|
|
Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von Pillamyd » Donnerstag 20. Juni 2024, 11:58
Ich kann das gut verstehen, dass die Prog Phase der 70er deutlich schwerer fallen kann, als die luftig lockere wirkende Folk Phase danach. Die Entwicklung dahin ist eine atemberaubende. Ich bin mir sicher, dass sich da noch viele Gemeinsamkeiten und Reibungspunkte herauskristallisieren werden.
Ich bin wirklich gespannt darauf, was deine und auch andere Eindrücke noch so hervorbringen werden. Deshalb bin ich Feuer und Flamme für deinen Vorschlag, näher auf Songtexte einzugehen. Denn auch ich muss mir eingestehen, dass ich da nicht so ganz fit bin. Meine Art zu schreiben, soll den Interpretationsfaktor in den Vordergrund stellen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Kopfkino ich bei diesen Songs habe. Eine etwas genauere Analysierung dessen wären super. Gibt es denn dieses Buch zu erwerben? Bzw. welchen Titel trägt das Buch?
Ansonsten kann man dir im letzten Absatz nur recht geben. Ich zumindest, kann da nicht anders.
-

Pillamyd
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 14149
- Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44
von Nils Macher » Donnerstag 20. Juni 2024, 13:59
Jetzt habe ich aber doch eine Frage zur "Thick As A Brick": Ich war immer davon ausgegangen, dass der gesamte Songtext quasi das Gedicht ist. So steht es auch im Begleitbuch der Version, die ich heute gehört habe (Steven Wilson Remix Deluxe Digibook). Wenn ich damit falsch liege, immer her mit dem Nerdwissen Grundsätzlich muss ich dir auch hier vollumfänglich zustimmen: Was sich Anderson da ausgedacht hat, ist der helle Wahnsinn. Wie gerne hätte ich soetwas "live" miterlebt. Bei der VÖ hat aber nichtmal mein Vater schon TULL gehört, möchte ich meinen. Was du hinsichtlich der Gleichförmigkeit des Gesangs erwähnst, finde ich auch bemerkenswert. Der rote Faden war ja sogar so stark, dass auch die Fortsetzung des Werks alles andere als ein Aufguss halb garer Ideen ist. Es mag seine Lyrik sein, aber neben "Selling England By The Pound" ist die TAAB für mich immer der Inbegriff eines britischen Albums gewesen. Weiß nicht, ob ihr diese Assoziation nachvollziehen könnt, aber die Gesangsmelodien in Kombination mit den Texten scheinen sich einfach nicht abnutzen zu könnnen. Apropos Übersetzung: In der Version des Albums, die ich hier habe, gibt es am Ende auch deutsche und französische Übersetzung 
-

Nils Macher
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 12983
- Registriert: Dienstag 17. Juli 2012, 18:40
- Wohnort: Bergkamen
-
von Pillamyd » Donnerstag 20. Juni 2024, 21:28
Nils Macher hat geschrieben:Jetzt habe ich aber doch eine Frage zur "Thick As A Brick": Ich war immer davon ausgegangen, dass der gesamte Songtext quasi das Gedicht ist. So steht es auch im Begleitbuch der Version, die ich heute gehört habe (Steven Wilson Remix Deluxe Digibook). Wenn ich damit falsch liege, immer her mit dem Nerdwissen
Das ist auch so. Sticht wohl in meinem Geschreibe nicht so raus, was? Die Frage ist völlig ernst gemeint, weil dann ändere ich das noch einmal. Antwort also erbeten. Nils Macher hat geschrieben:Was du hinsichtlich der Gleichförmigkeit des Gesangs erwähnst, finde ich auch bemerkenswert. Der rote Faden war ja sogar so stark, dass auch die Fortsetzung des Werks alles andere als ein Aufguss halb garer Ideen ist. Es mag seine Lyrik sein, aber neben "Selling England By The Pound" ist die TAAB für mich immer der Inbegriff eines britischen Albums gewesen. Weiß nicht, ob ihr diese Assoziation nachvollziehen könnt, aber die Gesangsmelodien in Kombination mit den Texten scheinen sich einfach nicht abnutzen zu könnnen.
Ich hätte die "Selling England..." jetzt gar nicht in einem Atemzug genannt. Einfach weil "Genesis" bei mir gar nicht so präsent ist, wie man meinen könnte. Ich habe immer noch nur die eben Erwähnte und den Nachfolger. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich da zumindest bei diesem "Gefühl" mitgehen, ohne wirklich dabei die Lyrik beider Bands im Kopf zu haben. Da ist eher so das Gesamte, bei dem ich dabei wäre.
-

