Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskographie

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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 18. Juli 2024, 07:39

Pillamyd hat geschrieben:Bild
WAR CHILD (1974)
8/10


Ein Album, welches relativ spät in meine Sammlung gewandert ist. Rückblickend ein Werk, bei dem man denken kann, Ian hätte nicht so genau gewusst, was er am liebsten machen würde. Die ausufernden Nummern waren erstmal durch, so richtig folkig ist es auch noch nicht und er entdeckt moderne Instrumentierung in Sachen Synthies und Samples. Wenn man bedenkt, das danach "Minstrel" mit deutlich organsicheren Sounds und längeren Songs und dann "Too Old Too ..." folgten, sieht man einen musikalischen Zick-Zack-Kurs.
Ich mag dieses Album, wobei ich die vermeintlichen Highlights 'Skating' und 'Bungle In The Jungle' eher nett als toll finde. Mein Favorit ist wohl 'Sealion'.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 19. Juli 2024, 07:47

Pillamyd hat geschrieben:Bild
SONGS FROM THE WOOD (1977)
8,5/10


Hier war ich natürlich sehr auf Deine Meinung gespannt, da es sich bekannterweise um mein Lieblings-Tull.Album handelt. Ich stehe auf eine gelungene Mischung aus Folk und Rock und diese Album bietet für mich eben genau das. Angefangen beim Cover über den Klang bis zur Musik und den erneut fantastischen Texten, atmet "Songs From The Wood" die Farbe Grün. Es klingt nach Wald, Man riecht beinahe den Moos, wenn man das Album auf den Ohren hat. Trotz dieser massivane Folk-Schlagseite lässt man aber das Progelement nicht komplett in der Stadt stehen.
Gerade in der zweiten Hälfte - 'Pribrock' - gibt es wunderbar verschachtelte Momente, die sich aber ins Folk-Konzept herrlich einfügen. Ebenso sind die Hooks auf diesem Album nicht von dieser Welt. Manchmal getragen, manchmal fluffig flott vorgetragen, reiht sich hier ein Ohrwurm an den nächsten. Dass dabei Zwischendurch mein absoluter und auf Ewig unveränderter Tull-Lieblingssong zu hören ist, erwähne ich hier nur nebenbei. 'Hunting Girl' mi seinem eindeutig zweideutigen Wortwitz ist wohl der Anderson-Song, der einem Prog-Metal-Song am nächsten kommt. Wenn die Gitarre mittendrin so herrlich brachial aufblitzt, bin ich jedes Mal aus dem Häuschen.

Inselplatte!
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Pillamyd » Freitag 19. Juli 2024, 09:55

Holger Andrae hat geschrieben:Ein Album, welches relativ spät in meine Sammlung gewandert ist. Rückblickend ein Werk, bei dem man denken kann, Ian hätte nicht so genau gewusst, was er am liebsten machen würde. Die ausufernden Nummern waren erstmal durch, so richtig folkig ist es auch noch nicht und er entdeckt moderne Instrumentierung in Sachen Synthies und Samples. Wenn man bedenkt, das danach "Minstrel" mit deutlich organsicheren Sounds und längeren Songs und dann "Too Old Too ..." folgten, sieht man einen musikalischen Zick-Zack-Kurs.
Ich mag dieses Album, wobei ich die vermeintlichen Highlights 'Skating' und 'Bungle In The Jungle' eher nett als toll finde. Mein Favorit ist wohl 'Sealion'.


Rückblickend war es genau das. Das Album kommt einem vor, wie die Suche nach dem "richtigen". Wenn man danch geht, kann das Album aber nur scheitern. Ian hat aber Ankerpunkte, immer, an denen man festhalten kann und die bei solchen Album den Zugang erleichtern.
Der Zick-Zack-Kurs, wie du ihn nennst, ist ein ebenfalls nochmal herausstechendes Merkmal. Da bin ich ganz bei dir. Dein letzter Satz, lässt wieder die Vermutung aufkommen, die ich in den Beiträgen zuvor gestellt habe.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Pillamyd » Freitag 19. Juli 2024, 09:56

