisterung für Bands und "den Stahl" als solchen teilen möchte. Irgendwann in den letzte fünf Jahren ist mir jedoch bewusst geworden, dass eben mein Faible für "den Stahl an sich" und meine archivarischen Marotten irgendwie unbeabsichtigt dazu geführt haben, dass das bei mir unterm Strich fast journalistischer oder populärwissenschaftlicher funktioniert als bei vielen anderen. Das meine ich jetzt völlig wertfrei und ganz ohne meinen Ansatz jetzt besser oder schlechter nennen zu wollen, als den anderer Schreiber. Aber ich beobachte bei vielen Kollegen in der Schreiberzunft, vor allem bei anderen Magazinen, dass sie eher den Ansatz des Meinungsmachens verfolgen, des Trendsettings, des Pushens der eigenen Faves oder der Alben, die sie völlig geil finden. Letzteres mache ich natürlich auch, aber ich interessiere mich als Fan, als Sammler und als Schreiber eben auch ganz massiv für jene Dinge, die ich nicht so super toll finde, die aber trotzdem irgendwie unser Genre als Ganzes prägen, befruchten, modifizieren, definieren; und so ist am Ende alles irgendwie spannend, was zum großen Phänomen des "Heavy Metals" gehört. Im Endeffekt ist mir das Kennenlernen, das Einordnen, das Vergleichen, das Erfassen all dessen, was dieses Genre ausmacht und prägt, fast schon größeres Hobby und Anliegen geworden, als der spontane Kick des Hörens von toller Musik "auf die ich gerade Bock habe". Ich höre seit 5-10 Jahren definitiv häufiger und intensiver mit dem Kopf als mit Herz und Seele. Das klingt nun nicht unbedingt nur erstrebenswert, denn das Spontane und das Herzblütige scheint da bisweilen auf der Strecke zu bleiben, aber auf der anderen Seite ist es dann wieder genau dieses Hirnen über den Metal, das mir in diesen Momenten herzblütiger erscheint, als einfach eine Platte aufzulegen, zu Headbangen und "Boah, ist das geil!" zu brüllen. Weirdo... ich weiß... 
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von Pillamyd » Samstag 6. Februar 2021, 01:03
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Im Endeffekt ist mir das Kennenlernen, das Einordnen, das Vergleichen, das Erfassen all dessen, was dieses Genre ausmacht und prägt, fast schon größeres Hobby und Anliegen geworden, als der spontane Kick des Hörens von toller Musik "auf die ich gerade Bock habe". Ich höre seit 5-10 Jahren definitiv häufiger und intensiver mit dem Kopf als mit Herz und Seele. Das klingt nun nicht unbedingt nur erstrebenswert, denn das Spontane und das Herzblütige scheint da bisweilen auf der Strecke zu bleiben, aber auf der anderen Seite ist es dann wieder genau dieses Hirnen über den Metal, das mir in diesen Momenten herzblütiger erscheint, als einfach eine Platte aufzulegen, zu Headbangen und "Boah, ist das geil!" zu brüllen.
Doch ich kann das gut verstehen. Ich mein, ich selber habe da noch nie so intensiv drüber nachgedacht. Aber das klingt genauso nach Herzblut...bloß auf eine andere Art und Weise. Vielleicht ist das auch die Entwicklung eines Musikhörers, eine Phase. Sowas kann ja kommen und gehen, oder nicht? Wäre die gesamte Situation gerade nicht so bescheiden, hätte ich schreiben wollen das man Headbangen und "Geil"-grölen auch bei Liveauftritten in vollem Umfang ausleben könne. Aber das passt gerade nicht. Verdammt, jetzt steht es ja doch da 
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von Havoc » Samstag 6. Februar 2021, 01:08
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Im Endeffekt ist mir das Kennenlernen, das Einordnen, das Vergleichen, das Erfassen all dessen, was dieses Genre ausmacht und prägt, fast schon größeres Hobby und Anliegen geworden, als der spontane Kick des Hörens von toller Musik "auf die ich gerade Bock habe". Ich höre seit 5-10 Jahren definitiv häufiger und intensiver mit dem Kopf als mit Herz und Seele. Das klingt nun nicht unbedingt nur erstrebenswert, denn das Spontane und das Herzblütige scheint da bisweilen auf der Strecke zu bleiben, aber auf der anderen Seite ist es dann wieder genau dieses Hirnen über den Metal, das mir in diesen Momenten herzblütiger erscheint, als einfach eine Platte aufzulegen, zu Headbangen und "Boah, ist das geil!" zu brüllen.
