Feuchtbiotop mit 100 Arten

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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Havoc » Sonntag 30. Januar 2011, 12:37

Teichfrosch hat geschrieben:Die Erwartungen waren gewaltig, als der quasi-Nachfolger zu den überwältigenden Alben "The Art Of Navigating By The Stars" und "Paramount" angekündigt wurde und dann endlich nach endlos wirkender Warterei erschien, und ich habe etwas gemacht was ich sonst ganz, ganz selten mache: Ich bin am Erscheinungstag in den Laden gerannt und hab das Album ungehört gekauft.


Endlos wirkender Warterei......waren doch "nur" 2 Jahre. ;-) :D
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 30. Januar 2011, 17:55

Was heißt hier "nur"??? Ich hab zuletzt die Stunden gezählt 8-)
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Mittwoch 2. Februar 2011, 13:32

Platz XXI


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Porcupine Tree - In Absentia (2002)


Zwar ein Konsensalbum bezüglich der Band, aber wohl auch einfach das beste. Zumindest im Querschnitt, ich würde nämlich zumindest momentan "Time Flies" vom neusten Werk als mein Lieblingslied bezeichnen, aber im Durchschnitt gibts hier am meisten tolle Songs auf die Ohren. Und wie toll die sind, davon durften sich große Teile des Forums schon in diversen anderen Threads überzeugen, insofern kann ich mir großes Blabla ersparen, die kennt und liebt (oder hasst) ohnehin schon jeder. Übrigens auch live sehr sehenswert, für alle, die das bisher verpasst haben. Einfach eine sympathische, technisch hochversierte Truppe mit einem genialen Mastermind als Bandleader, der aussieht wie der Prototyp eines Nerds. Hiermit ist dem genialen Steven Wilson ein zeitloses Meisterwerk gelungen, ein Album das den Namen "Klassiker" jetzt schon mehr als verdient, ein Monument, welches in jede halbwegs gut sortierte Progsammlung gehört, die auch nur den geringsten Anspruch an Aktualität stellt. Ein ganz klares Must-Have. Hätte bei mir auch locker auf Platz1 landen können (so wie viele Alben die jetzt kommen), aber ich sortiere nunmal auch danach wie oft ich bestimmte Alben zuletzt gehört habe.


Collapse Light Into Earth - was für ein Hammertrack, sphärisch, verträumt, leichtfüßig und dennoch von einer solch ernsthaft erlebten Melancholie dass es einem ans Herz geht. Zum heulen schön.

The Sound Of Muzak - etwas rockiger, ebenfalls absolut ergreifend und überwältigend mit einer Botschaft zum nachdenken.

Trains - vielleicht die Bandhymne, jedenfalls einer der bekanntesten Tracks der Band. Natürlich ebenfalls kolossal gut.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Mittwoch 2. Februar 2011, 14:11

Und weils so schön war (und das Album ohnehin jeder irgendwie kennt), jetzt direkt ein etwas unbekannteres Machwerk.


Platz XX


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Crippled Black Phoenix - A Love Of Shared Disasters (2007)


Hat sich ja schon länger angekündigt, zumindest wer zuletzt in Eikes Thread gespinkst hat durfte sich etwas in der Richtung schon zusammenreimen. Schrägie Postrock/Progrock der besonderen Art, die Band ist schon etwas besonderes. Was Musik angeht bürgt die Große Insel nunmal für Qualität, diese Band bildet da absolut nicht die Ausnahme. Wenn ich die Musik höre assoziiere ich immer den langsam verfallenden Glanz alter Zeiten, rieche den Geruch langsam verfallender Herschaftshäuser der Jahrhundertwende, wandere durch verlassene Fischerdörfer und aufgegebene Bahnstationen, nehme kaputte Aufziehblechspielzeuge in die Hand und erlebe so hautnah den Niedergang der Zivilisation. Auf der Kehrseite ist das Album dadurch auch unglaublich organisch und der Natur verbunden, denn wo sich der Mensch zurückzieht übernimmt die Wildnis, Moos wächst an Balken und Efeu umrankt Türen und Fenster, Fledermäuse nisten in ehemals prunkvollen Ballsälen und Pflanzen kämpfen sich durch den härtesten Beton. Keine Ahnung ob dieses Gefühl von der Band gewollt ist, aber für mich wird die Musik so zu einem tollen Kopfkino. Musikalisch hört man hier sowohl Tracks mit schrägem Gesang als auch lange rein instrumentelle Stücke, zurückhaltende Drums setzen ein ein sachtes Piano in Szene und umgekehrt, die Kompositionen sind gleichsam zerbrechlich und kraftvoll. Wiedereinmal, wie so oft in meiner Liste, braucht es Aufmerksamkeit, Ruhe und Geduld um sich die Musik komplett zu erschließen. Wer sich die Zeit nimmt entdeckt eines der schönsten Postrock/Experimental/Progrock Alben der letzten Jahre.


