Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 12. Oktober 2023, 11:38

Platz 88

Bild
Faith No More | We Care A Lot
Genre: Alternative was auch immer(?)
VÖ: 1985

In meiner Welt ist liegt es wohl einfach in der Natur, dass besonders Debüt Alben eine starke Anziehungskraft auf mich haben. Ich sehe schon die Kommentare, die folgenden Alben viel besser finden. Und mit Sicherheit sind das alles großartige Alben. Augenscheinlich sind es immer die gleichen Gründe warum bei mir vor allem Debüt Alben immer wieder Erwähnung finden. Die lest ihr aber dann auch raus (oder habt es schon).

Wie beschreibt man eigentlich die Musik von „Faith No More“? Alternative Rock? Crossover Metal? Ich habe so meine Probleme mit der Bezeichnung. Und damit habe ich mir wohl den ersten Bock geschossen, immer das Genre mit anzugeben. Denn so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Obwohl da sicher viel Wahrheit drin steckt. Aber gerade das Debüt ist doch so viel mehr. Führt man sich das Eröffnungsdoppel zu Gemüte, erkennt man vor allem den starken New Wave Einschlag, der von monotonen, gemeingefährlichen Gitarren geprägt ist, welches mit einem erstaunlichen Keyboard Klangteppich nur so getragen wird. Jetzt mag der ein oder andere behaupten, dass die Keyboards in ihren Einsätzen kaum Variation bieten und ehrlich gesagt, stimmt das auch. Aber hier, auf diesem Album ist mir das vollkommen egal. Denn die Abwechslung kommt von einer anderen Ecke. Ich finde, die Band war unfassbar innovativ. Wo die „Red Hot Chili Peppers“ unglaublich funkig, konfus und schnell agierten. Bietet „We Care A Lot“ eine etwas leichtere, nicht weniger frische aber auch eine zielgerichtetere Version. Keine Ahnung, ob dieser Vergleich bei irgendjemanden von euch ankommt. Aber ich vergleiche das immer sehr gerne. Vor allem weil das Klangtechnisch näher ist, wie man vermuten mag. Aber vielleicht ist das auch nur mein Kopf, der so denkt.

Das erstaunliche ist, wie ich finde, wie dem Album, trotz diesen modrigen Geruch von Post-Punk und New Wave, diese Frische Art nicht abhandenkommt. Hier und da blitzt der Bass hervor. Der Gesang, zeigt sich ab und an von seiner offenen Seite. Die Produktion lenkt das Album öfters einmal in eine etwas ungelenkige Art. Aber das macht für mich eben den Reiz. Das höre ich halt einfach sehr gerne. Der Band gelingt, in my opinion, der schmale Grat, sich zu verlieren und sich doch wieder auf die Linie zu katapultieren. Das ist ausufernd und doch kompakt.

Hörbeispiel:
We Care A Lot
The Jungle
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 12. Oktober 2023, 11:56

Yes!Yes!Yes!

Die Frühphase von Faith No More finde ich ganz toll und die Gründe beschreibst Du ganz wunderbar. Aber langsam mit den Huftieren. Gestolpert bin ich über die Band mit "The Real Thing", die ich als Portokiller bei Groovers Paradise mitbestellt hatte. Ich kannte natürlich keine Note von der Band, war aber Ende der 80er bereits auf der Suche nach neuen Klängen. Das Album hat mich dan komplett abgeholt, denn die Mixtur aus Jims teils brachialer Gitarrenarbeit und den wavigen Klängen daneben, sowie natürlich den komplett abgedrehte Patton-Moves, - Lyrics und Ideen, ergaben eine außergewöhnliche Mixtur. Die Tour mit Prong als Support war dann eine Offenbahrung und das kostenlose Konzert in der Hafenstrasse ebenfalls. Rockstars, die keine waren. Zugabenteil aus zugerufenen Cover-Wünschen. Ein Träumchen. "We Care A Lot" ist dann zwar one Mike, aber die Musik ist roher. Man merkt die Aufbruchstimmung innerhalb der Band. Ich mag zwar "Introduce Yourself" am liebsten, aber diese Scheibe läuft hier auch gern.
Das Tolle daran: Sie klingt immer noch frisch.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 12. Oktober 2023, 12:12

Ha!
Ich wusste du, dass hier die Gemeinsamkeit liegt. Ich kannte eine Zeitlang nur die Coverversion von "Easy". Der Name war mir durch Hetfields tragende T-Shirts bekannt :grins:
Aber mit der "Sol Invictus" kam dann die Beschäftigung. Die mir auch gut gefallen hat. Aber die Frühphase ist halt sehr faszinierend. So wie du geschrieben hast: Sehr frisch!

