Pillamyd hat geschrieben:Platz 97
Soul Cages | Soul CagesGenre: Progressive Metal
VÖ: 1994
Heute angekommen, und es ist nun der Erstdurchlauf im Gange. Kommentare on the fly:
Schönes Intro, das mit Dynamik spielt. Man ist versucht, die Anlage laut zu drehen, um dann den Föhn zu bekommen. Der Einstieg blubbert im rhythmusbereich lebensfroh und positiv vor sich hin, durchaus vertrackt, dabei nicht wirklich hektisch, sondern eher auf eine relaxte Weise jazzig. Der Fadeout des Openers ist etwas abrupt, da hätte ich ein zu Ende komponiertes Lied erwartet.
Der zweite Song ist dunkler, verträumter, die Drumpatterns auf der Ride sind cool. Hatte ich mich im Opener noch gefragt, wo denn hier der angesprochene Frauengesang sein soll, finde ich ihn jetzt. Ist ein schönes Duett, das fein ins Gitarrensolo führt. Ja, gut, natürlich schon genreproggig par excellence, aber das macht ja nichts, wenn es gut ist, und das ist gut. Der Bass schiebt schön hinterher nach dem Gitarrensolo. Kann was. Hoffentlich nicht wieder Fade-out... wäre schade bei knappen Siebenminüter... yeah, auf de Punkt im Zupfgitarrenfinale. Topp!
Off-beat-Bass zum Einstieg der Nummer 3. Wieder dieses rhythmische Blubbern in der Art und Weise eines Zimmerspringbrunnens, wie er in den Achtzigern Mode war. Erinnert ihr euch? Egal. Nimmt Fahrt auf. Härtester Song bisher, zumindest in Teilen, gerade am Anfang stehen schöne Riffs als Break-Marker da. Das Mittelstück ist dafür trippig, neoproggy, britisch angehaucht. Der Bass arbeitet hier schön dominant die rhythmische Struktur heraus, bis die Klampfe wieder übernimmt, die frikkeljazzige Elemente allerdings nur andeutet und nicht voll durchzieht, wie dies etwa bei Civil Defiance der Fall wäre.
'Mindtrip' bahnt sich an, mein bisheriger Favorit zu werden. Das hat ein bisschen dieses Bardenhafte, auf das ich ja total abfahre. Die voluminöse, akustische Bassgitarre ist toll, und hier finde ich den Gesang von Beate richtig bereichernd. Wunderschön arrangiert. Ist das ein Oboen-Sample? Auch hübsch. Allgemein mag ich als doch ein wenig gesangsfixierter Mensch, dass bei diesem Song beide Stimmen sehr stark im Vordergrund stehen. Bardenstil ist halt einfach meins.
Die erste Halbzeit ist vorbei, weiter geht's mit 'Actors Of No Return', das sich direkt anlässt, wieder etwas heavier zu werden und auch die Stromgitarre wieder nach vorne rücken lässt. Hier ist der Duett-Gesang etwas quirky, als Sängen sie gegen einander an, mit der einen oder anderen gewollten Dissonanz. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, da es den harmonischen Fluss etwas stocken lässt, gerade im Zusammenspiel mit der widerborstigen Rhythmik. Hmm... zum Ende hin wird es flüssiger und harmonischer.
So, nun noch das große Finale: Die Bandhymne mit Intro und Outro, wenn man so will. Der Auftakt mit der gezupften, echobeladenen Steelguitar und dem Synth ist fein, sehr schwelgerisch, so Sachen mag ich; das Hauptmotiv erinnert mich etwas an "The Sound of Silence". Der Hauptsong fängt ein wenig mathematisch an, von der Rhythmik her, und ein bisschen scheinen sich beim ersten Hören die Rhythmik und der Flow im Wege zu sein. Der Refrain scheint ein bisschen zu stocken, weil für mein Empfinden der Sprachduktus einen kleinen Tick zu gekünstelt wirkt, um die emotionalen Lyrics richtig an den Empfänger "Herz" zu liefern, aber das kann sich noch verwachsen, bei weiteren Durchläufen. Das Gitarrensolo fegt schön über den rhythmischen Teppich hinweg und verliert sich ein wenig im Trippigen, was ich aber hier sehr gelungen finde.
Erster Eindruck ist, dass ich es hier mit einem schönen, vielschichtigen und interessanten Album zu tun habe, dass ich es aber ein Stück weit so empfinde, als sei die Band zu dem Zeitpunkt noch nicht ultimativ von der Muse geküsst. Will sagen, dass sie - um eine Analogie zur Literatur zu wählen - hier noch mehr Songbuilder als Songgrower zu sein scheinen. Die Stücke wirken handwerklich sauber und kompositorisch spannend konstruiert, aber die Ambition, viele Facetten einzubauen, geht für mein spontanes erstes Gefühl noch ein bisschen zu Lasten des natürlichen, vitalen Flusses mancher Passagen.
Aber das Interesse ist geweckt, sowohl an weiteren Durchläufen des Debüts als auch an der weiteren Entwicklung auf den folgenden Alben.
Daher nochmals danke für den Tipp!
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38