Der Kurzreview-Thread

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Sonntag 16. März 2025, 20:31

Pillamyd hat geschrieben:Ich habe jetzt mal in "The Four Horsemen" reingehört. Ich meine zu verstehen, was du daran zu kritisieren hast. In den schnellen Momenten kommt das Cello, wie ich finde, tatsächlich nicht so zur Geltung. Ich frage mich unsicher, ob da zwei konträre Verhältnisse gegeben sind. In den ruhigen, oder aber auch in den leicht abgewandelten Passagen finde ich das aber durchaus Ausdrucksstark und erfrischend. Sonst klingt es leider "nur" wie sehr gut nachgespielt. Allerdings ist das Handwerk natürlich sehr stark.
Ja, in den ruhigeren Passagen besticht das Cellospiel, gerade nach einigen fremdelnden und dann doch befreundenden Durchläufen, tatsächlich am meisten, und es gewinnt dem Stück auch neue Facetten ab. Dass man manches noch einmal ab- und dem eigenen Sound anverwandelt hat, respektiere ich ganz grundsätzlich. Als Ganzes und für sich genommen besticht diese APOCALYPTICA-Version also durch einen dynamischen Facettenreichtum. Man darf eben kein reines Thrasharrangement erwarten. Genau solche "Experimente" machen die Transkription freilich interessant. Für die Musikanten vermutlich noch etwas mehr als für die Zuhörer. Aber auch, wer das Original nicht kennt, dürfte hieran seine Freude haben, vielleicht mangels Voreingenommenheit sogar noch mehr.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Mittwoch 19. März 2025, 20:53

Something different:


DAVE LOMBARDO - "Rites Of Percussion"

Es gibt ja dieses sterotype Rockmeme, dass Schlagzeugsoli das überflüssigste, langweiligste und egomanischste überhaupt seien. Diese Vorstellung gehört entsorgt. Jedenfalls was Schlagzeug-Soloalben anbelangt. Jedenfalls was dieses Schlagzeugsoloalbum anbelangt. Keine Ahnung ob es echte Solos oder Overdubs sind, mit denen DAVE LOMBARDO diese Stücke erstellt hat. Aber bis auf ganz, ganz wenig Drones & elektrisches Atmo-Gesummse im Hintergrund weniger Passagen dieser ungesungenen "Songs", gibt es hierauf tatsächlich nur Schlagwerk zu hören. Damit werden aber dennoch Atmosphären erzeugt, die etwas besonderes haben. Von hart bis zart, von ambient bis tribalistisch, von jazzig federnd bis grollend rollend werden hier allerlei Stimmungsvarianten, Nuancen, Facetten rhythmischer Art aufgeboten, die einen dynamischen Fluss erzeugen, dem ich mich nicht entziehen kann oder möchte; die Spannung oder Faszination dieser Musik hält meine Konzentration weitgehend auf Zack (oder lässt mich auch schon mal in eine angenehme Trance abgleiten). Meditativ ist diese Musik eher nicht, aber hypnotisierend schon. Percussion zum Träumen!
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Donnerstag 20. März 2025, 22:40

Von CHELSEA WOLFE nenne ich nun seit geraumer Zeit ihr Album

"She Reaches Out To She Reaches Out To Me" mein eigen.


Mir vermittelt es ähnliche Stimmungen wie PORTISHEAD (insbesondere "Third"), NINE INCH NAILS, TRICKY, THE NOTWIST, ROSE KEMP, BJÖRK, BRIGHT EYES ("Digital Ash In a Digital Urn"-Instrumentierung), ULVER (mittels "Perdition City").

Für einen Eklektiker und Synkretisten wie mich ist das natürlich eine interessante Mischung.

Vor allem besticht mich das Album durch die Art der dichten Atmosphären, welche es erzeugt:
Ziemlich kühl und dunkel, ätherisch und innerlich im Klang, manchmal gar hypnotisch und trippig; und dazu passt dann auch das Cover-Artwork im tiefblau-dunklen, art-nouveau-inspirierten psychedelic look ganz vorzüglich.