Ich habe das Album gerade noch einmal laufen lassen. Ich bekomme einfach gute Laune bei dieser Art von Musik.

Hui, ich bin gerade so im Fluss, ich könnte die nächsten Platzierungen veröffentlichen. Andererseits, möchte ich nicht von meiner Routine abkommen und nicht überfordern. Na, mal schauen...
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon frankjaeger » Donnerstag 12. Oktober 2023, 12:17

ich halte ja "Angel Dust" für die Spitze der FNM-Disko, aber ich gehe sonst bei fast allem Gesagten mit.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 12. Oktober 2023, 14:27

Fast? Was denn nicht? Oder ist es einfach die Auswahl des Albums, an Stelle von "Angel Dust"? :grins:
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 12. Oktober 2023, 23:39

FAITH NO MORE kann ja an sich alles, was ich nicht mag. Oder besser: Was ich in den Neunzigern meinte, nicht zu mögen. Crossover zu allerlei Genres, eine alternative Attitüde, keine metallische Legende, funky Rhythmen, Keyboards, Samples undsoweiter. Was New Wave und Post Punk sind, wusste ich nie. Und doch ist es passiert, dass die Band es schon damals geschafft hat, auf meinen Schirm zu geraten. Also natürlich nicht 1985, sondern dann später mit Herrn Patton und "The Real Thing", 'From Out Of Nowhere' und 'Epic', Anfang der Neunziger. Natürlich irgendwie gehasst, weil kein Metal, aber doch nicht gehasst, weil eigentlich ja doch gar nicht so schlecht. Ich mochte die melodischen Gesangselemente von Patton immer, wenn dann Crossover-Einflüsse aus HipHop und Funk ankamen, war "The Trve Me" aber natürlich professionell angepisst.

Trotzdem hat mich FNM nie so sehr abgetörnt wie viele andere Crossover- und Alternative-Kapellen es seinerzeit taten, oder später dann die nahezu komplette Nu-Metal-Posse. Was letztlich passieren musste, dass ich mir tatsächlich irgendwann im Herbst 2016 dann doch die ganze FNM-Diskographie ins Haus geholt habe (bis auf das damals aktuelle Comeback-Album), das weiß ich gar nimmer. Lässt sich bestimmt hier im Forum nachlesen, was da los war. Ich glaube, es hatte mit dem Soundcheck zu tun. Ist aber auch egal, was der Trigger war, der tiefere Grund ist, dass ich immer mal wieder einen kleinen Substance-over-Image-Anfall habe, und dann meiner Erkenntnis Tribut zolle, dass originelle und eigenwillige Qualitätsbands doch nicht unbedingt die reine Lehre befolgen müssen, um meine Aufmerksamkeit zu verdienen. Meistens verdränge ich das zumindest in Sammlerdingen dann doch recht erfolgreich, aber eben nicht immer, und dann passiert so etwas.

"We Care A Lot" ist ein Hammeralbum. Der Bass ist ein Traum, die Dynamik ebenso, der funky Groove, auch der Sprechgesang und die Keyboards rulen derbe. Das ist gleichermaßen abgedreht wie es zwingend ist, spacig und erdig zugleich, es trägt dich einfach so durch die Platte, in einem Flow. Die New-Wave-Gedanken kann ich heute auch nachvollziehen.

Einfach ein cooles Ding, das anno fuckin' 1985 schon klang wie tief aus den Metal-Neunzigern und aus den Pop-Achtzigern zugleich. Das macht es irgendwie zeitlos, und - wie du sagst - auch genrelos. Ich nenne das immer eine Band und ein Album "sui generis". Ist wie nichts anderes, dabei aber immer emotional packend und die Seele tragend - ein größeres Kompliment kann man Musik kaum machen, denke ich.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon frankjaeger » Freitag 13. Oktober 2023, 16:21

Pillamyd hat geschrieben:Fast? Was denn nicht? Oder ist es einfach die Auswahl des Albums, an Stelle von "Angel Dust"? :grins:


Genau.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon kingdiamond » Samstag 14. Oktober 2023, 02:07

Pillamyd hat geschrieben:Und mit Sicherheit sind das alles großartige Alben. Augenscheinlich sind es immer die gleichen Gründe warum bei mir vor allem Debüt Alben immer wieder Erwähnung finden. Die lest ihr aber dann auch raus (oder habt es schon).