Holger Andrae hat geschrieben:Hier war ich natürlich sehr auf Deine Meinung gespannt, da es sich bekannterweise um mein Lieblings-Tull.Album handelt. Ich stehe auf eine gelungene Mischung aus Folk und Rock und diese Album bietet für mich eben genau das. Angefangen beim Cover über den Klang bis zur Musik und den erneut fantastischen Texten, atmet "Songs From The Wood" die Farbe Grün. Es klingt nach Wald, Man riecht beinahe den Moos, wenn man das Album auf den Ohren hat. Trotz dieser massivane Folk-Schlagseite lässt man aber das Progelement nicht komplett in der Stadt stehen.
Gerade in der zweiten Hälfte - 'Pribrock' - gibt es wunderbar verschachtelte Momente, die sich aber ins Folk-Konzept herrlich einfügen. Ebenso sind die Hooks auf diesem Album nicht von dieser Welt. Manchmal getragen, manchmal fluffig flott vorgetragen, reiht sich hier ein Ohrwurm an den nächsten. Dass dabei Zwischendurch mein absoluter und auf Ewig unveränderter Tull-Lieblingssong zu hören ist, erwähne ich hier nur nebenbei. 'Hunting Girl' mi seinem eindeutig zweideutigen Wortwitz ist wohl der Anderson-Song, der einem Prog-Metal-Song am nächsten kommt. Wenn die Gitarre mittendrin so herrlich brachial aufblitzt, bin ich jedes Mal aus dem Häuschen.

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Dass das Album für dich das ist, wie du es beschreibst, war mir ja durchaus bewusst. Ich schätze, wir haben da einige gemeinsame Punkte. Aber auch die, die entfernt voneinander liegen. Schön zu lesen. Im jeden Fall. Da bin ich auf deine nächsten Meinungen gespannt. Ich schätze aber, dass da nichts drüber kommen wird.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Pillamyd » Freitag 19. Juli 2024, 09:58

Ich warte jetzt auf deine nächsten Kommentare, Holger. Erst dann werde ich weiter machen. Zwei Alben habe ich noch auf Lager, dann gibts eine Pause. Vielleicht switche ich dann wieder zum Top 100 Thread. Ist aber noch nicht sicher.
Aber ich will damit kein Druck entstehen lassen. Wollte nur informieren.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon frankjaeger » Freitag 19. Juli 2024, 12:14

Ich muss zugeben, dass ich in die älteren Tull erst nochmal reinlauschen müsste, dafür finde ich aber momentan wenig Zeit. Ich bin mit "Crest Of A Knave" erst zu Tull gestoßen und die früheren Alben habe ich erst später entdeckt, habe gerade die ersten Scheiben nicht mehr im Ohr.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 6. August 2024, 09:49

Pillamyd hat geschrieben:Bild
HEAVY HORSES (1978)

Tracklist:
01. And The Mouse Police Never Sleeps
02. Acres Wild
03. No Lullaby
04. Moths
05. Journeyman
06. Rover
07. One Brown Mouse
08. Heavy Horses
09. Weathercock
10. Living In These Hard Times (Bonus Track)
11. Broadford Bazaar (Bonus Track)

Bei der Vielfalt, die mir die Band bis dahin geboten hat, löst es natürlich in meinem Naturell keine Verwunderung aus, wenn ich gespannt bin, wie dieses Album klingt. Wie die Band sich entwickelt hat, vor allem jetzt auch im Spektrum des Folk Rock. Wohin geht also die Reise?

Mit dieser Frage im Hinterkopf höre ich dieses Album und bin ein ums andere Mal verwundert, wie die Band es schafft von der ausladendenden „Songs From The Woods“ zum straffen „Heavy Horses“ zu gelangen. Direkt beim ersten Hören habe ich das Gefühl, dass man "Songs From The Wood" durch ein Sieb gefiltert hat, das Konzentrat aufgefangen hat und mit dem Hintergedanken der früheren Alben eine gelungene Mischung zustandegebracht hat.

Der Name „Heavy Horses“ steht direkt in der Verbindung zum Bandnamen „Jethro Tull“. Hat sich die Band doch nach Henry Jethro William Tull benannt. Der nicht zuletzt als Vater der Agrarwissenschaft bekannt ist. Unter anderem entwickelte er eine von „schweren Pferden“ gezogene Hacke, die die Arbeit auf dem Acker erleichtern sollte. Er bildete mit vielerlei Erleichterungen den Grundstock der heutigen Landwirtschaft. Die zunächst gegebene Ablehnung seiner umgesetzten Ideen ist vielleicht sogar die größte Parallele zur Musik von „Jethro Tull“.

