Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Martin van der Laan » Mittwoch 26. Juli 2023, 19:20

:bier:
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 27. Juli 2023, 15:46

Pillamyd hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Hui, bei VIPER habe ich nur die ersten beiden (coolen) Alben, die ich zwischen STRATOVARIUS, HELLOWEEN und EDGUY einsortieren würde - was bei mir ja voll als Qualitätsmerkmal gilt.
Diese kenne ich noch nicht.


Hattest du dich nicht zur gleichen Zeit bestellt gehabt wie ich :?


Völlig möglich. Ich weiß teilweise gar nicht mehr, was ich früher mal hatte.
(und stehe auch heute immer mit Musik-Sammler offen aufm Smartphone bei Plattenbörsen, da ich Sorge habe, Dinge zu kaufen, die ich schon habe :grins: )

Ich meine aber auf jeden Fall, bei der Spielrunde dabei gewesen zu sein.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 2. August 2023, 11:23

Platz 98

Bild
Type O Negative | World Coming Down
Genre: Gothic/Doom Metal
VÖ: 1999


Ich bin relativ spät zu dieser Band gestoßen, obwohl ich die Band schon relativ früh zur Kenntnis genommen habe. Denn ich hatte eine kleine kleine Annäherungsphase mit der "Dead Again", hielt aber nicht sehr lange. Irgendwann habe ich mir 5 Alben günstig geschossen. Aus diesen 5 Alben ist bei mir vor allem die „World Coming Down“ hängengeblieben.

Type O Negative polarisierten. Egal ob in ihrem Auftreten oder in ihrer Musik. Steele wusste, wie man Salz in die Wunden streut. Manches war nachvollziehbar. Manches nicht. Manches war atemberaubend, manches nicht. Ich weiß, dass die Band nicht bei jedem beliebt ist und das kann ich teilweise schon auch verstehen. Aber ich glaube da etwas für mich zu erkennen in der Musik was mich fasziniert.

Dieses Album gehört für mich definitiv zu den atemberaubenden Momenten.
„World Coming Down“ dröhnt, wie zähflüssige giftgrüne Lava, fließt es in Form eines Album ins Tal, lädt dieses zum Zerbersten statisch auf und verbreitet eine industriell/apokalyptische Atmosphäre, die sehr beklemmend wirkt. Kein Album, dass man täglich hören kann. Wenn es aber läuft, zeigt es Wirkung und ich bin jedes Mal zerknirscht, von den Eindrücken, die man gewinnt. Nach jedem Durchlauf. Die Gothic Elemente, die man sonst so von der Band gewöhnt ist, werden meinem Empfinden nach stark zurückgeschraubt und zeigt sich höchstens in dem Gesang von Steele. Hier wird der Doom auf "Type O"-Art zelebriert, so wie man es von keiner anderen Band kennt. Dieser Mix aus mutiertem Stoner Rock im industriellem Touch, taugt mir einfach. Verwirrt? Ja, mit Sicherheit. Bin ich auch…jedes Mal. Die Musik spricht für sich. Waren die Themen bei der Band schon immer schwere Kost, so wirkt der Gesang auf diesem Album schon wie das helle Kerzenlicht in einem stockfinsteren Raum, so dass man schon auf die Texte achten muss, um die Abgründe...na ja...zu ergründen. Und wer dann noch genau zuhört, merkt hin und wieder Mal Einflüsse, die man nicht vermutet hätte, von denen man nicht gewagt hätte zu denken, dass das in irgendeinem Sinne zusammenpassen könnte.

Ein einzigartiges Album, das gar nicht so leicht ist zu erörtern. Deswegen bleibt das hier jetzt so abstrakt.

Hörbeispiele:
Everyone I Love Is Dead
Who Will Save The Sane?
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Eike » Donnerstag 3. August 2023, 00:57

Irgendwie wirkt TO- auf mich oft wie eine humorbefreite Satire, klischeeerstarrtes Malen-nach-Zahlen. Aber die "World Coming Down" hat ihre Momente.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 3. August 2023, 10:52

Ich mag bei weitem auch nicht alles, was die Band veröffentlicht hat. Mir macht in den meisten Fällen auch die Länge der Alben zu schaffen. Auf die Band muss man definitiv Lust haben.

