Metallica
No Repeat Weekend –
24. & 26. Mai 2024
Olympiastadion, München
Support:
Mammoth WVH
Architects
Ice Nine Kills
Five Finger Death PunchDay One:Seit etwas mehr als anderthalb Jahre ist sicher, dass ich „Metallica“ zum zweiten und dritten Mal live sehen werde. Die Kulisse eine andere. Das Setting ebenfalls ein anderes. Open Air – Olympiastadion ist das Ziel. Dass ich ausgerechnet innerhalb eines Jahres gleich 3 Mal in diesem Ambiente ein Konzert besuche, ist mir gestern erst bewusst geworden. Flixbus und Nachtzug machen das Spektakel zur Anreise sogar recht günstig, aber auch strapazierbar.
Nun, No Repeat Weekend ist das Motto dieser Tour. Sollte es irgendwer noch nicht mitbekommen haben, dem sei kurz das Konzept erklärt: In jeder Stadt, die „Metallica“ frequentiert, tritt die Band zweimal auf. Mit komplett unterschiedlichen Setlists. Das wars eigentlich auch schon. Ach ja, Mittelbühne. Snake Pit. Alles da, was man von der Band schon auch in ähnlicher Form seit Jahrzehnten kennt.
München ist also in diesem Wochenende im Ausnahmezustand. Nicht nur dass es einen Pop-Up Store während dieser Tage gibt, nein, am Samstag, der Ruhetag der Band kann mit Coverband, Backstage Partys, Lesungen und allerlei Kneipen Metallica Motto Partys überbrückt werden. Den Pop-Up Store wollte ich zunächst besuchen, habe ich dann aber geskippt. Und im Nachhinein hätte es so oder so nicht mehr funktioniert. Da der Flixbus an die 40 Minuten zu spät am Stuttgarter Flughafen ankam und der Stau auch noch so einiges an Verspätung hervorgerufen hat. Als persönliche Challenge habe ich es angenommen und bin, bzw. fahre nach jedem der zwei Konzerte wieder Richtung Heimat.
Mit der verstärkten U-Bahn bin ich dann Richtung Olympiazentrum gefahren und habe schon mitbekommen, dass die Schlange am Einlass "kilometerlang“ sein soll. Dass dann am unteren Eingang gar nicht so viel los war, hat mich verwundert. Aber ich war dann tatsächlich in 15 Minuten im Kessel. Die Stadt hatte vorgegeben, dass im Innenraum zur Bühne noch ein zusätzlicher Wellenbrecher aufgebaut werden muss und so ist es natürlich, dass einige gefrustet waren, weil sie nicht mehr reingekommen sind. Viele wussten davon auch anscheinend gar nichts. Da ich um 16.20 Uhr erst eingetroffen bin, habe ich nicht mehr damit gerechnet, dort einen Platz zu erhaschen. Aber es kommt nunmal anders als man denkt. Und dann stand ich da. Umringt von Menschenmassen, feierlaunigen Menschen und ein paar von denen, die sich nicht so ganz unter Kontrolle hatten. Aber in dieser Größenordnung muss man damit rechnen und ignorieren. Wenn man das raus hat, kann so eine Veranstaltung spaß machen.
Pünktlich um 18 Uhr kam dann die erste Vorband auf die Bühne. „Mammoth WVH“ traten auf. Ich kannte kein Ton der Musik und war überrascht, wie Modern das ganze geklungen hat. Leider stand der liebe Wolfgang so, dass ich ihn kaum sehen konnte und seine Gitarreneskapaden nur über einen der um die Bühne stehenden Türme beobachten konnte. Musikalisch hat mich das irgendwann verloren. Aber welche Fähigkeiten er geerbt hat, dürfte spätestens da jedem Bewusst gewesen sein. Leider alles sehr statisch und die komplette Donut Bühne wurde eigentlich nur von einem genutzt und das war der Bassist. Nach einer halben/dreiviertel Stunde war Schluss.
