Enslaved

Re: Enslaved

Beitragvon Feamorn » Mittwoch 10. Februar 2021, 01:15

"Thoughts Like Hammers" ist in der Tat ein dermaßen großartiger Songtitel...! Das ist bildsprachlich schon wörtlich eine Wucht! :grins:
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. Februar 2021, 01:31

Havoc hat geschrieben:Platz 9

Utgard (VÖ: Oktober 2020, Spielzeit: ca. 44 min)

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Wie bereits im Thread vor Wochen berichtet, tat ich mich anfangs sehr schwer mit dem neuesten Output. Der eigentlich übliche und gewohnte „Wow-Effekt“ blieb ganz einfach aus. Und dennoch hat es das Ding am Ende des vergangenen Jahres noch bis auf den dritten Platz meiner Jahrescharts geschafft, da es mit der Zeit enorm gewachsen ist. Da das Album immer noch relativ frisch ist, obwohl ich es wirklich schon sehr oft gehört habe, ist die Einsortierung hier wohl noch am allerschwierigsten. Trotz der erwähnten Steigerung und wirklich extrem tollen Songs wie „Homebound“ und „Distant Seasons“ finde ich das Album allerdings immer noch ein kleinwenig ungewöhnlich. Das mag allen voran am, ich nenne es mal Popsong, „Urjotun“ liegen. Wobei ich mich eigentlich immer auf den Song freue, da er mutig und einfach cool ist. Weiterhin fehlt mir bei einem Song wie z.B. „Jettegryta“ immer noch der letzte Funke Genialität. Ich finde das Werk wirklich toll, aber es kommt dennoch irgendwie nicht ganz an meine absoluten Favoriten der Band ran. Mich beschleicht das Gefühl, dass das auch so bleiben wird. Warum kann ich letzten Endes gar nicht so genau sagen. Dennoch irgendwie bezeichnend, dass ich gleich den allerersten Durchgang nicht so vollends überzeugend fand. Die 44 Minuten (zweitkürzestes Album) vergehen dennoch wie im Flug und ich lege das Album auch oft und gerne auf. Also alles wieder mal mehr als nur im grünen Bereich. So vollends schlau bin ich aber immer noch nicht aus dem Album geworden. Die verschiedenen Durchläufe sind immer noch ziemlich schwankend. Von daher kann ich es erstmal noch nicht höher einsortieren. Mal sehen wie das in ein paar Jahren aussieht. ;-)


Utgard:

Ein Album auf den ich sehr gespannt war. Nicht zuletzt, weil ich mit dem Vorgänger bekanntlich meine Probleme hatte. Die Spannung stieg stätig, wie das Album auf mich wirken würde. Vor allem auch weil „Homebound“ als Vorabveröffentlichung mir erst mal weniger gefallen hatte. Der Song ist aber im Laufe der vielen Durchläufe ordentlich gewachsen. Aber nun mal von vorne.

„Utgard“ gab mir das Gefühl zurück, welches ich schon zu Zeiten der „In Times“ hatte. Es wirkt um einiges kompakter auf mich. Im Übrigen ist es so, dass ab 2012 immer erst ein Album kam, dass es mir sackschwer machte, dann wieder einen federleichten Einstieg und das wiederholt sich fortlaufend.

Was mir an dem Album so wahnsinnig gut gefällt ist, dass es wieder greifbarer ist. Man hat die unglaubliche Komplexität in richtig kompakte Songs gepackt. Dadurch ist es der Band gelungen, den schmalen Grad der Überladung zu umgehen. Die Songs klingen ausgewogen. Kommen schneller auf den Punkt. Aber eben nicht durch hektisches oder überfrachtetes Werk.
Dazu eben auch noch, dass „Enslaved“ ihr Spektrum nie und niemals verlassen. Das ist eindeutig als Enslaved zu erkennen. Man macht das, was ich so an der Band mag. Sie blicken zurück auf ihr eigenes Schaffen, ohne sich zu kopieren und zu wiederholen. Vielmehr hat man das Gefühl die Band picke sich bestimmte Umsetzungen letztere Alben raus, um diese zu verfeinern und auf ein neues Level zu bringen. Also eben eine stetige Entwicklung.

Gut das ist jetzt nichts neues und ich wiederhole mich hierbei wahrscheinlich jetzt so langsam ein bisschen. Aber das ist das wovor ich mich hier ein bisschen gefürchtet habe.