Meinst du mit humorbefreite Satire die Darstellung der Band nach außen, oder auch die Musik? Bei ersterem würde ich dir zustimmen. Das ist manchmal schon ganz schön komisch gewesen. Ob das für die Musik gilt, das kann man wohl so sehen, muss man aber nicht. Das Rad hat die Band mit ihrer Musik grundsätzlich nicht neu erfunden. Aber mit Sicherheit, haben sie mit ihrem Sound, etwas hinterlassen, dass schon irgendwie Gewichtung hat. Ob man das jetzt authentisch findet oder nicht. Ich finde ja zum Beispiel, dass der Sound durchaus was künstliches in sich trägt. Aber tatsächlich ist es genau das, was ich wirklich großartig finde! Auch wenn Alben durchhören immer eine Schwierigkeit ist, so kann ich die "World Coming Down" ohne große Probleme durchlaufen lassen.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 3. August 2023, 16:26

Im Gegensatz zu vielen anderen Metalfans, die hauptsächlich in den Neunzigern geprägt wurden, hatte ich damals ja eher die Neigung hin zu den Extremen des Metals, namentlich zum nordischen Black Metal, und daher eine gewisse Skepsis gegenüber den zahlreichen Bands, die in jener Zeit Schlenker gen Gothic machten, aber trotzdem hat TYPE O NEGATIVE schon einen gewissen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Alben kannte ich alle von Anfang an, durch die Videoclips auf MTV, und natürlich durch die Kumpels, die mir was überspielt hatten. Als physischen Tonträger gekauft habe ich mir allerdings in der Tat das hier besprochene Album als erstes und lange Zeit auch einziges, weil ich es mal in einer Wühlkiste für nen Fünfer gefunden hatte. Der Rest kam dann tatsächlich erst viel, viel später, namentlich anno 2016 als Komplettorder beim Mops.

Aus heutiger Sicht schätze ich die Band sehr, als einerseits durch und durch originelle, eigenständige Größe jenseits der konventionellen Genreschubladen, und andererseits auch als sehr stilprägende und zeitgeistige Band der 1990er, die wie wenige andere Truppen die kommerziell erfolgreiche, durchaus auch ein wenig massenkompatible aber dennoch nicht wirklich mainstreamige oder trendorientierte Seite der Metalmusik dieser Dekade repräsentiert.

So komplett zum Fan bin ich nie geworden, wohl wegen der durchaus präsenten Längen, die du, Pillamyd, ja auch angesprochen hast. Bisweilen sind mir diverse Songs auch zu ruhig und etwas dröge, aber nie so sehr, dass ich keinen Gefallen an einem Album fände. Mit der "October Rust" hatte ich einige Zeit lang gewisse Probleme, weil die nach dem härteren, noch dezent von der früheren Band des Frontmanns geprägten Frühwerk und den rockigen Blutküsschen dann doch sehr reduziert war. Das vorliegende Album - es läuft heute hier - war dann wieder ein Schritt in die richtige Richtung, da im Großen und Ganzen doomiger und heavier.

Ein bisschen beklemmend ist es indes, und das zum Guten wie zum Bösen, und deshalb höre ich es selten. Zum Guten, weil Pete die Lyrics sehr authentisch und greifbar emotional herüber bringt und man ihm diese depressive Stimmung absolut abnimmt. Zum Bösen, weil ich mich in den Texten leider allzu oft wiederfinde und wiederfand, gerade in jener Zeit, als TYPE O NEGATIVE so richtig groß war. Mir lag es näher, mit Trauer, Verlusten und Verlustängsten eskapistischer umzugehen als konfrontativ. Daher lieber Black Metal, Pagan Metal und Fantasy als doch sehr irdischer Nihilismus und ungeschönte Aufarbeitung solcher Ereignisse und Emotionen.