Genug von den Fakten, schwenke ich also direkt zur Musik über. Wenn man das Album natürlicherweise mit dem Vorgänger vergleicht, fällt einem nicht nur die Straffung im Gesamten auf. Das gesamte Album hat eine unfassbare Dichte, ist wie die Ackerarbeit, mit harter Arbeit umgesetzt. Das spiegelt sich nicht nur in dem rauen, knorrigen Gesang Ians wider. Der Kauz in seinem Element, quasi. Dabei lässt er die typischen Tull Gesangsmelodie in seiner Spannung nicht vermissen. Das und die Mischung aus beiden bringt eine Natürlichkeit zum Tragen, die mich aufwühlt. Für mich ist auf diesem Album eines der besten Gesangsleistungen Ians zu hören.

Das Album kommt in meiner Betrachtung etwas mehr aus sich heraus. Teilweise klingt das so, als hätte man sich das Beste aus der Disco Musik der damaligen Zeit herausgezogen. Die Songs sind stark Rhythmusbetont, welches nicht zuletzt auch dem prägnanten Bass zu verdanken ist. Das ist manchmal schon fast tanzbar. Man muss nur einmal „Acres Wild“, „Moths“ oder auch „Journeyman“ hören.

Der Höhepunkt dieses Albums breitet sich dann auch ziemlich schnell im Titelsong aus. Mit knapp 9 Minuten, vereint „Tull“ alles, wofür man die Band kennt. Abwechslungsreich, melancholisch, proggig, folkig, bejahend und doch verneinend. Das Aufgreifen der ersten Töne am Ende des Songs garantiert eine meterdicke Gänsehaut, die dir den angetrockneten Matsch wie von Geisterhand abblättern lässt.

Für andere ist „Weathercock“ der Song des Albums. Verständlich. Hat hier doch auch die Flöte in der Waagerechten den Hauptteil an sich gerissen. Wunderschöner Song, der das Album großartig abschließt.

Das Album hinterlässt den Eindruck der größeren Zufriedenheit. Die wilden, knackigen Rhythmuselemente lassen einen kaum ruhig dasitzen. Glascock nimmt einen sehr verspielten Raum ein, treibt die Songs an, wie kaum ein anderer. Wirkt wie der Animator der Band. Zupft immer zur passenden Zeit die dicken Saiten an, hat einfach eine großartige, magische Wirkung.

Dieses Album kommt gekonnt auf den Punkt, lässt den Folk Rock weiter Blühen. Versöhnt die Fans der Prog Phase der Band, dass hier definitiv besser zur Geltung kommt als auf „Songs From The Wood“. Sie überzeugen mit der Schwere des gesamten Albums. Hinterlässt aber ein wunderbar landluftatmendes Gefühl, dass trotz der Dichte der Produktion genug Zeit ist, um über den stark benebelten Boden, der von Pferden bearbeitet wurde, ein Weitsicht genießen zu können. In verschiedenen Zeiten des Albums hat man einen kompletten Arbeitstag auf dem Feld hinter sich. Man ist danach nur nicht brotfertig. Agrarromantische, kunstvolle Vertonung auf allerhöchstem Niveau.

9/10


Ja, auch für mich als "Songs From The Wood"-Liebhaber natürlich ein Highlight in der Diskographie, was mal wieder belegt, dass ich gar kein so großer Proggel bin und mehr auf verträumt-folkige Melodien stehe. Manchmal.
Für mich ist das der Bruder des eben genannten Lieblings, allerdings naturverbundener. Der Klang straht sofort eine klare Frische aus. Mehr Ackerluft als Waldluft beim anderen Album, welches für mich immer leicht moosig klingt, was ja praktisch gar nicht geht, weil Moos nicht klingt.
Ich liebe die Mäuse-Songs, weil sie genau das ausstrahlen, was die Titel suggerieren. Wieselflinke, fast unsichtbare Fellnasen, die auf den Noten hin-und her springen. Aber auch 'Rover' ist toll. Komischerweise hat der Wetterhahn nie so bei mir eingeschlagen, dafür aber natürlich der monumentale Titelsong. Famoses Album.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 12. September 2024, 10:11

Bild
THE BROADSWORD AND THE BEAST (1982)