Pillamyd
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 14149
- Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44
von Nils Macher » Freitag 21. Juni 2024, 09:43
Pillamyd hat geschrieben:Nils Macher hat geschrieben:Jetzt habe ich aber doch eine Frage zur "Thick As A Brick": Ich war immer davon ausgegangen, dass der gesamte Songtext quasi das Gedicht ist. So steht es auch im Begleitbuch der Version, die ich heute gehört habe (Steven Wilson Remix Deluxe Digibook). Wenn ich damit falsch liege, immer her mit dem Nerdwissen
Das ist auch so. Sticht wohl in meinem Geschreibe nicht so raus, was? Die Frage ist völlig ernst gemeint, weil dann ändere ich das noch einmal. Antwort also erbeten.
Ich habe gerade noch einmal deinen Beitrag aufmerksam gelesen. Sind in der Version, die du besitzt, die Texte nicht enthalten? Falls doch, verstehe ich deinen Beitrag diesbezüglich tatsächlich nicht.
-

Nils Macher
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 12983
- Registriert: Dienstag 17. Juli 2012, 18:40
- Wohnort: Bergkamen
-
von Pillamyd » Freitag 21. Juni 2024, 09:49
WAR CHILD (1974)Tracklist: 01. Warchild 02. Queen And Country 03. Ladies 04. Back-Door Angels 05. Sealion 06. Skating Away (On The Thin Ice Of The New Day) 07. Bungle In The Jungle 08. Only Solitaire 09. The Third Hoorah 10. Two Fingers 11. Warchild Waltz (Bonus Track) 12. Quartet (Bonus Track) 13. Paradise Steakhouse (Bonus Track) 14. Sealion II (Bonus Track) 15. Rainbow Blues (Bonus Track) 16. Glory Row (Bonus Track) 17. Saturation (Bonus Track) Das Album war der erste Schritt zur Füllung der Lücke in der Sammlung zwischen „Thick As A Brick“ und „Minstrel In The Gallery“. Das Album hat mich schon immer ganz besonders interessiert, unterscheidet es sich doch schon vom Artwork her deutlich von dem, was ich bisher kannte. Ich habe mich auch immer etwas gezügelt vorab schon irgendwelche Informationen herzuziehen, damit ich da völlig unvoreingenommen rangehen kann. Ich hatte so ein Gefühl, dass dieses Album etwas anderes im Tull-Kosmos sein könnte. Mein Gefühl sollte mich nicht täuschen. Die Band kehrt mit diesem Album zur konventionellen Art der Musik zurück. Nachdem man auf den letzten zwei Alben Monstersongs veröffentlicht hat, gibt es hier wieder kürzere Songs. Obwohl ich so gespannt auf dieses Album war, so setzte die Ernüchterung schnell ein. Das Ding wollte zu keinem Zeitpunkt irgendwie zünden. Und dann war es ein schwieriges die Überwindung zu finden dieses Album nochmals in den Schacht zu schmeißen. Doch mit dem fünften oder sechsten Durchlauf, fing das Teil an seine Tore zu öffnen und mir nach und nach meine auditive Wahrnehmung in Anspruch zu nehmen und zu ändern. Plötzlich eröffnen sich mir die Songs, ihre Strukturen und ihre Musikalität. So etwas hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Man konnte mit jedem Durchlauf eine weiter Nuance erkennen. Manchmal etwas Altbekanntes, dann taucht da etwas komplett, so noch nie dagewesenes auf. Das Album war mir am Anfang in den Kompositionen an vielen Stellen zu schrill und direkt. Sehr aufdringlich in seiner Art. Ich kam mir beim Hören manchmal vor, als säße ich in einem angeranzten alten Theater und schaute mir ein abgedrehten und pompösen Theaterstück von der Sorte „Das Ultimatum“ (Eine Folge der Star Trek Voyager Serie) an. Und wer die Bonus-Tracks des Albums kennt mag das vielleicht sogar bestätigen können. 7 davon kenne ich. Es gibt auf der Anniversary Edition vom „A Passion Play“ Album die kompletten Aufnahmen, die Tull Kenner unter dem Namen „The Château d'Hérouville Sessions“ ein Begriff sein dürfte. Die Aufnahmen wurden damals abgebrochen. Interessant dabei ist, dass man diese Aufnahmen nicht weiterhin verfolgte, sie wurden sogar abgebrochen. Und trotzdem schafften es Teile des Albums in musikalischer Form auf „War Child“ und sogar auf „Minstrel In The Gallery“. 7 der Songs findet man eben auch auf dem Re-release aus 2002. Komischerweise waren diese Songs dann der Schlüssel zum Gefallen. Songs wie „Paradise Steakhouse“ oder „Rainbow Blues“ gaben den letzten Anstoß und plötzlich waren Songs wie „War Child“, „Sealion“ oder der unfassbare Ohrwurm „Bungle In The Jungle“ gar nicht mehr so abstrus. Gerade zu Anfang gab es zwischenzeitlich sogar die Meinung, dass mir die Bonustracks besser gefallen. Sie sind ein absolut qualitativer Mehrwert. Wenn man dann bedenkt, für was die Musik ursprünglich gedacht war, dann machen all die Gedanken, die ich beim Hören hatte, einfach Sinn. Und so ist auch die Vorfreude auf a „A Passion Play“, welches ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kannte. „War Child“ ist also dementsprechend eine härtere Nuss, die geknackt werden muss. Aber es gibt definitiv Chancen, um mit diesem Album warm zu werden. Ich vermute sogar mehrere. Denn Anderson legt hier eine, wie ich finde, grandiose Gesangsleistung ab. Klar, man muss die Klangfarbe mögen. Aber was er da manchmal zu singen wagt, strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Das traut sich nicht jeder. Trotzdem mag hier nicht jeder Song ein Volltreffer sein. Aber das Album hat eine magische Anziehungskraft, so dass das allein von meinem Hörverhalten in der Diskographie keinen Ausfall gibt. Ich kann das Album als Gesamtkunstwerk genießen. Denn einige Songs besitzen das typische Spiel der Band. Rhythmik, Pausen, Wendungen, Drive, die tatsächlich unwiderstehlich zu sein scheinen. Trotzdem bleibt das jetzt für mich, bis jetzt, der größte Ausreißer in der Tull-Diskographie. Randnotiz: Die Band „Jethro Tull“ macht es einem Sammler nicht gerade einfach. Diese Bonustracks wurden über Jahrzehnte hinweg immer häppchenweise serviert. Es gibt eine Compilation Namens „Nightcap“ die aus unveröffentlichten Tracks besteht, darunter eben auch die weiter oben erwähnten Sessions. Allerdings auch nicht komplett. Das zieht sich tatsächlich durch die Diskographie bis ins Jahr 1982. Zwar war es zwischen „Heavy Horses“ und „The Broadsword…“ etwas nachvollziehbarer. Auf früheren Re-releases von z.B. „Aqualung“ hört man Bonustracks von Alben zuvor. So kannte ich dann kleine Teile von den ersten beiden Alben. Das hat etwas die Spannung rausgenommen. Aber komplett zu werden, was die Songs betrifft ist teilweise sehr schwierig. Immerhin bekommt man z.B. die „A Passion Play“ nur noch für einen dreistelligen Betrag. 8/10
Zuletzt geändert von Pillamyd am Freitag 21. Juni 2024, 10:11, insgesamt 2-mal geändert.
-

