Feuchtbiotop mit 100 Arten

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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Freitag 24. Dezember 2010, 15:10

Welch famoses Vorspiel für das jetzt folgende Album. :grins:


Platz LII


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Taake - Nattestid Ser Porten Vid (1999)


Ein schwarzwurzeliges Album zu Weihnachten - dafür musste ich zwar ein wenig meine Liste umstellen, für diese Blasphemie ist mir das aber durchaus wert. TAAKE, welche eigentlich ein Soloprojekt von Sänger Hoest sind, haben ja aufgrund ihres Auftretens in der Öffentlichkeit keinen allzu guten Ruf, denn wer mit Nazisymbolen spielt und allerlei Unsinn von sich gibt der hat es ziemlich schnell ziemlich schwer in Medien und bei vielen Fans. Aber kein Problem, die Band hat sich ja schnell von ihren Taten distanziert, und außerdem haben sie mit diesem Werk ein ganz tolles Blackmetal Album veröffentlicht, da fällt es mir leichter zu verzeihen als beispielsweise bei den BÖHSEN ONKELZ oder so. Zurück zur Musik, hier gibt es rasenden, kalten norwegischen Blackmetal, rasend, erhaben, schwarz, auf Norwegisch gekeift. Die Produktion ist, wie es sich für trve kvlt Blackmetal gehört, schön verwaschen und matschig, und in Verbindung mit dem echt grimmigen Cover wird hier alles geboten, was der Schwarzheimer braucht, um glücklich zu sein. Einen Innovationspreis gewinnt die Band sicher nicht, aber das was sie machen, das machen sie einfach schweinegut.


Part IV - Ja, die Songs sind durchnummeriert von I bis VII

Part VII - man könnte fast von Abwechslung sprechen ... !

Part I - es geht von Anfang an zur Sache. Majestätischer Klargesang inklusive.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Regina Löwenstein » Freitag 24. Dezember 2010, 17:24

Uh, die ist ganz großes Tennis. Zwar bin ich ehrlich gesagt meist zu verweichlicht für traditionellen norwegischen Black Metal, aber hier verzaubert mich die wilde Schönheit in mitten des Chaos. "Part I" ist eine Meisterleistung im Songwriting.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Jhonny » Samstag 25. Dezember 2010, 02:59

Taake spielen vorzüglichen Norwegischen Black Metal, mein Bruder will mir aber einfach nicht seine Scheiben verkaufen :grins:
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 25. Dezember 2010, 11:50

Jo. Taake ist natürlich eine ganz tolle Band. Da passt alles. Ich hatte die nach dem Thule-Demo und dem ersten Taake-Demo damals aus den Augen verloren, dann aber alles nachbestellt, als ich auf der vorletzten Helheim-Tour deren neuen Labelchef Bjørnar kennen gelernt habe. Das war damals ein dickes Paket von Karisma/Dark Essence.

Die HK-Geschichte wird m.E. mal wieder zu sehr aufgebauscht. Klar, das ist der gute Hoest sicher selber schuld daran, weil er ja hätte wissen müssen, was kommen würde. Aber auf der anderen Seite kann man so einer scheinheiligen Gesellschaft auch wunderbar den Spiegel vorhalten. Kunst darf das. Kunst muss das tun. Wobei ich jetzt nicht so weit gehen würde, Hoest hier besonders durchdachte Motive unterstellen zu wollen. Das war bestimmt recht stumpfe, kurz gedachte Provokation. Sei es, wie es wolle: Daraus ernsthaft einen Nazi-Vorwurf konstruieren zu wollen ist bar jeglicher Vernunft.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 15:29

Regina Löwenstein hat geschrieben:Zwar bin ich ehrlich gesagt meist zu verweichlicht für traditionellen norwegischen Black Metal, aber hier verzaubert mich die wilde Schönheit in mitten des Chaos


Wenn du diese Schönheit erkennen kannst, dann bist du nicht zu verweichlicht. Denn die Schönheit erkennen und mögen zu können trotz all dem Chaos, darum geht es doch auch beim Blackmetal. Außerdem hörst du meiner bescheidenen Meinung nach härteren Kram, aber das ist natürlich auch subjektiv... Blackmetal, egal wie grim und frostbitten er auch ist, kann mich nichtmehr schocken, da kann man dann ganz unbefangen hinter die Kulisse schauen und das flauschige an den Pandas erkennen. Was ich da in deinem Thread schon entdeckt habe (SKITLIV), das ist doch viel chaotischer und verstörender...


Jhonny hat geschrieben:Taake spielen vorzüglichen Norwegischen Black Metal, mein Bruder will mir aber einfach nicht seine Scheiben verkaufen :grins:


Ha, wofür verdienst du denn eigenes Geld? Einfach doppelt besorgen und dem Bruder die lange Nase zeigen :grins: Wenn meine Schwester solche Platten besitzen würde, die würde mich warscheinlich sogar dafür bezahlen dass ich die abholen komme...


Rüdiger Stehle hat geschrieben:Sei es, wie es wolle: Daraus ernsthaft einen Nazi-Vorwurf konstruieren zu wollen ist bar jeglicher Vernunft.