Und dann kam die zweite Band. „Architects“ heißen die und machen Musik, die nichts für meine Ohren sind. Allein das elektronische Intro verhieß nichts Gutes und das sollte sich leider bestätigen. Das war nichts. Schreihals trifft auf die immer gleichen musikalischen Aufbauten. Diese werden wiederholend durch irgendwelche Groovevariationen verstärkt. Gähnend und langweilig. Dass das dann aber auch einfach kein Ende nehmen wollte. Nun ja…irgendwann nach ca. 50 Minuten war Feierabend und dann wartete man gespannt auf 20:30 Uhr…
Und man wartete…und wartete…die Sitzplatzbesitzer liesen sich zu einer Laola Welle hinreißen die nicht enden wollte. Und dann vergingen glaube ich noch einmal knapp 15 Minuten bis endlich „AC/DC“ ertönte und brachte das Publikum auf Temperatur. Dazwischen gab es einige Bilder der Band mit Fans auf den Türmen zu sehen. Und dann „The Ecstasy Of Gold“. Gänsehaut.
Die Überraschung gleich zu Anfang mit „Whiplash“ zu starten ist geglückt. Was ein Energiebolzen auch nach so vielen Jahrzehnten. Wahnsinn. Das wurde dann nur noch getoppt von „For Whom The Bell Tolls“. Und so folgte gleich die nächste Überraschung „Of Wolf And Man“. Eines meiner liebsten Songs auf dem schwarte…schwarzen Platte.
Dass es zugleich noch die richtigen Songs der „72 Seasons“ in die Setlist geschafft haben, freute mich umso mehr. Wie auch in den Jahren zuvor gab es eine kleine „Jam Session“ von Kirk und Rob, allerdings ohne richtigen Coversong. Rob taufte das äußerst sympathisch als „Hofbräuhaus Funk Jam“. Man kann natürlich drüber streiten ob da nicht ein weiterer Song aus dem Backkatalog besser gewesen wäre. Mit Sicherheit. Aber eines sprang über. Der Spaß. Der Spaß den die Band auf der Bühne nach so vielen Jahren immer noch haben.
Das Bühnenkonzept geht leider nicht ganz auf. Klar, man hat sich schon Gedanken gemacht und versucht damit so viele Leute wie möglich zu bedienen. Aber für meinen Geschmack ist der Bühnenaufbau einfach nichts. Dieser Donut ist so dermaßen weitläufig, dass man sich als Zuschauer schon auch vernachlässigt fühlen kann, wenn die Band mit dem Rücken zu dir spielt. Mit einer kleineren, nein das wäre auch falsch. Mit einer nicht ganz so weitläufigen Bühne wäre das ganze nicht so distanziert vonstatten gegangen. Und ich bin gespannt wie das am Sonntag wird. Jedenfalls wurde ein Snake Pit schon einmal besser in eine Bühne integriert. So meine Meinung bis dahin dazu.
Eines hat die Band aber meisterlich geleistet. Der Regen der wie aus Eimern auf uns prasselte, so ab der Hälfte des Konzerts, war ihnen wohl scheißegal. Die haben weitergemacht, als würden sie ständig unter diesen Bedingungen spielen. James kommentierte das Naturereignis mit „It‘s just water“. Und tatsächlich, je später der Abend, desto tighter wirkte die Band und gab mehr und mehr Gas.
Geil war die Kulisse aber auch mit Regen. Wenn „Ride The Lightning“ ins Reale übergegangen ist, dann wohl an diesem Tag, denn nicht nur einmal sah man einen Blitz irgendwo auftauchen. Und einmal sogar unfassbar passend. Wie einstudiert. Wer das sehen will:
https://www.youtube.com/watch?v=d6rIW4uTkpQSoundtechnisch war das Ganze nicht sonderlich perfekt. Aber ich hörte da auch andere Stimmen. Ansonsten muss ich „Orion“ als Highlight hervorheben. War mir scheißegal, aber ich hab die Luftgitarre und -bass hervorgekramt und ordentlich mitgesummt. Auch wenn um mich rum nichts passierte. Absolutes Granateninstrumental. Herrlich.