Ich halte ja die letzten 3 Songs für so unglaublich stark. Das sind für mich glatte 10 von 10 Songs. Ein Album das, wenn ich die Alben bloß ab 2012 bewerten würde mit Sicherheit auf der 2 landen würde. Da hat mich „Utgard“ einfach auch total erwischt.

So langsam wird es auch für mich schwierig mit den Platzierungen. Gerade bei „Utgard“ und einem nicht genannten Album schwanke ich gerade sehr und bin da auch echt in einem Zwiespalt. Ich habe verschiedene Varianten von Rankings gegenübergestellt. Und gerade hier und einem weiteren Album, weiß ich gerade nicht welches ich wo hinsetzen soll. Vor allem weil da ein Gewisser Abstand herrscht. Ich gehe jetzt aber nach Bauchgefühl und ordne „Utgard“ wie untenstehend ein, auch wenn es mir schon ein bisschen wehtut.

Mein Ranking:
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
6. Blodhemn
8. Mardraum (Beyond The Within)
10. Utgard
13. E
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. Februar 2021, 12:26

Havoc hat geschrieben:Platz 8

Frost (VÖ: August 1994, Spielzeit: ca. 50 min)

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Das wohl kultigste und sagenumwobenste Werk der Norweger startet, wie es sich auch eigentlich gehört, mit einem mystisch anmutenden Intro. Der Übergang zum ersten Track „Loke“ ist dann fabelhaft. Die einsetzenden Drums sind göttlich und die Produktion ist viel druckvoller und sauberer als man es vielleicht bei einem solch älteren rohen Schinken vermuten würde. Diesen besitze ich natürlich nicht seit den Neunzigern, sondern habe es erst nachgekauft. Es schlug damals nicht unbedingt wie eine Bombe ein. Wohl auch deswegen, da ich von Enslaved halt anderes gewohnt war. Aber in letzter Zeit haben fast alle der älteren Werke etwas an Strahlkraft bei mir hinzugewonnen. Nach dem ziemlich harten „Loke“ folgt mit dem längeren „Fenris“ ein sehr starker Song, der bereits viele typische Facetten enthält, die auch später immer wieder bei Enslaved auftauchen. Spoken Words, Akustikgitarren, rockige Momente, Raserei und natürlich Grutle´s über allem thronenden Vocals. Sowieso muss man Herrn Kjellson echt mal hervorheben. Er kreischt so dermaßen böse und kehlig, aber dennoch meistens zumindest halbwegs verständlich. Das ist schon große Klasse. Auch die Keyboards bzw. die Sounds die Ivar aus seinem Soundgerät herausholt, sind heute wohl kaum mehr reproduzierbar. Das klingt zwar eigentlich billig, verbreitet aber dennoch eine einzigartige Atmosphäre. Das ging irgendwie auch bei anderen Bands eben nur in den 90ern. Wie ich es schon im Thread erwähnt hatte finde ich es auch krass, dass die Band damals tatsächlich auch live in den auf der Rückseite der Hülle abgebildeten Kostümen aufgetreten ist. Im Endeffekt ist „Frost“ die logische Weiterentwicklung des Debüts und die Blaupause für alles was folgen sollte. Ich finde Frost schon eine ganze Ecke stärker, da es deutlich songorientierter und abwechslungsreicher ist. Das ruhige „Yggdrasil“ und das treibende „Gylfaginning“ bringen das z.B. gut zum Vorschein. Wirklich ein legendäres Album! Ich kann es aber nicht noch höher in der Rangfolge einbauen, da mir die neuere Phase, mit der ich die Band kennen gelernt habe, eben einfach immer noch mehr bedeutet. Ab jetzt folgt meine persönliche „Big 7“ (mit den Alben verbinde ich einfach am meisten!) der Band! :)


Frost:
Es gibt wohl kein Album auf dieser Erde bei dem der Albumname passender gewählt wurde als bei diesem. Das präsentiert die Band schon alleine mit der Vertonung des Intros dar. Der Synthesizer, der zum Schluss einen kleinen Auftritt haben, ist übrigens jener, den Ivar in der Doku kurz anspricht und auch vorführt.

Ich könnte jetzt hier den gesamten ersten Absatz von mir zu „Vikingligr Veldi“ nehmen und die Wörter „nebliges Grün“ und „Helm“, durch „nebliges Blau“ und „Landschaft“ ersetzen und es würde einfach wieder passen. Es hat den gleichen Effekt wie das Debüt allein von der Optik her für mich. Und auch wenn es musikalisch vielleicht unterschiede geben mag, gehören die beiden Alben für mich einfach auch zusammen.