Das mag jetzt wegen der oben erwähnten Referenzen auf einige Leser erstmal abschreckend loopig wirken, mein Eindruck ist jedoch eher ein live eingespielter, nicht nur was die Gitarrendrones und -riffs anbelangt, sondern auch die teils eher trockene Rhythmik, was das Album insgesamt atmend, unmittelbar und intim klingen lässt, mitunter auch druckvoll, dann wieder zerbrechlich, jedenfalls aber stets spannungsreich. Vielleicht trifft elektrisch überformt organisch den Gesamtklang ganz gut.

Ja, diese Musik hat etwas besonderes, ist sehr stimmungsvoll instrumentiert und produziert, aber bleibt bisweilen dennoch emotional etwas distanziert. Dann jedoch wird es zwischendurch immer wieder gefühliger, aber auf eine eher bedrückende und unheimelige Art. Abschließend bewerten mag ich das Gesamtwerk allerdings (zumindest gegenwärtig) nicht, denn ich bin noch im Prozess, mich nach und nach tiefer einzuhören. Doch momentan vermute ich stark, dass sich dieses Album in meinem Gehör noch weiter entfalten wird.


Die Musikerin selbst hat sich zu ihren Inspirationsquellen speziell bei diesem Album hier geäußert.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Matthias Ehlert » Donnerstag 20. März 2025, 23:03

Die Alben von CHELSEA WOLFE sind grandios gut. Der Track 'Salt' vom letzten ein Song des Jahres. Außerordentlich spannungsreiche Kompositionen, raffiniert ausbalanciert, tolle Stimme - kann ich nur bestätigen! :P
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Mittwoch 7. Mai 2025, 14:40

Cryptosis - Celestial Death

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Dieses Album stand eigentlich gar nicht auf meiner Liste. Aber durch Reviews und die Gruppentherapie wurde ich darauf aufmerksam und hab einfach mal zugeschlagen. Bereut habe ich es sicher nicht. Der Stilmix ist schon ein bunter und das Album macht auch durchaus Laune. Trotzdem hatte ich aufgrund so mancher Schilderung irgendwie noch ein kleinwenig mehr erwartet. Von etwas total Neuem, noch nie da gewesenem war hier und da die Rede. Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Es ist halt schneller neuer Thrash mit beigemischten Anteilen von atmosphärischem Black Metal (Dimmu Borgir!) und etwas Tech Death. Am ehesten fallen mir da wirklich Vektor als Vergleich ein. Aber nicht ganz so hektisch und atemberaubend, dafür aber melodischer, atmosphärischer und sauberer. Spieltechnisch ist das hier sicher eine gute Band, aber der Herr vom DF-Review hat im Abschlusssatz schon Recht damit, dass die neue Changeling da zwei Klassen drüber liegt. Das Schlagwerk ist hier z.B. viel eindimensionaler. Aber eigentlich kann man die beiden Alben auch nicht vergleichen. Das sind schon zwei unterschiedliche Spielwiesen würde ich sagen. Ansonsten klingen die Songs alle recht ähnlich. Ein kleiner Hit hat sich aus meiner Sicht allerdings eingeschlichen. Und zwar Song Numero 5. Abschließend bleibt zu sagen. Gutes Album, aber auch nicht unbedingt mehr.

-> 8,0
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Freitag 9. Mai 2025, 20:09

FORTID - Narkissos

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Mir fiel auf, dass ich zu dieser Scheibe ja noch überhaupt gar nix gesagt habe. Das könnte daran liegen, dass ich sie im Gegensatz zu manch anderem Neuzugang noch nicht so wahnsinnig oft aufgelegt habe. Das wiederum liegt aber nicht unbedingt an der Qualität der Musik, sondern eher daran, dass ich auf diese Art von Musik zuletzt eher weniger Lust hatte. Trotzdem muss ich auch sagen, dass das Ding noch nicht so richtig gezündet hat. Mit Bands wie Enslaved oder Helheim kann das bisher noch nicht so ganz mithalten. Und auch mit meinem anderen Neuzugang, der Kampfar-Scheibe, kann es das Album nicht aufnehmen. Ich glaube ein kleinwenig liegt das auch an den isländischen Vocals. Die klingen für meine Ohren einfach nicht so knarzig zackig wie Norwegisch. Ich denke aber, dass das Album im nächsten Herbst oder so noch Wachstumspotenzial hat.
Aktuell ist es für mich aber eher „nur“ ne 8,0.
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