Pillamyd
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 14149
- Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44
von Pillamyd » Freitag 21. Juni 2024, 09:52
Nils Macher hat geschrieben:Pillamyd hat geschrieben:Nils Macher hat geschrieben:Jetzt habe ich aber doch eine Frage zur "Thick As A Brick": Ich war immer davon ausgegangen, dass der gesamte Songtext quasi das Gedicht ist. So steht es auch im Begleitbuch der Version, die ich heute gehört habe (Steven Wilson Remix Deluxe Digibook). Wenn ich damit falsch liege, immer her mit dem Nerdwissen
Das ist auch so. Sticht wohl in meinem Geschreibe nicht so raus, was? Die Frage ist völlig ernst gemeint, weil dann ändere ich das noch einmal. Antwort also erbeten.
Ich habe gerade noch einmal deinen Beitrag aufmerksam gelesen. Sind in der Version, die du besitzt, die Texte nicht enthalten? Falls doch, verstehe ich deinen Beitrag diesbezüglich tatsächlich nicht.
Ich dachte, dass sei ein direkter Vermerk auf meinen Text bei dem du verwirrt darüber bist, dass der Songtext "Thick As A Brick" auch das Gedicht sei um den die Geschichte aufgezogen wurde. Ich dachte bei deiner Frage daran, dass das vielleicht etwas missverständlich in meinem Geschreibe ankommt. Deswegen die Frage ob es falsch verstanden werden kann. Die Version die ich besitze, ist die normale Jewel Case in der tatsächlich nur Liner Notes vorhanden sind. Es ist der Wilson Mix.
-

