Black Metal - Der Drachenhort!

Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Dead_Guy » Montag 1. Dezember 2025, 12:45

Blut Aus Nord sind schon ein Chamäleon im Black Metal, das Debüt zum Beispiel ist recht traditionell, die Memoria Vetusta Reihe ist melodischer, die 777 Reihe ist das das sperrige, avantgardistische Wesen für das BAN vor allem bekannt sind, die Hallucinogen ist passend zum Namen catchy-psychedelisch und die beiden Disharmonium Alben sind vertonte Fiberträume aus dem Lovecraft-Universum. Die neue höre ich heute zum ersten Mal und bin selber gespannt wo die Reise hingeht.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Dead_Guy » Montag 1. Dezember 2025, 12:52

Bin ich durchaus bei dir.

Für mich ist Black Metal (im klassischen Sinne) tatsächlich auch das einzige Genre, indem ich oftmals schon von "generisch guten" Bands, ohne allzu eigene Trademarks eingefangen werden kann, einfach, weil mir das Klangbild, die Ästhetik und die Ausdrucksform wohl irgendwo auf die Seele tätowiert sind. War halt 1991-1996 in meiner prägendsten Musikphase einfach genau mein Ding und hat mich nie mehr verlassen.

Was die stilistischen Ränder angeht - sei es Avantgarde, Symphonic, Depressive, Shoegaze, Post, Industrial usw... - gefällt mir auch sehr, sehr vieles. Wo da dann wirklich die Grenze ist, lässt sich schwer präzise in Worte fassen. Die avantgardistisch-progressiven Sachen der alten Norwegerbands (Mayhem, Mysticum, Ved Buens Ende, Dödheimsgard, In The Woods, Ulver, Satyricon usw...) oder genremischend-regressiven wie Darkthrone konnten mich nahezu alle weiterhin mitnehmen, auch wenn sie - rein stilistisch gesehen - sehr weite Wege vom Ursprung weggegangen sind. Irgendwie haben sie mich trotzdem mit ihrem unverkennbaren Sosein erreicht.

Mit der Attitüde und Ästhetik etlicher modernerer BM-Bands tue ich mir indes schwerer. Oft kann ich es gleichwohl als "gute Musik" genießen, aber nicht als "Black Metal". Ich kann das nicht wirklich rational begründen. Für mich gehören irgendwie zum Black Metal schon eine rohe, böse, wahnhafte, verzehrende Energie und Attitüde, und ein Bekenntnis zu den Wurzeln des Genres, sowie irgendwo auch eine exaltierte, charismatische Bühnenpräsenz in der Livesituation. Das ist mit ein Grund, warum mir die ganzen Kapuzentruppen mit lediglich Buchstaben als Pseudonym und durchnummerierten "Songtiteln" irgendwie - völlig unbeschadet ihrer musikalischen Qualitäten - nicht so richtig BM-Vibes vermitteln.

Ich verstehe, was die damit ausdrücken und erreichen wollen. Fokus weg vom traditionellen Frontmann/Rampensau/Star-Image des Rock'n'Rolls, dafür hin zu nur Musik, nur Text, nur Klangästhetik. Weg von so empfundener eitler Selbstdarstellung, hin zu einem dunklen, diffusen Kollektiv usw... Alles legitim. Ist rein subjektiv. Aber trotzdem gibt mir halt ein Dead, ein Attila, ein Kvarforth, ein Maniac, ein Hoest, ein King Diamond, ein Cronos, ein Satyr... als Frontmann so viel mehr als ein Kapuzenklaus, dem man nicht ins Gesicht, nicht in die Augen schauen kann, oder der halt einfach so auf der Bühne steht und sich seine Schuhe oder Saiten anschaut.

Alles kein Argument gegen Weiterentwicklung und Neuerfindung von Teilen des Genres; noch nicht einmal Kritik daran, sondern einfach der Versuch, eine persönlich größere Nähe zum einem als zum anderen in Worte zu fassen.

