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von Eike » Samstag 25. Oktober 2025, 17:39
Robert Hoffmann vergibt 7/10 Punkte an den Film: https://youtu.be/LsisA9Xyk48
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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von Pillamyd » Samstag 25. Oktober 2025, 20:45
Das schaue ich mir morgen gern nach dem Film an. Davor aber eigentlich nie. Zu Hoffmann: Manchmal sehe ich vieles ähnlich, manchmal weniger. Aber ich mag seine unaufgeregte Art schon immer.
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von Eike » Mittwoch 3. Dezember 2025, 21:54
Was hältst du als Bruce-Experte denn von dem Film? Ich fand ihn toll: Eike hat geschrieben:"Springsteen - Deliver Me From Nowhere"
Eine etwas ambitioniertere Künstlerbiografie, die nicht einfach ein bebildeter Wikipedia-Artikel oder ein fanbrustglühendes Heldenepos sein will. Vielmehr geht es hier um die Entstehung des zweiten Albums "Nebraska" und eine Phase im Leben des Künstlers, in der er musikalisch, kompositorisch und lyrisch anscheinend bereits sehr selbstbewusst war, privat jedoch seinen Platz und seine Rolle im Leben noch nicht gefunden hatte, und auch noch keinen selbstsicheren Umgang mit den Folgen wachsender Berühmtheit und der eigenen Vergangenheit. Was vielleicht auch die umso besessenere Vertiefung in das Musikschaffen und das Reinhalten seiner künstlerischen Vision erklärt. Der Film orientiert sich anscheinend vor allem an einem Buch, wirkt aber in der Struktur seiner Bildsprache filmisch eigenständig. Schauspielerisch wirklich toll, und auch die Ausstattung wirkt authentisch und wie eine kleine Zeitreise. Extra-Sympathiepunkte für kleine Nerdexkurse in damalige Aufnahmetechnik und das Anspielen des großartigen SUICIDE-Debütalbums, welches Springsteen durch seine schroffe lo-fi Ästhetik, seinen Minimalismus und seine spartanische und doch entrückte Atmosphäre wohl ebenso beeindruckt hat wie durch seinen poetischen Fokus und D.I.Y.-Ethos, den Echosound und die rudimentären Elvis-Anleihen. Dieser Film ist also nicht bloß (der Ausschnitt) eine(r) Musikerbiografie sondern anteilig auch das (skizzenhafte) Portrait des Sonderstatus eines konkreten Albums im Oeuvre des Künstlers sowie dessen "Making of". Obwohl der Film eher unspektakulär daherkommt, konnte er mich schnell tief in seinen Bann ziehen, auch ohne dass ich mit Springsteen vertraut wäre. Für mich ist es sogar einer der besten Filme meines Kinojahrs 2025.
9/10
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von lenbert » Donnerstag 4. Dezember 2025, 22:36
Schöner Text, Eike! Den Film habe ich nicht gesehen. "Nebraska" ist allerdings ein besonderes Album. War deine musikalische Erkenntnis durch den Film ausgelöst, durch Pilles Albumvorstellung oder durch ein anderes Ereignis?
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von Eike » Freitag 5. Dezember 2025, 00:44
Beides. Pille hatte mir das Album zudem früher schon ans Herz gelegt.
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von Pillamyd » Dienstag 16. Dezember 2025, 12:54
Ich habe den Film leider nicht sehen können. Werde wohl auf die BluRay warten müssen.