Pillamyd
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 14149
- Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44
von Nils Macher » Freitag 21. Juni 2024, 09:57
Pillamyd hat geschrieben:Nils Macher hat geschrieben:Pillamyd hat geschrieben:Nils Macher hat geschrieben:Jetzt habe ich aber doch eine Frage zur "Thick As A Brick": Ich war immer davon ausgegangen, dass der gesamte Songtext quasi das Gedicht ist. So steht es auch im Begleitbuch der Version, die ich heute gehört habe (Steven Wilson Remix Deluxe Digibook). Wenn ich damit falsch liege, immer her mit dem Nerdwissen
Das ist auch so. Sticht wohl in meinem Geschreibe nicht so raus, was? Die Frage ist völlig ernst gemeint, weil dann ändere ich das noch einmal. Antwort also erbeten.
Ich habe gerade noch einmal deinen Beitrag aufmerksam gelesen. Sind in der Version, die du besitzt, die Texte nicht enthalten? Falls doch, verstehe ich deinen Beitrag diesbezüglich tatsächlich nicht.
Ich dachte, dass sei ein direkter Vermerk auf meinen Text bei dem du verwirrt darüber bist, dass der Songtext "Thick As A Brick" auch das Gedicht sei um den die Geschichte aufgezogen wurde. Ich dachte bei deiner Frage daran, dass das vielleicht etwas missverständlich in meinem Geschreibe ankommt. Deswegen die Frage ob es falsch verstanden werden kann. Die Version die ich besitze, ist die normale Jewel Case in der tatsächlich nur Liner Notes vorhanden sind. Es ist der Wilson Mix.
Ok, damit hätte ich echt nicht gerechnet. Bei einem Konzeptalbum den Text wegzulassen, altobelli.Bei mir ist der nämlich in beiden Fassungen enthalten, die ich besitze: https://www.musik-sammler.de/release/je ... -cd-38632/https://www.musik-sammler.de/release/je ... vd-813872/
-