FAITH NO MORE - das hat mich aktuell schon etwas überrascht…beim näheren Nachdenken hätte man aber durchaus drauf kommen können, dass dir die zusagen! :)

Oben das Zitat musste ich mal rausnehmen, da es mich den Tag über beschäftigt hat. Ich habe dann bei mir drüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich die Aussage bei mir nicht unterschreiben kann. Hab dann aber auch wieder andere Beispiele gefunden.
Ohne statistische Belegung:
- „große“ Bands mit „vielen Alben“, die ich erst später für mich entdeckt habe, da gilt bei mir die Debüt-Regel nahezu nicht (Maiden, Priest, FW, Ayreon, Blind Guardian, selbst DT nicht)
- kleinere Bands mit wenigen Alben, bei denen ich in der „Entdeckungsphase“ dabei war (ab 2000), da gilt desöfteren die Regel

Ok, nun zum Album: ganz nett, mehr leider nicht. Warum? Hier bei mir stehen die „Angel Dust“ und die „The Real Thing“ im CD-Regal. Sie gehören nicht mir persönlich, jedoch habe ich sie in den letzten 20 Jahren schon hin und wieder mitgehört. Ich finde die Band ganz gut, keine Frage. Jedoch bewegte mich das Gehörte bisher nie dazu „mehr entdecken zu wollen“. 2 Alben und diese gut hörbar - zufrieden. So der Zustand. Das Hören des Debüts vorhin konnte exakt nichts daran ändern.

Fazit: Gute Band und sicher auch ein gutes Album, aber mir reichen wohl die beiden oben genannten Alben. Von selber hör ich die allerdings auch nie. ;-)
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Martin van der Laan » Samstag 14. Oktober 2023, 09:48

Ich bin ja auch ein großer FAITH NO MORE-Fan, wobei mir sich mein Interesse nach "Angel Dust" etwas im Sande verlaufen hat. Weiß gar nicht so genau warum... "Album Of The Year" habe ich noch gekauft, aber eher selten gehört. Gute Platte, hat bei mir aber nicht so richtig gezündet. Ich kann mich aber noch gut an Parties erinnern in den frühen 1990ern, wo 'From Out Of Nowhere' und 'Epic' raus und runter liegen. Von "The Real Thing". Summa summarum vermutlich eine der spannendsten und kreativsten Bands der harten Rock- und Metal-Geschichte.
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Re: Einhundert Umarmungen sind es mir wert! - Pilles Top 100

Beitragvon Pillamyd » Samstag 14. Oktober 2023, 13:09

kingdiamond hat geschrieben:FAITH NO MORE - das hat mich aktuell schon etwas überrascht…beim näheren Nachdenken hätte man aber durchaus drauf kommen können, dass dir die zusagen!


Das ich damit überrasche, hätte ich nicht gedacht. Ist doch an vielen Stellen des Forums zu lesen, was mich musikalisch so umtreibt.


Ich möchte mich an dieser Stelle aber auch einmal bedanken!
Der Austausch hier und in den anderen Threads ist famos und man darf viele interessante Meinungen lesen. Es geht sogar so weit, dass sich daraus ganz eigene Themen ergeben. Beim letzten Mal ging das sogar für mich tiefer, als ich zunächst vermutet habe. Das freut mich ungemein und ist das was ich an diesem Forum so toll finde. Gerne mehr davon!!! :dafuer: :dafuer: :dafuer:

Da ich den Schwung so großartig finde, habe ich mich gleich an die nächsten Plätze hergemacht und kann es eigentlich kaum abwarten, diese hier reinzustellen. Noch halte ich mich zurück, von meiner Routine, dass hier jeden Mittwoch ein neuer Platz erscheint. Aber es kann gut und gerne sein, dass ich davon die nächsten Tage abweichen werde.
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