Bevor ich da meinen Senf zu abgebe, hier meine Inspiration:
https://www.youtube.com/watch?v=odR7IrZtSsU
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Ästhetischer Unterschied US/German Thrash
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Ästhetischer Unterschied US/German ThrashBevor ich da meinen Senf zu abgebe, hier meine Inspiration:
https://www.youtube.com/watch?v=odR7IrZtSsU Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Ästhetischer Unterschied US/German ThrashDanke dir für den Link.
Das ist ein schönes Video, in dem Oliver zwar Dinge erwähnt, die jetzt nicht unbedingt neu sind, aber sie sich nochmal in der geballten Konsequenz vor Augen zu führen, schadet nicht. Ich denke dass die Infos gerade für ein amerikanisches Publikum sicher hilfreich sind, die Unterschiede besser einordnen zu können. Wenn man in Deutschland mit deutschem Thrash aufgewachsen ist, lässt sich die Sache sehr gut nachvollziehen, da wir (also die Siebziger-Jahrgänge und älter, in jedem Fall) eben mit dieser Historie gelebt haben und von ihr geprägt wurden. Man hat das Zechensterben im Kopf, den kalten Krieg, die innerdeutsche Grenze, Tschernobyl, das Proberaum-Thema, hier in der Gegend waren es weniger Bunker als einerseits alte Festungsanlagen aus der Zeit des Kaiserreichs, und - natürlich sicher auch im Ruhrgebiet - Industriebrachen. Aber klar, es ist immer auch gewisses Lost-Places-Feeling am Start. Und die gerade im Thrash sehr präsente dezidiert linke, punkige Attitüde, die man in Deutschland auf der anderen Seite aber auch eher haben konnte, als in den USA, die außerhalb der großen Metropolen damals wie heute ja massivst konservativ sind, in einem weit größeren Maß, als es Deutschland bereits ab den Siebzigern war. Ich komme ja auch aus einer konservativen Gegend, aber zu meinen Lebzeiten war es hier halt nie tabu oder ein ernsthaftes Problem, auch liberal, links, atheistisch, öko oder was auch immer zu sein. Daher ist es nicht so verwunderlich, dass das Gros des rebellischen Thrashs in den USA aus den großen Küstenmetropolen kommt, NYC, LA und SF-Bay-Area, während es in Deutschland stärker auch in den seinerzeit darbenden Industriegebieten, aber auch in ländlicheren Gegenden stattfand (Südbaden). Was mich persönlich angeht, muss ich sagen, dass ich natürlich Bands aus beiden Welten unglaublich gerne mag und für essentielle Klassiker halte. Aber - da bin ich sicher anders gepolt als du, Holg - für mich war tatsächlich immer der Teutonenthrash das, was für mich die Definition von Thrash Metal ausmachte, ohne damit NYC und der Bay Area etwas absprechen zu wollen. Die Gründe sind die folgenden: 1. Ich bin mit diesen Bands aufgewachsen. Sodom, Tankard, Necronomicon, Destruction, das waren meine ersten Thrash-Bands, die mir über den Weg liefen. Gerade Sodom und Tankard waren hier im Dorf in Sachen Thrash die angesehensten... ![]() 2. Ich will den Rock'n'Roll und den Blues heute nicht missen, und ich habe allen Respekt vor diesen Einflüssen, aber ich war im Herzen, gerade als Jugendlicher, immer näher bei den Bands, die mehr europäische Musik-DNA in sich hatten, als die aus dem amerikanischen Rhythm'n'Blues und Rock'n'Roll. Ich hoffe ich klinge jetzt nicht wie Varg Vikernes, wenn ich sage, dass ich das "Black Music"-Element im Rock für mich lange Zeit nicht als sonderlich attraktiv empfunden habe, jedenfalls dann nicht, wenn es im Vordergrund stand und die Musik dezidiert rock'n'rollig, bluesig, groovy oder tanzbar machte. Heute mag ich das alles, kann es genießen, aber es hätte mir als Jugendlichem die Tore zum Metal nicht geöffnet, weil ich allem extrem distanziert gegenüberstand, was mit Groove, Tanzen, Hüftschwung usw... im Zusammenhang steht. So sind sehr konsequent auch im normalen Heavy Metal alle meine Türöffner-Bands eher die Truppen, die mit augenfällig europäischem musikalischem Gerüst ankamen, also eher die Epiker als die Rocker, eher die Fantasy-/Sagen-Lyrik als Real Life and Social Issues, eher Neoklassisches und Folkloristisches als Blues und Swing. Wie Oliver sagt: Eher Marschrhythmik und militaristischer Approach als Jimi Hendrix und Little Richard. Es gab Zeiten, da hätte ich vielleicht im Fieberwahn sogar gesagt, dass es die höchste Zier so mancher Doom Metal, Epic Metal und Black Metal Bands ist, den Rock'n'Roll aus dem Metal genommen zu haben. Hat sich wieder verwachsen. Dazu mag ich Motörhead und Venom zu gerne... ![]() 3. Damit kommen wir dann auch schon zum letzten und vielleicht wichtigsten Punkt: Der stählernen Genealogie: Der Teutonenthrash ist viel stärker in dem Stammbaum verwurzelt, der einfach einen riesigen Teil meiner musikalischen DNA ausmacht. Den härteren Metal habe ich mit Venom, Bathory und Celtic Frost für mich entdeckt. Dann mit dem Teutonenthrash (und Slayer). Und genau diese beiden Haupteinflüsse haben im Wesentlichen das geboren, was letztlich für mich die kathartische und prägende Metalentwicklung schlechthin werden sollte. Die zweite Black-Metal-Welle made in Norway. Der Sound, die Ikonographie, die diabolische Anderweltlichkeit... das ist alles so prägend für mich gewesen, und darin spielt eben der angeschwärzte Teutonenthrash eine so unglaublich große Rolle. Das alles eingepreist, habe ich dennoch auch den US-Thrash über all die Jahre kennen, schätzen und lieben gelernt. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Ästhetischer Unterschied US/German ThrashHahaha, wieso hatte ich Dich als ersten Kommentator dazu im Kopf?