Ich tippe dann mal im Hintergrund in Word weiter an meiner "Enslaved-Diskografie" 
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von Rüdiger Stehle » Samstag 6. Februar 2021, 01:17
Das eine schließt das andere in der Tat nicht aus, und der nickende Kopf geht gerade zu "From The Underground And Below" sogar während des Tippens ganz ordentlich mit. Und natürlich gebe ich einem "Orange Album" von CIRITH UNGOL die 10 Punkte nicht nur mit dem Zentralrechner sondern mindestens doppelt so sehr mit Herz und Seele. Die Begeisterung ist schon noch da, aber sie äußert sich heute ein bisschen anders, und damit einher gehend ist auch die Erwartungshaltung eine etwas andere geworden. Das ist denke ich auch der Grund, warum ich heute völlig anders mit Bands wie Nightwish, C.O.B., Fear Factory und Sepultura oder mit Alben wie "Roots", "From The Underground" oder "Load" umgehen kann, als das damals der Fall war, als sie "der heiße Scheiß" waren. Damals waren sie bestenfalls "not my cup of tea" und schlimmstenfalls "etwas, das meinen Metal kaputt macht". Heute sind das Sachen, die für mein Begreifen meines Musikgenres eine große Bedeutung haben, und deren Analyse mir schon deswegen Freude bereitet, auch wenn ich am Ende immer noch zu einem "not my cup of tea" kommen sollte. Diese Verschiebung der Wahrnehmung von Musik ist auch der Hauptgrund dafür, dass mir der Volkssport des "Bashens" von Dingen, die man nicht so toll findet, so fremd geworden ist wie nie zuvor. Havoc hat geschrieben:Ich tippe dann mal im Hintergrund in Word weiter an meiner "Enslaved-Diskografie" 
That's the Spirit!!! 
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von Pillamyd » Samstag 6. Februar 2021, 01:29
So und zum Abschluss (zumindest von meiner Seite aus), bedanke ich mir für die tolle und aufschlussreiche Unterhaltung. Das war gleich in mehreren Dingen unglaublich spannend 
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von Rüdiger Stehle » Samstag 6. Februar 2021, 01:35
Herzlichen Dank auch meinerseits.
Und eine gute Nacht, wenn es soweit ist.
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von Drumtier » Dienstag 9. Februar 2021, 23:20
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich teile übrigens deine Meinung zum Forum. Es ist zwar leider recht klein geworden, aber die Qualität des Austausches finde ich nach wie vor auch sehr ansprechend. Es ist für mein Gefühl ein recht intensiver Umgang mit Musik, den wir aktuell hier pflegen, und das ist in schnelllebigeren Foren mit mehr Leuten tatsächlich schwieriger als in unserem gemütlichen täglichen Feierabendplausch hier am Stammtisch.
Da wollte ich mich auch noch schnell anschließen. Bin zwar mit der Roots ausgestiegen und kann zur Diskussion selbst nicht viel beitragen, aber lese gerne mit, und gerade dieser Punkt ist sehr auffällig. Denn nicht nur Corona bewegt sich in Wellen, auch das Forum. Zur ersten Lockdown-Zeit im Frühjahr war mehr los, dann mit den Öffnungen im Sommer hier die absolute Leere und jetzt seit zwei Monaten oder so, ist hier so viel los, wie seit, ach ich weiß nicht, fünf Jahren? Auch in den Unterforen, sehr detaillierte, informierte, gepflegte Diskussionen. Ich mach das Death-Unterforum auf und es sind 10 Threads mit neuen Beiträgen?!  Ich behaupte, das hat es überhaupt noch nie gegeben 
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von Feamorn » Mittwoch 10. Februar 2021, 01:11
Drumtier hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich teile übrigens deine Meinung zum Forum. Es ist zwar leider recht klein geworden, aber die Qualität des Austausches finde ich nach wie vor auch sehr ansprechend. Es ist für mein Gefühl ein recht intensiver Umgang mit Musik, den wir aktuell hier pflegen, und das ist in schnelllebigeren Foren mit mehr Leuten tatsächlich schwieriger als in unserem gemütlichen täglichen Feierabendplausch hier am Stammtisch.