Alles gut, ist ja nicht so das wir die Diskussion gefühlt schon nicht x-mal hatten und ich deine Standpunkte stellenweise nicht teile aber grundsätzlich komplett nachvollziehen kann. Für mich steht im BM halt der emotionale Aspekt an allererster Stelle, alles andere ist ein netter Bonus, mir fehlt aber auch nichts wenn das nicht gegeben ist. Zum Beispiel ich gehe gerne auf Konzerte mag aber genauso gerne Bands wie Artists die darauf keinen Bock haben und ich finde Bühnenshows cool, mag aber auch Bands die sich anonymisieren wollen. Vor allem kann bei aller Langweile eine Band mit Lappen im Gesicht und null Stageacting nicht unagenehm performen, das hatte ich zum Beispiel bei Chaos Invocation beim Zappenduster, da haben mir die Ansagen die für mich eher gewungen als natürlich eine negative Gäneshaut bescherrt.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Dead_Guy » Montag 1. Dezember 2025, 12:53

''Gezwungen als natürlich wirkten'' sollte es heißen.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Eike » Mittwoch 24. Dezember 2025, 21:17

Feamorn hat geschrieben:(Sonst hab ich noch einzelne Sachen von ein paar Bands, die ich auch in diese sehr grobe "Denkrichtung" von Musik stecken würde. (Agrypnie, Der Weg einer Freiheit, Fäulnis(?), Heretoir. Wo sollte man denn sonst noch ein Ohr riskieren? Waldwind hab ich auf dem Zettel.)
ALLMACHT und ISOLATION eventuell? Wenn es um weltweiten Post-Black geht eben die "üblichen Verdächtigen" AGALLOCH, ALCEST, CULTES DES GHOULES, FEN, KATLA, ORANSSI PAZUZU, PENSÉES NOCTURNES, SÓLSTAFIR, WOODS OF YPRES, ...
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Dead_Guy » Donnerstag 25. Dezember 2025, 17:00

Wo sind CDG und Pensees Nocturnes Post BM, erstere verbinden Einflüsse der 80er und 90er und letztere sind Avtgarde BM, auch Oranssi Pazuzu werden von niemanden den ich kenne als Post BM bezeichnet. Ich wurde für Post BM Kram wie Ultha, Sun Worship, Ellende, Sunken, Afsky, Altar Of Plagues, Lantlos, Abstract Void u.a. empehlen
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Eike » Donnerstag 25. Dezember 2025, 17:35

LANTLÔS ist wahrlich keine schlechte Empfehlung.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. März 2026, 12:06

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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Dekalog der Elemente » Montag 9. März 2026, 20:40

Eike hat geschrieben:LANTLÔS ist wahrlich keine schlechte Empfehlung.


Die hab ich irgendwann komplett aus den Ohren verloren, nach ihrem "Popalbum"
Im Auge des Feindes sehe ich nur mich selbst - Fyrt Byrask

Grundsätzlich ist Mettwurst wie Paprika, nur in einem anderen Härtegrad.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Julian Rohrer » Mittwoch 25. März 2026, 18:00

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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 25. Mai 2026, 16:54

Auf Dead_Guys Anregung hin, habe ich mir dann mal die neue A FOREST OF STARS angehört und kann überwiegend sehr positive Eindrücke vermelden.

Um die von Dead_Guy sehr konkret angeführten viktorianischen Vibes zu erfassen bin ich im Zweifel noch nicht tief genug eingestiegen, insbesondere nicht in die Lyrik. Was aber unmittelbar gefällt ist das sehr dynamische, reduzierte, teils fast fragile, gläserne Klangbild. So etwas habe ich sehr, sehr gerne. Die Königin der Geister scheint eine ganz wichtige Komponente im Bandgefüge zu sein. Die zarte und doch omnipräsente Violine, die hintergründigeren Flötenparts, aber auch ihre tolle, ätherische Leadgesangsrolle z.B. bei 'Sway...'. Der Song ist beim ersten Durchlauf am stärksten hängengeblieben. Ich höre da durchaus sehr alte, wie auch sehr britische Vibes, die mich etwa ein wenig an SPRIGUNS OF TOLGUS erinnern, in den doomigen Momenten aber auch an MY DYING BRIDE (nicht nur der Geige wegen), sondern auch Herrn Fluchs härteren Gesangsmomenten wegen. Die progressive Dynamik erinnert mich hier etwas an ORANSSI PAZUZU, dort ein wenig DØDHEIMSGARD, doch weniger kaputt-psychotisch als man es von Vicotnik und Aldrahn kennt. Richtig lässig sind dann die groovenden 70s-Rock-Elemente, die auch hier und da durchbrechen, gerade im Kontrast und Wechsel mit postrockigen oder spacigen Elementen, die eine HAWKWIND- oder gar FLOYD-Note nicht ganz verhehlen können. In den hysterischeren Scream-Parts grüßen gar Erinnerungen an FLEURETY.

Das ist, was der erste Durchlauf so hinterlässt, an Eindrücken. Wer selbst hineinhören möchte:

https://a-forest-of-stars.bandcamp.com/ ... -interface
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