Sharks & Storms / Blizzard Of Horned Cats - der ergreifende Abschluss des Albums.

You Take The Devil Out Of Me - schräger Gesang, aber insgesamt einer der kürzesten und am direktesten eingängigen Songs des Albums.

The Whistler - sehr langes Zwischenspiel oder eigener Track? Schwer zu sagen. Dieser Song punktet unglaublich auf atmosphärischer Ebene, auch wenn musikalisch eigentlich nicht viel passiert, denn wer sich die Zeit nimmt hört viele Details im Hintergrund, während das Hauptmotiv lange Zeit nur wiederholt wird.

The Northern Cobbler - der Anfang ist total bekloppert, das ist wohl irgendein Englisch aber ich verstehe kaum was :grins: Später gleitet der Track langsam ins rein Instrumentelle und es wird traumhaft schön.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Loenz » Mittwoch 2. Februar 2011, 16:06

Die erste Platte ist Gott! Die 2 brauch ich noch!
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 2. Februar 2011, 23:42

Ne, sorry... einfach zu ruhig.


Ach ja, Porcupine Tree mag ich dagegen schon ;-)
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Eike » Donnerstag 3. Februar 2011, 02:47

'Collapse The Light Into Earth' ist der mit Abstand(!) schönste Song, den ich von PORCUPINE TREE kenne. Wäre die Band immer so gut, wäre ich Fan.

Mit 'The Northern Cobbler' haben die Musiker von CRIPPLED BLACK PHOENIX ein Gedicht von Alfred Tennyson vertont. Den Text gibt es hier.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Regina Löwenstein » Donnerstag 3. Februar 2011, 08:08

Wow, da haut der Frosch eine Granate nach der anderen raus! Porcupine Tree sind unübertroffen, und "In Absentia" wohl ihr bestes Album (auf Augenhöhe mit "Fear Of A Blank Planet"). Über Crippled Black Phoenix muss man eigentlich auch nicht viel sagen - die können was.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 3. Februar 2011, 12:44

Loenz hat geschrieben:Die 2 brauch ich noch!


Die ist auch Gott, wie vom Oberschrägie in der Resteküche des Jahrzehntsrückblicks treffend festgehalten.

Jhonny hat geschrieben:Ne, sorry... einfach zu ruhig.


Dabei sind die garnichtmal sooo ruhig, zumindest nicht über die gesamte Albumlänge. Da gibts "schlimmeres". :) Muss dir natürlich dennoch nicht gefallen.

Eike hat geschrieben:'Collapse The Light Into Earth' ist der mit Abstand(!) schönste Song, den ich von PORCUPINE TREE kenne. Wäre die Band immer so gut, wäre ich Fan.


Ich wusste garnicht dass sie den Rest der Zeit schlechter sind? :? :P Der Song fällt ein wenig aus dem Rahmen, auch wenn er grundsätzlich super zur Atmosphäre des Albums passt. Aber naja, auch ein überragender Song kann grund genug sein sich ein Album zu besorgen, nichtwahr.

Mit 'The Northern Cobbler' haben die Musiker von CRIPPLED BLACK PHOENIX ein Gedicht von Alfred Tennyson vertont. Den Text gibt es hier.


Was zum Teufel, da versteh ich ja fast genauso wenig :grins:

Regina Löwenstein hat geschrieben:Wow, da haut der Frosch eine Granate nach der anderen raus!


Auch wenn die Terminologie "Granate" bei solch zarte Albumchen (das hört sich vielleicht bescheuert an) etwas zu martialisch klingt, bei dem, was du damit sagen willst, stimme ich dir natürlich absolut zu. :subber:
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Eike » Donnerstag 3. Februar 2011, 23:19

Was zum Teufel, da versteh ich ja fast genauso wenig
Echt? Vielleicht mal mitlesen beim Hören, in die Umschrift des Dialekts muss man sich erstmal reinfinden. In den Dialekt freilich auch, aber so schwierig finde ich es dann auch wieder nicht, dass man nicht wenigstens soweit dahintersteigt, dass man mitkriegt, worum es geht. Ich finde es sehr rührend (geht kurz gesagt darum, dass er erzählt, wie er dem Alkohol verfallen war und von seiner Frau zur Rede gestellt besoffen ihr eine reinzimmerte, woraufhin sie den Glauben in ihn verlor und er am nächsten Morgen so erschrocken über sich war, dass er dem Suff abschwor und sich zur Mahnung eine große Buddel Gin in die Bude stellte, um seinen Feind täglich ins Auge starren zu müssen). Typische redemption story, aber durch den bodenständigen Dialekt wirkt sie weniger kitschig, ich finde sie sogar ziemlich anrührend.
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