Ich hatte gestern ein kleines Coming Home in Sachen extremerer Metalkonzerte. War im Cat Café in der Ulmer Festungsanlage am Michelsberg, und dort spielten gleich acht Krawallkombos auf. Da der Samstag traditionell mit Gartenarbeit und derlei Kram belagert ist, konnten wir nicht um 14.00 Uhr für die ersten Bands da sein, aber pünktlich zu BITTERNESS waren wir dann doch vor Ort, was wichtig war, da BITTERNESS bekanntlich toll ist und deren Sänger Frank Urschler in zwei Wochen mit seiner anderen Band STORMHUNTER bei unserem Festival spielen wird. Tolle Thrash-Band, amtlicher Auftritt.
Doch was in den Erkenntnisse-Thread gehört, kommt erst danach, denn in dieser Reihenfolge haben dann gespielt: ENDLESS CURSE, ARROGANZ, NOCTEM und INFERNAL CROWN. Das förderte die Erkenntnis, dass ich - konzerttechnisch - viel zu lange im Traditionsstahl-Zirkus festgehangen bin, und deshalb tatsächlich seit 1995 nicht mehr auf einem richtigen Black/Death-Metal-Festival war. Ein Fehler, denn gerade die Spanier von NOCTEM haben mir gezeigt, wie toll ich das nach wie vor finden kann, wenn jemand in Sachen Bühnenperformance so richtig den "Dead" gibt, will sagen, von der Attitüde der frühen zweiten Welle geprägt ist. So sieht das dann aus:
https://www.youtube.com/watch?v=h_hc30VHFbkUnd in einem alten Gewölbekeller mit meterdicken Mauern und 50 Leuten Fassungsvermögen vor der Bühne, ist das alles natürlich noch viel purer, als auf dem Video vom Bloodstock. Tolle Show von NOCTEM und trotz des wüsten Oufits nachher am Merch super nette Jungs.
Hätte am liebsten nachher von allen Bands ein paar (oder alle) CDs mitgenommen, aber so viel Geld hatte ich gar nicht dabei und die Diskographien sind teils schon recht unübersichtlich. Am Ende wurden es dann die beiden jüngsten Alben von MORTEM für den Moment, nach mehr halte ich Ausschau.
Wichtig aber: Wenn die Stimmung passt und die Band ihre Sache gut macht, dann ist mir mein guter alter traditioneller Black Metal noch immer sehr lieb und teuer. Auf Platte weiß man das ja eh, aber die Wirkung des Gigs hat mich dann doch echt überrascht, gerade von einer Band, die vorher nicht zum Favoritenkreis zählte oder auch nur auf dem Radar war.
Es ist immer wieder faszinierend, wenn mir wieder bewusst wird, wie sehr mich der alte BM-Stil für sich einnimmt. Zwar sind die meisten meiner absoluten Lieblingsbands unterm Strich doch traditionsmetallischer Prägung (und natürlich die frühen BM-Helden der 1990er), aber der traditionelle BM ist tatsächlich das einzige Genre, das mich insgesamt so sehr einnimmt, dass auch schlicht "generisch gute" Sachen nur ganz selten mal nicht berühren können.
P.S.:
Ach ja, Besuch war gut. Denke, dass gut über 100 Leute da waren; im Cat ist es dann vor der Bühne immer etwas kuschelig, da aber nie alle Leute alle Bands komplett anschauen wollen geht's schon. Vor allem, wenn man mal die hinteren Eingang bei den WCs zur Bühne gefunden hat, kommt auch an einen Platz wo kaum jemand steht und man gute Sicht zur Bühne hat. So ist das halt, mit Gewölbekellern in alten Festungsanlagen.

alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38