So, was gibt es nun zu Frost zu sagen, außer dass es bei mir die größte Durchschlagskraft hat?
Es ist für mich das beste Werk der Band. Aber warum?
Auf „Frost“ erkennt man die logische Fortsetzung des Debüts. Das war mir natürlich erst bewusst, nachdem „Vikingligr Veldi“ hier eine Weile gelaufen ist. Die Ausrichtung von „Frost“ ist noch roher, noch ungezügelter. In Teilen auch um einiges härter und derber als noch der Vorgänger.

„Fenris“ ist hier mein absolutes Highlight. Der Song kann einfach alles. Er klingt auf seine eigene Art und Weise so verdammt eindrucksvoll.

Auch hier erkennt man schon Fragmente in Songs, die später auf Alben konkretisiert ausgearbeitet und verfeinert wurden. Man nimmt diesen psychedelisch anmutenden Gesang in „Svarte Vidder“. Ein nicht zu unterschätzender Titel, dessen man sich bewusst werden sollte. Darauf gehe ich aber an einem anderen Punkt noch einmal genauer ein.

Wo mir auch jedes Mal einer abgeht ist „Yggdrasil“. Mir wurde erst viel später bewusst, dass man zu Anfang tatsächlich eine Maultrommel hört. Das war wohl mein erstes Musikinstrument, mit dem ich damals dem ein oder anderen ziemlich auf die Nerven gegangen bin. Diese Töne nach so langer Zeit wieder in einem Musikstück zu hören fand ich seltsam und zugleich auch ziemlich abgefahren. Aber es passt halt auch einfach so gut zur Band und der Musik.

Wer also die spätere Phase der Band vergöttert und für das Nonplusultra hält, dem muss ich aber sagen, dass es unheimlich wichtig ist, die alten Alben zu kennen, um die Entwicklung der Band nachvollziehen zu können. Denn da liegt meiner Meinung der Ursprung des Ganzen. Ich bin mir sicher, ein Song wie „793 (Slaget Om Lindisfarne)“ wäre ohne einen Song wie „Yggdrasil“ nie so entstanden. Ein Song wie das vorher erwähnte „Svarte Vidder“ hat solch wunderbare Gesangspassagen, die man später in der Diskographie noch ausgereifter, noch ausgefeilter zu hören bekommt. Die Referenz ist einfach da und hörbar. Und trotzdem oder gerade deswegen, favorisiere ich dieses ungezügelte, vielleicht noch nicht so durchdachte Werk gegenüber allen anderen Alben danach.

Ein sehr fröstelndes Album. Ein sehr lautes Album. Ein sehr garstiges Album, ein in vielerlei Hinsicht sehr typisches Black Metal Album. Direkt, atmosphärisch und einfach erhaben.

Mein absolutes Lieblingsalbum der Band.

Mein Ranking:
1. Frost
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
6. Blodhemn
8. Mardraum (Beyond The Within)
13. E
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Re: Enslaved

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 10. Februar 2021, 13:22

Mein Übersong des Albums ist ja "Loke", den du hier nicht gesondert erwähnst; schon des Übergangs vom Intro her wegen, den auch Havoc lobend erwähnt hat. Aber auch die besondere Rhythmik und die irgendwie gegenläufig, widerborstig, unter einander streitend wirkenden Melodien. Der Song bringt für mich die Zerrissenheit und Ambivalenz des Tricksters musikalisch ganz phantastisch herüber. Wenige Songs hab ich so häufig "verwichtelt" wie den.
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. Februar 2021, 13:34

Stimmt, das habe ich Unterschlagen.
Ich habe das gestern noch sehr spät geschrieben und ich dachte ich hätte das kommentiert im ersten Absatz. Das ist mir durch die Lappen gegangen. Aber ihr habt natürlich recht mit allem was ihr schreibt :)
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Re: Enslaved

Beitragvon Drumtier » Mittwoch 10. Februar 2021, 18:22

Ich hab auf so eine Rückmeldung zur Frost gehofft. Als älteste leicht zu bekommende CD wär das mein angepeilter Vertreter für die Black-Metal-Phase und dann vielleicht noch eine CD zwischen Frost und Isa, die ich ja schon habe, um den weiteren Übergang abzudecken. Vollständig will ich jetzt erst einmal gar nicht werden, aber noch mehr Überblick über die alten Sachen haben sie sich spätestens seit Utgard verdient.
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Re: Enslaved