Tracklist:
01. Beastie
02. Clasp
03. Fallen On Hard Times
04. Flying Colours
05. Slow Marching Band
06. Broadsword
07. Pussy Willow
08. Watching Me Watching You
09. Seal Driver
10. Cheerio
11. Jack Frost And The Hooded Crow (Bonus Track)
12. Jack A Lynn (Bonus Track)
13. Mayhem, Maybe (Bonus Track)
14. Too Many Too (Bonus Track)
15. Overhang (Bonus Track)
16. Rhythm In Gold (Bonus Track)
17. I Am Your Gun (Bonus Track)
18. Down At The End Of Your Road (Bonus Track)

Das wird für mich bis jetzt das schwierigste Kapitel in der Diskographie.
Nein, nicht weil ich die Musik nicht leiden kann. Ich werde nur das Gefühl nicht los, dass der Zwischenschritt, der auf den Namen „A“ hört, nicht ganz unwichtig ist, für das, was man hier zu hören bekommt. Aber das finde ich erst später heraus.

„The Broadsword And The Beast“ ist ein ungewöhnliches Album. Hier verwebt Ian völlig neue Elemente in den Sound von „Jethro Tull“ ein, die ich so nicht vermutet hätte. Die Eingewöhnungsphase ist eine ziemlich lange. Trotz der vielen catchy Songs, möchte das mein Gehirn eine ganze Weile gar nicht annehmen wollen. Doch was sind das für Elemente, die den Sound in diese unvermutete Richtung lenken?

Nun, es hat sich mir noch nicht so richtig erschlossen. Ist es der Sound des Albums? Ist es das offenere und simplere Songwriting? So ganz, mag ich mich da gar nicht drauf festlegen. Was ich aber sagen kann, ist, dass „Jethro Tull“ damals in den 80ern angekommen ist. Soundtechnisch ist das sehr Synthie und Drum Computer lastig. Nicht nur einmal fühlt man sich an so manchen AOR-Sound, aber auch New Wave erinnert. Und doch sind es die aufgeschlossenen Folk Elemente, die das typische Salz in der Suppe sind. Nur Ian kann so kochen.

Und trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob dieser aufgeschlossene 80ies Sound mir so ganz im Tull Kosmos gefallen mag. Das ist jetzt keine Zuckerwattenproduktion wie man vielleicht vermuten möchte, weil ich den Sound auch mit einem AOR-Vibe beschreibe. Viele Songs auf dem Album haben einen straighten und harten und unverwüstlichen Rhythmus. Im Gesamten ist der Klangteppich sehr im Vordergrund. Das Songwriting gerade durch diese Faktoren aber für mich so simpel gehalten wie noch nie zuvor. Was ziemlich interessant ist. Denn manchmal fühlt man sich vom Bassound und Intros an „The Police“ erinnert. Manchmal hört man die New Wave Schlagseite genauso raus, wie sie bei „Rush“ der Fall war zu der Zeit um mal ein Genre Geschwister als vergleich heranzuziehen. Hier ist es nur noch etwas basischer als der knallige Sound.

Selbst Ian klingt für mich auf diesem Album so weich wie noch nie zuvor. Das kauzige weicht dem sehr hellen Gesang. Es ist ihm nicht abzusprechen, dass das ziemlich großartig ist. Trotzdem fehlt mir ein bisschen der Witz im Gesang. Bei den Songs wirkt es mir ein wenig zu flach. Und da habe ich zum ersten Mal ein wenig Sorge, dass mir das von Album zu Album immer weniger gefallen wird. Aber so weit möchte ich noch nicht gehen. Immerhin ist es bis dato das späteste Werk, dass ich von der Band kenne.

Ich nähere mich dem Album von mal zu mal mehr. Aber das ist zum ersten Mal so, dass bei gleichwertiger Durchlaufzahl zu anderen Alben, ich nicht irgendwann in die Luft springe vor Glück. Es ist eher ein anerkanntes Kopfnicken meinerseits. Ich habe ziemlich große Probleme beim Großteil der Songs, sie in irgendeiner Form behalten zu können. Klar, es gibt Songs wie „Beast“, „Clasp“, „Flying Colors“ oder „Pussy Willow“. Beim Rest habe ich aber Probleme.

Das Album in der Version, die ich habe, ist mit unfassbar vielen Bonus Tracks ausgestattet, die leider nicht so den Effekt haben, wie die der „War Child“ Bonus Tracks, die für mich die Brücke geschlagen haben. Und trotzdem ist das nicht zu verachten, was man nach „Cheerio“ hören darf. Sie sind eine super Ergänzung und spinnen das Album etwas weiter. Zumindest so mein Gefühl.