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von Eike » Dienstag 16. Dezember 2025, 19:52
Pillamyd hat geschrieben:Platz 09 Bruce Springsteen | NebraskaGenre: Folk-Fock (auf diesem Album) VÖ: 1982Die Geschichte zu diesem Album fasziniert mich, seitdem ich dieses Album kenne. Seit ca. 15 Jahren. Was die Intention dieser Aufnahmen gewesen ist und was daraus geworden ist, gibt Aufschluss darüber was für ein Arbeitstier Springsteen ist und dass es für ihn seltsam wäre, wenn er bloß an einer Sache arbeiten würde. Schlafzimmer, Gitarre, Mundharmonika, Mikrofon und Aufnahmegerät und natürlich ein Bruce. Das waren die Aufnahmebedingungen. „Nebraska“ so wie man es heute kennt ist eigentlich ein Demo, welches für die Aufnahmesessions zum nächsten Album „Born In The U.S.A.“ dienen sollte. Es gibt also auch Material, dass auf dem 1984er Album landeten. Die eigentliche Grundstimmung lies sich aber nur schwer umsetzen, so dass Springsteen sich dazu entschied die Songs in ihrer Urform so zu belassen wie sind. Das rockige „Born In The U.S.A“ in seiner ursprünglichen Form ist schon sehr interessant, wäre aber nie und nimmer ein so rubelrollender Stein gewesen. Im Laufe der Jahre wurden Songs des Albums auch immer wieder in seiner rockigen Version live gespielt. „Johnny 99“ zum Beispiel. Und seit ein paar Wochen, gibt es die Deluxe Version bei dem das gesamte Album auch in einer Electric Version erhältlich ist. An die Urform kommt es nicht ran. Aber ist im Kontext zur Entstehung einfach ein spannendes Zeitdokument. Die Entscheidung die Songs in dieser Form zu belassen, ist die Beste die Springsteen treffen konnte. Ein unfassbares intimes Album, dass einige persönliche Texte beinhaltet, wie zum Beispiel „My Father’s House“. Aber auch sozialkritische Texte beinhaltet. Springsteen singt vom Leben, vom Rand der Gesellschaft, von heftiger Kriminalität, wie in "Nebraska“. Ein Song der inspiriert von dem 1973er Film Badlands isf, der selbst auch auf einer wahren Geschichte basiert. Wahrlich schwere Kost, die in folkigen kleinen Musikstücken verpackt werden. Ein Song wie „Highway Patrolman“ ist wohl die sinnbildlichste Charakteristik dieses Albums. Es erzählt die Geschichte eines Polizisten Namens Joe und seinem draufgängerischen Bruder Franky, der seitdem er aus dem Vietnamkrieg nur in Schwierigkeiten begibt. Eine kleine, traurige und nachdenkliche Geschichte über jemand der seinen Job sehr ernst nimmt, sich aber scheinbar von Dilemmatas umringt fühlt, weil er seinem Bruder ständig den Arsch rettet, bis es zu einem traurigen Höhepunkt kommt. Übrigens auch ein Song, dass auch als Vorlage für den Film „Indian Runner“ von Sean Penn diente. Selbst JOHNNY CASH hat den Song einmal gecovert. Ich könnte jetzt jede Geschichte die Springsteen auf diesem Album verarbeitet in seitenlangen Absätzen aufgreifen. Aber dann würde ich einiges vorwegnehmen. Andererseits hätte es dieses Album verdient eine so ausführliche „Besprechung“ zu bekommen. Dieses Album ist musikalisch gesehen keine große Herausforderung. Aber in der Kombination mit den Texten, zahlt sich die Minimalität in Musik aus und untermalt diese melancholisch, dunklen Texten. Diese nasskalte Grundstimmung lässt erahnen, warum das Album nach diesem Bundestaat benannt wurde, und führt politisch auf ein Thema zurück wie sie in „Johnny 99“ behandelt wird. Die Biografie „Born To Run“ gibt noch ein wenig mehr Aufschlüsse über die Texterei und des Musikschreibens, über die Beziehung zu seinem Vater zu seinem Umgang mit der Band. Über die Volksnähe und Bezug auf die Gesellschaft, den Leuten die sich nicht gehört fühlen, eben das Gefühl zu geben gehört zu werden. Ganz ohne flachen Populismus, mit viel Erzählkultur ohne diesen wahnsinnigen hasserfüllten Zeigefinger, wie es sonst überall der Fall ist und nicht aktueller den je sein könnte. Über die Jahre hinweg wurde Springsteen konkreter, wie zum Beispiel auf seiner letzten Tour. Der Weg dahin war ein langer, aber er hat dabei nie sein Gesicht verloren oder wurde ausartend. Und obwohl er eine Reihe von 10 von 10 Alben zu dieser Zeit rausgebracht hatte, so ist „Nebraska“ wohl das Album, Welches ich am meisten gehört habe. Hörbeispiele:Highway PatrolmanMy Father's House