Trotzdem: Sehr gute und stilprägende Musik. Und ich liebe die grünschwarze TYPE O-Ästhetik. Zwar die zweite NY-Band, mit derselben, aber egal... passt zu ihr.
alias Hugin der Rabe.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 3. August 2023, 21:34

Wow!
Danke Rüdiger für deinen ausführlichen Einblick. Mich ärgert es gerade, dass ich nicht so sehr auf die Stimme von Steele eingegangen bin. Aber das hast du hiermit getan und ich stimme zu. Ich finde diese tiefe Stimme immer als sehr laut auf den Alben. Sie ist halt markant ohne Ende und wenn sie dann mal noch oben ausbricht, zeigt das bei mir Wirkung. Das geht unter die Haut.
Wir scheinen da aber bei der Band ziemlich vieles ähnlich zu sehen :)
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 3. August 2023, 23:28

Pillamyd hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Nachher mal raus legen!

Und? Schon aufgelegt? :)


So, Album lief jetzt. Das ist natürlich sehr gut. Allein der völlig abgefahren heisere Schrei-Gesang von Michael Coons reicht, um hier zumindest mal10 Originalitäts-Punkte zu vergeben. Das komische ist, dass das für mich noch immer nur ein Grenzgänger in Sache Thrash-Stilistik ist. Das ist jetzt völlig wertfrei, aber ich höre da halt eher schnellen Heavy Metal und sogar ziemlich viel 70er Hard Rock aus den Gitarren heraus. Es mag diese Schmutzigkeit sein, die mich an frühe Nazareth oder Aerosmith erinnert. Nur halt schneller. 'Last Breath' ist natürlich ein absoluter Kracher. Feist!
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 3. August 2023, 23:34

Viper habe ich damals ausgelassen. So richtig weiß ich gar nicht mehr warum. Es spielt sicherlich ein Vorurteil geographischer Natur hinein. Aber jetzt, wo das läuft, erinnere ich ich wieder. Das war mir für Speed zu langsam und der Sänger quietschte noch hoch genug. Für melodische Power Metal fand ich den Sänger nicht spannend genug und Widerhaken aka Ohrwurmfutter gab es für mich auch nicht. Manchmal hört man mit komischen Ohren.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 3. August 2023, 23:47

Peter Negative.

Komplexes Thema für mich. Ich war von der ersten Carnivore fasziniert. Das war roh, finster und morbide. Das einzigartige Soundbild machte mir allerdings sehr zu schaffen, sodass zumeist Livetapes liefen. Peters' Gesang erzeugt meterdicke Gänsehäute. Dann war ich von etlichen Aussagen der Band massiv irritiert und auch die Symbolik wurde für so einen links-versifften Kauz fragwürdig. Komisch, dass ich mich an anderen Bands (Slayer) nie gestört habe. Obwohl ich "Retaliation" super fand, habe cih das damals nicht gekauft.

Als dann Type O rauskam, war ich komplett angenervt. Alle Welt fand das super und auch die Presse ging steil. Das Hyper-Syndrom. Dann war ich bei einem Interview eines Kollegen bei einem Face-2-Face Interview mit Peter dabei. Der gute Mann war sehr höflich und hatte ein unfassbares Charisma. Auf die Frage, weshalb man Songtitel wie 'Der Untermensch' nehmen müsse, antwortete er, ob wir glauben würde, er würde sonst so viel Presse bekommen. Blooy ehrlich, der Mann, aber für mich eben schlimm. Damals zumindest. Die Coverversion von 'Planet Caravan', die bei uns überall lief, fand und finde ich ganz gruselig.

Ansonsten habe ich kein Kopfkino mehr an, wenn Type O läuft. Allerdings kann ich die Musik nicht gut finden, weil ich diesen bewusst waberig-verwasschenen Gitarrensound nicht ertrage. Musik hinter Milchglas. Nicht greifbar vielleicht auch daher dieses Stimmungsbild, welches auch mich erfasst. Ich finde es fast ärgerlich, dass mich dieser Kalng so abtörnt, denn die Stimme ist sensationell und diese Atmosphäre ich Fear-Of-God gleich. Dazu noch diese wunderbare Farbenspiel asu Grün und Schwarz. Ich möchte es lieben, geht aber nicht.
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