Wenn man sich das Artwork des Albums anschaut und dann den roten Faden, rein musikalisch gesehen anschaut, könnte man von ausgehen, es handele sich hier um ein Konzeptalbum. Die Bonustracks unterstreichen dieses Gefühl. Die Songs sind aber thematisch völlig verschieden. Es ist trotzdem ziemlich interessant, wie Ian das alles zusammenhält, es wie eine Einheit klingen lässt. Das hat er einfach drauf.

„The Broadsword And The Beast“ ist also das erste Album, dass bis zu einem Punkt wächst, aber dann auf der Stelle tritt. Mitnichten will ich damit sagen, dass das, was man hier hört, nicht hörenswert ist. Das wäre völliger Quatsch. Die Trademarks sind rauszuhören. Es liegt aber wohl tatsächlich an der etwas gediegeneren Gangart im Songwriting, dem Gesang Ians und dem Sound des Albums, dass das Ding nicht weiterwachsen möchte.

7,5/10
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 12. September 2024, 10:26

Ich kann verstehen, dass man seine Problem mit diesem Sound der Band hat. Es ist sehr deutlich anders als auf den Album zuvor, für mich aber dann doch auch wieder typisch tullig. Aber das liegt auch vielleicht an meiner ENtdeckungsreise bei dieser großartigen Band. Ich bin nämlich sehr spät hier eingestiegen und dann nicht chronologisch, sondern cherrypicking-ish vorgegangen. Angefangen Angefangen ANfang der 90er mit "Bursting Out", die ich immer noch für ein sensationelles Live-ALbum halte und mit "Aqualung", die mir zu Beginn nur bedingt zusagen wollte. Dan folgte schon "Songs From The Wood" und ich war schockverliebt. Bis heute meine liebste Tull-Scheibe. Es folgte "Heavy Horses" und dann kam mit "Living In The Past" und diesem "25th Anniversary" 4er Box-Sets gleich mal zwei Querschnitte. Erst mit Erscheinen von "Roots To Branches" 1995 stand ich erneut komplett in Tull'schen Flammen und kaufte weiter. Es kam dieses Album und es hat mich mit seinen teils fast pompigen Hooklines erschlagen. Der "Titelsong" ist beinahe episch, aber auch ein bisschen klebrig vom Sound her. Hat mich nie gestört. 'The Clasp' ist unter meinen Top 10 Tull Songs. Ganz wudnerbare Nummer, auch textlixh. Wahrscheinlich ist es genau so, dass"A" passieren musste, um diese Richtung vernünftig umzusetzen. Nicht mit einem solistischen Hintergedanken, sondern von Beginn an als Bandprojekt angesetzt. Die neuen Errungenschaften ausloten, ohne den Ursprung gänzlich zu verlieren. Dies gelingt hier für mich ganz ausgezeichnet. Für mich tatsächlich das letzte Tull-Album, mit einem progressiven Grundgedanken.
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Re: Jethro Tull - Meine Entdeckungsreise durch die Diskograp

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 12. September 2024, 10:44

Ja, ich hatte irgendwie abgespeichert, dass du sehr viel damit anfangen kannst.

Holger Andrae hat geschrieben:Es ist sehr deutlich anders als auf den Album zuvor, für mich aber dann doch auch wieder typisch tullig.


Holger Andrae hat geschrieben:Für mich tatsächlich das letzte Tull-Album, mit einem progressiven Grundgedanken.


Zwei spannende Sätze. Das erste zeigt mir wieder einmal, von wie vielen verschiedenen Ecken man das betrachten kann. Werde ich beim nächsten Durchlauf mal im Hinterkopf behalten. Ich will nur sagen, dass das alles Momentaufnahmen sind und ich Benotungen nur reinhaue um mir später an den Kopf zu fassen oder eben zu nicken. Die Reise ist auch, wenn ich hier durch bin, nicht völlig zu Ende. Klar, gibt es Alben an denen es für mich nichts mehr zu rütteln gibt. Aber ich habe bei vielen Alben das Gefühl da geht noch was und dass das keine Meinungen sind, die jetzt da sind und genauso bleiben. Der zweite Satz ist deshalb so spannend, weil ich noch eine nichtgehörte gehörte Alben in der Diskographie habe, sowohl zwischen "This Was" und "The Broadsword And The Beast", als auch danach.
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