Geht mir beim Anschauen exakt wie Dir: Dass, was Oliver hier zusammenfasst, ist gelebte Geschichte. In HH gab es ein starke Metal-Szene in den Achtzigern und ich war ein bisschen drin. Auch hier sind diese Bunker und ich habe etliche Abende in ebensolchen verbracht, sei es bei Megace, sei bei Xandrill oder Asmodis. Konzerte in Jugendzentren habe ich mit Running Wild, Mania oder Helloween erlebt. Die eigene Blase mit Erosion/Black Lords und Minotaur war dar in unserer Baumschul-Gegend eher mit flauschigeren Rehearsal-Spots ausgestattet. Zumindest gab es Heizung, Kühlschrank, einmal sogar Klima. Fakt war, egal was man an dem Abend anhatte und egal wie lang man einer Probe zugesachaut hatte, sämtlich Klamotten musste danach gereinigt werden, weil man roch als hätte man die Sümpfe von Tampa durchwatet. Nun bin ich ja frühzeitig thrashtechnisch nach Übersee ausgeohrt und fand von den großen deutschen Truppen zuerst nur Destruction top. Das Trio klingt wohl am wenigsten Deutsch, was dann ja auch wieder Sinn für meine Ohren ergibt. Spannend fand ich zumeist den mystisch-okkulten Anstrich solcher Kapellen wie eben Running WIld, Minotaur oder Asmodis. Weshalb ich eher nach Übersee geschielt habe, obwohl Accept, Trance und Scorpions zu meiner musikalischen Ursuppe gehören, mag wohl daran liegen, dass ich verhältnismäßig früh mit Tapes von Drüben infiziert wurde. Während ich mit Kreator noch anfreunden konnte, war ich ja auch im heimischen zumeist eher bei Living Death, Deathrow oder Skeptik Sense unterwegs, die allesamt eher verspielt oder untypisch deutsch klangen. Die Erklärung, weshalb das so war, gibt das Video ja wunderbar wieder. Ich stand noch nie auf tumbe Rhythmik und zu viel Deutschtum. Offenabr nicht mal akustisch. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Ästhetischer Unterschied US/German ThrashIch kann mich kurz fassen hier: Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen ziehe ich den US-Speed/Thrash-Metal ganz klar vor. Deutscher Thrash war immer eine Ecke stumpfer und rumpeliger, weniger musikalisch, mehr Gebrüll und reines Geschrubbe...
668 - Neighbor of the Beast
Re: Ästhetischer Unterschied US/German Thrash
Gut, das war ja irgendwie klar, dass mich das anzieht, als jahrzehntelangen Bannerträger der schwarzen Plattenteutonik. Hat mich jetzt inspiriert, mal wieder was von Sodom aufzulegen. Am Ende noch immer meine Nummer 1 in Sachen Thrash Metal. First Love einerseits, andererseits eben auch so viel davon im frühen Norwegerstahl. Thumb finde ich die Rhythmik darin jetzt nicht, aber ja, natürlich straight as fuck. Gerade läuft aber noch die neue THE PRETTY RECKLESS. Und heute Abend geht's zu DEEP PURPLE Open Air im Klosterhof Wiblingen. Ich mag also nicht nur teutonischen Militarismus, sondern auch blues'n'roll. ![]() Ach ja, was das Video angeht, finde ich es schön, dass auf diesem Weise einem anglophonen, meist transatlantischen Publikum auch mal ausführlich eine deutsche Perspektive auf die Sache angeboten wird. Kam auch gut an, wie ich in den Kommentaren sehe. Bis auf denen einen Deppen halt, der tatsächlich meint, Oliver attestieren zu müssen, dass er schlecht Englisch spräche. Klar hört man einen deutschen Akzent, aber ich möchte einen fuckin' Rage-View-Ami aus den YT-Kommentarspalten sehen, der eine beliebige Sprache so gut spricht (Englisch inklusive, wie Alex ja schön süffisant zurückgibt: "My own English is questionable at times, and it is the only language I speak."
Jo, im Volkmund sind "stumpfer", "rumpeliger" und "weniger musikalisch" sicher Attribute, die man ziehen kann. Will ich gar nicht bestreiten oder relativieren. In meiner Welt ersetze ich die Attribute durch "inspirierter" [von Venom], "diabolischer", "bösartiger" und "verzehrender". alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Ästhetischer Unterschied US/German Thrash
Klingt irgendwie genauso richtig wie meine Zuschreibungen...! ![]() 668 - Neighbor of the Beast
Re: Ästhetischer Unterschied US/German ThrashDer gute Mann, der da so wunderbar das Englisch von Oliver benörgelt hat einen eigenen YT-Kanal, in welchem er seine eigenen Qualitäten diesbezüglich preis gibt.
Obendrein bereits sehr negativ Nebenan aufgefallen (mit Sperre). Passt man wieder alles. Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
Re: Ästhetischer Unterschied US/German Thrash
Sag ich ja. ![]() alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
Re: Ästhetischer Unterschied US/German Thrash
Absolut. Sein Logo did ring a bell... um Doro-Style zu denglischen. Wer einen Ausländer dafür kritisiert, dass er versucht in deiner Sprache mit dir zu reden, hat eh jegliche Kontrolle über alles verloren. alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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