Beitragvon Havoc » Mittwoch 10. Februar 2021, 21:56

Pilly...Deine Meinungen zu "Utgard" und "Frost" kann ich sehr gut nachvollziehen. Das neue Album ist bei mir auch so ein Teil, dass je nachdem auch viel höher stehen könnte, aber man merkt dann eben wie übermächtig die Diskografie ist. Selbst ein extrem tolles Album hat es schon schwer in die Top 5 zu kommen. ;-) Zu "Frost"...ja, das kann man auf den Thron setzen. Könnte ich auch. "Below The Lights" davor zu setzen ist schon gewagt, aber ich weiß schon was ich tue. Wenn ich das höre...dann überkommt mich einfach das Gefühl, dass es so richtig ist. "Below The Lights" ist schon auch phantastisch. :)
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. Februar 2021, 22:09

Havoc hat geschrieben:Pilly...Deine Meinungen zu "Utgard" und "Frost" kann ich sehr gut nachvollziehen. Das neue Album ist bei mir auch so ein Teil, dass je nachdem auch viel höher stehen könnte, aber man merkt dann eben wie übermächtig die Diskografie ist. Selbst ein extrem tolles Album hat es schon schwer in die Top 5 zu kommen. ;-) Zu "Frost"...ja, das kann man auf den Thron setzen. Könnte ich auch. "Below The Lights" davor zu setzen ist schon gewagt, aber ich weiß schon was ich tue. Wenn ich das höre...dann überkommt mich einfach das Gefühl, dass es so richtig ist. "Below The Lights" ist schon auch phantastisch. :)


Ach, das ist schon in Ordnung und passt doch auch :) :dafuer:
Danke übrigens für die Rückmeldung. Das freut mich natürlich. War ne tolle Idee von dir, den Forum-Diskographie-Check anzupeilen. Finde ich super.

Was das Höherplatzieren von Alben angeht, sag ich was dazu wenn es soweit ist ;-)
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Re: Enslaved

Beitragvon Havoc » Donnerstag 11. Februar 2021, 23:51

Platz 5

Isa (VÖ: November 2004, Spielzeit: ca. 51 min)

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Nach einem recht kurzen sphärischen Intro folgen mit „Lunar Force“ und dem Titeltrack gleich zwei ziemlich Hitverdächtige starke Songs. Aber der Sound ist alles andere als poppig oder soft. Vielmehr etwas reduzierter und ziemlich kalt. Da könnte man sogar glatt wieder ein wenig an alte „Mardraum“-Zeiten denken, auch wenn dieses Album schon deutlich anders ist. Es geht den mit „Below The Lights“ eingeschlagenen Weg nämlich uneingeschränkt und konsequent weiter. Nach den beiden sogenannten Hits geht es aber dann deutlich sphärischer und proggiger weiter. Ja. Enslaved sind im Jahre 2004 tatsächlich erstmals richtig proggy. Es dürfte einige alte Fans geben, die vielleicht den Vorgänger noch zähneknirschend schön gehört haben, hier dann aber nicht mehr mitkamen. Die verpassen aber coolen Stoff wie „Bounded By Allegiance“. In dem Stil geht es weiter bis zum äußerst coolen Instrumental „Secrets Of The Flesh“. Ich liebe das Ding. Ebenso auch das abschließende elfminütige „Neogenesis“. Was ein genialer Longtrack. Ein Highlight der gesamten Diskografie. Dennoch war das Album bei all seiner Klasse immer ein Stück weit im Windschatten meiner absoluten Favoriten unterwegs. Für ganz oben hat es nie gereicht. Und so ist es auch jetzt. Dennoch ein nahezu makelloses phantastisches Album. Ab hier konnte die Band eigentlich fast alles machen, solange es noch nach Enslaved klingt. Und das bekommt halt kaum eine andere Band so toll hin. Ein Album, das wohl mehr als jedes andere wie aus einer düsteren kosmischen nebligen Wikinger Parallelwelt klingt. Entrückt, kalt und sphärisch, aber (ganz wichtig!) eben nicht „verschwurbelt“.
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Freitag 12. Februar 2021, 11:58

Havoc hat geschrieben:Platz 7

Below The Lights (VÖ: April 2003, Spielzeit: ca. 46 min)