Enis, das liest sich wie das Intro zu einem längeren Artikel, oder sogar einer Artikelreihe, zu diesem Album, jedenfalls zu einem längeren Text, den ich mir liebend gerne in Printform ins Regal stellen würde. (Musikmagazine kaufe ich eigentlich nur noch vor längeren Bahnfahrten, um dann regelmäßig davon enttäuscht zu werden, wie wenig Qualität, Recherchetiefe und Sprachgefühl, wie wenig value for money ich da nur noch geboten bekomme - verglichen mit früher, aber auch verglichen mit kostenlosen Beiträgen von dir hier im Forum. Printzines sind wohl zu Recht so gut wie tot, ob sich die Ersteller nun als "Überzeugungstäter" bezeichnen oder auch nicht...) Ohne Scheiß, ich checke nicht, wieso du nicht schon seit Jahren deine Rezensionen auf der Hauptseite untebringst - und sei es "nur" als Gastbeiträge. Aber das bloß am Rande... Je älter ich werde, um so mehr kann ich mit Minimalismus anfangen. Cohen, Cash, Nico, Vega/Rev, Waits, Von Till, Springsteen, ... Wie auch immer, "Nebraska" steht auf dem Anspar- und Einkaufszettel für 2026. Im Film "Deliver me from nowhere" gibt es diese Szenen, die auf den Minimalismus des Albums und dessen Inspirationen abheben. Da kommen dann auch Alan Vega & Martin Reverby (alias SUICIDE) ins Spiel, und auch Terrence Malick ("Badlands") in seiner Frühphase könnte man dort verorten. Ich komme bei sowas (vielleicht vor-) schnell ins Assoziieren; allerdings lege ich "Down in the part of town where when / you hit a red light you don't stop / Johnny's wavin' his gun around and / threatenin' to blow his top" über einen eigentlich als Ralph eingeführten Charakter (Springsteen: "Johnny 99",'82) neben "John, John, John, Johnny / Johnny, mmhmm / He’s cruising the night, looking for love / He’s looking so mean, he’s feeling so tough" (Reverby/Vega: "Johnny",'77), und den kaputten Knarrenkiller Franky in "Highway Patrolman" ( "Man turns his back on his family / Well, he just ain't no good", Springsteen' 82) neben den kaputten Knarrenkiller Frankie in "Frankie Teardrop" ( "Frankie is so desperate / He's gonna kill his wife and kid", Rev/Vega '77) und den kaputten Schwiegervater-Knarrenkill in "Badlands" (Malick,' 73), und den Text ( "License, registration I ain't got none / But I got a clear conscience 'bout the things that I done / [...] / The radio's jammed up with talk show stations / It's just talk, talk, talk, talk 'til you lose your patience") und Sound von 'State Trooper' neben den Text ( "TV star riding around, riding around in a killer's car / It's doomsday, doomsday speeding on down the skyway / 100 miles per hour, gonna crash, gonna die / And I don't care / Rocket, rocket USA") und Sound von 'Rocket USA', so meine ich dazwischen schon gewisse Parallelen auszumachen: Minimalismus, moderne Mythen, amerikanischer Albtraum, Anti-Romantik. Sowas fasziniert mich...
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von Pillamyd » Mittwoch 17. Dezember 2025, 09:37
Da kann ich nur rot werden.
Ich mache das hier zum spaß und zum Austausch in diesem Forum. Mit Leuten, dessen musikalische Vorlieben über die Jahre einzuschätzen sind. Denen man etwas näher bringen möchte und das offensichtlich auch funktioniert. Ich poche immer auf den direkten Austausch. Deshalb bin ich auch so erwartungsfreudig. Wie in diesem Fall, freu ich mich dann auch tierisch darüber. Das gibt mir sehr viel und bestätigt, dass ich einen Weg gefunden habe, mich mitzuteilen und auszudrücken, wie ich Musik höre. Das ist mir immer am wichtigsten.
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von Eike » Mittwoch 28. Januar 2026, 23:10
Sehr starker Song!
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