So... jetzt kommt etwas, mit dem man vielleicht nicht unmittelbar rechnen konnte, das sich aber ein Stückchen weit über die letzten Monate, vielleicht Jahre, durchaus abgezeichnet hat.
Gestern sind zwei Dinge passiert:
1.
Ich habe mit URIAH HEEP, SAXON und JUDAS PRIEST drei meiner langjährigen Lieblingsbands oder wenigstens sehr geschätzten Bands, deren Diskographie ich vollständig gesammelt habe, live gesehen. Meine Eindrücke dazu habe ich im Live-Thread ja bereits geschildert.
2.
Als ich heim gekommen bin, lag im Briefkasten eine ordentlich angeranzte gebrauchte "Smell The Magic"-CD von L7, die ich für 'nen Fünfer online geschossen habe.
Was machen wir daraus? In Ansehung des Threadtitels, meine ich.
Nun, ich glaube, ich mache daraus gleich mehrerlei erkenntnisrelevante Dinge:
A.
Mir geht überproduzierter Ballerkram mit unnatürlich überzogener Loudness, Effekten, Triggern usw... mehr und mehr und mehr auf den Zeiger.
B.
Ich habe nach über dreißig Jahren möglicherweise endlich verstanden, warum Post Punk, Grunge und Alternative den Metal doch nicht getötet haben, sondern ein Stück weit gerettet. Man hat gezeigt, dass es auch ohne Haarspray, Stadionrock und State-of-the-Art-Produktion immer noch möglich ist, einfach ziemlich unproduziert mit Klampfen, Bass, Amps, Drumkit und einem abgefuckten Schreihals am Mikro die Leute zu erreichen.
C.
Ich glaube, die verranzte L7-CD wird für mein künftiges musikalisches Leben einen nachhalterigen Einfluss haben, als das Legendenkonzert in der Olympiahalle.
Warum das alles?
Weil ein verdammter, räudiger, ungezähmter Rotzpunkgrungedoomsound aus den early 1990s jetzt ganz unabhängig von stilistischen und kompositorischen Qualitäten und Präferenzen einfach so viel mehr Spirit hat, als all die glattgezogene, hingebügelte, aufgeblasene, sterile Politursoße, die uns der moderne Metal über weite Strecken einflößt.
Ich bin hier und jetzt näher an Neudi... und an L7... nicht, dass die beiden viel miteinander zu tun hätten... als an Judas Priest und Saxon zusammen, obwohl ich die letzten Alben der British-Steel-Flaggschiffe total gerne hatte. Dieses gestrige Liveerlebnis war dramatisch.
Mir ist klar, dass das jetzt auch alles total verkürzt ist, und natürlich schwöre ich deswegen jetzt nicht dem Metal ab, aber hey... ja... musste einfach mal raus.

alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38