Da wollte ich mich auch noch schnell anschließen. Bin zwar mit der Roots ausgestiegen und kann zur Diskussion selbst nicht viel beitragen, aber lese gerne mit, und gerade dieser Punkt ist sehr auffällig. Denn nicht nur Corona bewegt sich in Wellen, auch das Forum. Zur ersten Lockdown-Zeit im Frühjahr war mehr los, dann mit den Öffnungen im Sommer hier die absolute Leere und jetzt seit zwei Monaten oder so, ist hier so viel los, wie seit, ach ich weiß nicht, fünf Jahren? Auch in den Unterforen, sehr detaillierte, informierte, gepflegte Diskussionen. Ich mach das Death-Unterforum auf und es sind 10 Threads mit neuen Beiträgen?!  Ich behaupte, das hat es überhaupt noch nie gegeben 
Gibt auch Gründe, dass ich immer wieder zurück komme, obwohl mein Musikkonsum die letzten Jahre leider ziemlich zurück gegangen ist. Andererseits hab ich durch die Diskussionen jetzt tatsächlich wieder selbst etwas vom alten "Entdecker-Spirit" zurück gewonnen, den ich schon verloren glaubte, dass ich einfach nochmal Lust hab, mich richtig in das Schaffen diverser Bands einzugraben. Aber bezüglich Sepultura, ernsthaft, hör dir zumindest die Dante XXI einmal an!
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von Pillamyd » Mittwoch 10. Februar 2021, 01:53
Drumtier hat geschrieben:Da wollte ich mich auch noch schnell anschließen. Bin zwar mit der Roots ausgestiegen und kann zur Diskussion selbst nicht viel beitragen, aber lese gerne mit, und gerade dieser Punkt ist sehr auffällig. Denn nicht nur Corona bewegt sich in Wellen, auch das Forum. Zur ersten Lockdown-Zeit im Frühjahr war mehr los, dann mit den Öffnungen im Sommer hier die absolute Leere und jetzt seit zwei Monaten oder so, ist hier so viel los, wie seit, ach ich weiß nicht, fünf Jahren? Auch in den Unterforen, sehr detaillierte, informierte, gepflegte Diskussionen. Ich mach das Death-Unterforum auf und es sind 10 Threads mit neuen Beiträgen?! Ich behaupte, das hat es überhaupt noch nie gegeben
Wobei das bei mir zumindest nichts mit den Lockerungen im Sommer zu tun hat. Generell ist das immer eine sehr stressige Jahreszeit, die sich meist dann auch bis in den Winter reinzieht. Somit, ist der Anfang eines jeden Jahres immer der entspannteste Abschnitt. Übrigens hoffte ich heute das kleine "Sepultura"-Päckchen zu bekommen, dem war aber nicht so. Jetzt hoffe ich einfach mal, dass da Morgen was im Kasten ist.
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von Drumtier » Mittwoch 10. Februar 2021, 18:29
Feamorn hat geschrieben:Aber bezüglich Sepultura, ernsthaft, hör dir zumindest die Dante XXI einmal an!
Sehr gerne. Ja, ist geil. Also vor einigen Jahren hätte mir das sicher noch richtig getaugt, jetzt ist es halt irgendwo zwischen Roots und Chaos AD mit neuen Ideen. Das ist ja nicht schlecht, aber ich mag SEPULTURA nicht für diese beiden Alben, sondern für die davor. So sehr Roots als Einsteigeralbum wichtig für mich war und auch SOULFLY, höre ich das heute sehr selten. Mit Roots hab ich auch nicht so sehr aufgehört, weil ich verbissener Max-Loyalist bin, sondern weil die musikalische Umorientierung, die mit Chaos AD begonnen hat und mich nicht mehr anspricht, hier vorerst abgeschlossen war und dann ein willkommener Ausstieg ist. Wäre Max nach Chaos AD ausgestiegen und hätte Roots nicht den allgemein relevanten Stellenwert, den es hat, wäre ich vielleicht danach ausgestiegen, wäre Max noch ein Album geblieben, hätte ich mich vielleicht zu diesem Folgealbum auch noch gezwungen. Also es liegt nicht an Max, es liegt nicht an der Musik, es liegt an mir. Okay, es liegt auch an der Musik, denn die ist gut, aggressiv und interessant, aber nichts, was ich allzu oft auflegen würde.
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