Nils Macher
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 12983
- Registriert: Dienstag 17. Juli 2012, 18:40
- Wohnort: Bergkamen
-
von Pillamyd » Donnerstag 27. Juni 2024, 14:01
SONGS FROM THE WOOD (1977)Tracklist: 01. Songs From The Wood 02. Jack-In-The-Green 03. Cup Of Wonder 04. Hunting Girl 05. Ring Out, Solstice Blue 06. Velvet Green 07. The Whistler 08. Pibrock (Cap In Hand) 09. Fire At Midnight 10. Beltane (Bonus Track) 11. Velvet Green (Live) (Bonus Track) Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das kein Album ist, auf das ich sehr gespannt bin. Ist es doch so, dass das Album bei den meisten doch sehr hoch im Kurs steht. Oh je, dass klingt wie ein böser Start, meine Sicht der Dinge anzufangen. Soll es aber gar nicht. Nach „Minstrel In The Gallery“ und vor allem, dass, was ich bis jetzt gehört habe, ist es zugegebenermaßen, eine schwere Begegnung mit diesem Album. Es benötigt eine gewisse feinjustierung der Ohren, um mich auf das einlassen zu können, was ich da zu hören bekomme. Das Album zwischen „Minstrel In The Gallery“ und „Songs From The Wood“ habe ich übrigens bis jetzt auch noch nicht. Jetzt ist es ja so, dass ich dem Folk zwar nicht abgeneigt bin, aber auch nicht mein Hauptfokus ist in den musikalischen Gefilden in denen ich sonst so rumwildere. War der Mix aus Prog, Jazz und Folk Elementen bis dato gut zu verarbeiten, so fokussiert sich Ian und seine Mannschaft eher auf diesen Bereich und lässt alle weiteren genannten Komponenten zunächst eher im Hintergrund laufen. So spürt und riecht man die mit moosbedeckten, nach Tau riechenden Wege schon im Titelsong. Luftig, leicht, mit kurios wirkenden, fast schon chorartigen Gesangsmelodien. Hui, das ist tatsächlich anders. Ian durchlebt wohl eines seiner schlimmsten Phasen. Die Trennung seiner Frau, der Ausstieg seines langjährigen Bassisten und dem weniger erfolgreichen „Too Old…“ Album, nahm sich der Kauz wohl etwas raus. Daraus muss er wohl einige Schlüsse gezogen haben und so ist es auch ein leichtes, zu verstehen warum das Album so klingt, wie es klingt. „Songs From The Wood“ ist ein Album voller wundervoller Melodien, einer direkten basischen Produktion, weg vom reinen Prog der 70er, hin zu folkloristischen Elementen, die sehr geerdet klingen, aber doch auch dieses typische „Jethro Tull“-Feeling nicht vermissen lassen. Ein ruhiges und trotz der Assoziation wie „Fröhlichkeit“, nachdenkliches Album, dass seine Zeit bei mir definitiv gebraucht hat. Denn trotz allem, vermag es Ian, die Songs dieses Albums so zu gestalten, dass sie eben nicht wie herkömmliche Folk Nummern klingen. Ich hatte vor allem große Probleme mit der Gestaltung der Gesangslinien. Das passte bei den ersten Durchläufen nicht mit dem Zusammen, was musikalisch so stattgefunden hat. Der Frohsinn mancher Songs, wollten nicht an mich ran. Da hatten es die etwas schwergewichtigeren Songs etwas einfach. Aber das Album wollte nur an mir vorbeirauschen. Der Moment, bei dem das Album klick gemacht hat, war dann tatsächlich die Verbindung zu einem türkischen Künstler (Barış Manço), den ich hier auch schon öfters erwähnt habe und als eines der Mitbegründer des „Anadolu Rock“ zählt, welches nicht minder auch vom Folk geprägt ist. Im Gegensatz dazu, ist es vielleicht dort die Saz und bei Tull natürlich die Querflöte. Aber auch passend zur Gestaltung des Albums Instrumente wie die Laute oder das Glockenspiel. Aber im Grunde habe ich das wohl vergleichen können. Ich erkannte ähnliche Ansätze, gerade auch was die Intros mancher Songs anbelangt. Ein gutes Beispiel ist hierfür „Hunting Girl“ oder auch „Pibroch (Cap In Hand“), dass mir oft gar nicht zu viel Erwähnung findet. Was da ab dem Mittelpart abgeht, ist kaum in Worte zu fassen. Bis mir bewusst geworden ist, dass ich schon als kleiner Pille die Art von Songs gehört und geliebt habe und auch immer noch liebe, dauerte es. Aber es war der Stoß zum Zugang dieses Albums. Komisch, welche Wege man manchmal findet um eine Wirkung stattfinden lassen zu können. Und ab da, haben sich die Songs auf diesem Album nach und nach erschlossen. Ich erkannte welchen Raum die Querflöte bekommen hat. Ich erkannte, wie viel in diesen Songs wirklich steckt. Wenn man dann bedenkt, zu welchen Instrumenten man auf diesem Album zurückgegriffen hat, dann ergibt plötzlich alles einen Sinn. Sinn, warum das so klingt, wie es klingt. Für mich ist das auch heute noch in vielen ein manchmal komisch wirkender Hörgenuss. Aber es ist so fesselnd, dass man einfach Lust bekommt, dieses Album immer und immer wieder aufzulegen. Die Tiefe der Songs ist mir erst nach und nach bewusst geworden. Die Fassade der Akustik und des Gesangs war wohl doch zu dick und benötigte Zeit, diese zum Fall zu bringen. Ein großes Hindernis war aber ebenfalls, diese sehr spezielle Atmosphäre. Hinzukommt hier, dass das Album auf mich parallel dazu eine Entrücktheit ausstrahlt, die ich bis dato so noch nirgendwo anders kumuliert gehört habe. Eine Erfahrung die ich höchstspannend finde. Da ist eine unterbewusste nebenherbeilaufende Progressivität, ohne die tief in den 70ern, ich nenne es mal herkömmlichen Progressive Rock zu frönen, die mich bei jedem weiteren Verlauf tiefst beeindruckt. Das ist ein andere Weg, ein durchaus innovativer. Passend zur Person Ian. Nicht auf der Stelle tretend. Das Wunderbarste dabei ist doch, das Gefühl zu haben, da geht noch was. Das „Songs From The Wood“ nicht als abgeschlossen entdeckt erscheint, dass die Reise noch nicht zu Ende ist. Und auf die Diskographie bezogen, schon mal gleich gar nicht! 8,5/10
Zuletzt geändert von Pillamyd am Montag 15. Juli 2024, 09:52, insgesamt 1-mal geändert.
-

Pillamyd
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 14149
- Registriert: Freitag 19. Februar 2010, 22:44
von Holger Andrae » Donnerstag 27. Juni 2024, 15:33
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
-

Holger Andrae
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 26374
- Registriert: Dienstag 5. Januar 2010, 02:44
Zurück zu Die Rockbar
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 28 Gäste
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.116s | 11 Queries | GZIP : Off
|
|