Ja, natürlich. Ich habs nur erwähnt weil es mir erwähnenswert schien, für das Gesamtbild ist das schon nicht komplett unwichtig.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 17:01

Platz LI


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Redemption - Snowfall On Judgement Day (2009)


Auch hierfür musste ich meine Liste etwas umstellen, aber in Anbetracht des derzeitigen Schnee-Wahnsinns gibt es einfach kein passenderes Album :) Nicht unbedingt musikalisch, denn hierbei handelt es sich um ein recht konventionell gestricktes Prog-Metal Album, aber beim Cover und Albumname fühlt man sich doch irgendwie an die weiße Winterwelt in Mitteleuropa erinnert. Die Songs bewegen sich alle oberhalb der 5-Minuten-Marke, sind genretypisch instrumentalisiert und aufgebaut, es gibt also phantastischen Klargesang, eine angenehme aber niemals ausufernde Prise Gitarrenfrickelei, eingängige Riffs und Melodien. Klingt nach nichts besonderem, aber hinsichtlich Songwriting und Melodien gibt es hier einfach eines der besten Alben des letzten Jahres. Die Prog-Fraktion im Powermetalrat dürfte das Werk ohnehin kennen, aber auch die Progabstinenzler sollten mit dem Namen Ray Alder, welcher auf dem Album eine tolle Gesangsleistung abliefert, etwas anzufangen wissen. Alles in allem also ein rundum gelungenes Prog-Metal Album, welches sich nach etlichen Verschiebungen innerhalb meiner Top100 letztenendes "nur" auf Rang 51 wiederfindet, somit also die höheren Weihen innerhalb der Top50 knapp verfehlt. Bisher mein einziges Album der Band, nach dem, was ich in anderen Threads gehört habe, wird sich das aber sehr bald ändern.


Black And White World - absolut phänomenal, selbst auf dieser durchweg hochklassigen Scheibe DER Höhepunkt.

Walls

Another Day Dies - James LaBrie gibt sich hier die Ehre und trällert mit.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Regina Löwenstein » Montag 27. Dezember 2010, 17:06

Nach finsterstem Norweger-Waldschrat-Metal nun so schöngeistige Musik.
Redemtion hat für mich einen Dream-Theater-Faktor - insofern, dass ich durchaus die Musik honoriere und objektiv gesehen auch ganz hübsch finde; fesseln kann sie mich trotzdem nicht, weil mir inmitten all der schönen Kompositionen einfach der zündende Funke fehlt. Das ist die Art von Kitsch-Prog, die mich kalt lässt. Aber ich kann, genau wie bei Dream Theater, positive Reaktionen auf diese Musik durchaus nachvollziehen.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 17:24

Regina Löwenstein hat geschrieben:Nach finsterstem Norweger-Waldschrat-Metal nun so schöngeistige Musik.


Das war ja die Intention :grins: siehe Seite 1: Mehr Abwechslung fürs Volk! Es geht ähnlich schizophren weiter, ich hab wenigstens versucht, immer zwischen beiden Polen, also hübsch und garstig, zu pendeln. Nicht bis in letzter Instanz konsequent, aber ich hoffe, dass zumindest die Absicht erkennbar ist. Da ich die Alben vor und während dem Schreiben komplett höre sorgt das auch für mich selbst für mehr Abwechslung.


Dass dir das nicht besonders gut gefällt überrascht mich im übrigen nicht, das Gegenteil hätte mich gradezu in Staunen versetzt, aber deine objektiv-kritische Haltung dazu weiß ich trotzdem zu schätzen :dafuer:
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Havoc » Montag 27. Dezember 2010, 17:29

Teichfrosch...ich glaube wir haben einen ähnlichen Musikgeschmack. Ich höre ja auch fast nix anderes mehr als Prog und Black Metal.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 18:42

Havoc hat geschrieben:Teichfrosch...ich glaube wir haben einen ähnlichen Musikgeschmack. Ich höre ja auch fast nix anderes mehr als Prog und Black Metal.



Naja, ich höre ziemlich viel Metalcore/Hardcore, Doom, Sludge, dazu noch Hiphop und Klassik, Pop, Elektro und manche Soul/Funk Klassiker... Aber ja, in nicht grade wenigen Bereichen überschneiden sich unsere Vorlieben, das hab ich in deinem Thread auch schon festgestellt 8-)


Platz L


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Jesu - Conqueror (2007)


Witziges zuerst: auch Jesus hört JESU. Gnihihi, okay, genug gelacht, die Musik ist nämlich bierernst. Jedenfalls sollte man die Band ernst nehmen, denn die Musik, die sie machen, ist rüschtüsch toll. Lange und langsame Songs, ruhig und meditativ aufgebaut und minimalistisch instrumentiert, träumerischer Gesang , optimal zum entspannen und treiben lassen. Eine musikalische Nähe zu SIGUR ROS lässt sich nicht gänzlich abstreiten, allerdings agieren JESU etwas rauer und weniger elfenhaft, man könnte sagen, JESU sind metallischer mit tiefen, elektronisch verstärkten Gitarren dann und wann und einem etwas kantigerem Klangbild. Freunde von Adagio schalten sich bitte ein und Liebhaber von Allegro besser ab, denn hier passiert Minutenlang eigentlich garnicht viel, außer dass das, was die ganze Zeit gespielt wird, einfach die ganze Zeit gespielt wird, zumindest vordergründig, denn wer sich die Zeit nimmt und zuhört dem bescheren JESU auf dieser tollen Platte sphärische Details. Dieser ungalante Satz sollte allerdings nicht auf die Musik bezogen werden, denn wer es gerne langsam, träumerisch und ruhig mag kommt voll auf seine Kosten, und das grazil und formvollendet.


Mother Earth

Stanlow

Weightless & Horizontal - längster Song der Platte und ein echter Träumer.
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