Nach etwas mehr als zwei Stunden war Feierabend und ich mit meiner vollgesogenen, um mindestens drei Kilo schwereren Jacke, bin dann Richtung Bahnhof marschiert, was eher einer Odyssee, als einem normalen nach Hause weg gleichkam. Die U-Bahn wurde immer wieder abgesperrt, so dass ich natürlich fast meinen Zug verpasst hätte. Ich habe wohl wirklich einen richtigen Schritt zu viel genommen. Eine Minute später und ich hätte schauen können, wie ich nach Hause komme. Auf der Strecke von Stuttgart zu mir, wurde die Fahrt dann unterbrochen, so dass ich mir dann noch ein Taxi leisten „durfte“. Hoffentlich geht Montagnacht alles gut.
Gedanken: Egal wie groß diese Band ist, aber dass, was ich bei „Metallica“ fühle, ist wie eine starke Freundschaft. Man muss sich nicht ständig sehen oder immer große Worte darüber verlieren. Bei nicht allem muss man sich einig sein. Aber wenn man sich sieht, ist das wie das musikalische nach Hause kommen. Damit hat alles angefangen. Noch lange vor meiner Zeit, als ich das Tor in die Metal Welt betreten habe. Wenn man die Musik dann noch so intus hat. Es ist schön. Auch in der Größenordnung.
Und ich nehme James jedes einzelne Wort ab, wenn er sagt, dass das eine riesige Familie ist.
Day Two:
Am Samstag war dann erst einmal eine Pause angesagt, die mit ausruhen und Fußballschauen verbracht wurde, um dann früh ins Bett zu gehen um für den zweiten Tag der „No Repeat Weekend“-Tour Energie zu tanken.
Wieder gleiches Spiel mit der Anreise, mit dem Unterschied, dass diesmal alles ohne Verspätung von statten ging. Ich war mindestens eine Stunde früher am Olympiazentrum wie am ersten Tag. Und ja, eines hätte ich miteinberechnen können. Logisch, dass die Leute den Ablauf auf den Schirm hatten, und viele wollten in den vorderen Bereich. So war die Menschenmasse am Einlass schon deutlich früher erkennbar.
Ich dachte mir, wenn ich keinen vorderen Platz bekomme, dann schau ich mir das Konzert von weiter hinten an, um das ganze Setting auf mich wirken zu lassen. Und da bot sich ein besonderer Platz an. Nämlich der, an der die Bands rauskommen. An der Stelle wurde das Publikum immer wieder mit festen dicken Seilen geteilt, um den Weg freizumachen. Dass das Publikum aber gerade auf meiner Seite mal wieder nicht peilt, dass es einfacher wäre sich zu bewegen, anstatt stur sich nach hinten drängen zu lassen, um seinen Platz ja nicht zu verlieren. Manchmal…
Sagte ich nicht noch am ersten Tag, dass man das ignorieren sollte? Haha…
Uhrzeittechnisch also der gleiche Ablauf wie am ersten Konzerttag. Um 18 Uhr kam die erste Vorband die sich „Ice Nine Kills“ nennen und am großen Beispiel „Slipknot“ mit Masken und allerlei Horrorschnickschnack, Kettensägen und trotzdem schicker Kleidung auf die Bühne marschierten. Irgendwie ein komisches Gesamtbild. Die Musik, dass was man erwarten konnte. Metalcore, ziemlich melodisch. Aber schon wie zuvor, nichtssagend. Optisch auffallen reicht wohl. Weiter geht’s…
…mit „Five Finger Death Punch“. Und zu meiner Überraschung war ich ziemlich erstaunt, wie der Sänger das Publikum im Griff hatte. Musikalisch auch ziemlich leer, aber anheizen kann er das Publikum. Mehr gibt’s eigentlich auch nicht zu sagen.