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Hier haben wir es mit dem allerersten Album zu tun, welches wirklich die sogenannte Neuzeit der Band einläutet. Und es ist das erste, auf dem Arve Isdal (Ice Dale) solieren darf. Enslaved klingen hier erstmals so richtig fluffig und fließend nach einer verwobenen Black/Prog-Einheit mit Viking Wurzeln. Man könnte sagen, der Schmetterling entfaltet sich nach dem langen Verwandlungsprozess erstmals in seiner ganzen Pracht und fliegt langsam aber schon ziemlich selbstbewusst, stolz und stilsicher los. Ein Höhepunkt ist ganz klar das neunminütige „The Crossing“, das mit Akustikgitarren eröffnet wird und dann immer weiter aufgebaut wird. Auch wegen dieses Songs stand „Below The Lights“ eine lange Zeit sehr weit oben in meiner Rangliste. Aber es wurde nach und nach doch noch von vermutlich besseren Alben überholt. Und dann der Beginn des nächsten Songs „Queen Of Night“! Wie kommt man darauf? Irgendwie genial. Ganz stark. Das folgende „Havenless“ beginnt dann wieder ganz anders und eigen. Ein besonderes Album ist es in der Tat, da es die Schnittstelle zwischen Alt und Neuzeit am besten verkörpert. Und ich habe schon oft festgestellt, dass gerade diese Alben oft Highlights oder auch einfach etwas Besonderes sind. Definitiv auch eines der allerwichtigsten Alben in meinem Prozess dahingehend, nachhaltig ein Enslaved-Fan zu werden und zu bleiben. Das Cover ist so gesehen perfekt. Es ist zweigeteilt. Man könnte es tatsächlich so interpretieren, dass man ein Stück weit noch in der „schwarzen“ Vergangenheit verwurzelt ist, und dennoch zu neuen (helleren) Ufern aufbricht. Ich denke aber mal, dass das wohl eher Zufall ist. Vielleicht auch nicht. ;-)


Below The Lights:
Ich hatte ja einige Enslaved Alben auf einmal gekauft. Nachdem mir aber die „Monumension“ so wahnsinnig gut gefallen hat, war ich dann aber auch schon gespannt wie das Nachfolgealbum klingen mag. Welche Punkte stechen heraus? Worin liegen die Stärken und Schwächen dieses Albums?

Ich finde „Below The Lights“ ist ein Album, dessen Sound nochmal transparenter ist als zuvor. Zudem wirkt es gar nicht so ausufernd und ausladend, wie man denken könnte.

Was mir aber an diesem Album mit am besten gefällt ist diese melancholische Grundstimmung, die sich mir aber auch erst nach und nach erschlossen hat. Ein sehr nachdenkliches, ja gar ernstes und erwachsenes Werk welches uns hier präsentiert wird. Man braucht sich nur den Opener „As Fire Swept Clean The Earth“ anhören.

„The Crossing“ ist zum Beispiel ein Song, der die ersten 4 Minuten komplett ohne Gesang auskommt und wieder diese Ernsthaftigkeit mit sich trägt. Das nimmt eine ganz eigenständige Entwicklung, die für mich hier zum ersten Mal Teil der „Enslaved“ Musik ist. Der Sound des Albums geht schon fast in die Post-blackmetallische Richtung. Würde aber nicht sagen, dass ich da ständig das Gefühl von habe. Auch kriegt es die Band irgendwie sehr gut hin, psychedelische Elemente in den Sound miteinfließen zu lassen, ohne es Überhand nehmen zu lassen. Oder anders ausgedrückt, finde ich, das spielt sich so stark im Unterbewusstsein ab, dass es einem erst bewusst wird, wenn man in das Album eingetaucht ist und so langsam Strukturen erkennt. Das Album macht deshalb sehr viel mit einem. Mich zumindest stimmt es auch immer sehr nachdenklich.

„Queen Of Night“ und „Harvest“ sind die herausstechenden Songs des Albums. Liegt aber vielleicht daran, dass sie von der Herangehensweise noch eher an „Enslaved“ erinnern, als es der Rest des Albums tut. Ich bin mir da aber sehr unschlüssig, ob das wirklich so ist oder umgekehrt. Aber es sind definitiv tolle Songs.

Mein liebster Song des Albums ist aber das letzte Stück „A Darker Place“. Die Verbindung der Akustikgitarre in Verbindung mit dem dramatischen Einsatz der E-Gitarre ist meiner Meinung nach grandios.

Mein Ranking:

1. Frost
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
6. Blodhemn
8. Mardraum (Beyond The Within)
9. Below The Lights
10. Utgard
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