Ja, und dann, hieß es wieder warten. Ich habe ja einen Tag davor sinniert welche Songs ich gerne hören würde. Und da ich davon ausgegangen bin, dass sie „The Frayed Ends Of Sanity“ nicht spielen werden (Rob sollte sich für den Song mal wieder einsetzen, Herrgott), hoffte ich auf „Ride The Lightning“, „Fight Fire With Fire“ und „Battery“. Ich sage so, zwei von drei Treffer hatte ich dann. Und da es an meiner Stelle ziemlich luftig war, hatten einige Platz, um die Haarpracht in die Lüfterposition zu stellen und die Luftgitarre auszupacken. Ich natürlich auch. Und das war echt intensiv. Dazu die Kulisse. Doch, das hat auch von weiter hinten, ganz, ganz viel Spaß gemacht.
Ein paar Überraschungen hatte die Band auch parat. Denn anders als bei den anderen Konzerten zuvor, gab es einen Song auf die Ohren, den die Band noch nie live gespielt hat. Natürlich rattert es in einem, welcher Song das sein konnte. Aber als er meinte, dass ihm der Song sehr am Herzen liegt und noch ein Song aus „72 Seasons“ fehlte, konnte ich mir denken, welcher das sein mochte. „Inamorata“. 11 Minuten…puhh.
Ich hätte mir eher „Chasing Light“ oder „Room Of Mirrors“ gewünscht. Oder wenn in der Länge, dann lieber „The Outlaw Torn“ oder was dann tatsächlich weniger vorkommt „Fixxxer“. Aber man kann nicht alles haben. Trotzdem, etwas seltsam gesetzt war es schon. Weil im Nachgang das erste große Instrumental der Band gespielt wurde. Danach legte die Band aber nochmal ordentlich nach und es wurden einige großartige Titel, wie das eben schon erwähnte „Fight Fire With Fire“ gespielt.
Genug der Setlist. Um noch einmal auf die Band zurückzukommen. James, Lars, Kirk und Rob wirkten viel eingespielter, nochmal gelöster als am ersten Konzerttag. Das ging sicher auch auf das Publikum über.
Zum Abschluss noch ein Bild für die Götter:
Zum Ende hin, gab es wieder einige überdimensionale Wasserbälle. Das Publikum schnappte sich doch tatsächlich die Dinger und versuchten da teilweise zu viert oder fünft die Luft da rauszunehmen. Anstatt zu „Breadfan“ abzugehen.
Ja, es ist teuer und verlangt schon ziemlich. Über Preise für Getränke und Speisen braucht man nicht quatschen. Für schnöde Pommes 6,50 zu verlangen...ist schon derb. Und auch beim Merch habe ich mich dieses Mal zurückgehalten. Liebend gerne hätte ich die Siebdrucke der beiden Konzerte neben das aus 2018 gehängt. Aber am ersten Abend hat es ja so massiv geschüttet, dass ich Angst gehabt hätte, dass mir das Ding kaputt geht. Und am zweiten Tag wollte ich dann nur noch die Musik genießen. T-Shirt Motive haben mir leider auch nicht sonderlich gut gefallen.
Gedanke 2.0:Es hat sich gelohnt. Ich bin zufrieden, wie man nur zufrieden sein kann. Wie gesagt, die Bühne war höher, schneller, weiter. Das wurde, wie gesagt, schon einmal besser konzipiert. Aber gerade am zweiten Tag wirkte das von der Ferne etwas cooler und auch besser genutzt. Die Setlist fand ich bis auf eine Sache ziemlich abwechslungsreich. Und das kann man immer nur hervorheben. Gekickt hat mich vor allem live dann "Harvester Of Sorrow" und mein absolutes Lieblingsstück der Band "Ride The Lightning". Zwei, drei Überraschungen. Doch, dass darf man schon so auch machen. Auch wenn das nicht jedem gefällt. "Nothing Else Matters" bei so einer Kulisse, wenn 70.000 Leute mitsingen. Man muss selbst ziemlich unterkühlt sein, wenn das nicht in irgendeiner Form mit einem etwas macht. Und ich bevorzuge eigentlich ja schon auch Hallenkonzerte. Ich wünsche der Band jedenfalls ganz viel spaß, bei der weiterlaufenden Tour. Und ich bin wieder mächtig angefixt, was die Band anbelangt.
Wer bis hier durchgehalten hat…Glückwunsch!
